Kunstvoll erziehen!

katrin_munke

Es ist ein Moment der Selbsterkenntnis: Der dreijährige Sohn sitzt auf dem Teppich des Wohnzimmers und spielt mit seinen Modellautos den Straßenverkehr nach. Völlig in sich und sein Spiel versunken, schimpft das Kind mit einem Mal: „Dieser verdammte Viot, keine Augen im Kopf!“ und lässt einen Wagen in den anderen krachen. Der Vater sitzt im Wohnzimmersessel, beobachtet die Szene und zweifelt, ob er lächeln oder schimpfen soll, weil das Kind ein Schimpfwort benutzt. Ihm ist klar, dass das Kind den Vater im realen Straßenverkehr kopiert und erkennt sich selber im Verhalten des Kindes. Es ist der Moment in dem er versteht, wie Erziehung funktioniert.

„Erziehen heißt vorleben … alles andere ist höchstens Dressur“ – besagt ein Zitat von Oswald Bumke. Jede Mutter und jeder Vater erlebt irgendwann diesen Moment, in dem sie oder er sich selber im Verhalten, der Gestik, in der Wortwahl oder dem Tonfall des Kindes wieder erkennt. Die eigentliche Kunst ist nun, diesen Moment der Selbsterkenntnis bewusst für die Erziehung zu nutzen. Es bedeutet nichts anderes, als sich eigenes Verhalten klar zu machen, das man oft vom Nachwuchs gespiegelt bekommt. Kinder ahmen das Verhalten Erwachsener nach und beobachten ihre Umgebung mehr, als es Erwachsenen bewusst ist. Deutlich wird es ganz besonders in den kleinen menschlichen Fauxpas, die uns allen zu eigen sind. So nutzt es kaum, das Kind zum Lesen zu animieren, wenn man selbst nie ein Buch zur Hand nimmt oder dem Kind die Freude am Vorlesen zeigt. Es nutzt kaum, einem Kind Freundlichkeit abzuverlangen, sofern man sie selbst nicht lebt. Auch die Art und Weise, Streitgespräche zu führen, der Umgang mit anderen Menschen bis hin zur inneren Ruhe und Ausgeglichenheit hat Auswirkung auf den Wunsch des Kindes es den Erwachsen, den Eltern und meist Vorbildern gleich zu tun. „Es gibt keine andere vernünftige Erziehung, als Vorbild zu sein, wenn es nicht anders geht, ein abschreckendes.“ wusste auch Albert Einstein. So bleibt ganz einfach festzustellen, dass Kinder ein Spiegelbild der Eltern sind.

Erziehung ist die Kunst, sich selbst und seiner Wirkung bewusst zu sein. Das auch Erziehung durch Kunst möglich ist, macht das Beispiel der Künstlerin Katrin Munke deutlich. Bei ihr wurde das Interesse am künstlerisches Arbeiten und der Musik sehr früh geweckt und bleibt Bestandteil in Ausbildung und Beruf. Ob grafische Arbeiten, Mixed Media oder textile Kunstwerke – ihre Arbeiten bestechen durch ihr Farbigkeit und Detailtreue. Der Betrachter kann sich die Werke erschließen, immer wieder neue Bildelemente entdecken und über die Stimmigkeit von Bild-, Objekt-
und Farbelementen staunen. In drei Ausstellungen hat Katrin Munde ihre Werke im Gutshaus Lichterfelde den Besuchern vorgestellt und auch beim Kunstmarkt der Generationen, der in diesem Jahr zum vierten Mal stattfindet, ist sie treuer Gast. Nicht nur die Werke zeichnen sich in ihrer Besonderheit aus, auch der Erlös aus dem Verkauf lässt so manchen aufhorchen. So spendet Katrin Munke den Erlös zu 100 % an Hilfsorganisationen – meist der UNO Flüchtlingshilfe. Ihr persönlicher Gewinn an der künstlerischen Arbeit liegt im Prozess, der Entspannung und letztlich auch dem Austausch mit ihrem Publikum. Ihr Ehemann Martin Munke, ebenfalls Lehrer, hat sich autodidaktisch das Arbeiten mit Leder angeeignet und gilt heute unter Liebhabern als Geheimtipp. Er fertigt Helme, Armstulpen, Gürtel und Rüstungen, die nicht nur durch das edle Material sondern auch durch die kunstvollen Verzierungen Bewunderung auslösen. Ein Blick genügt, um zu wissen, welch ein Zeitaufwand in diesem, gar nicht mehr üblichem, Handwerk liegt.

Zur Familie gehören zwei Kinder, die von Anfang an ihre Eltern bei der Beschäftigung mit künstlerischen Arbeiten beobachten konnten. Natürlich ist es keine unbedingte Folge, dass Kinder durch dieses Vorleben ebenso die Liebe zum Kunsthandwerk entdecken. In diesem Fall war das aber so. Insbesondere in den Ferien lieben die Kinder die von den Eltern vorgegebene Atmosphäre. Es wird gemeinschaftlich gearbeitet und gewerkelt. Der Sohn zeigt eine Neigung zu grafischen Arbeiten und beherrscht den Umgang mit Finelinern. Malte A3 Blätter mit Theaterszenen voll, die die Mutter zum Vortrag hochhalten durfte. Die Tochter zeigt eine Neigung zu Handarbeiten und verfügt schon über eine stattliche Stoffsammlung. Auch das Mangazeichnen ist eins ihrer Steckenpferde. So steht die Familie über die Kunst im Austausch, ergänzt sich durch die jeweiligen Vorlieben und Richtungen des künstlerischen Arbeitens.

Den Kindern wird weit mehr mitgegeben als handwerkliche Fähigkeiten. Sie lernen durch Vorbild einen Prozess konzentriert und in Ruhe zu Ende zu bringen. Lernen sich selbst zu beschäftigen, bekommen Einblick in die Herstellung von Gegenständen und wissen um die Wirkung von Materialien. Sie lernen die Schaffensprozesse anderer zu respektieren. Lernen den Stellenwert der Kreativität zu schätzen, die letztlich Auswirkungen auf alle Lebensbereiche hat. Sie lernen Wertschätzung gegenüber Fähigkeiten anderer. Erfahren über Lob Anerkennung oder Förderung in einem weniger gefälligem Urteil zu erkennen. Zudem wird ihnen durch die Mutter vermittelt, dass sich neben dem Eigennutzen durch Kunst anderen helfen lässt.

Natürlich ist diese Familie ein sehr deutliches Beispiel dafür, dass das Vorleben im eigenen Tun unmittelbare Auswirkungen auf die Erziehung der Kinder hat. Nicht jedem ist es gegeben künstlerisch zu Arbeiten. Doch auch durch Sport, Literatur, durch besondere Wissensgebiete, besonderer Wertschätzung gegenüber Ernährung, Interessen in speziellen Bereichen, Reisen oder schlicht durch die Beschäftigung mit dem Kind, können Eltern eigenes Interesse und Erleben mit Erziehung verbinden. Und sei es durch die Kunst, sich immer wieder ehrlich und kritisch der Selbsterkenntnis zu stellen.   

Künstlerkontakt:
Katrin Munke, Telefon 030 29 36 86 63, E-Mail: katrin_munke[at]web.de


4. Kunstmarkt der Generationen

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24. Juni 2017, 12.00 – 18.00 Uhr,
Schlosspark Lichterfelde am Hindenburgdamm 28, 12203 Berlin

Info/Kontakt: Manuela Kolinski
E-Mail kolinski[at]stadtteilzentrum-steglitz.de
Telefon 030 84 41 10 41


szs_mittelpunkt_februar-2017Ein Beitrag aus dem Magazin „Im Mittelpunkt“ Januar/Februar 2017 mit dem Leitthema „Eltern“
Das ganze Magazin kann als eBook oder interaktives Pdf heruntergeladen werden. Die gedruckte Version, einschließlich dem Einleger mit allen Veranstaltungen, bekommt man in den Einrichtungen des Stadtteilzentrum Steglitz e.V.

Wir haben Probleme!

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Es ist eine liebe Gewohnheit geworden: Ich gehöre zu den Menschen, die man morgens besser nicht ansprechen sollte. Da mir das irgendwann bewusst wurde, habe ich mir angewöhnt, morgens eine Stunde vor der Zeit aufzustehen, mir einen Kaffee zu machen und eine ganze Stunde in Ruhe damit zu verbringen wach zu werden, Kaffee zu trinken, E-Mails zu lesen und Nachrichten auf dem iPad durchzusehen. Selbst der Hund tut in dieser Stunde so, als ob er mich nicht wahrnimmt. Seit ein paar Tagen erwische ich mich dabei, dass ich, wenn ich das iPad aufklappe, bei mir denke: „Mal sehen, was er heute wieder angestellt hat“. „Er“ ist der amerikanische Präsident. Das Lesen der Nachrichten ist unangenehm geworden. Wir rutschen von einer Fassungslosigkeit in die andere. Mir geht es jedenfalls so.

Ich habe lange überlegt, ob ich überhaupt etwas dazu schreibe. Die Fülle der Nachrichten ist erschlagend, die richtige Wahl der Quellen schwierig, neutral und objektiv keine verlässlichen Attribute für Journalismus mehr. Die reinen Fakten, sofern wir welche bekommen, widerstreben hingegen allem, woran ich glaube und was meine Grundwerte darstellt. Ich bin kein Experte, was globale Zusammenhänge angeht, kein Amerika-Kenner und auch wirtschaftliche Zusammenhänge sind mir recht undurchsichtig. Trotzdem habe ich ein Gefühl für Falsch und Richtig und dieses Gefühl sagt im Moment, dass wir gewaltige Probleme haben.

Ausschlaggebend, dass ich nun doch etwas schreibe, waren meine Cousine und mein Cousin, zweiten Grades. Sie lebt in Amsterdam, er in Omaha in den Vereinigten Staaten. Sie teilte in ihrem Facebookprofil den Aufruf, den weltweiten offenen Brief an Donald Trump auf Avaat.org zu unterzeichenen und zu teilen. Der Cousin reagierte mit einem wütenden Smiley. Ich hatte schon länger bemerkt, dass er diesen unfassbaren Präsidenten befürwortet. Einmal teilte er ein Bild, auf dem in etwa stand “Wünschen wir uns, dass Donald Trump ein guter Präsident sein wird. Ihm das Gegenteil zu wünschen, wäre das gleiche, wie einem Piloten zu wünschen, dass er gegen einen Berg fliegt – in einem Flugzeug in dem wir alle Passagier sind“. Als ich fragte, warum er gewählt worden wäre, wenn alle das wüssten, antwortete er, dass er die bessere Wahl war. Später hat er das Bild gelöscht. Es ist nur eine Familie, Cousins und Cousinen aus Amerika, Niederlanden und Deutschland und dennoch wirkt, was diesen neuen Präsidenten auszeichnet: Er spaltet Menschen, Familie, Völker und Gemeinschaften und er ist erst am Anfang.

Es ist unsinnig jetzt über die „Amerikaner“ zu lamentieren. Natürlich ist er gewählter Präsident, doch wie bei jeder Wahl, stehen auch ihm die Stimmen der Gegenkandidatin und die immense Zahl der Menschen, die nicht gewählt haben, entgegen. Dazu die Stimmen derjenigen, die nun aufhorchen und ihre Wahl bereuen. Es sind keine 324 Millionen Amerikaner, die das gut heißen, was aktuell dort drüben passiert. Es ist ein Mann, der Befürworter und Trittbrettfahrer um sich scharrt und ein ganzes Land in Aufruhr bringt. Bisher tut er das mit ein paar Dekreten, die für sich selbst schon schlimm, aber noch nicht Gesetz sind. Regieren muss er erst noch und erst dann wird man sehen, wie stark diese Nation ist. Wie das Land der Möglichkeiten seine Demokratie, sein Selbstverständnis als freie Nation und Land der Einwanderer, schützt.

