Baumkobolde … mit Spaß zum Nachdenken anregen

„Ich war einmal ein sehr stolzer Baum. Über viele Jahre wuchs ich und konnte den Wechsel der Jahreszeiten genießen. Mit den Bewohnern der Häuser um mich herum wurde ich gemeinsam älter. Später wurde ich krank. Sie merken es nicht, bis ich nicht mehr zu retten war. Es tat weh, als sie die Säge anlegten und ich mich von meinem erhabenen Blick aus der Baumkrone verabschieden musste. Lange stand ich traurig dort als Baumstumpf. Sehr lange und niemand beachtete mich – fast niemand. Harald kannte ich schon als kleinen Jungen. Der war immer draußen und musste die Stadt entdecken. An einem schönen Tag kam er mit zwei Holzscheiben vorbei. Das wurden meine ersten Ohren. Augen bekam ich auch und schon hatte ich mit meinem natürlich gewachsenen Mund wieder ein Gesicht. Von da an änderte sich alles. Die Leute schauten mich wieder an. Sie lächelten und gingen tatsächlich mit guter Laune weiter. Und wenn sie Harald in meiner Nähe treffen, erzählen sie immer spannende Sachen aus der Stadt. Jetzt bin ich wieder ein stolzer Baum-Stumpf … ich war der erste in der großen Stadt, doch meinen Namen bekam ich erst viel später.“ So würde sicherlich der Baumstumpf erzählen, doch diese Geschichte ging noch viel weiter:

Harald Kortmann war lange an dem abgesägten Baumstamm vorbeigegangen. Der gefiel ihm nicht und im Mai 2015 fielen ihm zwei Birkenscheiben in die Hände. Derzeit arbeitete er beim Kamin- und Brennholzhandel Hanne und mit den beiden Birkenscheiben wusste er sofort, wie er seiner Mutter eine Freude machen konnte. So entstand die Idee und der erste Baumstumpf bekam ein Gesicht, aber dabei sollte es nicht bleiben. Zwei/drei Monate rätselten die Steglitzer Bevölkerung, wer der Urheber für die vielen Baumstümpfe ist, die über Nacht ein Gesicht bekamen. Überall schienen sie zu entstehen. Das fragte auch Karla Rabe in der Berliner Woche und hatte damit Glück. Harald meldete sich bei ihr, ein weiterer Bericht über die Baumstümpfe entstand und damit bekamen sie auch ihren Namen. Baumkobolde nannte Karla Rabe die kleinen Kreaturen, die immer zahlreicher Straßen und Parks schmückten. Harald Kortmann war sich anfangs nicht sicher, ob er sich mit seiner Aktion am Rande der Legalität bewegt. Deshalb arbeitete er vorwiegend nachts. Er zerstört jedoch nichts und erregt kein öffentliches Ärgernis. Ganz im Gegenteil, die Akzeptanz und Freude, die er mit seinen Baumkobolden verbreitet, sind schon fast nicht mehr aus unserem Straßenbild wegzudenken.

Die Freude an den Baumkobolden ist auch der Grund, warum er immer noch gerne nachts arbeitet. Mittlerweile wird er von den Leuten erkannt, angesprochen, in nette Gespräche verwickelt und … von der Arbeit abgehalten. Das erklärt er allerdings Augenzwinkernd: Es sei sein „Herzens-Portemonnaie“, was er an Rückmeldungen und Reaktionen sammeln kann. Besonders Kinder bringen ihn mit ihren Reaktionen immer wieder zum Lachen. Wildfremde Menschen sprechen ihn freundschaftlich an und bestätigen ihm, das er ihr Leben bereichert. Eine Dame sagte zu ihm, dass er die Welt verändere und aus einer Glut eine Flamme werden könne.

Was anfangs nur eine Idee war, entwickelte sich schnell zu einer Aufgabe. Harald Kortmann möchte mit seinen Baumkobolden nicht anklagen, er betrauert die vielen Bäume, die zwar gefällt, aber nicht nachgepflanzt werden. Der Grund liegt, wie bei vielen anderen Dingen, im fehlenden Geld und nur auf Spenden der Bürger dürften sich Bezirk und Senat nicht verlassen. Hier fordert er eine etwas verantwortungsvoller Vorgehensweise der Behörden und kennt sich mit Zahlen und Verordnungen bestens aus. Er selber sieht sein Engagement unter nachhaltigen Aspekten: Kinder, die Freude an den Kobolden haben und Erwachsene, mit denen er ins Gespräch kommt, kann er auf die Bedeutung der Baumscheiben aufmerksam machen. Kinder, die früh lernen, wie wichtig eine Baumscheibe für einen gesunden Baum ist, parken später auch nicht darauf. „Früher hatte Berlin den Ruf als grünste Stadt Europas,“ sagt er, „dazu würde er gerne wieder seinen Beitrag leisten und die Problematik in den Köpfen der Menschen bewusst machen!“ Kinder, die mit ihren Eltern über die Baumkobolde sprechen, können früh lernen, wie wichtig gesunde Bäume für unser ökologisches System und unser Klima sind.

Die Baumkobolde verbreiten sich in der ganzen Stadt. Was anfangs auf Steglitz-Zehlendorf beschränkt war, ist längst über die Bezirksgrenzen hinaus gegangen. Tatsächlich bekam Harald auch schon Anfragen aus anderen Städten. Als kleines Nebenprodukt entsteht hin und wieder ein Baumkobold im Miniformat. Hier freut er sich besonders, dass diese Minikobolde, die er verschenkt hat, nach Jamaika, Australien, Frankreich, England oder Brasilien ausreisen durften. Er ist bekannt, es ist seine Idee und er ist – zu recht – stolz darauf. Aber es sind nicht alle, die sein Tun gut heißen. Sicherlich muss er Baumkobolde reparieren, wenn die Ohren abfallen. Zerstört wird nur selten etwas. Doch einen hartnäckigen Kontrahenten hatte er: Zwischen Klinikum Steglitz und Stichkanal findet man kaum einen einzigen Baumkobold. Dabei hatte Harald etwa 30 Kobolde dort entlang bestück, um festzustellen, dass ein anderer sie wieder demontierte. Er montierte erneut, der andere demontierte und noch einmal. Dann ließ er es bleiben und akzeptiert schlicht, dass der andere Unbekannte offensichtlich an dem Weg keine Baumkobolde akzeptiert. Aber einen gibt es doch – ganz versteckt im Dickicht. Doch wo der steht verraten wir natürlich nicht.

Die ganze Geschichte der Baumkobolde fusst auf privatem Engagement. Er verdient nichts damit und nimmt keine finanziellen Spenden an. Das notwendige Holz bekommt er vom früheren Arbeitgeber und Freund Thomas Jung. Die Kosten für die Schrauben trägt er selber. Harald Kortmann hat mit dem Baumkobolden seine Passion gefunden und ist vollkommen offen, was daraus entsteht oder wie es sich entwickelt. Er sei immer schon ein Freiluftmensch gewesen und für seinen Aktionismus bei seinen Freunden bekannt. Die Baumkobolde, sagt er, sein das Beste, was ihm in den vergangenen Jahren passiert sei. Gefreut hat er sich über den Kontakt nach Teltow. Der Nachbarbezirk bekam im Mai 2017 seine ersten sechs Baumkobolde und er wurde zum Baumscheibenfest 2017 eingeladen. Dort wird er Baumzauberer genannt, dessen Schützlinge zum Nachdenken einladen, für das Grün in der Stadt sensibilisieren und einfach alle fröhlich stimmen. Richtig zählen kann sie kaum einer mehr, aber der allererste Baumkobold wäre sicherlich stolz, wenn er wüsste, dass er gut 2000 – 3000 Brüder hat.


