Unter der Mütze versteckt!

Foto: © Claudia Paulussen - Fotolia.com

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An einem Winterabend ging ich mit meinem Mann eine Straße in Berlin-Neukölln entlang. Ein Puppentheater war unser Ziel. Es war dunkel, kalt und Schneeregen fiel. Wir kamen an vielen kleinen Läden vorbei, die trotz des Wetters ihre Waren zur Straße hin präsentierten, geschützt unter Regendächern. Dazwischen immer wieder kleine Cafés, in denen meist Männer saßen, sich unterhielten und Kaffee tranken. Nach einer Weile sagte ich scherzhaft zu meinem Mann, ich wäre froh, dass ich eine Mütze auf dem Kopf tragen würde und man meine blonden Haare nicht sehen konnte. Es kam mir vor, als wenn wir in einer Stadt in einem südlichen Land wären. In diesem Viertel leben wohl vornehmlich Bürger aus anderen Nationen. Dieses Gefühl ist es, denke ich, das jemand in ähnlicher, viel bedrückender, Weise hat, der in dieses Land kommt, fremd ist und sich vollkommen neu orientieren muss.

Seit zwei/drei Wochen habe ich ein ganz anderes Gefühl – ein ziemlich schlechtes. Ich werde es nicht mehr los und habe hin und her überlegt, ob ich es beschreiben soll oder es lieber sein lasse, meinen Senf dazu zu geben. Ich habe übelst viele Beiträge über die Demonstrationen in Dresden gelesen. Was dort vor sich geht, wollte ich begreifen. Deren Thesen habe ich mir angeschaut und auch darauf geachtet, Artikel zu lesen, die aus unterschiedlichsten politischen Richtungen kommen. Es hat alles nichts genutzt. Mein Gefühl wird immer schlechter und es geht mir nicht gut damit. Heute habe ich einen Film gesehen in dem diese Demonstranten zu Wort kommen und ihre Beweggründe beschreiben auf die Straße zu gehen. Im Moment bin ich nur fassungslos.

Jeder, der sich einigermaßen in der speziell deutschen Geschichte auskennt, weiß, dass ein ähnliches Muster gar nicht all zulange her ist – und es hat in einer unmenschlichen Katastrophe geendet. Ein Stellvertreter für den allgemeinen Bürgerfrust ist gefunden. Die Masse wird von wenigen mobilisiert und instrumentalisiert ohne zu merken, was eigentlich vor sich geht. Sie wird gelenkt in dem Glauben für etwas auf die Straßen zu gehen, das sie in Wirklichkeit mit jedem Schritt zerstört. Die Zyklen der Geschichte drehen sich weiter, aber ich hätte nie geglaubt, dass sie so unglaublich kurz sind. Und dass es so unglaublich leicht ist, so viele Menschen für dumm zu verkaufen – oder sie einfach dumm.

Geradezu als Frechheit empfinde ich es, die Behauptung dieser Wenigen zu hören, sie seien das Volk. 15.000 Demonstranten behaupten das Volk zu sein. 15.000 von 80 Millionen Menschen, die hier leben. Selbst wenn man die stillen Sympathisanten noch mit einrechnen könnte, wären sie noch lange nicht das Volk. Das Volk sind hier lebende Menschen, mit oder ohne Migrationshintergrund. Das Volk sind alle Schlesier und Ostpreußen, die nach dem letzten Weltkrieg das gleiche wie heutige Flüchtlinge erlebt haben, die sich hier integrierten und einen bedeutenden Anteil an diesem Staatswesen haben. Das Volk sind Hugenotten, Holländer und Russen, die unter dem Vielvölkerstaat Preußen das Glück hatten Zuflucht zu finden. Zuflucht – hier – das sind unsere Vorfahren. Das Volk sind alle südländischen Arbeiter, die wir in den 60er Jahren brauchten um dieses Land wieder aufzubauen und alle Türken, Araber, Afrikaner und viele andere … alle die tagtäglich ihren Anteil am Gemeinwesen hier leben und dieses Land multikulturell und weltoffen machen. Weltoffen – zumindest versuchen sie es.