Meine Sorge gilt mit dem Blick über den großen Teich unserem eigenen Land. Auch wir werden im Herbst wählen und auch bei uns ist der Populismus des Herrn Trump modern und gesellschaftsfähig geworden. Und nicht nur das: Mit dem Verbleib des Herrn Höcke in seiner Partei nach seiner Rede in Dresden, hat diese Partei für mich jeglichen Anspruch verloren, eine bürgerliche Partei zu sein. Sein Nichtausschluss ist gleichbedeutend mit einer Einladung aller rechten Gesinnungsbrüder sich in den Reihen dieser Partei in scheinbarer Demokratie zu bewegen und menschenverachtende Gedanken zu verbreiten. Was daraus wird, können wir alle aktuell in Amerika verfolgen und unsere Schlüsse daraus ziehen.

Auch wir werden wählen und ich hoffe, dass sowohl die Politik als auch jeder einzelne von uns, viele Wähler mobilisieren kann. Wir dürfen dankbar sein, dass wir wählen dürfen, was in vielen Ländern nicht geht. Wir haben mit Angela Merkel und Martin Schulz Kandidaten, die – gleich, welche politischen Richtung man bevorzugt – sich beide entschieden und deutlich für eine multikulturelle Gesellschaft einsetzen. Wir haben demokratische Mittel dieser alternativlosen Partei zu zeigen, dass für sie kein Platz ist.

Jeder kann etwas tun. Es gibt schöne Beispiele dafür: Der offene Brief an Donald Trump hat aktuell fast 5 Millionen Unterzeichner, auf change.org gibt es eine Petition, die sich für ein „Einreiseverbot für Donald Trump nach Deutschland“ einsetzt, mit fast 30.000 Stimmen, in Facebook gibt es eine Gruppe, die sich #ichbinhier nennt – „eine Aktionsgruppe, die sich für eine bessere Diskussionskultur in den Sozialen Medien einsetzt. Statt Hass, Beleidigungen und Lügen wollen wir ein sachliches, konstruktives Miteinander.“ Das sind nur drei Beispiele und ich bin sicher, dass es in den nächsten Monaten immer mehr werden. Es wird Demonstrationen geben, Aktionen, Aufrufe und Veranstaltungen. Unterstützen wir sie, werden wir laut und unmissverständlich für eine offene Gesellschaft. Entwickeln wir eigene Ideen. Ich habe überlegt sozusagen die Blogparade „Schreiben gegen Rechts“, Teil II, zu starten. Ich denke, wir müssen zeigen, dass wir dieses multikulturelle Leben wollen und darin unsere Zukunft sehen. Und falls jemand denkt, dass so eine Unterschrift doch nichts bringt: Doch, tut sie, weil wir klar Stellung beziehen – immer wieder. Amerika ist so weit weg und in Wirklichkeit doch so nah! Auf twitter habe ich gelesen „Jetzt können wir endlich herausfinden, was wir anstelle unserer Großeltern getan hätten“ „Bitter …“ war ein Kommentar darunter. Ja, bitter ist was Amerika erlebt und wir an einen ähnlichen Punkt gekommen sind. Bitter … wenn wir jetzt nicht aktiv werden.

Ich möchte mein iPad aufschlagen und lesen, dass Amerika einen offenen, einigenden Präsidenten hat. Ich möchte lesen, dass Deutschland eine gute Wahl getroffen hat, die Rechten zwar hier und da gewählt wurden, sich aber selber in ihren queren Gedanken ins Nichts führen. Ich möchte gerne lesen, dass Europa seine Chance aus der Amerika-Krise verstanden hat, ein eigenes Profil hat und sich stark neben dem sogenannten „großen Bruder“ platziert hat. Ich würde gerne lesen, dass der IS in die Geschichtsbücher wandert, Kriegsregionen aufgebaut und Religionen sich mischen dürfen. Es wäre schön zu lesen, dass mein Cousin seine Wahl nicht bereuen muss. Ich würde so vieles gerne lesen – aber dazu muss ich, wie so viele andere auch – wach und aktiv sein.

Integration ist ein fortwährender Prozess

Zum 31. Januar 2017 soll die Kiriat-Bialik-Sporthalle freigezogen werden. Die letzten der ehemals 200 BewohnerInnen können in sehr wohnliche neue Unterkünfte umziehen.

Zum 31. Januar 2017 soll die Kiriat-Bialik-Sporthalle freigezogen werden. Die letzten der ehemals 200 BewohnerInnen können in sehr wohnliche neue Unterkünfte umziehen.

Es ist ruhiger geworden in den Nachrichten, was die Einreise von Geflüchteten betrifft. In diesem Winter mussten keine neuen Turnhallen beschlagnahmt werden, es kamen keine Nachrichten von Menschen, die in der Kälte vor Ämtern warten mussten und es kamen keine Spendenaufrufe, um Geflüchtete zu versorgen. Problem gelöst? Bei weitem nicht. Die Menschen, die in den Wintern 2014 und 2015 zu uns gekommen sind, sind immer noch da und noch immer haben nicht alle die Hallen verlassen. Auch kommen noch viele Menschen, wenn auch nicht in so hohen Zahlen. Trotzdem ist viel geschafft, doch lange nicht genug. Der Teil von ihnen, deren Aufnahmeverfahren weitgehend abgeschlossen sind, kann sich glücklich schätzen, aber auch sie haben erst eine Teilstrecke geschafft. Die nächste Etappe heißt Integration. Das bedeutet ankommen in einem Land in dem alles anders ist als sie es gewohnt sind. Das bedeutet von vorne anfangen und ein Leben aufbauen. Ganz alleine müssen sie das – sofern sie wollen – allerdings nicht tun: Seit Oktober 2016 gibt es das Integrationsbüro Steglitz.

Der Deutschkurs im KiJuNa – Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum

Der Deutschkurs im KiJuNa – Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum

Im März 2016 wurde dem Berliner Senat der Masterplan für Integration und Sicherheit auf Vorlage der Senatorin für Arbeit, Integration und Frauen, Dilek Kolat, vorgestellt. Dieser Masterplan sieht insbesondere acht Schritte für einen erfolgreichen Pfad zur Integration vor: Ankunft, Registrierung und Leistungsgewährung der Geflüchteten, Gesundheitsversorgung, Unterbringung und Wohnraum, Sprach- und Bildungsangebote, Integration in den Arbeitsmarkt, Sicherheit, Integrative und offene Stadtgesellschaft, Aktive Teilhabe der Geflüchteten am gesellschaftlichen und kulturellen Leben. Zur Verwirklichung dieser Schritte wurden aus dem Masterplan Gelder bereitgestellt, die die Einrichtung der Büros für Integration in den Bezirken möglich machten. Das Stadtteilzentrum Steglitz e.V. kam so in die Lage das Integrationsbüro Steglitz im Oktober 2016 zu eröffnen. Zwei neue Kolleginnen, Sabine Schwingeler und Martina Sawaneh, wurden dafür eingestellt und können sich seither unter der Leitung von Veronika Mampel, der Integration neuer Nachbarn widmen.

In der Evangelischen Gemeinde bot sich die Möglichkeit für eingesessene und neue Nachbarn gemeinsam über Flucht und Zukunft sprechen

In der Evangelischen Gemeinde bot sich die Möglichkeit für eingesessene und neue Nachbarn gemeinsam über Flucht und Zukunft sprechen

Veronika Mampel konnte diese Arbeit in gewohnter Routine übernehmen. Hier zahlt sich die Anbindung an den sozialen Träger aus, der seit vielen Jahren im Bezirk sesshaft ist und über ein großes Netzwerk von Kooperationspartnern und Beratungsstellen verfügt. Die Arbeitsbereiche der nachbarschafts- und generationsübergreifenden Arbeit, die Koordination der ehrenamtlichen Arbeit sowie alle Angelegenheiten im Bereich der Flüchtlingsarbeit betreut sie von Anbeginn und sie weiß, was zu tun ist. So bestimmt sie auch für die Arbeit des Integrationsbüros drei vornehmliche Bereiche – Wohnen, Bildung und Arbeit – die für eine gelungene Integration von Menschen mit Migrationshintersgrund wichtig sind. Unter diese drei Bereiche fallen fast alle Dinge, die für Familien oder Einzelpersonen elementar sind, wenn sie bei uns ein neues Leben beginnen wollen oder auch, wenn sie schon länger hier leben, aber an bestimmten Hürden nicht weiter kommen. Darüberhinaus werden auch Kultur- und Freizeitangebote vermittelt sowie Veranstaltungen organisiert. Braucht ein Kind beispielsweise Ausgleich im Freizeitsport, wird ein geeigneter Verein gesucht oder gemeinsame Nachmittage mit gemeinsamen Kochen, Essen, Tanz und Musik laden zu Entspannung und Austausch ein. Integration gelingt jedoch nur, wenn alle Beteiligten eingebunden sind. So steht das Büro auch allen Einheimischen offen, die Angebote in ehrenamtlicher Hinsicht machen möchten oder einfach nur Fragen zum Thema haben. So integriert sich diese Arbeit in die Arbeit des Trägers und seiner Einrichtungen, die Menschen aller Altersgruppen einschließen.

Zum gemeinschaftlichen Kochen müssen sich die Frauen künftig extra verabreden. Das Gemeinschaftsleben in der Halle geht dem Ende entgegen.

Zum gemeinschaftlichen Kochen müssen sich die Frauen künftig extra verabreden. Das Gemeinschaftsleben in der Halle geht dem Ende entgegen.

„Wir müssen den Menschen, die zu uns kommen, das Gefühl geben, dass sie bei uns Respekt und Zeit für ihre Person und Anliegen finden,“ sagt Veronika Mampel. „trotzdem verstehen wir uns lediglich als Begleitung und Stärkung. Die Selbstachtung der Hilfesuchenden muss in jedem Fall gewahrt bleiben und es dauert auch seine Zeit bis das Vertrauen aufgebaut ist.“ Sie fügt hinzu, dass umgekehrt auch die Hilfesuchenden sich einbringen und gewisse Regeln befolgen müssen. Dazu gehört es, Termine einzuhalten, gemeinsam getroffene Absprachen zu halten und, wo erforderlich, benötigte Papiere tatsächlich zu beschaffen. Das Integrationsbüro engagiert sich, wo Kenntnisse in deutschen Systemen erforderlich sind, enthebt die Hilfesuchenden jedoch nicht ihres Eigenanteils zum Ziel des Begehrens. Dazu gehört auch Perspektiven aufzuzeigen sowie Zusammenhänge deutlich zu machen. Sprachvermögen, eigene Bildung und die der Kinder, Arbeit und Wohnung … alle Bereiche spielen unmittelbar ineinander und müssen zusammenhängend bearbeitet werden. Geduld wird in allen Bereichen, besonders im Antragswesen, sowohl von den zu integrierenden Menschen wie auch von den Mitarbeitenden des Integrationsbüros, gefordert.