Ein Beitrag aus dem Magazin „Im Mittelpunkt“ 4 2017 mit dem Leitthema „Runde Tische und Bürgerbeteiligung“

Das ganze Magazin könnt Ihr als eBook oder interaktives Pdf herunterladen, die gedruckte Version, einschließlich dem Einleger mit allen Veranstaltungen des SzS, gibt es in unseren Einrichtungen.

Langeweile zum Guten nutzen

Ilka Biermann im Gespräch mit dem Geschäftsführer des Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg, Klaus Sprenger

Ilka Biermann im Gespräch mit dem Geschäftsführer des Sozialverband VdK Berlin-Brandenburg, Klaus Sprenger

Als ich sie fragte, ob ihr je langweilig sei, antwortet sie „Ja!“ … ich stockte und staunte. Mit dieser Antwort hatte ich nicht gerechnet. Es war nicht meine erste Frage und wer Ilka Biermann eine Weile zuhört, ist der festen Überzeugung, dass dieser Frau nie langweilig sein kann. Sie löst mein Erstaunen auf: Langeweile haben, bedeutet Zeit haben und das sei für sie positiv besetzt. Hat sie Zeit, kann sie in kreative Prozesse einsteigen und damit etwas bewegen. Ihre Aufklärung überzeugt sofort und ich nehme mir vor, über diese unerwartete Erkenntnis zu reflektieren. Es ist nicht die einzige Antwort, über die ich staune. Schon ihr früherer Arbeitskollege Reiner Hoffmann bescheinigte ihr, der Zeit immer ein Stück voraus zu sein.

Ilka Biermann ist in Steglitz-Zehlendorf ganz besonders durch ihre Arbeit im Jugendamt Steglitz-Zehlendorf bekannt. 21 Jahre lang leitete sie das Jugendamt und ging im November 2012 in Pension. 21 Jahre, in denen sie dieses Amt durch Fusionierung der Bezirke und zahlreiche Neuerungen der Schulsozialarbeit, Sozialraumorientierung sowie Jugendhilfe führte. Wer sie als aktive Amtsleiterin kannte, dem war klar, dass es auch nach der Pensionierung keinen Stillstand mit ihr geben würde. Die Seniorenvertretung hatte unter anderem das Glück, auch künftig mit ihrem Engagement rechnen zu dürfen. Dort setzte sie sich bis zu diesem Jahr insbesondere in den generationsübergreifenden Bereichen ein, für die gerade sie ob ihrer früheren Tätigkeit prädestiniert war.

Aus einer aktiven Familie kommend wurde ehrenamtliches Engagement für Ilka Biermann Bestandteil ihres gesellschaftlichen Lebens. Die Mutter war im kirchlichen Frauenbund aktiv, der Vater Karnevalist, wodurch Gemeinschaft und Solidarität wichtige Bestandteile der Erziehung waren. Sozialistisch schon durch den Großvater geprägt, setze sie alle vorgelebten Ideale um – auf ihre Weise. Neben der  AG 60+ oder der AG QueerSozis sind auch die Organisation politischer Tagesfahrten ihrem Engagement zuzurechnen, das damit noch lange nicht erschöpft ist. Sie sagt von sich selber, dass sie immer offen ist, neue Ideen aufzunehmen, zu entwickeln und sich von vielem begeistern lässt. Fesselt sie eine Idee, muss sie eher Obacht geben, nicht zu sehr vorzupreschen.

So findet man sie im Verwaltungsrat der BARMER GEK. Dieses oberste Beschlussgremium der Krankenkasse setzt sich ausschließlich aus ehrenamtlichen Versicherten zusammen. In ihrem dort hinterlegten Porträt finden wir den Biermann prägenden Satz: „Man kann immer etwas für andere tun – auch im Ruhestand!“ Sie ist externe Beraterin einer integrierten Gesamtschule und unterstützt als Partnerin ein Mehrgenerationenhaus und eine Freizeiteinrichtung. Überall dort, wo Generationen zusammenkommen oder Kinder- und Jugendarbeit zum Tragen kommt, kann man ihr Engagement erwarten. Die studierte Psychologin kombiniert geschickt Profession, Berufserfahrung und eigenes Interesse, um mitgestalten zu können und die Qualität der Versorgung Hilfebedürftiger zu verändern.

Es wundert nicht weiter, dass auch der VdK auf das Engagement von Ilka Biermann zählen darf. Der Verbandsname „VdK“ war ursprünglich eine Abkürzung: Gegründet wurde der Sozialverband VdK Deutschland im Jahr 1950 unter dem Namen „Verband der Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Sozialrentner Deutschlands e. V.“. In den vergangenen 60 Jahren hat der Verband sich vom ehemaligen Kriegsopferverband zum großen, modernen Sozialverband entwickelt. Heute heißt der Verband offiziell Sozialverband VdK Deutschland
e. V. Innerhalb dieses Verbandes ist Ilka Biermann gleich auf mehreren Ebenen aktiv. Den Kreisverband Steglitz-Zehlendorf unterstützt sie als Beisitzerin für die Öffentlichkeitsarbeit und den Landesverband Berlin-Brandenburg u.a. als stellvertretende Vorsitzende. Innerhalb des Verbandes arbeitet sie noch als Gesellschafterin für tandem BQG und die Ki.D.T. Kinder- und Jugendambulanz, beides Tochtergesellschaften des VdK.

Spätestens jetzt stellt sich sicherlich der ein oder andere die Frage, wann sie das alles trotz Ruhestand eigentlich macht. Ilka Biermann lacht dazu und sagt, dass alles mit der Zeit gewachsen ist. Zum VdK kam sie auf die Bitte eines Freundes und in der Art ergab sich einfach Vieles auf ihrem Weg. Sie möchte bewegen, gesellschaftlich verändern und vielleicht auch manchem in ihrem Engagement Vorbild sein. Zeigen, dass jeder auf seine Weise etwas für die Gesellschaft tun kann. Hier frage ich mich insgeheim erneut, wann Ilka Biermann Zeit hat um Langeweile zu haben. Bevor ich mir diese Frage beantworten kann, erzählt sie mir weiter, wie gerne sie in Konzerte, ins Theater oder Kabarett geht, gemeinschaftliches Kochen und Essen liebt, aber auch gerne einmal alleine ist. Ilka Biermann fasziniert und langweilig wird es mit ihr auf keinem Fall!

szs_mittelpunkt_september-2016_titelEin Beitrag aus dem Magazin „Im Mittelpunkt“ September/Oktober 2016 mit dem Leitthema „Bürgerschaftliches Engagement“
Das ganze Magazin als eBook oder interaktives Pdf kann man hier herunterladen.