Sie wollen Deutschland vor der Islamisierung schützen. Eine Gefahr, die nicht existent ist. Wie kann ich mein Land vor einer Religion schützen wollen, wenn ich die eigene Christliche nicht einmal begriffen habe. Oder noch schlimmer – eine Frau sagte ins Mikrofon: „Ich bin ja nicht religiös, will Weihnachten aber auch nicht in der Moschee verbringen!“ – Gute Frau, warum feierst du überhaupt Weihnachten, wenn du nicht religiös bist und was interessiert dich dann der Islam? Wenn ich so eine Behauptung in ein Mikrofon gesprochen hätte, könnte ich mir nur noch ein Erdloch suchen und hoffen, dass mich nie wieder jemand findet.

Wer bei diesen Demonstrationen mitläuft, hat ganz andere Probleme als die mit dem Islam. Und was immer das auch für Probleme sind, lassen sie sich in einem Schmelztiegel von Gleichgesinnten leichter ertragen. Diese Probleme sind existent und in unseren derzeitigen sozialen und wirtschaftlichen Verhältnissen sicherlich zu finden. Das berechtigt aber noch lange niemanden, dafür fremde Menschen verantwortlich zu machen, nur weil sie einen anderen Ursprung haben. Manche, die etwas ändern könnten, denken nur bis zur nächsten Wahl und gehen vorsichtig auf Kuschelkurs mit diesen Demonstranten – nur nicht zu viele Wähler vergraulen … Viele, die etwas ändern könnten, halten aus Bequemlichkeit den Mund.

Ich bin keine Expertin in der Soziologie und Politik dieses Landes. Mein Gefühl ist im Aufruhr und falsche Gefühle gibt es nicht. Ich bin enttäuscht, weil ich in den letzten Jahren glaubte, dieses Land öffnet sich weiter den fremden Nationen. Jetzt zeigt sich, dass der Rassismus selbstbewusster geworden ist, sich traut auf die Straße zu gehen, Gesicht zu zeigen … und die Unverschämtheit besitzt im Namen des Volkes zu sprechen. Parolen aus anderen Zusammenhängen klaut, Menschen diskriminiert, massenhafte Volksverblödung betreibt. Es macht mir Angst, dass sich diese Bewegung unter dem Deckmäntelchen des braven Bürgers versteckt, dem ich tagtäglich überall begegnen könnte. Welch eine grausige Vorstellung.

Und eine große Sorge macht sich in mir breit. Im nächsten Jahr wird mein Neffe geboren. Wir freuen uns alle ungemein auf dieses Kind. Er wird in Deutschland geboren, wird unsere Sprache sprechen, wird einen deutschen Namen haben, ist mit mir in direkter Linie blutsverwandt … und er wird höchstwahrscheinlich eine dunkle Hautfarbe haben. Seine Mutter ist Kenianerin. In was für eine Zeit wird er hineingeboren, in der Fremdenfeindlichkeit wieder auf die Straße geht. Was muss er einmal erleben, wie muss er sich als Deutscher behaupten, welche Gegenden von Deutschland sollte er meiden, welche Vorbehalte muss er ertragen. Er wird sich keine Mütze auf den Kopf setzen können, aber ich werde für meinen Anteil eingestehen, damit er mit einem guten Gefühl durch alle unsere Straßen laufen kann.

Die letzte Mohnstolle …

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Ich sah aus dem Augenwinkel, dass eine E-Mail von der Mutter ankam, worüber ich mich immer freue. Als ich sie las, war ich gar nicht mehr so freudig. Ich wusste nicht, wie ich sie einschätzen sollte. Es war die Ankündigung an meine Geschwister und mich, dass unsere Weihnachtspäckchen unterwegs seien. Das bedeutet in der Regel, bald gibt’s Mohnstollen, den sie jedes Jahr für uns backt – so lecker! Also eigentlich etwas, was Freude bei mir auslösen sollte. Aber in der Mail stand auch der Satz: „Genießt den Kuchen, denn ab jetzt könnt Ihr nur noch das Rezept von mir bekommen.“ Schon schlugen die Gefühle Purzelbaum – richtig auf’s Päckchen freuen wollte ich mich nicht mehr. Natürlich antwortet ich fröhlich, dass sie mir sicherheitshalber das Rezept schicken solle, falls ich sie im nächsten Jahr nicht mehr überreden könne, wieder eine Stolle zu backen.