Routine ist ein Begriff, der nicht mit der Arbeit des Integrationsbüros zu vereinen ist. Diese Feststellung haben Sabine Schwingeler und Martina Sawaneh nach vier Monaten Arbeit im Büro gemacht. Natürlich gebe es ein Grundmuster, was die Menschen brauchen und suchen, dennoch ist jeder Fall anders, fordert andere Vorgehensweisen und stützt sich auf andere Grundbedingungen. Auch sie bekräftigen, dass Vertrauen eine sehr wichtige Voraussetzung für gelungene Arbeit ist, da die ersten Erfahrungen mit Ämtern und Büros bei diesen Menschen nicht unbedingt positiv besetzt sind. Erschwerend kommt hinzu, dass Menschen aus anderen Ländern und Kulturen ein völlig anderes Verständnis für Bürokratie mitbringen. Selbst der alteingesessene Bürger bei uns klagt über die teils schwerfällige deutsche Bürokratie, wie geht es da erst einem Menschen, der Bürokratie wie unsere überhaupt nicht kennt. Wird bei uns von Geburt an alles belegt und mit Zeugnissen besiegelt, zählt in anderen Ländern eher die Erzählung und Tat. Will ein Mann beispielsweise Bäcker werden, fängt er bei einem Bäcker, der ihn braucht, an zu arbeiten und wird Bäcker. Bei uns ist niemand Bäcker, der nicht einen Gesellenbrief vorweisen und somit eine Ausbildung nachweisen kann. Wie bringe ich nun einen Bäcker aus einem fremden Land hier in Lohn und Brot? Jedenfalls kaum als Bäcker. Trotz der Hürden konnte schon eine Arbeitsstelle, eine Ausbildung, drei Maßnahmen mit Übernahmegarantie und zwei Wohnungen vermittelt werden. Viele andere Vermittlungen sind in Arbeit. Die persönliche Freude der Menschen über diese Erfolge sind immer wieder Antrieb und Motor.

Auch das Spielzimmer, der eigentliche Geräteraum der Sporthalle, wird in Kürze seiner ursprünglichen Funktion zurückgegeben.

Auch das Spielzimmer, der eigentliche Geräteraum der Sporthalle, wird in Kürze seiner ursprünglichen Funktion zurückgegeben.

Der unterschiedliche kulturelle Hintergrund spielt für die Arbeit des Integrationsbüros zudem eine wichtige Rolle. Sabine Schwingeler und Martina Sawaneh müssen ihrer Klientel deutlich machen, dass es ohne Bürokratie nicht geht und gleichzeitig die Funktions- und Wirkungsweise verständlich machen. Unerlässlich ist dabei der persönliche Kontakt. Natürlich gibt es einen schönen Flyer, der gut erklärt, was jeder im Integrationsbüro zu erwarten hat. Kontakt entsteht jedoch meist durch Empfehlungen. Viele Hilfesuchenden kamen über die Jobbörse für Geflüchtete, die im letzten November im Rathaus Zehlendorf im Rahmen des Interkulturellen Dialogs stattfand. Dort konnten sich die Mitarbeiterinnen bekannt machen und dem Büro ein Gesicht geben. Die Menschen, denen geholfen werden konnte, empfehlen das Büro nun weiter und so stellen sich immer mehr Menschen vor. Hin und wieder kommen auch Menschen aus anderen Bezirken, denen sie nicht weiter helfen können und sie an andere Stellen in ihren Bezirken verweisen müssen. Eine berlinweite Übersicht über Integrationsbüros gibt es derzeit noch nicht.

Beide Frauen geben zu bedenken, dass an Integration bei uns sehr hohe Erwartungen geknüpft sind. Man kann Menschen, die schon einen langen Weg hinter sich gebracht haben, nicht von Heute auf Morgen eine Kulturkappe überstülpen und erwarten, dass alles auf Anhieb klappt. Integration ist der Prozess den Alltag in einem fremden Land zu bewältigen. Dieser Prozess fängt bei der Sprache an und mündet in die aktive Teilhabe an unserem gesellschaftlichen Leben. Integration ist keine Einbahnstraße, die nur von den Geflüchteten und Menschen mit Migrationshintergrund bewältigt werden kann. Diese Menschen müssen auf eine Gesellschaft treffen, die sich öffnet und sie willkommen heißt … hier gibt es keine Etappenziele … Integration ist ein fortwährender Prozess.

Veronika Mampel fügt insbesondere einen wichtigen Wunsch an: Als besondere Schwierigkeit hat sich die Wohnungssuche für die Menschen ergeben, die hier unbedingt Fuss fassen möchten. Dabei werden Wohnungen für alleinstehende Erwachsene und für teils große Familien gesucht. Manchmal hilft auch ein Zimmer, dass untervermietet werden kann. Das Integrationsbüro ist jedem dankbar, der hier einen entscheidenden Tipp geben kann oder selber geeigneten Wohnraum anbieten kann. Denn dann kann Integration tatsächlich mit neuen und alten Nachbarn stattfinden und so uns alle bereichern!

 

Veronika Mampel
Leitung des Integrationsbüros
E-Mail: integrationsbuero@sz-s.de

Nachbarschafts- + generationsübergreifende
Arbeit, Koordination Flüchtlingsarbeit + Ehrenamt
E-Mail v.mampel@sz-s.de, Telefon 0173 2 34 46 44
Termine nach Vereinbarung

Kontakt & Terminvereinbarung:

Sabine Schwingeler, Telefon 0172 7 93 36 10
Martina Sawaneh, Telefon 0172 7 93 36 70

Öffnungszeiten
Montag, Mittwoch, Freitag, 10.00 – 16.00 Uhr
Dienstag + Donnerstag, 10.00 – 18.00 Uhr

Integrationsbüro Steglitz
Lankwitzer Straße 13 – 17, Haus G, Tor 3,
12209 Berlin

Perspektivwechsel

game-characters-pixabay

Jeder, ausnahmslos jeder, hat es früher gedacht: „Wenn ich groß bin, erziehe ich meine Kinder einmal ganz anders!“ Der Grund lag meistens darin, dass man sich von Mutter oder Vater ungerecht behandelt fühlte, etwas nicht durfte oder nicht bekam. Nur kam man aus seinem „kleinem“ Dilemma nicht heraus. Musste sich fügen und fand ganze die Welt ungerecht. Viele Jahre später – man ist inzwischen erwachsen geworden und hat eventuell eigene Kinder – stellt man an gewissen Punkten fest, dass die Eltern mit ihrer Erziehung gar nicht so verkehrt gelegen haben. Man erkennt den Sinn mancher Regeln, Grundsätze, Verbote und Gebote und gesteht sich leise ein, das ein oder andere nun doch, genau so, wie die Eltern zu handhaben. In manchen Punkten zumindest, denn auch Erziehung muss sich wandeln und den zeitlichen Gegebenheiten anpassen.

Fühlt sich ein kleiner Mensch in Kindertagen, im Idealfall, von seinen Eltern beschützt und begleitet, will sich der etwas größere Mensch in der Jugend gerade von eben diesen, oft mit Protest, abgrenzen. Die Eltern verlieren ihre Vorbildfunktion und das eigene Profil will gefunden werden. Hat er die Abgrenzung geschafft, genießt er ein paar Jahre erwachsene Freiheit um eines Tages festzustellen, dass er nun selber die Seite wechseln muss und in die Rolle des Erziehenden rutscht. Vorbereitet ist kaum einer wirklich, da Elternwerden weder zur Allgemein- noch zur Schulbildung gehört. In der Euphorie des Elternwerdens, wird oft vergessen, wie der Alltag mit Kind wirklich aussieht, welche Kraftreserven hin und wieder gefordert werden und man auf Jahre hinaus oft auf manche Freiheiten verzichten muss. Dabei wäre eine etwas nüchterne Betrachtungsweise hilfreich. Junge Eltern sollten früh wissen, nicht perfekt sein zu müssen und Hilfe beanspruchen eher ein Zeichen von Stärke ist. Die Idealfamilie, immer entspannte Eltern, einen problemlosen Alltag mit Kind gibt es nicht.

Ratgeber für Eltern gibt es zahlreich. In Buchform oder Internetseiten zu allen Themen die Eltern bewegen. Nur wird dort oft erst gesucht, wenn ein Problem schon gegeben ist. Ratgeber in Form von Älteren, die die Erziehung hinter sich gelassen haben, oft eine Rückschau der eigenen Erlebnisse geben und weniger den objektiven Blick auf das Problem legen. Soziale Einrichtungen, Ämter und Selbsthilfegruppen bieten Hilfe, was voraussetzt, sich ein Problem vor Fremden einzugestehen. Es ist nicht leicht, in der Realität der Elternwelt anzukommen und festzustellen, dass die Bilderbuch-Familie nur in den wettbewerbsfähigen Müttergesprächen auf dem Spielplatz oder auf der Mattscheibe besteht.

Der beste Ratgeber von allen ist und bleibt das eigene Bauchgefühl und der ehrliche Umgang mit sich selber. Was dem Kind nicht möglich ist, kann der Erwachsene bewusst für seine Erziehung nutzen. Das Kind kann nicht in die Zukunft blicken oder sich die Gedankenwelt der Eltern vorstellen. Der Erwachsene hingegen ist in der Lage zurückzublicken und die Aussage „Wenn ich groß bin, erziehe ich meine Kinder einmal ganz anders!“ für sich umzukehren. Was wollten wir damals anders machen? Was hat uns an den Eltern gestört und was hätten wir uns gewünscht. Der Trick ist, sich auf die Augenhöhe des Kindes zu begeben, die Perspektive zu wechseln und versuchen zu verstehen, wie unsere Vorgaben auf das Kind wirken. Wir können die Perspektive wechseln – das Kind nicht.

Am Beispiel erklärt: Die Kinder kommen nach Hause, schmeißen die Jacken auf die Haken und die Schuhe verlassen die Füße dort, wo sie gerade sind. Die Mutter kommt nach Hause, vollzieht einen Balanceakt, bis sie erst einmal an den Kleiderhaken ankommt, um dann ihre Schuhe akkurat in das leere Schuhregal zu stellen. Dicke Luft ist im Haus. Die Mutter ärgert das Chaos, die Kinder verziehen das Gesicht – wäre doch noch Platz für weitere Schuhpaare in dem Flur gewesen. Viele Jahre später trägt eins der Schuhchaos-Kinder das Enkelkind nachts im Dunkel die Treppe herunter. Auf der vorletzten Stufe stolpert es über ein Paar Schuhe. Im Bemühen, das Enkelkind zu schützen, zieht es sich eine schmerzende Zerrung zu – und die Erkenntnis, dass es der Mutter damals nicht um das Chaos, sondern um dem sicheren Weg durch den Flur ging. Natürlich ist die Erkenntnis kein Heilmittel gegen Schuhchaos, aber doch die Möglichkeit, dem Kind zu erklären, warum man Ordnung im Flur möchte und kein Schuh mitten im Gehweg stehen sollte.

Noch ein Beispiel: Der Vater arbeitet, zuhause und im Büro – immer. Das Kind möchte ihm erzählen, was es erlebt hat, was es für Sorgen hat und seine Meinung hören. Der Vater sagt: „Jetzt nicht!“ Das ist es immer, was das Kind hört und das „Jetzt nicht!“ prägt sich dem Kind ein. Es weiß nichts von dem Bemühen des Vaters gute Arbeit zu machen um die Existenzgrundlage der Familie zu sichern. Es weiß nichts vom Zeitdruck, dem der Vater unterliegt oder von den Hindernissen, die der Vater bewältigen muss. Hier wäre es besser, der Vater würde sich die Zeit nehmen, dem Kind zu erklären, was es mit dem Arbeiten auf sich hat und feste Gesprächszeiten mit dem Kind aushandeln. Der Vater kann sich in die Bedürfnisse des Kindes hineindenken. Das Kind in die des Vaters nicht.

Diesen Perspektivwechsel können wir für alle Bereichen, die uns Eltern wichtig sind, durchdenken. Kinder verstehen nicht erst, wenn sie erwachsen werden. Sie verstehen durchaus, kindgerecht erklärt, sehr früh, was die Eltern bewegt. Wie verhält es sich mit Anstand und Höflichkeit, Gehorsam und Gefahr, Lob und Tadel, Pflichten und Privilegien? Was hat uns an unseren Eltern gestört? Was machen wir bewusst anders und in wie vielen Bereichen geben wir ihnen – aus der heutigen Perspektive – recht? Voraussetzung ist immer, das wir bereit sind unser Familienmodel nicht als hierarchisches Gebilde, sondern als Lebensgemeinschaft mit gleichberechtigten Partnern zu sehen. Bereit sind die ehrliche Mitsprache von Kindern zuzulassen und eine Position von oben vermeiden. Regeln, Grundsätze, Verbote und Gebote lassen sich mit Kindern aushandeln.