Die Aktion der Kehrenbürger

kehrenbürger_1Es hat etwas von Dornröschenschlaf, wenn man bei trüben Wetter über den Ludwig-Beck-Platz in Lichterfelde geht. Eigentlich ein beliebter Platz, bietet er aber wenig, was zum Verweilen einlädt. Der Brunnen in der Mitte führt meist kein Wasser, das Waschhäuschen mit Toiletten ist seit Jahren hinter einem Bauzaun verschlossen und auch sonst macht der Platz keinen sehr einladenden Eindruck. Das ändert sich immer, wenn die Sonne beschließt ihr Bestes zu geben, der kleine Pavillon für Getränke und Eis öffnet oder sich zweimal in der Woche ein paar Marktstände mit ihren Waren präsentieren. Dann ist es etwas belebter, aber noch lange nicht so, wie es früher einmal war, woran sich noch viele ältere AnwohnerInnen erinnern. So wurde der Ludwig-Beck-Platz ein Thema am Runden Tisch in Lichterfelde-West, wo eine kleine Idee jetzt zur Aktion wurde.

Schon vor drei Jahren wurde der Platz ein fester Tagesordnungspunkt am Runden Tisch. Früher war er weitaus belebter und wurde an Markttagen von sehr viel mehr Händlern genutzt. Durch Pflasterarbeiten, die sich in die Länge zogen, schlief alles ein bisschen ein. Doch das Interesse ist groß, diesen Platz als Mittel- und Treffpunkt für die Menschen in der Umgebung zu nutzen. Dies nicht nur von den AnwohnerInnen, auch von den umliegenden Händlern und Einrichtungen. Viele Diskussionen später am Runden Tisch wurde ein Nachbarschaftsfest beschlossen das in diesem Jahr das dritte Mal in Folge veranstaltet wird. Besprochen am Runden Tisch, organisiert vom Stadtteilzentrum Steglitz e.V., ist das Fest der Nachbarn mittlerweile eine beliebte Größe in der Nachbarschaft geworden. Einrichtungen und Händler stellen sich vor, Nachbarn kommen ins Gespräch, gemeinsame Zeit wird freudig begrüßt! Nur ist ein einziges Fest im Jahr etwas wenig um einen Platz zu beleben.

So stieß eine weitere Idee nun auf offene Ohren. Monika Zwicker ist schon lange regelmäßige Besucherin des Rundes Tisches. Ihr besonderes Interesse liegt in der Pflege der Natur in der Umgebung, bei der ihr besonders die Bäume am Herzen liegen. Das Thema wurde von ihr immer wieder angesprochen, die einzelnen Aspekte in der Runde beraten, Erfahrungen und verschiedene Blickwinkel ausgetauscht. Baumpflege, Baumscheiben, Patenschaften über Bäume, die verschiedenen Ämter angesprochen, wo bekommt man Informationen und Unterstützung, wenn man für die Bäume etwas tun möchte. Und wie bei vielen Dingen, war auch hier schnell klar: Wenn man schnell etwas verändern möchte ist das Selbermachen noch der beste Gedanke. Sie erkundigte sich weiter, beim Amt über die Pflege von Baumscheiben und angeregt durch Kathrin Backhaus, bei der BSR, der Berliner Stadtreinigung, über Putzaktionen. Auch diese Informationen stellte sie den Mitgliedern des Runden Tischs vor, man wurde sich schnell einig, fand einen Termin, erstellte Handzettel, rührte die Werbetrommel und lud ein zur Bürgerkehren-Aktion. Treffpunkt war am 30. April um 10.00 Uhr am Springbrunnen auf dem Platz. Die Aktion war unter www.kehrenbuerger.de bei der BSR angemeldet. Das Tolle dabei ist, dass man durch die Anmeldung, Straßenbesen, Kinderbesen, Arbeitshandschuhe, Papierklammern und Müllbeutel zur Verfügung gestellt bekommt. Die brauchte ein freundlicher Herr der BSR im Gutshaus Lichterfelde vorbei und wurden nach der Aktion wie auch die gefüllten Müllbeutel wieder abgeholt. Einzig Gartengeräte und Blumenspenden mussten mitgebracht werden.

kehrenbürger_17An dem Samstagmorgen hatten auf dem Platz die bekannten Stände der Händler schon geöffnet und boten ihre Waren an. Die Nachbarn, die es kennen, schätzen die Marktstände und was es dort alles zu kaufen gibt sehr. Schnell fanden sich die Helfer der Aktion am Springbrunnen, erst zögerlich, dann immer mehr. Schließlich waren um die 30 Helfer auf dem Platz, dabei ein paar Kinder, die alle motiviert Hand anlegten. Bernd Neumann von der Jugendfreizeiteinrichtung Albrecht-Dürer kam gleich mit einer ganzen Schubkarre voll Gartenwerkzeug. Kristian Koch, der sein Nachbarschaftsportal „WirNachbarn“ ins Gespräch bringen möchte, war ebenso mit von der Partie, wie andere im Bezirk gut bekannte Gesichter. Lange wurde nicht gefragt, was zu tun sei, jeder fand einen Besen, eine kleine Harke oder Schaufel … es wurde gefegt, Unkraut gezupft, Papier aufgehoben, das Pflaster freigekratzt, unter den Bänken gesäubert und emsig gearbeitet um den Platz beim Brunnen wieder fein zu machen. Die einen kümmerten sich um die Sauberkeit, die Anderen um die Baumpflege. Von Unkraut zugewachsen wurden die Baumscheiben hartnäckig befreit. Das brauchte schon einige Zeit waren die Gräser doch sehr eingewachsen. Neben den Arbeiten entstanden immer wieder Gespräche, Helfer lernten sich kennen, Marktbesucher kamen näher und fragten, was hier los sei. Sinn und Unsinn solcher Aktionen wurde besprochen. Handzettel über den Runden Tisch und über das bevorstehende Nachbarschaftsfest wurden verteilt. Der Platz verwandelte sich für diese Stunden in das, was sich viele wünschen: Einen Treffpunkt von Nachbarn zum Austausch und Kennenlernen.

Es dauerte nicht lange bis der ein oder andere Blumentopf auf dem Rand der sechs Baumscheiben stand und darauf wartete, dass sein Inhalt einen neuen Platz bekommt. Die Baumscheiben waren vom Unkraut befreit und es konnte gepflanzt werden. Aber nicht nur mitgebrachte Blumen wurden eingepflanzt: Als deutlich wurde, was hier vonstattenging, wanderte auch so manche Blumenspende vom Blumenstand des Marktes zu den Aktivisten. Eine Dame sagte beispielsweise, dass sie nicht mehr helfen könne, aber eine Blumenspende möchte sie doch beitragen. Blumenerde wurde gekauft, gebracht und gespendet, Gießkannen besorgt, Wasser geholt, Blumen gepflanzt und immer wieder viel gelacht und geredet.

kehrenbürger_46Gegen Ende kamen noch einmal alle zu einer kurzen Besprechung und einem Dankeschön zusammen. Der ein oder andere verabschiedete sich. Ein paar sehr emsige Helfer machten aber weiter, kümmerten sich um die frisch ausgebuddelten Baumscheiben und bepflanzten noch die vierte und fünfte Baumscheibe. Für die letzte fehlte es dann leider an Zeit und Blumen. Als alles gepflanzt und die Geräte wieder am richtigen Platz waren, konnte ein sehr befriedigendes Ergebnis begutachtet werden: Der Platz war sauber, Unkraut kaum noch vorhanden und sechs Bäume standen in ihren schön hergerichteten Beeten. Eine kleine Maus aus Ton mit Namen „RuTi“ fand in einem Beet als Maskottchen seinen festen Platz. Ein paar der HelferInnen verabredeten sich samstags um 10.00 Uhr nach dem rechten zu schauen. In der unmittelbaren Umgebung wohnt eine junge Mutter, die versprach mit ihren Kindern in den nächsten Tagen die frisch gepflanzten Blumen zu wässern. Ganz zum Schluss konnte – wer wollte – noch das Angebot der Seniorenresidenz Bürgerpark Ecke Klingsorstraße/Hindenburgdamm in Anspruch nehmen und als Lohn für die Arbeit eine leckere Kartoffelsuppe im Haus essen.

Insgesamt ist die ganze Aktion ein wunderbares Beispiel für bürgerliches Engagement: Aus dem Anliegen einer Person wird ein Thema am Runden Tisch. Dort wird es besprochen, von den Teilnehmern eine geeignete Aktion erdacht, organisiert und durchgeführt. Am Ergebnis können sich viele erfreuen und das gute Gefühl, zusammen etwas geschafft zu haben, stellte sich von selber ein. Monika Zwicker war sehr zufrieden und dichtete dazu … und möchte sich auch künftig mit Unterstützung des Runden Tisches um ihre Anliegen und die Natur in der Nachbarschaft kümmern.

Die Aktion der Kehrenbürger – 30.04.2016

Mein Herz ist voll, mir geht es gut.
für heute liegt sie still, die Wut.

Wir trafen uns am Platze Ludwig-Beck
zu einem ganz besond’ren Zweck.

Mit Schwung in den Mai, nicht nur mit dem Besen,
es kamen viele fleißige Wesen.

Den Platz zu verschönern, um den Springbrunnen ‚rum,
war unser Ziel und keine Idee zu dumm.

Wir haben gezupft, gepflanzt und gefegt
und keiner hat sich aufgeregt.

Alle hatten gute Laune,
wir haben viel gelacht und es gab kein Geraune.

Zum Herzen geöffnet wurde eine Schranke,
kurzum ich sage allen danke!

Ein Mitglied des Runden Tischs Lichterfelde-West

                                                              Monika Zwicker

Begeisterung, Mut, Engagement und ein großes Problem

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Begeisterung, Mut und Engagement … starke Worte, aber ohne die geht’s nicht. Wir sitzen in einem kleinen Büro und beide Frauen erzählen von ihrem Projekt, von dem großen Problem und ihren Hoffnungen. Mit jedem Wort, das sie aussprechen, ist es spürbar – die ungebrochene Begeisterung für die Sache, der Mut sich dafür einzusetzen und das unglaubliche Engagement, das dahinter steckt. Marion Herzog und Barbara Posern erzählen vom „Rumpelbasar“ – ihrem Sozialkaufhaus – aber es ist weit mehr als das!

Liest man die Liste der Abteilungen, glaubt man sich in einem normalen Kaufhaus wiederzufinden. Haushaltswaren, Kleidung, Wäsche, Accessoires, Kinder, Bücher, Möbel, Elektrozubehör … alles da. Nur die letzte Abteilung offenbart dann, um welche Art Kaufhaus es sich handelt: Spendenannahme. Alles, was sich in diesem Kaufhaus finden lässt, kommt aus Haushalten, in denen es keine Verwendung mehr fand. Statt den Weg in den Müll zu nehmen, wurde es im Rumpelbasar abgegeben und nach Begutachtung einsortiert. Dort suchen die Sachspenden neue Besitzer und weitere Verwendung. Für wenig Geld kann man hier allerlei finden. Wenn man aufmerksam schaut, sicherlich das ein oder andere Schnäppchen machen oder eine besondere Sammlung ergänzen. Sparen kann hier jeder, denn alles, was angeboten wird ist in einwandfreiem Zustand, nur eben nicht fabrikneu. Der Rumpelbasar steht allen Menschen offen. Denjenigen, die gut haushalten müssen, denjenigen, die sparen möchten und denjenigen, die Spaß am Trödeln haben und zu den Jägern und Sammlern gehören. Es macht Spaß, sich in den Räumen umzuschauen und etwas ältere Jahrgänge finden sich bei manchem Gegenstand, beispielsweise einer schönen Sammeltasse, in ihren Erinnerungen wieder.

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Mit einem Aufruf im Gemeindebrief fand der Rumpelbasar 1970 seinen Ursprung. „Nichts wegzuwerfen, was andere noch gebrauchen können.“ war der Grundgedanke des Projektes in Zehlendorf. Es entwickelte sich durch die Jahre immer weiter. Allein im ersten Jahr konnten so 5000 D-Mark gesammelt werden. Im Jahr 2001 wagten dann die ehrenamtlichen MitarbeiterInnen den Schritt in die Eigenständigkeit und gründeten den gemeinnützigen Verein „Rumpelbasar e.V.“. Heute arbeitet der Verein mit 45 ehrenamtlichen Helfern. Zehn davon sind auch Mitglieder des Vereins und allein zwei Männer sind fest angestellt. Arbeit ist für alle 45 Helfer reichlich vorhanden, denn tatsächlich alles, was hier verkauft wird, ist gespendet. Die Spenden, die gebracht oder abgeholt werden, müssen gesichtet, sortiert, gelagert werden. Schaut man sich im Rumpelbasar um, wird einem sofort klar, welch logistische Aufgabe es ist, bei so vielen Sachen die Übersicht zu behalten. Buchhaltung, Verwaltung, Kommunikation, Administration sind weitere Beispiele für Aufgabe, die neben dem reinen Verkauf erledigt werden müssen und selbst die 45 Helfer manchmal an zeitliche Grenzen stoßen lassen.

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Dieses Kaufhaus macht Gewinn und ist ein Gewinn für alle, die davon profitieren dürfen. Sind die Unkosten, wie Miete, Strom, Benzin und ähnliches gedeckt, geht der Überschuss in soziale Projekte, die Unterstützung und Hilfe benötigen. Unterstützt wird in zwei Formen: Zum einen können Einrichtungen und Projekte um Sachmittel bitten. Wenn beispielsweise eine Mutter-Kind-Einrichtung Erstausstattungen für Säuglinge oder ein Jugendprojekt Winterkleidung benötigt, werden gezielt die entsprechenden Sachen gepackt und dem Projekt zur Verfügung gestellt. Zum anderen kann finanzielle Unterstützung erbeten werden. Zweimal im Jahr wird den Projekten finanziell und zweckgebunden geholfen, wodurch manches möglich gemacht wird, was aus anderen Mittel nicht bezahlt werden kann. Die Auswahl der Begünstigten wird gut geprüft und Unterstützung gibt es nur, wenn die Projekte weiterhin begleitet werden dürfen. Entschieden, wer begünstigt wird, wird stets gemeinsam in der Mitgliederversammlung des Vereins. Nicht ohne berechtigtem Stolz erzählt Marion Herzog, dass so über die Jahre schon über eine Million Euro an gemeinnützige Projekte und Vereine weitergegeben werden konnte.

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Noch etwas anderes hat sich über die Jahre entwickelt, dass man bei solchen Engagement nicht unterschätzen darf. Die menschliche Komponente ist in jedem Winkel des Kaufhauses zu spüren. So erzählt Barbara Posen von der einen Kundin, die nach einem Umzug Fotos der Eröffnungsfeier in Rahmen zu einer Collage zusammenfügte und für die noch weißen Wände vorbeibrachte. Eine andere Unterstützerin malte gar für die Sitz- und Kaffee-Ecke drei wunderschöne große Blumenbilder, die den ganzen Raum nun schmücken. Viele Unterstützer, Spender, Freunde und treue Kunden begleiten den Rumpelbasar seit vielen Jahren. Und auch wenn es nicht das Ziel oder die Aufgabe des Kaufhauses ist, bekam hier schon mancher den richtigen Tipp oder Hinweis für ein kleines Problem.