Nicht zu vergessen ist, dass die heutige Rolle der Eltern einem Wandel unterlegen ist. Waren Eltern in früheren Zeiten meist das bestimmende Vorbild, oder eben das Gegenteil dessen, spielen heute viele andere Erziehungsfaktoren eine entscheidende Rolle. Der Einfluss der technischen Möglichkeiten und Medien beeinflusst nicht nur die Berufswelt, auch das Privatleben ist in allen Bereichen betroffen. Kinder und Jugendliche unterliegen viel früher fremden Einflüssen, die sowohl meinungsbildend als auch erzieherisch wirken. Umso erforderlicher ist es, mit den eigenen Kindern und Jugendlichen immer im Gespräch zu bleiben. Nur im Gespräch erfahren wir, was den Nachwuchs bewegt und beschäftigt. Erziehen ist heute weit mehr als gebieten und verbieten und der Erfolg hängt unter anderem von der Ehrlichkeit uns selbst gegenüber ab. Das entgegenkommende Gespräch und echte Interesse an seiner Erlebniswelt ermöglicht es uns, den Faden zu Kind und Jugend nicht zu verlieren.

Klar ist: Auch wenn wir uns auf Augenhöhe der Kinder bewegen, die Perspektive wechseln und unsere Kinder als Partner sehen, sind wir, die Erwachsen, diejenigen, die die Geschicke vorgeben. Wir bestimmen das Maß in dem wir uns auf unsere Kinder einlassen, die Zeit, die wir ihnen heute widmen und die Intensität, die unser Verhältnis bestimmt. Den Satz „Wenn ich groß bin, erziehe ich meine Kinder einmal ganz anders!“ denken unsere Kinder trotzdem wie wir damals. Denn ebenso ist klar – auch wir sind „nur“ Mensch und mit Fehlern behaftet – aber auch das können wir unseren Kindern erklären.

 

Das Thema „Eltern“ steht im Mittelpunkt des nächsten Magazins des Stadtteilzentrums. Dort sind Beiträge aus dem Bereich des Schulsozialarbeit, Beiträge über junge oder kunstvolle Eltern sowie Beiträge aus der Arbeit mit unbegleiteten Flüchtlingen zu finden.

Ohne Headline …

Foto: Pixabay

Kürzlich fiel mir auf, dass ich jedes Mal, wenn ich länger über etwas nachdenke, dem Thema meiner Gedanken sehr schnell eine Headline gebe. Es ist so, als wenn ich in meinem Kopf einen Beitrag schreibe. Vermutlich färbt mein Beruf oder auch das Blogschreiben ab. In den letzten Wochen las oder hörte ich viele Zusammenfassungen des aktuellen Jahres und musste über mein persönliches Jahr 2016 nachdenken. Nur dafür – so sehr ich mich auch bemühe – finde ich keine Headline. Viele unterschiedliche  Begebenheiten haben dieses Jahr geprägt, viele unterschiedliche Menschen haben eine entscheidende Rolle gespielt und viele Dinge haben erst begonnen, müssen weiterverfolgt oder beendet werden. Das Jahr lässt sich in Subheadlines ausdrücken, die entscheidend waren und mir lange im Gedächtnis bleiben werden:

Die Blogparade – Schreiben gegen Rechts
Ich bin kein mutiger Mensch, fasste im Februar dennoch Mut und veröffentlichte den Aufruf „Schreiben gegen Rechts!“ und lud zur Blogparade ein. Ich hatte gehofft, vielleicht um die zehn Beiträge zusammen zu bekommen, was für mich als Erfolg verbucht worden wäre. Es wurden tatsächlich weit über 80 teilnehmende Beiträge und es wurde unglaublich viel kommentiert. Daraus ist ein eBook entstanden (mein erster Versuch mit diesem Format), es sind neue wertvolle Kontakte entstanden und ähnlich wie bei meinem Beitrag über die Bundeswehr 2014, bekam ich wieder einen Eindruck, was Internet tatsächlich bedeutet. Die Blogparade hat mich bis in den April sehr beschäftigt. Ganz besonders aber bekam ich das Gefühl, mit meiner Einstellung für Offenheit und Toleranz bei weitem nicht alleine zu sein, und dass jedes geschriebene und gesprochene Wort, für Empathie und Miteinander über Grenzen hinweg, ein wertvolles Wort ist … jedes einzelne die richtige Antwort auf rechte Parolen. Das Emblem der Blogparade bleibt in der linken Seitenleiste des Blogs und ich werde auch künftig jede Gelegenheit ergreifen mich für meine Überzeugung zu äußern. Denn nur wenn wir das tun, können wir andere zu nachdenken anregen und Schweigen beenden. Die Solidarität, die sich in allen Beiträgen zeigte hat mich tief beeindruckt und ich bin jedem einzelnen dafür sehr dankbar.

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne
Herrmann Hesse drück sehr gut aus, was es für mich bedeutete, mich nach 13 Jahren von meiner geliebten Stadtteilzeitung trennen zu müssen. Der Vehemenz und dem Wunsch meines Chefs nach einem neuen Format der Öffentlichkeitsarbeit machte es erforderlich, mich mit der Erstellung von eBooks und einem Magazin zu beschäftigen. Ich gebe zu, dass ich mich anfangs schwer tat, aber glücklicherweise lasse ich mich gerne von Herausforderungen begeistern. So erschien im April die letzte von 131 Stadtteilzeitungen, die an meinem Computer entstanden und am 1. Mai das erste Magazin „Im Mittelpunkt“ als gedrucktes Heft und als eBook. Zähneknirschend, aber gerne und mit einem Lächeln, muss ich zugeben, dass der Wechsel von Zeitung zu Magazin zeitgemäß und erforderlich war. Durch das Magazin können wir im Sinne der sozialen Arbeit viel spezifischer arbeiten. Das eBook-Format bietet Möglichkeiten, die wir noch lange nicht ausgeschöpft haben. … Und schließlich – der Moment in dem der iTunes-Store meldete, dass er das Magazin veröffentlichte … großartig! 😃

Erst die Fremde lehrt uns, …
ist der erste Teil des Spruchs von Theodor Fontane, der uns in diesem Jahr nach Prag und nach Kreta führte. Die schönen Tage in Prag hatte ich in einem Beitrag beschrieben. In Erinnerung blieb vor allen Dingen die schöne Architektur der Stadt, und die schöne Zeit mit meinem besten Freund und Ehemann. Diese Städtereise lässt uns weitere Ziele planen, da die Kinder so langsam ihre eigenen Wege gehen. Auf Kreta haben wir zwei wunderschöne Wochen verbracht, denn wir mussten zuhause ausziehen. Darüber konnte ich aus Zeitmangel nicht mehr schreiben. In Erinnerung sind entspannte, freundliche Menschen, ein wirklich schöner, sauberer Strand, eine bunte Vegetation und traumhafte Landschaftsbilder. Wir fahren sicherlich noch einmal dorthin.

… was wir an der Heimat haben …
sagt der zweite Teil des Spruchs. 2016 haben wir uns einen langen Wunsch erfüllt und unser Haus kernsaniert und angebaut. In den zwei Wochen Kreta-Urlaub wurden unsere Bäder neu gemacht. Im März hatte mein Mann die ersten Holzpaneele herausgerissen und Ende September kamen die Handwerker zum letzten Mal. Ich bin oft in meinem Leben umgezogen. Jeder Umzug ist einfacher als ein Haus umzubauen und währenddessen darin wohnen zu bleiben. Wir konnten das Wort „Staub“ nicht mehr hören, noch mochten wir ihn spüren. Es war oft schwierig und hat uns viel Geduld abverlangt. Die Firma, die den Umbau durchführte, war in jeder Hinsicht klasse. Sie haben nicht umgebaut, sondern mitgedacht, beraten und letztlich wirklich gut umgesetzt. Auch haben alle Nachbarn in irgendeiner Weise geholfen. Die einen hüteten den Hund, die anderen halfen Bauschutt zu entsorgen, passten auf oder übten sich in großer Geduld, wenn auch am Wochenende gebohrt wurde. Spätestens als wir einrichten konnten und nicht mehr von Zimmer zu Zimmer umziehen mussten, wurde uns klar, was wir über Jahre gesammelt hatten und nutzen die Gelegenheit ohne Ende auszumisten. Wir haben immer noch nicht alle Zimmer durch sortiert und fertig, aber wir genießen ein helles und schönes Haus. Mit diesem Umbau ist endgültig klar, dass wir „Zuhause“ angekommen sind, was für ein Bundeswehrkind und einen Berufssoldaten schon eine tiefe Bedeutung hat.

Ein Reich ist leicht zu regieren, eine Familie schwer
… sagt ein Sprichwort. Dieses Jahr hat gezeigt, dass man sich nie zu sicher sein sollte, wie die Familiengeschicke laufen. Der Herr Schmidt ist Pensionär und doch nicht mehr. Was als Urlaubsvertretung im Rahmen einer Wehrübung anfänglich gedacht war, entwickelte sich als durchgehenden Dienst. Die Wehrübung, die im April begann wurde verlängert und verlängert, und wird auch das nächste Jahr ausfüllen. Der pensionierte Berufssoldat erfüllt seinen Dienst im alten Büro. Zuhause trauen wir uns wieder eine Kaffeetasse einfach so stehen zulassen … die straffe Haushaltsorganisation des Familienoberhauptes hat eine Pause. 😉

Ich spreche hier meistens von zwei Töchtern, was so aber nicht ganz stimmt. Wenn ich von ihnen erzähle meine ich die gemeinsamen Töchter. Die älteste Tochter, die dritte, stammt aus der ersten Ehe meines Mannes. Ihr Lebensweg war lange nicht der unsere und getrennt, was sich in den letzten zwei Jahren aber ändert und eine schöne Entwicklung nimmt. Im Sommer hat sie nun geheiratet und wir freuen uns über immer größere Nähe. Dafür hat die zweite Tochter, die erste gemeinsame, beschlossen, ihre Mutter etwas leiden zu lassen und verbringt immer mehr Zeit bei ihrem Freund. Es ist nicht leicht, auch wenn man immer weiß, dass es so kommen wird, das Kind gehen zu lassen. Im gleichen Maß wie ich „leide“ freue ich mich aber mein Kind glücklich mit ihrem lieben Freund zu sehen. Glücklich über die häufige Abwesenheit der mittleren Tochter ist ganz besonders die Jüngste, die entspannt den Einzelkindstatus genießt.

Der Tod, die Nachrichten und viele Ereignisse …
Das dieses Jahr vielen neuen Idole Platz gemacht hat, musste letztendlich auch ich zugeben. Viele Kindheitshelden und Vorbilder sind gegangen. Ich stelle mir die Party im Himmel vor … es muss ein großartiges Fest sein. Auch unsere Familie musste den Tod eines Mitgliedes erleben. Mein Onkel Fridolin Hablitzel hat mit 94 Jahren beschlossen, dass er seinen Weg auf der Erde beendet. Dieser Tod war von Bedauern, aber nicht von Traurigkeit begleitet. Wir wissen, dass er Traurigkeit nicht gewollt hätte, er hatte schon lange gesagt, dass sein Soll erfüllt ist und wir werden uns immer an einen besonderen Mann und sein Lachen erinnern. Ich durfte meine ersten vier Berufsjahre in seiner Werbeagentur lernen – Lehrjahre, die mein Berufsleben prägten, wofür ich noch heute dankbar bin.