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Noch aus der Zeit, in der die Idee entstand einen gemeinnützigen Verein zu gründen, kennen Veronika und Thomas Mampel den Rumpelbasar und seine Gründerinnen. Sie besuchten den Rumpelbasar damals für zwei Stunden und Veronika Mampel erzählt, dass sie schon damals den Elan, die Vision und das Leuchten in den Augen der Gründerinnen wahrnehmen konnte. Sie bestärkten die Frauen ihrem Mut zu folgen und boten Hilfe im Rahmen des eigenen Vereins, des Stadtteilzentrums Steglitz e.V., an. Das ist lange her und auch das Stadtteilzentrum war im Rahmen seiner Kinder- und Jugendarbeit sehr oft dankbar Unterstützung zu bekommen. So konnten Kinderreisen oder besondere Ferienprojekte mitfinanziert werden, für die anderenfalls keine Mittel zur Verfügung gestanden hätten. Über die Jahre hat sich eine erfolgreiche und fruchtbare Zusammenarbeit gefestigt.

Marion Herzog und Connie Ehlers stellvertretend für alle ehrenamtlichen HelferInnen des Rumpelbasars

Marion Herzog und Connie Ehlers stellvertretend für alle ehrenamtlichen HelferInnen des Rumpelbasars

Begeisterung, Mut und Engagement … aber auch ein großes Problem. Das Objekt in dem der Rumpelbasar zur Zeit beheimatet ist, wurde verkauft. Zum 31. Dezember 2015 stehen dem Projekt keine Räume mehr zur Verfügung. Es muss dringend ein neuer Ort gefunden werden, der den Rumpelbasar auf einer Fläche von etwa 800 qm weiter bestehen lässt. Und auch, wenn Sie denken, dass sie keine Räume zur Verfügung haben – helfen Sie indem Sie es jedem weiter erzählen. Fragen Sie, wo sie leere Räume sehen. Machen Sie sich für dieses Projekt stark, wenn Sie gute Kontakte haben. Unterstützen sie den Rumpelbasar mit Ihrer Begeisterung, ihrem Mut und Engagement … ein Projekt, dass in seinem Anspruch zeitgemäß, nachhaltig und aktueller denn je ist.

Rumpelbasar Zehlendorf e.V.
Am Stichkanal 2 – 4, 14167 Berlin
(Ecke Goerzallee, Nähe OBI, Bus 285)

www.rumpelbasar-zehlendorf.de

Öffnungszeiten (Verkauf und Spendenannaheme):
Dienstag 9.30 – 11.30 Uhr, Mittwoch 17.00 – 19.00 Uhr.

Telefon: 030 84 72 20 23 montags + donnerstags zwischen 10.00 – 12.00 Uhr.
Außerhalb dieser Zeiten läuft der Anrufbeantworter.

Hier raschelt es. Dort knistert was. Die Spannung steigt!

Rebloggt von der Homepage des Stadtteilzentrum Steglitz e.V.
– ein Gastbeitrag von meinem Kollegen Sebastian Unger


Ich freue mich außerordentlich auf diesen
Kunstmarkt der Generationen 2015
und könnte es selber besser gar nicht beschreiben
– Anna Schmidt

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Und mit der Spannung steigt die Vorfreude, denn in wenigen Tagen heißt es: „Hiermit eröffnen wir den Kunstmarkt der Generationen 2015!“ Am 27. Juni wird wieder bestaunt und gebastelt, besprochen und gemalt.

Es freut uns außerordentlich, dass wir in diesem Jahr mit Cerstin Richter-Kotowski eine Schirmherrin für den Kunstmarkt der Generationen gewinnen konnten, die unsere Begeisterung für die Kunst ebenso teilt, wie den Wunsch damit Menschen einander näher zu bringen. Als Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur, Sport und Bürgerdienste in Steglitz-Zehlendorf sind ihr die Anliegen unseres Kunstmarktes der Generationen ebenfalls vertraut und von großer Bedeutung. Wir wollen das kulturelle Leben sowie die Teilhabe aller daran steigern. Ebenso ist unser Kunstmarkt ein schönes Beispiel für bürgerschaftliches Engagement, das auch unserer Schirmherrin besonders am Herzen liegt.

Gemeinsam mit ihr und unseren Gästen, mit alten und neuen Freunden und den Kunst-schaffenden, möchten wir einen Tag erleben, bei dem die Kunst, die Personen dahinter sowie das Erlebnis Kunst zu machen und Kunst zu genießen im Mittelpunkt stehen. Seinem Namen wird unser „Kunstmarkt der Generationen“ gerecht, wenn es gelingt, zum Beispiel dem Großvater zu zeigen, was der Enkel so „cool findet“ oder auch wenn die Mama dem Kind zeigen kann, was ihr gefällt und sich daraus dann ein reger Austausch und noch mehr gegenseitiges Interesse entwickeln. Einhundert Marktstände von über 100 Künstlerinnen und Künstlern und ihre Werke werden jedenfalls reichlich Anlass dazu geben.

Die Kunst-schaffenden und das Stadtteilzentrum Steglitz e.V. als Veranstalter des Kunstmarktes der Generationen eint die Überzeugung, dass die Kunst in all ihren Facetten helfen kann, Menschen einander näher zu bringen, Interesse zu stiften und Brücken zu bauen. Und wo geht das schöner als im wunderbaren Ambiente des Schlossparks Lichterfelde durch das Grünflächenamt Steglitz-Zehlendorf ermöglicht.

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Wir werden an diesem 27.6.2015 Fotografien, Aquarelle, Ölgemälde, Plastiken und vieles mehr zu sehen und natürlich auch zum Kauf angeboten bekommen. Wir sind – wie auch viele Aussteller – schon sehr gespannt, wie sich die Gespräche an den Ständen, das Fachsimpeln sowie das Handeln entwickeln werden. Im letzten Jahr nahmen wir mit großer Freude wahr, dass das Interesse an der Kunst sowie am Austausch mit den Kunst-schaffenden immens war.

Wie entstehen solche Werke? Wie wird man Künstler? Wo bekommt man welches Zubehör am besten? Wie ist das Leben einer freischaffenden Künstlerin? All das und noch unendlich vieles mehr macht diesen Kunstmarkt für alle Beteiligten so besonders.

Auch wenn sie angeblich „vom Können“ kommt, so lebt Kunst doch immer zuerst vom Machen! Daher erwarten Sie auch in diesem Jahr wieder einige Angebote zum Mitmachen oder sich Ausprobieren. Deshalb darf mal wieder von Herzen gebastelt, gemalt und sogar getrommelt werden – all das natürlich unter professioneller Anleitung und stets mit Spaß an der Sache! Kinderschminken, Blumenfilzen, Töpfe und Steine bemalen – all das und einiges mehr erwartet Sie und Euch.

szs_kmdg_2014_4Ebenfalls für Spaß sorgen wird ab 14.00 Uhr auch ein kleines Bühnenprogramm.

Sie heißen „Mini-Stars“, „Tanz-Zwerge“ oder auch „Teenie Stars“, und sie werden gemeinsam mit ihrer Tanzlehrerin Ania aus dem KiJuNa für beste Unterhaltung sorgen, wenn sie uns ihre Kunst – den Tanz – darbieten. Später wird uns der Chor Gospelhouse mit seiner Sangeskunst ebenso größere Freude bereiten. Sogar die Kreistanz-Gruppe aus dem Gutshaus Lichterfelde und eine Qi Gong-Vorführungen wird es geben!

Als wäre das nicht schon sehr sehr viel für einen Tag, kommt dann noch etwas besonders tolles auf uns alle zu! Nachdem wir im Vorjahr ein frisch bespraytes Auto versteigert haben, dessen Erlös der Kinder- und Jugendarbeit des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. zugute kam, machen wir diesmal alles etwas größer und sicherlich noch aufregender.

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Einige unserer Aussteller haben sich bereit erklärt, ihre Werke zu spenden für eine Kunstauktion für den guten Zweck. Diese Werke werden ab 16.00 Uhr auf der Terrasse des Gutshauses Lichterfelde in einer klassischen Auktion versteigert. Jeder kann mitbieten und mit etwas Glück ein einzigartiges Kunstwerk erstehen, dessen Erschaffer oder Erschafferin sogar selbst vor Ort sein wird. Auch diesmal kommt der gesamte Erlös der Kinder- und Jugendarbeit des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. zugute. Die Stifter der Werke – also die Künstler selbst – gaben uns schließlich einen klaren Auftrag, was wir mit den Erlösen „ihrer Schätze“ tun sollten:

„Ich hoffe, dass die Kinder und Jugendlichen auch in Zukunft einen sicheren und kreativen Raum haben werden und freue mich, wenn ich einen kleinen Beitrag dazu leisten kann.“ „Ich würde mich sehr freuen, wenn meine Spende bewirken könnte, dass die Kinder- und Jugendarbeit wieder den Zugang zu den natürlichen Lebensprozessen finden könnte. […] Ich wünsche den Kindern und Jugendlichen eine vielfältige und kreative Zukunft […].“ „Vielleicht wird es dadurch möglich, Kinder/ Jugendliche näher an die Kunst […] zu führen.“ „Vielleicht kann meine kleine Spende beitragen helfen, dass Wünsche der Kids für ihren Aufenthalts(h)ort erfüllt werden können (vielleicht ein neues Klettergerüst?) oder […] einen außergewöhnlichen, tollen Ausflug.“

Dies sind nur einige der Äußerungen, die „unsere Künstler“ diesbezüglich gemacht haben. Sie zeigen einerseits, welche großartigen Menschen hier hinter den Werken stecken. Sie schauen alle weit über ihren eigenen Tellerrand hinaus und haben den Wunsch, mit ihrer Arbeit etwas Gutes für uns alle zu tun. Dafür danken wir alle ihnen schon heute von ganzem Herzen! Gleichzeitig machen sie deutlich, welche Möglichkeiten sich eröffnen können, wenn wir alle aktiv an dieser speziellen Auktion teilnehmen.

Um Ihnen die Entscheidung zu erleichtern, für welches Kunstwerk Sie gegebenenfalls mitbieten möchten, werden sämtliche Auktionsobjekte in Form einer kleiner Sonderausstellung den gesamten Tag über in den Räumen des Gutshauses präsentiert. Auch einige Hintergrundinformationen werden parat sein. Und nicht zuletzt hat man die einzigartige Chance, sich bei den jeweiligen Künstlern noch weiter zu informieren und mit jenen ins direkte Gespräch zu kommen.

Neben den vielen musischen Freuden wird sich selbstverständlich auch um das körperliche Wohl gekümmert – und dabei wieder gutes getan. Grillwürstchen, alkoholfreie Cocktails, Erfrischungen sowie gespendete Kuchen laden ein zum Schlemmen. Auch diese Erlöse gehen wieder komplett in die Kinder- und Jugendarbeit ein.

Bis dahin wird es nun noch wenige Tage lang knistern und rascheln, während die Spannung – ebenso wie die Vorfreude – einfach immer weiter ansteigen. Deshalb freuen wir uns jetzt schon auf einen zauberhaften, mitreißenden Kunstmarkt der Generationen mit Ihnen und Euch am 27.06.2015 von 11.00 bis 19:00 Uhr im Schlosspark Lichterfelde, am Hindenburgdamm 28, 12203 Berlin.

Sebastian Unger
Projektleiter der EFöB an der 10. ISS

Die Bilder der Versteigerung beim
Kunstmarkt der Generationen 2015

(Der Erlös der Versteigerung geht zu 100% zugunsten der
Kinder- und Jugendarbeit des Stadtteilzentrum Steglitz e.V.
27.6.2015, Beginn 16.00 Uhr)

affeldPia Affelt, „Ebbe & Flut“, 30 x 30 cm, Acryl, Quarzsand auf LW

denkerInge Denker, „Eck Kneipe“, 24 x 34 cm, Aquarell, Druck

eichheim2Burghild Eichheim, „Mutter mit Kind“, 17 x 12 cm, Aquarell

eichheim1Burghild Eichheim, „Blumenstrauß“, 24 x 33 cm, Pastell

eichheim3Burghild Eichheim, „Kinderportrait“, 15 x 21 cm, Graphit

eichheim4Burghild Eichheim, „Hermes“, 27 x 21 cm, Gouache

fischerMonika Fischer, „Kirche in Lichterfelde“, 60 x 80 cm, Aquarell

FranzmeierKarin Franzmeier, „Russische Kirche“, 30 x 40 cm, Ölfarbe mit Spachtel auf Goldgrund

Franzmeier1Karin Franzmeier, „Venedig“, 60 x 90 cm, Ölfarbe mit Spachtel

JosupeitMaike Josupeit, „Kunstmarkt“, 24 x 30 cm, Ölbild (PlenAir/Freilichtmalerei)

neu_kapruckaRenate Kaprucka, „Teddy“, 37 x 27 cm, Aquarell

LenskyThomas Lensky, „Fuchsie rot-weiß“, 36 x 48 cm, Aquarell

MunkeKatrin Munke, „Nordlicht“, 25 x 30 cm, Acryl auf Leinwand

NachtigallSigrid Nachtigall, „Landschaft“, 15 x 15 cm, Acryl – Mischtechnik

peukeCarmen Peuke, Keramikschale, 35 cm Durchmesser

ReuterKatja Reuter, „LongDong“, 80 x 120 cm, Fotoleinwand mit Acryl

Reuter_AmelieAmelie Reuter (Tochter von Katja Reuter), 15 x 15 cm, Acryl auf Leinwanddruck

Reuter_Amelie1Amelie Reuter (Tochter von Katja Reuter), 15 x 20 cm, Acryl auf Leinwanddruck

ThimmHedda-Maria Thimm, 60 x 80 cm, Acryl

neu_ViebahnBodo Viebahn, „Treppenhausgeometrie“Fotografie

WolfskyJon Wolffsky, „cosywash – Brücke in Italien“, 40 x 60 cm, Digitaldruck – Photoshop

neu_KlickBernd Klick, „Plantane“, 50 x 70 cm, Collage Chinapapier auf Leinwand

Eine Einrichtung mit Herz – der „kieztreff“

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Wenn sie auf die lange Wand an der Seite des „kieztreffs“ schaut, ist Rita Schumann besonders stolz. Dort ist ein riesengroßes Graffiti zu sehen, dass 2011 im Rahmen einer Veranstaltung von ihrem Kollegen und Graffiti-Künstler Sebastian Unger gesprüht wurde. Es ist immer noch unbeschädigt und das empfindet sie als eine Art Respekterweisung gegenüber der kleinen Einrichtung. Der „kieztreff“ ist eine Nachbarschaftseinrichtung in der Thermometersiedlung in Lichterfelde-Süd und feierte in diesem Jahr unter der Trägerschaft des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. und in Kooperation mit FAMOS e.V. Berlin sein 10-jähriges Bestehen. Rita Schumann ging 2006 das erste Mal durch die Tür des Treffpunktes.