Mit Sorge betrachtete ich über das ganze Jahr die Nachrichten, die uns alle bewegten. Besonders der Krieg in Syrien, Attentate und immer stärkere rechte Tendenzen in allen Ländern. Die Wahl des neuen amerikanischen Präsidenten lähmte mich etwa 14 Tage lang und ich war in gewisser Weise unglücklich und dankbar zugleich, dass ich in den letzten Monaten kaum Zeit fand für meinen Blog zu schreiben oder in befreundeten Blogs zu lesen. Ich verstehe die Empathielosigkeit vieler Menschen und den Nationalismus der Länder nicht. Je größer mein Unverständnis wird, desto größer wird mein Wunsch rechten Tendenzen Widerstand zu leisten.

Neben dem, was wir wie oben beschrieben erlebten, passierten in diesem Jahr viele Ereignisse, die schöne Erinnerungen hinterlassen. Seit meiner Jugend bin ich das erste Mal wieder auf eine Demo gegangen, die Menschenkette gegen rechts, in sehr netter Begleitung. Wir durften den 3. Kunstmarkt der Generationen organisieren und ausrichten und ich freue mich sehr auf den 4. Markt. Im Juni lud meine Mutter zu einem Familienfest ein – wie dankbar bin ich ein Teil dieser großen, bunten und multinationalen Familie zu sein. In diesem Jahr durfte ich bis in den Dezember immer wieder Menschen kennenlernen, die mich sehr beeindruckt haben und ich hoffe, dass ich einige dieser Kontakte vertiefen und festigen kann. Bestehende lange Kontakte haben sich sehr positiv verändert und ich fand die Kraft, mich von einigen wenigen zu trennen – auch das gehört dazu.

Es war ein sehr intensives Jahr, in dem eins nicht dazu gehörte und das war Ruhe!

Da ich auch viel über das Älter werden nachdachte und schlicht feststellen kann, wie wohl ich mich mit meinen Lebensjahren fühle, möchte ich zum Schluss das vollständige Gedicht „Stufen“ von Herrmann Hesse anführen, von dem ich mich sehr angesprochen fühle. Ich wünsche allen, die das hier lesen ein wunderbares neues Jahr, besonders Gesundheit und jeden Tag ein Lächeln. Ich bin neugierig auf 2017, es darf ein bisschen ruhiger als 2016 sein … aber wenn ich ehrlich bin … ich kenne mich und meine Ideen … es wird nie langweilig werden! 😃 Vielleicht gibt’s 2017 dann eine Headline … seid herzlich gegrüßt!

Stufen

Wie jede Blüte welkt und jede Jugend
Dem Alter weicht, blüht jede Lebensstufe,
Blüht jede Weisheit auch und jede Tugend
Zu ihrer Zeit und darf nicht ewig dauern.
Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
Bereit zum Abschied sein und Neubeginne,
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
In andre, neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.

Wir sollen heiter Raum um Raum durchschreiten,
An keinem wie an einer Heimat hängen,
Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen,
Er will uns Stuf‘ um Stufe heben, weiten.
Kaum sind wir heimisch einem Lebenskreise
Und traulich eingewohnt, so droht Erschlaffen,
Nur wer bereit zu Aufbruch ist und Reise,
Mag lähmender Gewöhnung sich entraffen.

Es wird vielleicht auch noch die Todesstunde
Uns neuen Räumen jung entgegen senden,
Des Lebens Ruf an uns wird niemals enden…
Wohlan denn, Herz, nimm Abschied und gesunde!

Hermann Hesse

Randbegegnung

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Johannes Mirus und Sascha Foerster (links und rechts) – Bonn.digital – und Hendrik Epe in der Mitte

Ich gebe es gerne zu: Ich gehöre zu den Facebook-Nutzern, die nicht alle „Freunde“ in ihrer Freundesliste persönlich kennen. Es sind einige dabei, die ich im Kontext meiner Arbeit, des Bloggens oder durch andere Aktivitäten virtuell kennen und schätzen gelernt habe. Hin und wieder ergibt sich die Gelegenheit einmal einen solchen Kontakt persönlich kennenzulernen, was bisher immer ein Gewinn war. Solch eine Gelegenheit bot sich, als Sabine Depew über ihr Facebookprofil zum Barcamp „Sozial wird digital“ in Bonn eingeladen hatte. Bei den Wörtern „Sozial“ und „digital“ bekomme ich immer spitze Ohren und dies damit in Verbindung gesetzt, einen Facebookkontakt persönlich kennenzulernen, konnte nur bedeuten, dass ich mich anmelden wollte. Kurze Rücksprache mit dem Chef gehalten und Anna Schmidt war angemeldet. Etwas später zeigte sich, dass ich sogar zwei, bisher digitale, Kontakte persönlich kennenlernen würde. Auch Hendrik Epe hatte sich angemeldet, den ich bisher insbesondere über seinen Blog Ideenquadrat kannte. Sabine kannte ich über ihre Blogs Reisekladde und Zeitzuteilen.

Auf dem Weg zum Barcamp, und das gebe ich auch gerne zu, war ich unsicher, ob ich dort überhaupt am richtigen Platz sein würde. Zwar arbeite ich für einen sozialen Träger, habe aber keine Ausbildung, die irgend etwas soziales an sich hat. Meine Aufgabe ist es über die soziale Arbeit der KollegInnen zu berichten und dies gedruckt und digital der Welt mitzuteilen. Natürlich konnte ich über die Jahre einen guten Überblick darüber gewinnen, in welchem Ausmaß die Digitalisierung bei unserer Arbeit eine Rolle spielt. Also setzte ich mutig meinen Weg fort, kam an und fühlte mich ziemlich schnell willkommen. Die virtuellen Freunde stellten sich auch in echt als sehr sympathisch heraus und so konnte das Barcamp mit guter Laune beginnen.

Ein Barcamp ist kurz erklärt eine Zusammenkunft interessierter Menschen unter einem Leitthema. Außer dem Leitthema sind kommende Inhalte offen. Jeder, der über einen Aspekt dieses Leitthema sprechen möchte, stellt seinen Vorschlag vor. Die Vorschläge werden auf einer Tafel gesammelt auf Räume und Stunden verteilt. So kann sich jeder Teilnehmer heraussuchen, welches Unterthema ihn interessiert und er besuchen möchte. Die Wahl der Themen, was viele sicherlich bestätigen werden, war ob der Vielfältigkeit schwer, doch musste sie getroffen werden. Dennoch bestand die Möglichkeit auch während eines Gespräches oder Vortrags die Räume zu wechseln. So stellte sich jeder Teilnehmer seinen eigenen inhaltlichen „Fahrplan“ zusammen. Eine weitere Besonderheit gegenüber gewohnten Seminaren oder Workshops ist, dass man schon während des Barcamps die Welt teilhaben lässt, also über die sozialen Medien weitgehend live mitteilt, was man gerade erlebt, bespricht oder hört … so wurde über den Hashtag #sozialcamp fleißig gepostet oder getwittert. … Und es wurde später sehr viel darüber geschrieben – kurz gesagt, es war ein großer Erfolg und Gewinn für alle Teilnehmer … ein paar Links findet ihr am Ende.

Am Abend des ersten Tages waren alle zum Essen verabredet. Vorher wurde zu einer Führung durch das Bonner Regierungsviertel eingeladen. Da ich das aus den vielen Jahren, die ich dort gewohnt hatte kannte, ging ich nicht mit. Ich ging etwas früher in das Lokal. Dort saßen schon zwei Teilnehmer mit denen ich ins Gespräch kam. Bei dem einen zeigte sich recht bald, was er beruflich machte und so fragte ich den zweiten nach einer Weile, aus welchem Grund er an dem Barcamp teilnehmen würde. Er sagte kurz, er sei Autist. Ich denke, wenn man mich gefilmt hätte, hätte man gesehen, wie es in meinem Kopf arbeitet. Ich fragte unbeholfen nach und er klärte mich auf: Sein Name ist Aleksander Knauerhase und er sei Botschafter in eigener Sache. Er reist in ganz Deutschland herum und hält Vorträge über Autismus aus Sicht eines Autisten. Nun muss man wissen, dass ich noch nie einen Kontakt mit einem Autisten direkt hatte und mein Wissen darüber mehr als dürftig zu bezeichnen war. Was ich aber in der Folge erlebte, war ein Mann, der mir jegliche Scheu nahm zu fragen, was Autismus ist.

annaschmidt-berlin-com_barcamp-bonn-2Bei Aleksander wurde der Autismus sehr spät diagnostiziert, womit klar war, dass er einen schwierigen Weg gegangen sein musste. Er erzählte von der Mutter, die ihn dennoch immer so sein ließ, wie er war und so unterstützte wie er es brauchte. Natürlich war er der Mitschüler am äußeren Rand und immer anders als die anderen. So zerfiel mit jedem Wort mein Bild eines Autisten, der völlig in sich gekehrt die Welt aus seinem Leben ausschloss. Ich lernte die verschiedenen Arten des Autismus kennen. Erkannte, dass meine Tochter schon lange von einem Mädchen mit dem Asperger Syndrom in ihrer Klasse erzählte und nahm wissbegierig jedes Wort von Aleksander auf. Bewunderung empfand ich besonders für seine Darstellung, wie klar er sein Leben strukturiert und genau gelernt hatte, was er sich zumuten will, kann und darf. Ein besonderer Mann unter vielen Unwissenden, mit der besonderen selbstgestellten Aufgabe, diese Unwissenden in angenehmer Weise aufzuklären. Wir saßen auch später im Hotel noch ein wenig zusammen, denn er wurde nicht müde mir zu antworten. Stand aber später abrupt auf und forderte seine nun verdiente Ruhe. Mein Kopf kam an diesem Abend noch lange nicht zur Ruhe.

Am zweiten Tag beeindruckte mich besonders ein Vortrag „Die Psychologie des Bösen – Wie aus gewöhnlichen Menschen Täter werden“ von Reiner Knudsen. Auch darüber werde ich noch so manches Mal nachdenken müssen. Schaut euch die Präsentation an … es lohnt sich, denn wir sollten nie aufhören uns selber zu hinterfragen. Auch Aleksander bot an mit einer Gruppe über Autismus zu sprechen und natürlich war ich wieder unter den Zuhörern. Letztlich freute ich mich auf einen Beitrag – diese Beiträge werden Sessions genannt –  den Annette Schwindt über eine Video-Live-Schaltung anbot. Annette Schwindt kannte ich sehr lange über ihren Blog und über ihre Arbeit via Facebook. Sie war für mich immer die Expertin, die sich in Social Media Dingen auskennt und ich mochte schon immer ihre klare Art Dinge zu erklären. Das Thema der Videoschaltung hieß „Wie ich digital helfen wollte und niemand es verstand!“ … im Kern ging es darum, dass sie ihr Wissen sozialen Trägern zur Verfügung stellen wollte, es aber von niemandem angenommen wurde. Das konnte ich nun gar nicht verstehen, denn was konnte einem besseres passieren als solch kompetente Hilfe zu bekommen. Auch in dieser Session saß ich neben Aleksander und ich bemerkte die Vertrautheit zwischen Aleksander und Annette. Mir fiel wieder ein, dass ich auch von Annette gelesen hatte, dass sie mit dem Asperger Syndrom lebt.  Mein Plan, Annette zu schreiben, war gefasst.