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Anfänglich war ihr nicht klar, was für eine erfüllende Aufgabe ihr bevorstand, als sie im „kieztreff“ als Projektleiterin anfing. Es war ein völlig neuer Einstieg nachdem sie jahrelang im Künstlermanagement gearbeitet hatte. Eine Tätigkeit, die so gar nichts mit sozialem Engagement zu tun hatte. Aber es war durchaus so gewollt: Nach der Arbeit mit den schönen Künsten und der Zusammenarbeit mit Künstlern stand ihr der Sinn danach etwas für das Gemeinwohl zu tun. Dazu bekam sie reichlich Gelegenheit und eigentlich gleich von Anfang an freute sie sich jeden Tag zur Arbeit zu gehen, Menschen aus dem Kiez zu treffen und mit Rat und Tat Unterstützung im Alltag zu geben. Hier kam ihr die erworbene Menschenkenntnis und Flexibilität zugute, die ihr früheres Berufsleben forderte. Aber hier war auch das Herz am richtigen Fleck gefragt und dafür war sie genau die Richtige. Die Einrichtung blühte auf und konnte sich beständig in der Nachbarschaft etablieren.

Die Aufgaben, die sie zu bewältigen hat sind sehr vielfältig und verlangen ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen. Es kommen Menschen vorbei, die Hilfe bei Schriftwechseln mit Ämtern oder Vermietern benötigen. Manche wissen nicht, wie man eine Bewerbung verfassen kann und bekommen hier Unterstützung, manche haben ein Problem und möchten es einfach loswerden und manche möchten zum Problem einen Rat. Rita Schumann muss mit feinem Gespür herausfinden, wie viel Hilfe gewünscht wird ohne zu nahezutreten. Natürlich weiß sie nicht alles, gibt sich auch nicht den Anspruch, aber sie weiß wohin man sich wenden kann und wer weiter helfen kann. Mit der Zeit konnten einige Beratungsangebote etabliert werden. In der Bürgersprechstunde steht die Polizei regelmäßig zur Verfügung, in der sozialen Sprechstunde können alle familienrelevanten Themen angesprochen werden und wenn’s ganz dicke kommt, gibt es auch noch eine Rechtsberatung vornehmlich für Familienrecht.

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Die Besucher der Einrichtung kennen sich zum großen Teil alle aus der Nachbarschaft, vom Sehen, vom Einkauf, von der Bushaltestelle. Sehr viele Familien mit kleinen Kindern kommen, auch alleinstehende Menschen und Senioren. Alle kommen vorbei und schätzen den einvernehmlichen Ton in der Einrichtung. Alle finden ein passendes Angebot oder wissen einfach eine gute Tasse Kaffee zu schätzen. Angebote gibt es viele und es fällt nicht schwer sie anzunehmen. Ausländische Frauen können einen Deutschkurs besuchen, der ihnen hilft im Alltag zurechtzukommen. Senioren können ihre Englischkenntnisse auffrischen, Kreative finden sich in der Malgruppe wieder und eine Rommé-Gruppe will sich gründen. Die Kaffee- und Gesprächsrunde bietet immer wieder neue Themen … das Miteinander bestimmt die Angebote und die Nachfrage ist groß. Dennoch sollte man kinderfreundlich sein, wenn man den „kieztreff“ besucht. Die Kleinen nehmen den gemütlichen Treffpunkt sehr für sich ein. An den Bastelnachmittagen, die mit FAMOS e.V. Berlin in Kooperation angeboten werden, wimmelt und wuselt es nur so von kleinen Künstlern, die egal ob drei oder zwölf Jahre alt, alle etwas Schönes mit nach Hause nehmen wollen. In der Lesestunde mit Märchen oder Gruselgeschichten und bei der Hausaufgaben-Hilfe sind auch die kleinen Geister ruhiger. Aber es ist gleichgültig, ob die Kinder im Sommer das Freigelände beschlagnahmen oder im Winter die Zimmer mit ihrem Spiel füllen, sie gehören zum Bild dazu und laden jedem zum Lächeln ein. Ob die Gäste einfach kommen um nicht alleine Frühstücken zu müssen oder ob sie am monatlichen Brunch teilnehmen, spielt im „kieztreff“ keine Rolle. Alle möchten Begegnung, Gespräch und gemeinsames Erleben. Hier kann man zwanglos Kontakte knüpfen oder einfach eine Zeitung lesen und nur am Rande das Geschehen beobachten.

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Das der „kieztreff“ so lebhaft ist, ist insbesondere der bunten Mischung vieler Nationen und Kulturen zu verdanken. Hier verkehren türkische, arabische, baltische, asiatische und polnische Familien. Die Unterschiede zwischen den Kulturen werden in den Alltag mit einbezogen. Muslimische Familien zum Bespiel feiern mit den Einheimischen Weihnachten und Ostern, die christlichen Kinder werden zum Zuckerfest von manchem Gast mit einem kleinen Geschenk bedacht. Es herrscht eine große Akzeptanz untereinander. Aber auch Neugierde und Interesse an fremden Kulturen. So hat das Feiern einen besonderen Stellenwert in der kleinen Einrichtung. Da die Wohnungen der Familien oftmals zu klein sind, verlegen sie ihre privaten Festlichkeiten in den „kieztreff“. Familienfeiern aller Art und Kindergeburtstage werden sehr oft ausgerichtet. Rita Schumann hilft mit ihren ehrenamtlichen Kräften, dass die Mütter einen schön geschmückten Raum präsentieren können. Das Buffet und was man so zum Essen benötigt bringen die Familien selber mit. Der Raum ist für diese Feiern so gefragt, dass man unbedingt einen Termin reservieren muss und die Einschränkung akzeptiert, dass nur während der Öffnungszeiten gefeiert werden kann. Macht aber nichts – genauso wenig, wie die Tatsache, dass meist mehr Gäste dabei sind, wenn sie schon mal in der Einrichtung sind. Vor der Tür muss niemand stehen. So passiert es, dass bei der Babyparty oder Taufe, der ein oder andere alleinstehende Senior dazu geladen wird oder die Trauerfeier durch Kinderlachen gelockert wird – das ist im „kieztreff“ nun einfach mal so. Abgrenzungen finden kaum statt, eher das Gegenteil kommt zum Tragen.

Manche Momente möchte Rita Schumann am liebsten festhalten. Hin und wieder kommt beispielsweise ein älterer Herr aus der Nachbarschaft vorbei. Die Kinder nennen ihn liebevoll „Herr Seymerchen“. Er ist 75 Jahre alt und spielt mit den Kindern sehr gerne, meistens Kids-Memory oder „Mensch ärgere dich nicht“. Hin und wieder ist ein besonders ehrgeiziges und mutiges Kind dabei, das fordert ihn dann zum Schach heraus. Herr Seymer nimmt es gelassen und wer weiß, wie oft er schon seine kleinen Spielpartner hat gewinnen lassen. Das sind die Szenen, die für Rita Schumann das nachbarschaftliche Zusammenleben symbolisieren. Diesen Momenten Raum zu geben, das Miteinander der Menschen zu moderieren, Anregungen und Hilfe zu geben, das sieht sie als ihre Herausforderung und Aufgabe an. Sie nimmt sie von Herzen täglich auf’s neue an und macht so aus dem „kieztreff“ eine Einrichtung mit Herz!

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Dieser Beitrag kam mit der wertvollen Unterstützung meiner Kollegin Rita Schumann zustande! 🙂

Leitartikel der Homepage des Stadtteilzentrum Steglitz e.V.
vom 29. September 2014

Warum machst du das eigentlich?

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„Warum machst du das eigentlich“, fragte mich eine Bekannte und ihr Unverständnis in der Stimme war deutlich zu hören. Im ersten Moment war ich verwirrt, bis ich verstand was sie meinte. Ich hatte mich beklagt, dass ich trotz Müdigkeit am Abend noch eine ehrenamtliche Arbeit für den Sportverein meiner Kinder fertig bekommen musste. Ja, warum macht man das eigentlich. Warum engagieren sich manche Menschen ehrenamtlich, obwohl vordergründig keine Vorteile daraus ersichtlich sind. Ein Ehrenamt hat immer etwas den Ruf, dass man mehr investiert als man zurück bekommt. Also muss es andere Gründe geben, warum sich viele Menschen engagieren und so einen wertvollen Beitrag in allen gesellschaftlichen Belangen leisten. Ehrenamtlich Engagierte als blauäugig oder Weltverbesserer abzutun wäre zu leicht.

In einem Bereich meiner Arbeit wechsele ich die Rolle der selbst Engagierten, in die Rolle derjenigen, die ein Ehrenamt anbietet. Mein Arbeitgeber ist das Stadtteilzentrum Steglitz e.V., ein sozialer Verein mit Einrichtungen von der Kita bis zum Seniorenheim. Mein Arbeitsbereich ist die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Rahmen begleite ich ein Projekt, das ohne ehrenamtliche MitarbeiterInnen in dieser Form nicht denkbar wäre – die Stadtteilzeitung Steglitz-Zehlendorf. Die erste Stadtteilzeitung erschien im März/April 1996 und hieß damals noch “Nachbarschaftsbote”. Die ersten Ausgaben wurden auf einem Kopierer vervielfältigt, aber im Laufe der Zeit entwickelte sie sich zur Stadtteilzeitung und veränderte viele Male ihr “Gesicht”. Nach einer sieben monatigen Zeitungspause durfte ich an diesem Projekt ab April 2003 teilhaben. Schaut man in das Impressum der ersten Ausgaben 2003, so findet man vornehmlich MitarbeiterInnen des Stadtteilzentrums, was sich aber in den folgenden Ausgaben sehr schnell ändert. Das Impressum füllte sich sehr bald mit den Namen ehrenamtlicher RedakteurInnen, die uns nun zum Teil schon über sehr viele Jahre begleiten.

Die Gründe in diesem Bereich mit Ehrenamtlichen zu arbeiten sind vielfältig. Einer davon ist der zeitliche Aspekt. In der täglichen sozialen Arbeit ist zum einen viel zu tun und zum anderen fällt es MitarbeiterInnen schwer zu erkennen wie erzählenswert ihre Arbeit ist, die sie als Selbstverständlichkeit ansehen. Geht ein Kind glücklich nach der Hausaufgabenbetreuung nach Hause, ist das für „Zeitungsmacher“ eine Geschichte wert. Der Mitarbeiter sieht eher die erfüllte Pflicht, die schwer in Worte zu fassen ist. Der Blick des Ehrenamtlichen von außen, lässt es dann wiederum zu einem Bericht werden. Hinzu kommt die Vielfältigkeit der Stadtteilzeitung, die aus allen Bereichen des Bezirks berichtet. Nicht nur eigene Einrichtungen, auch Kooperationspartner, Initiativen, der Bezirk, Privatpersonen, Schulen, Aktionen, Projekte … jeder kommt zu Wort, der sich an die Redaktion wendet und die moralischen Grundsätze der Zeitung einhält. Diese Vielfältigkeit zu bedienen ist nur durch ehrenamtliche Redakteure möglich, die aus allen Bereichen des Bezirks kommen. Sie sind nicht nur die Berichtenden, sondern zugleich auch diejenigen, die Hinweise geben, worüber wir berichten sollten. Seit einigen Jahren arbeiten wir in der Redaktion in jeder Ausgabe mit Themenschwerpunkten, wie zum Beispiel Familie, Bildung, Jugend, Sport, Nachhaltigkeit. Auch diesbezüglich offerieren die RedakteurInnen die notwendige Vielfalt. Durch die Unterschiedlichkeit ihrer Persönlichkeiten bekommen die Themenschwerpunkte verschiedene Gewichtungen, die eine abwechslungsreiche Zeitung möglich machen.

Die Redaktionssitzungen sind spannend. Denn auch wenn sich das Team meist schon lange kennt, gibt es immer wieder Diskussionen, die verschiedene Standpunkte und Sichtweisen unter einen Hut bringen müssen. Es muss ein gemeinsamer Nenner gefunden werden, der eine gemeinsame Zeitungsausgabe möglich macht. Die Gründe über teils viele Jahre in diesem Team mitzuarbeiten sind unterschiedlich. Dank und große Wertschätzung hat einen hohen Stellenwert. Es ist eine fruchtbare Arbeit, abwechslungsreich und spannend und letztendlich erfüllt es ja auch mit Stolz, zu wissen, dass der eigene Artikel 10.000 mal im Bezirk gelesen wird. Es ist ein Team, das über die Zeit gelernt hat, die Eigenheiten, Schwächen und Stärken der anderen zu schätzen.

Meine KollegInnen erfreuen sich ebenso der Unterstützung durch Ehrenamtliche in ihren Arbeitsbereichen. Englischunterricht, Deutschunterricht, Lesestunden für Kinder, Bastelstunden, Hilfe im Nachbarschaftscafé, bei der Gartenarbeit, Hausaufgabenhilfe … sind einige Beispiele dafür. Und genauso wie die Ehrenamtlichen der Stadtteilzeitung, ermöglichen sie eine Angebotsvielfalt, die nur mit dem normalen Arbeitsaufwand personell nicht möglich wäre. Sie bringen den Gemeinschaftsgedanken, Freude am Umgang mit Menschen, Wertschätzung, Erfahrungen und viele andere menschliche Aspekte mit ein, die eine große Bereicherung und ganz besondere Hilfe sind.

In jedem Ehrenamt liegt ein egoistischer Aspekt. So engagiere ich mich in der GEV (Gesamteltervertretung) der Schule meiner Tochter und bin besser informiert, als die meisten Eltern. Ich engagiere mich im Sportverein und kann auch so indirekt den sportlichen Gedanken meiner Kinder fördern. Ich stelle mich an einen Info-Stand meines Vereins und kann meiner Neugier auf ein Event den nötigen Raum einräumen. Ich schreibe für eine Zeitung und finde meine Berichte in großer Vervielfältigung. Ich gebe Deutschunterricht und trainiere eine Weiterbildung. Ich helfe im Café und bin nicht mehr allein. Es ist ein gesunder Egoismus, der Menschen motiviert, sich zu engagieren. So müsste die Antwort auf die Eingangsfrage eigentlich eine Gegenfrage sein: „Warum machst du es noch nicht?“

Erschienen auf der Seite des Paritätischen Berlin für den Rundbrief August 2014
www.paritaet-berlin.de