Ich bin von diesem Barcamp sehr bereichert nach Hause geflogen. Hatte viel erlebt, wirklich interessante Menschen kennengelernt und viele Anregungen für meine Arbeit mitgenommen. Ganz besonders denke ich aber seither über Aleksander nach. Ich finde es bewundernswert, mit welcher Selbstverständlichkeit er für seine Sache arbeitet. Unwissende, wie mich aufklärt und für Verständnis beziehungsweise Verstehen in reinster Form wirbt. Nur wenn wir die Regeln verstehen, nach denen Menschen mit Autismus leben, können wir uns öffnen und auf ihre Bedürfnisse eingehen. Ich habe von einer stark sehbehinderten Freundin gelernt, warum sie immer auf eine Vorstellungsrunde bestanden hat – sie konnte nicht sehen, wollte aber hören wer da ist. Ich weiß aus eigener Erfahrung als Hörgeräte-Trägerin, wie wichtig es für mich ist, die Gesichter der Menschen zu sehen, die in meiner Nähe sprechen. Es sind manchmal Kleinigkeiten, die das Miteinander der Menschen erleichtern. Ein wenig zuhören, ein wenig Beobachten, ein wenig Verständnis und Entgegenkommen. Ich bin Aleksander dankbar, dass ich lernen durfte und überlege viel, was das Gehörte für mich bedeutet, wo ich umdenken, neu lernen, überdenken muss.

Die Randbegegnung war alles andere als das: Sie gehört zu den wichtigsten Begegnungen, die ich in diesem Jahr erleben durfte. Annette und ich haben E-Mails und ein paar Nachrichten ausgetauscht und freue mich, dass sich auch hier eine Tür geöffnet hat. Heute ist mir klar, warum sie so klar und logisch erklären kann … sie kann es gar nicht anders. Andersherum muss ich lernen deutlich und auf den Punkt genau Annette mitteilen, was ich ausdrücken möchte. Eine große Aufgabe für mich. Wollt ihr etwas über Autismus erfahren, dann lest in Aleksanders Blog Quergedachtes … es lohnt sich und bereichert! So zeigt sich, dass neben den realen auch virtuelle Kontakte ein wertvoller Fundus im Leben sind. Die Mischung macht’s – aber letztendlich steht hinter allen ein Mensch!

Über das Barcamp – was andere TeilnehmerInnen geschrieben haben (die Liste ist nicht vollständig, sondern nur ein Eindruck):

http://www.annetteschwindt.de/2016/12/05/digitale-hilfe-anbieten/

https://bonn.camp/sozialcamp/

http://www.praktische-sozialwissenschaft.de/2016/12/17/digitalitaet-in-der-sozialen-arbeit-es-bewegt-sich-was/

http://www.sozial-pr.net/erstes-barcamp-soziale-arbeit/?utm_content=bufferc7b3c&utm_medium=social&utm_source=twitter.com&utm_campaign=buffer

https://www.care-camp.de/war-ja-doch-viel-digitales/#more-1219

Ich weiß, wo der Schiri wohnt!

Foto: Maccabi Games 2015

Foto: Maccabi Games 2015

Wird man Mutter und Vater hat man in der Regel eine ungefähre Vorstellung davon, wie man seine Kinder erziehen will. Eigene Erfahrungen, Prinzipien und Vorstellungen spielen eine Rolle, aber es ist, wie gesagt, nur eine Vorstellung. Das Leben belehrt uns meist anders und viel hängt vom Charakter des Kindes ab – nicht jedes Kind kann gleich erzogen werden. In einem Punkt hatten mein Mann und ich jedoch einen festen Vorsatz: Wir wollten, dass unsere Kinder mit Sport groß werden und mit Sport die Pubertät überstehen. Danach würde es ihre eigene Sache sein, ob sie weiter Sport treiben oder nicht. Natürlich war uns klar, dass sie auch mit Sport jeden Blödsinn der Pubertät durchleben würden. In einem Punkt wären sie dennoch gewappnet: Sie wüssten was Verantwortung und Verlässlichkeit gegenüber einer Mannschaft bedeutet. Es wurde der Hockeysport. Mit fünf ½ Jahren kam die ältere Tochter, Fritzi, nach Hause und erklärte uns, dass sie von nun an Hockey spielen würde. Was diese Entscheidung für unser Familienleben bedeuten würde, war uns damals nicht klar. Hockey wurde nicht nur die Sportart beider Kinder, sondern nahm einen sehr großen Raum im Familienleben ein. Vor ein paar Tagen wurde das kleine Mädchen von damals als Hockey Bundesliga-Schiedsrichterin hoch gestuft. Eine wunderbare Leistung, ein harter Weg und viele Beteiligte, die sich heute mit der Tochter freuen können.

Es hat mit einem Zufall angefangen. Bei einem Hockeyturnier wurde mit den Mädchen und Knaben der Spielklasse A ein Schiedsrichter-Regeltest durchgeführt. Diejenigen, die den Test bestanden, bekamen eine Schiedsrichterpfeife geschenkt. Fritzi bestand den Test und ihr damaliger Betreuer der Mannschaft, Christian Kober, fand heraus, dass ihr das Pfeifen durchaus liegt. Er setzte sie immer wieder bei Punktspielen ein. Bei einem dieser Spiele wurde sie von Heiner Lohmann angesprochen, ob sie nicht Lust hätte BVH (Berliner Hockey Verband) Schiedsrichterin zu werden. Sie hätte Talent dafür und um am in Kürze stattfindenden Lehrgang teilnehmen zu können, würde er mit Michael Niggeloh sprechen. Sie nahm teil, bestand den Lehrgang in der Theorie. Die praktische Ausbildung im Rahmen eines Turniers in der Sporthalle am Steinplatz ließ Fritzi das erste Mal auf Petra Goerke treffen, die dann ihre langjährige Mentorin wurde und sie in den Mädchenförderkreis aufnahm.

Fritzi bekam ihre ersten Trikots als BHV Schiedsrichterin. Das bedeutete für die Familie jede Woche am Wochenende neue Sporthallen in Berlin kennenzulernen. Dies nicht nur bei den Spielen, die beide Töchter als Sportlerinnen mitmachten, sondern nun auch bei den Hockeyspielen, in denen die Schiedsrichterin gefordert war. Zwei Mannschaften, zwei Hockeyspielerinnen, eine Schiedsrichterin, ein Auto – logistisch war es manchmal nicht einfach. Aber – die Töchter hatten Spaß am Spiel, Fritzi an der Schiedsrichterei und wir Eltern die Möglichkeit unseren Vorsatz durchzuhalten. Hockey wurde das zentrale Familienthema.

Fritzi wurde im weiteren Verlauf für das Turnier „Jugend trainiert für Olympia“ oder die Endrundenspiele um die Berliner Meisterschaft angefragt. Damit kam sie in das Blickfeld zwei weiterer Namen, Rene Pleißner (Mitglied SRA – Schiedsrichter und Regelausschuss) und Malik Schulze (Schiedsrichterobmann des Berliner Hockey-Verbandes). Ab dem Jahr 2011 gehörte sie zum festen Schiedsrichterkader bei den Endrunden in Berlin. 2012 wurde sie vom Berliner Schiedsrichterausschuss für die Teilnahme am Länderpokal (Berlin/Rhein-Pfalz Pokal) nominiert, womit sie in den Nachwuchsbereich des DHB (Deutscher Hockey Bund) aufgenommen wurde, der durch Gabi Schmitz, Vorsitzende des Jugend-Schiedsrichterausschusses des DHB, geleitet wird.

Es folgten zwei Jahre mit persönlichen Höhepunkten: 2013 die ersten Jugendländerspiele und der ersten Endrunde der Deutsche Meisterschaft, 2014 zwei Länderspiele in den Niederlanden, die Teilnahme am Fünf Nationenturnier in England sowie die Nominierungen zu verschiedenen Endrunden. 2015 bekam sie den dritten Satz der Schiedesrichter-Ausrüstung, den der Regionalliga. In diesem Bereich wurde sie von Dirk Möller, 2. Stellvertreter SRA, unterstützt. Auch Michelle Meister, Jerrit Trebesius, Andreas Wille oder Lothar Kubig und andere haben diesen Weg begleitet. Am 28. Oktober bekam sie die offizielle Nachricht, dass sie für die 2. Bundesliga Damen (Feld) und Bundesliga Damen (Halle) hoch gestuft wurde.

Mit 13 Jahren hat Fritzi ihr erstes Spiel gepfiffen, mit 21 Jahren beginnt sie in der Bundesliga. Dazwischen liegen Jahre, die manchmal nicht so leicht waren, wie es sich hier vielleicht liest. Schiedsrichter müssen viel aushalten, blitzschnelle Entscheidungen treffen, körperlich fit sein, durchsetzungsfähig Spiele lenken, ohne den Spielfluss kaputt zu pfeifen. Sie müssen immer auf dem aktuellsten Stand der Regeln sein und trotz manchmal harter Kommentare von Trainern und Zuschauern gelassen bleiben. Ich habe oft gestaunt, wie meine Tochter so manche Bemerkung ignoriert, Rückschläge wegsteckt, scharfe Kritik verarbeitet, Nichtnominierungen hinnimmt und auf die nächste Chance wartet. Dabei darf man aber nicht vergessen, dass die Jugendlichen, die sich dem Schiedsrichterwesen widmen, begleitet sind. Sie lernen zeitlich angemessen, werden beobachtet, geschult, beraten und in eine Richtung gelenkt, die ein breites Kreuz mit der Pfeife in der Hand möglich machen. Fritzi war nie allein, sondern konnte auf Unterstützung zählen – wurde gefördert und gefordert.

Letztlich darf man den Vater der jungen Dame dabei nicht außer Acht lassen. Er hat sie durch ganz Berlin gefahren, ihr immer den Rücken gestärkt, ihre Spiele beobachtet und mit ihr durchgesprochen. Hockey war und ist wohl das häufigste Thema an unserem Esstisch und wir haben oft andere familiäre Dinge hinten angestellt. Die Pubertät beider Töchter ist lange vorbei – das Hockeyspiel ist geblieben. Als die Hochstufung zur Bundesliga-Schiedsrichterin offiziell wurde, fragte Fritzi, ob wir stolz seinen. Ich habe geantwortet: Wenn du Mutter oder Vater bist und dein Kind einen Meilenstein schafft, ist es immer etwas Besonderes und ein Geschenk. Danke dem Kind für das Geschenk und den Wegbegleitern für die Unterstützung.

Und warum ich das jetzt so ausführlich und öffentlich schreibe? Ersten ist Hockey ein wunderbarer Sport. Zweitens sollte Hockey eine weitaus höhere Aufmerksamkeit in der Öffentlichkeit – auch im Fernsehen – bekommen. Drittens fehlt es immer an Schiedsrichtern: Eltern – wenn ihr selbstbewusste Kinder wollt – schenkt euren Kindern eine Pfeife … und fördert sie! 😉

Langeweile zum Guten nutzen

Ilka Biermann im Gespräch mit dem Geschäftsführer des Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg, Klaus Sprenger

Ilka Biermann im Gespräch mit dem Geschäftsführer des Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg, Klaus Sprenger

Als ich sie fragte, ob ihr je langweilig sei, antwortet sie „Ja!“ … ich stockte und staunte. Mit dieser Antwort hatte ich nicht gerechnet. Es war nicht meine erste Frage und wer Ilka Biermann eine Weile zuhört, ist der festen Überzeugung, dass dieser Frau nie langweilig sein kann. Sie löst mein Erstaunen auf: Langeweile haben, bedeutet Zeit haben und das sei für sie positiv besetzt. Hat sie Zeit, kann sie in kreative Prozesse einsteigen und damit etwas bewegen. Ihre Aufklärung überzeugt sofort und ich nehme mir vor, über diese unerwartete Erkenntnis zu reflektieren. Es ist nicht die einzige Antwort, über die ich staune. Schon ihr früherer Arbeitskollege Reiner Hoffmann bescheinigte ihr, der Zeit immer ein Stück voraus zu sein.

Ilka Biermann ist in Steglitz-Zehlendorf ganz besonders durch ihre Arbeit im Jugendamt Steglitz-Zehlendorf bekannt. 21 Jahre lang leitete sie das Jugendamt und ging im November 2012 in Pension. 21 Jahre, in denen sie dieses Amt durch Fusionierung der Bezirke und zahlreiche Neuerungen der Schulsozialarbeit, Sozialraumorientierung sowie Jugendhilfe führte. Wer sie als aktive Amtsleiterin kannte, dem war klar, dass es auch nach der Pensionierung keinen Stillstand mit ihr geben würde. Die Seniorenvertretung hatte unter anderem das Glück, auch künftig mit ihrem Engagement rechnen zu dürfen. Dort setzte sie sich bis zu diesem Jahr insbesondere in den generationsübergreifenden Bereichen ein, für die gerade sie ob ihrer früheren Tätigkeit prädestiniert war.

Aus einer aktiven Familie kommend wurde ehrenamtliches Engagement für Ilka Biermann Bestandteil ihres gesellschaftlichen Lebens. Die Mutter war im kirchlichen Frauenbund aktiv, der Vater Karnevalist, wodurch Gemeinschaft und Solidarität wichtige Bestandteile der Erziehung waren. Sozialistisch schon durch den Großvater geprägt, setze sie alle vorgelebten Ideale um – auf ihre Weise. Neben der  AG 60+ oder der AG QueerSozis sind auch die Organisation politischer Tagesfahrten ihrem Engagement zuzurechnen, das damit noch lange nicht erschöpft ist. Sie sagt von sich selber, dass sie immer offen ist, neue Ideen aufzunehmen, zu entwickeln und sich von vielem begeistern lässt. Fesselt sie eine Idee, muss sie eher Obacht geben, nicht zu sehr vorzupreschen.

So findet man sie im Verwaltungsrat der BARMER GEK. Dieses oberste Beschlussgremium der Krankenkasse setzt sich ausschließlich aus ehrenamtlichen Versicherten zusammen. In ihrem dort hinterlegten Porträt finden wir den Biermann prägenden Satz: „Man kann immer etwas für andere tun – auch im Ruhestand!“ Sie ist externe Beraterin einer integrierten Gesamtschule und unterstützt als Partnerin ein Mehrgenerationenhaus und eine Freizeiteinrichtung. Überall dort, wo Generationen zusammenkommen oder Kinder- und Jugendarbeit zum Tragen kommt, kann man ihr Engagement erwarten. Die studierte Psychologin kombiniert geschickt Profession, Berufserfahrung und eigenes Interesse, um mitgestalten zu können und die Qualität der Versorgung Hilfebedürftiger zu verändern.

Es wundert nicht weiter, dass auch der VdK auf das Engagement von Ilka Biermann zählen darf. Der Verbandsname „VdK“ war ursprünglich eine Abkürzung: Gegründet wurde der Sozialverband VdK Deutschland im Jahr 1950 unter dem Namen „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands e. V.“. In den vergangenen 60 Jahren hat der Verband sich vom ehemaligen Kriegsopferverband zum großen, modernen Sozialverband entwickelt. Heute heißt der Verband offiziell Sozialverband VdK Deutschland
e. V. Innerhalb dieses Verbandes ist Ilka Biermann gleich auf mehreren Ebenen aktiv. Den Kreisverband Steglitz-Zehlendorf unterstützt sie als Beisitzerin für die Öffentlichkeitsarbeit und den Landesverband Berlin-Brandenburg u.a. als stellvertretende Vorsitzende. Innerhalb des Verbandes arbeitet sie noch als Gesellschafterin für tandem BQG und die Ki.D.T. Kinder- und Jugendambulanz, beides Tochtergesellschaften des VdK.

Spätestens jetzt stellt sich sicherlich der ein oder andere die Frage, wann sie das alles trotz Ruhestand eigentlich macht. Ilka Biermann lacht dazu und sagt, dass alles mit der Zeit gewachsen ist. Zum VdK kam sie auf die Bitte eines Freundes und in der Art ergab sich einfach Vieles auf ihrem Weg. Sie möchte bewegen, gesellschaftlich verändern und vielleicht auch manchem in ihrem Engagement Vorbild sein. Zeigen, dass jeder auf seine Weise etwas für die Gesellschaft tun kann. Hier frage ich mich insgeheim erneut, wann Ilka Biermann Zeit hat um Langeweile zu haben. Bevor ich mir diese Frage beantworten kann, erzählt sie mir weiter, wie gerne sie in Konzerte, ins Theater oder Kabarett geht, gemeinschaftliches Kochen und Essen liebt, aber auch gerne einmal alleine ist. Ilka Biermann fasziniert und langweilig wird es mit ihr auf keinem Fall!

szs_mittelpunkt_september-2016_titelEin Beitrag aus dem Magazin „Im Mittelpunkt“ September/Oktober 2016 mit dem Leitthema „Bürgerschaftliches Engagement“
Das ganze Magazin als eBook oder interaktives Pdf kann man hier herunterladen.

Die Welt verbessern …

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… im Rahmen bestehender Regeln.

Im gesellschaftlichen Zusammenleben gibt es Situationen, bei denen zuweilen staatliche Möglichkeiten zu lange dauern und ehrenamtliches Engagement notwendig wird. Dies konnte in den letzten Jahren insbesondere in der Flüchtlingsarbeit beobachtet werden. Kritiker des Ehrenamtes sind dann schnell dabei zu bemängeln, dass dadurch dem Staat Aufgaben zu Lasten der Bürger abgenommen werden, für die er ohnehin schon Steuern bezahlt. Dabei wird gerne vergessen, dass speziell ein Ehrenamt unter vielen anderen Vorteilen eine menschliche Qualität besitzt, die eine staatliche Institution gar nicht leisten kann. Steglitz-Zehlendorf ist ein Bezirk, der diese menschliche Qualität des Ehrenamts erkannt hat, sie besonders fördert und eine Ansprechpartnerin benannt hat, die sich eigens um ehrenamtliche Aufgaben und Entwicklungen im Bezirk kümmert. Nina Scholz ist Koordinatorin für ehrenamtliches und bürgerschaftlichen Engagement und sich der Vielfältigkeit ihrer Aufgabe bewusst.

Die diplomierte Verwaltungswirtin hat einen abwechslungsreichen Weg durch die Ämter bis zu der heutigen Stelle durchlaufen. Von der Studentin und Beamtinnenanwärterin zum Sozialamt, in dem sie Einblick in alle Bereiche der Hilfeleistungen bekommen konnte. Später kam sie über den Stellenpool des Bezirksamtes zur Wirtschaftsförderung. Hier war die Existenzgründungsberatung und die Betreuung von Standortgemeinschaften des Handels die Hauptaufgabe. Wurde beispielsweise das Seydlitzstraßenfest geplant, gehörte es zu ihren Aufgaben seitens des Bezirks die nötige Straßensperrung zu beantragen. Im Rahmen von Neuorientierung konnte Nina Scholz im Dezember 2013 eine Stelle im Büro des Bezirksbürgermeisters besetzen, die es in dieser Form vorher noch nicht gab und auch Teilbereiche aus der Wirtschaftsförderung blieben ihr am neuen Platz erhalten. Diesen neuen Arbeitsplatz konnte sie mit viel Kreativität füllen. Die Bandbreite der Aufgaben wurde ihr besonders klar, als sie für den sehr gut strukturierten Internetauftritt sorgte. Dieser Internetauftritt gibt einen guten Überblick über ihren Fachbereich, beantwortet viele Fragen und besticht durch vielfältige Informationen.

Insbesondere ein Detail fällt mit den Kontaktdaten auf der ersten Seite des Internets auf: Nina Scholz ist jederzeit ansprechbar. Als Vertreterin des Bezirksbürgermeisters in der Freiwilligenagentur des Bezirks, in der das Bezirksamt, der Mittelhof, das Deutsche Rote Kreuz und das Diakonische Werk Steglitz und Teltow-Zehlendorf e.V. zusammengeschlossen sind. „Tun Sie was für sich und andere!“ ist das Motto der Agentur, die in der Düppelstraße als Vermittlungsagentur für Menschen fungiert, die sich freiwillig engagieren wollen. Zweimal im Monat können Interessierte hier mit Nina Scholz ins Gespräch gehen, ihre Vorstellungen mit dem passenden Angeboten abgleichen oder erfahren, wo man das passende Ehrenamt finden kann, auf die eigenen Interessen und Fertigkeiten abgestimmt. In den Sprechstunden kann man neue Ideen entwickeln und in der Bandbreite der sozialen oder kulturellen Bereiche das richtige finden. Haupt- und ehrenamtliche MitarbeiterInnen der beteiligten Träger kümmern sich nicht nur um die Beratung der Freiwilligen. Auch Einrichtungen, die mit Freiwilligen arbeiten, um die erforderlichen Rahmenbedingungen korrekt zu gestalten, werden unterstützt. Denn auch hier hat man längst erkannt, dass das Ehrenamt und der Mensch dahinter gut betreut sein muss, damit es letztlich ein Gewinn für Gesellschaft und Bezirk werden kann.

Die Erreichbarkeit und eine gute Vernetzung im Bezirk sind wichtige Aspekte der Arbeit von Nina Scholz. Nur wenn sie selber gut informiert ist, kann sie diese Informationen auch gezielt weitergeben. Alle Belange um die Flüchtlingsarbeit werden immer wieder abgefragt. Hier sind die häufig stellten Fragen, wo man sich engagieren, spenden oder minderjährigen Flüchtlingen helfen kann. Wohin wende ich mich, wenn ich Wohnraum anbieten möchte. Unterkünfte für Geflüchtete gibt es zahlreich im Bezirk und es versteht sich von selbst, dass nicht jeder, der helfen möchte direkt in die Einrichtungen gehen kann. Nina Scholz kennt die Ansprechpartner, die die Bedarfe und Belange der jeweiligen Einrichtung kennen und gezielt abschätzen können, ob und welches Ehrenamt unterstützend sein kann. So kann vermieden werden, dass gut gemeinte Hilfeangebote ins Leere laufen und letztlich niemandem nutzen bzw. die Motivation des Hilfswilligen trüben.

Wenn auch zeitaktuell, ist die Flüchtlingshilfe nur ein Punkt in der Bandbreite der Betätigungsmöglichkeiten für Freiwillige. Nachbarschaft, Kinder, Familie, Natur, Umwelt, Sport, Kultur, Bildung … nahezu kein gesellschaftlicher Bereich lässt die Möglichkeit des ehrenamtlichen Engagements aus. Was sich im Sport und im Schulbereich oft durch Elternarbeit ergibt, muss in anderen Bereichen behutsam aufgebaut und gefördert werden. Beispielsweise Seniorenheime freuen sich immer über Unterstützung bei der Beschäftigung ihrer Schutzbefohlenen. Vorlesen, Karten spielen oder kleinere Spaziergänge sind zeitaufwendig und können vom Personal nicht geleistet werden. Die Dankbarkeit der Senioren ist für den Ehrenamtlichen ein schöner Lohn, aber auch hier muss erst einmal Vertrauen aufgebaut und gefestigt werden. Dem Baum und Baumpaten nutzt nicht das einmalige Gießen und eine wirkliche Partnerschaft wird es nur, wenn die Vorgaben der Pflegevorschriften des Grünflächenamtes gehalten werden. So kann der Ehrenamtliche unterstützend einen Bereich abdecken, der vom Amt nicht geleistet werden kann. Ist das Ehrenamt im Katastrophenschutz, im Sanitätsdienst oder der Feuerwehr schon lange gesellschaftlich verinnerlicht, sind viele andere Bereiche noch unbekannt oder neu zu erdenken. Gemeinsam ist allen ein großer Bedarf an Menschen, die persönliche Zeit der Gemeinschaft zur Verfügung stellen und auf diese Weise Zusammenleben aufwerten.

ninascholzWie wertvoll dem Bezirk dieses Engagement ist, zeigt sich in einer weiteren Aufgabe von Nina Scholz. In Absprache mit dem Bezirksbürgermeister ist sie für die Vergabe von F.E.I.N. Mitteln verantwortlich. F.E.I.N. bedeutet Förderung von ehrenamtlichen Engagement in Nachbarschaften. Gefördert werden Maßnahmen, die die öffentliche Infrastruktur verbessern und aufwerten. Für das Gemeinwesen wichtige Einrichtungen sollen im Sinne der sozialen Städteentwicklung verbessert werden. Dazu zählen Schulen einschließlich Horte, Kindertagesstätten, Begegnungsstätten und Nachbarschaftsheime, Seniorenfreizeiteinrichtungen, sonstige soziale Einrichtungen, Sportanlagen, Grünanlagen, öffentliche oder öffentlich zugängliche Straßen und Plätze. Will eine Bürgerinitiative beispielsweise einen öffentlichen Platz pflegen und Beete bepflanzen, kann sie formlos einen Antrag auf Unterstützung stellen. Zu benennen ist, was geplant ist und wie hoch in etwa der zu erwartende Kostenaufwand wird. Mit etwas Glück werden die Mittel bewilligt und durch die Pflanz- und Pflegeaktion keine privaten Geldbeutel strapaziert. Das Engagement wird unterstützt und das öffentliche Leben aufgewertet. Speziell bei der Förderung lohnt sich der Blick in die Internetseite, die gut erläutert, wie es geht. Bleiben dann noch Fragen offen – Frau Scholz ist, wie berichtet, gut erreichbar.

Die persönliche Unterstützung und Beratung der Ehrenamtlichen, die Vernetzung ehrenamtlichen und bürgerschaftlichen Engagement im Bezirk, Förderung durch Sachmittel, die Pflege von Partnerschaften und nicht zuletzt auch die öffentliche Anerkennung ehrenamtlichen Engagements, sind Aufgaben die Nina Scholz mit Überzeugung ausfüllt. Sie möchte die Welt ein bisschen besser machen … im Rahmen der Regeln, die eine Gemeinschaft und ein Bezirk vorgeben muss. Aber, sagt Nina Scholz, wer die Regeln kennt, kann sie auch bestens anwenden!

Koordinatorin für ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement: Nina Scholz

Telefon: (030) 90 299 – 5943 (Sprechzeiten nach telefonischer Vereinbarung)
Kirchstr. 1/3, 14163 Berlin, Raum A 143
http://www.berlin.de/ba-steglitz-zehlendorf/ueber-den-bezirk/ehrenamt/

Freiwilligenagentur Steglitz-Zehlendorf
Infocenter DRK,
Düppelstraße 36, 12163 Berlin
Telefon: 030 –79 01 13-0
freiwilligenagentur@berlin-suedwest.de
Öffnungszeiten: mittwochs,12.00 – 14.00 Uhr + donnerstags, 16.00 – 18.00 Uhr.

szs_mittelpunkt_september-2016_titelEin Beitrag aus dem Magazin „Im Mittelpunkt“ September/Oktober 2016 mit dem Leitthema „Bürgerschaftliches Engagement“

Das ganze Magazin könnt Ihr als eBook oder interaktives Pdf herunterladen, die gedruckte Version, einschließlich dem Einleger mit allen Veranstaltungen des SzS, gibt es in unseren Einrichtungen.

Der Hartz4-Nazi … war einmal

Foto: Pixabay

 

Selten, ganz selten lese ich Kommentare, die irgendwelche Nutzer in sozialen Netzwerken unter Beiträge schreiben. Sie sind oft abstoßend und selten werden konstruktive, differenzierte Meinungen geäußert. Es ist so leicht, so anonym zu hetzen. Aus irgendeinem Grund blieb ich bei einem Artikel doch an den Kommentaren hängen und lese: „Hartz4-Nazi“. … Ich überlege, was ein Hartz4-Nazi ist. Ich google, aber finde keine richtige Antwort. Das Wort ist eine Beschimpfung, eine Beleidigung, ein Vorurteil und in sich völlig bescheuert. Natürlich weiß ich, was vordergründig gemeint ist. Doch um es richtig zu verstehen, muss ich wohl erst verstehen, was ein Nazi ist. Genau da liegt mein Problem – ein Versuch:

Ich mache eine kleine Liste mit Begriffen, die mir einfallen, wenn ich mir einen Nazi vorstelle. Schon allein das ist schwer, weil natürlich der Springerstiefel-Typ als Erstes in den Sinn kommt. Die Sache ist jedoch viel subtiler, versteckt sich doch so mancher Nazi im Küchenkittel oder Nadelstreifen-Anzug. Und sich vorzustellen, was der Nazi im Kopf hat … ähm … Also:

Eins der häufigsten Probleme, dass Menschen mit dieser Gesinnung haben müssen, ist der Wohlstandsverlust und daraus bedingte Existenzangst. Immer wieder lese ich, dass die bösen Flüchtlinge viel mehr Geld bekommen, als einheimische Bedürftige. Dass dies schlicht und einfach falsch ist und jeglicher Grundlage entbehrt, spielt keine Rolle. Wenn der eine es behauptet, glaubt es der nächste, angebliche Rechenbeispiele werden aus dem Zusammenhang gerissen, falsche widerlegte Zahlen trotzdem in den Netzwerken geteilt – es tut ja so gut, wenn man weiß wer der böse ist. Wenn einer schreit, applaudieren zwei andere und schon tut’s nicht mehr so weh. Ich behaupte mal, dass keine alleinerziehende Mutter, keine Oma im Rentenalter, kein arbeitsloser Mann je einen Euro zu wenig bekommen hat, weil die bösen Flüchtlinge da sind. Wir leben mit einem der besten Sozialsysteme der Welt und trotzdem ist Alters- sowie Kinderarmut ein sehr ernstes Thema bei uns … aber das sind ganz andere Töpfe und gehen den Flüchtling nichts an!

Mangelndes Geschichtsbewusstsein möchte ich fast gleichsetzen mit Realitätsverlust. Geschichte ist nicht zu ändern und die Welt in der wir leben ist bunt. Speziell Deutschland war immer ein Durch- und Einwanderungsland. Die Deutschen sind nicht erst seit den beiden letzten Weltkriegen, der Einwanderungswelle von Türken und Italienern der Nachkriegszeit, der Aufnahme von Menschen aus den Jugoslawienkriegen, Spätheimkehrern, Sudetendeutschen und vieles mehr, vollkommen gemischt und von anderen Völkern durchsetzt. Keine Familie und kein Freundeskreis kann behaupten rein Deutsch zu sein, falls es das überhaupt gibt. Gäbe es ein „Rein Deutsch“ wären wir sehr wahrscheinlich ein degenerierter Haufen von Menschlein, die in der Welt keine Rolle spielten und noch in den Höhlen der Urzeiten vor sich hin vegetierten. Was bei uns in den Landstrichen passiert, die von Durchmischen anderer Nationen ausgeschlossen waren oder sind, kann man fast täglich in der (Lüge-)Presse lesen.

Womit der gemeine Nazi im meinen Augen auch die seinen vor den Zusammenhängen der Länder der Welt verschließt. Ein Staat kann heute nur im Verbund mit anderen Nationen und im offenen Transfer existieren. Verschließen wir uns, verkümmern wir, machen Handel, Wirtschaft und Fortschritt zunichte. Grenzen zu schließen bedeutet Kriege und Allianzen zu fördern, die Vernichtung nach sich ziehen.

Die Empathielosigkeit vor dieser Vernichtung ist ein weiteres Merkmal, dass in der Liste auftaucht. Via Internet erleben wir die Kriege in der Welt als fänden sie im eigenen Wohnzimmer statt. Wir sehen Bilder von Menschen, die unerträgliches Leid erfahren und wollen diesen Menschen einen sicheren Platz bei uns verwehren? Der Gedanke tut mir fast körperlich weh. Ich erlebe Menschen, die über Flüchtlinge schimpfen, sie an Grenzen erschießen lassen wollen, Asylbetrüger in jedem sehen, der nicht ins Bild passt … und gleichzeitig die Todesstrafe für Tierquäler fordern. Jedem Hund und jeder Katze mehr Wohlstand und fettere Bäuche gönnen, als Menschen, die vorm Verhungern flüchten.

Übersteigertes Selbstbewusstsein und Bildungsresistenz möchte ich in einem Satz nennen, gehört es für mich doch sehr zusammen. Der normale Nazi ist nämlich nicht von der ungebildeten Sorte und müsste eigentlich, wenn er einen rein logischen Denkprozess einsetzen würde, wissen, dass seine Thesen und Behauptungen haltlos, selbstsüchtig und veraltet sind. Es gibt für mich bis heute keinen einzigen Grund aus dem sich ein Mensch einem anderen gegenüber als höherwertig stellen kann – der Nazi tut’s … also kann er ja nur so selbstverliebt sein, … oder … ich vermute fast … so wenig von sich selber halten, dass es in übersteigertes Selbstbewusstsein umschlägt. Wäre das nicht so fürchterlich, müsste man fast mit Mitleid kämpfen …

Machtwille steht als letztes in meiner Liste und das ist ein sehr trauriger Punkt. Beobachtet man die politische Entwicklung im Land, stellt man fest, wie einige wenige mit viel Polemik, mit gemachter Angst und Populismus, eine Masse lenken, die Lämmer-gleich und ohne Hinterfragen nachplappert, schreit und brüllt. Das „Hatten-wir-schon-mal!“ bleibt bewusst ungehört und jeglicher Wille aus der Geschichte zu lernen fehlt. Die Lämmer merken nichts … mäh!

Der Nazi ist – unbelehrbar – da … und er war immer da! Die rechte Gesinnung wird – wieder – gesellschaftsfähig. Das ist der Punkt, der mir Angst und mich nachdenklich macht. Er wird wieder so gesellschaftsfähig, dass in den Netzwerken schon eine Art Ranking unter den Nazis beginnt. Der Hartz4- und Springerstiefel-Nazi ist böse und dumm. Bleiben ja noch genug andere, die den politischen Entwicklungen gedankt, sich frei und offen unter uns bewegen. Als wären sie befreit, ihre Parolen endlich wieder in die Gesellschaft zu tragen. Wir geben ihnen Raum in Talkshows, auf der politischen Bühne und in der Nachbarschaft. Wir empören uns ein bisschen, wenn ein Polizist einer rechten Veranstaltung ein gutes Gelingen wünscht. Entschuldigen es damit, dass es ja in dem bestimmten Bundesland passiert. Unsere Politiker halten die Klappe, weil nach der Wahl vor der Wahl ist, hoffend, dass nicht zu viele Stimmen wegwandern.

Sie waren immer da und fanden Unterschlupf in den etablierten Parteien, die ihr Profil mehr und mehr einbüßen. Jetzt ist es nicht mehr unfein besorgt, rechts, gegen Werte zu sein – denn – und das kann ich nicht mehr hören – so ist nun mal Demokratie. Was ein Nazi ist, verstehe ich wohl. Warum er jetzt in offener Weise mein Nachbar, mein Kollege, der Mann im Bus sein könnte – das verstehe ich nicht und nicht, dass wir – die Nicht-Nazis – nicht viel lauter schreien. Ich kann nicht nachvollziehen und will auch nicht verstehen, wie ein Nazi denkt. Brauche ich auch nicht – denn er besinnt sich neuer Namen … besorgter Bürger oder Mitglied der Partei, die eben keine Alternative ist. Der Hartz4-Nazi war einmal … jetzt kommen andere.