Was mich so „unfreudig“ gestimmt hatte war die Tatsache, dass sich meine Mutter bester Gesundheit erfreut. Sie ist aber auch ein sehr klar denkender Mensch, der Tatsachen anspricht und ehrlich damit umgeht. Also auch, dass sie älter wird und manche Dinge ihr nicht mehr von der Hand gehen wie früher. So auch das Backen der Stollen für fünf „Kinder“ zu Weihnachten. Unterschwellig war aber auch eine andere Botschaft damit verbunden, die sich für mich durch dieses ganze Jahr zieht. Ich muss bereit sein mich von Menschen zu verabschieden. Akzeptieren, dass Menschen sich auf die letzte Lebensphase vorbereiten. Damit verbunden auch annehmen, dass dieses Thema für mich persönlich näher kommt. Ein sehr unbequemes Thema, wenn man eigentlich Mitten im Leben steht.

Im Juni haben wir die Schwiegermutter auf andere Weise verloren. Sie ist in die Demenz gefallen, das hatte ich in diesem Beitrag schon einmal beschrieben. Die ersten Wochen und Monate waren sehr schwer und wir mussten lernen damit umzugehen. Demenz muss man erleben, sonst kann man sich schwer vorstellen, wie sich die betroffenen Menschen verändern. Dabei haben wir es noch relativ gut getroffen, da sie zweihundert Meter weiter im Seniorenheim sehr gut untergebracht ist. Es fällt uns dennoch immer schwer sie zu besuchen. Ein Teil in uns möchte, dass es wieder so wie früher wird und der andere Teil beobachtet sehr realistisch, dass sich diese einst starke Frau immer weiter von uns entfernt. Sie wird kleiner, transparenter, leiser, zärtlicher, dankbarer … weniger!

Ich habe ihr eine kleine Nikolaustüte gepackt. Ein Schokoladen-Nikolaus, ein Schoko-Glückskäfer (den sie uns immer schenkte) und dann noch jeweils eine Klappdose mit Bonbons und eine mit kandiertem Ingwer. Ich war gespannt und diesmal fiel es mir nicht so schwer sie zu besuchen, hoffte ich doch, dass sie diese Dinge erkennt und sich freut. Normale Tüten zu öffnen und schließen geht mit ihren Fingern nicht mehr. Ich zeigte ihr, wie sie die erste Dose auf bekommt. Auf die Frage, ob sie weiß, was es ist, meinte sie: „Na diese Bonbons, diese Ca… , diese mit Lakritz.“ und ich sagte „Ja, Cachou-Bonbons!“ Sie nahm ganz schnell die zweite Dose in die Hand, die sie selber öffnete. „Ach, Ingwer!“ und schon war der erste in ihrem Mund. Ihr Lächeln war mehr als 1000 Goldstücke wert. Nach einem schönen Spaziergang mit ihr, ging ich einigermaßen zufrieden nach Hause. Nur einigermaßen zufrieden, weil sie mir im Gespräch wieder gesagt hatte, dass sie manchmal nicht mehr aufwachen möchte. Das tut weh. Zufrieden, weil ich gesehen habe, dass sie sich über Kleinigkeiten freut und ich aktiv etwas tun kann. Cachou-Bonbons und Ingwer, die sie immer liebte, sind offensichtlich noch in ihrer Erinnerung wach. Wer weiß, wie lange noch.

Abschied hat immer etwas Schweres in sich, ob plötzlich oder langsam, spielt keine große Rolle dabei. Man kann etwas nicht wieder zurückholen, es ist endgültig und die Angst, was diese Veränderung mit sich bringt und die verbundene Ungewissheit doch groß. Ein Kollege hat kürzlich seine Mutter verloren. Sie war friedlich eingeschlafen, was sicherlich tröstlich war, aber damit ist für ihn die ganze Elterngeneration weggebrochen. Er hat am Tag der Beerdigung einen sehr schönen, ergreifenden Nachruf an seine Eltern veröffentlicht. Ich habe ihn sehr bewundert dafür, weil er offen über seine Trauer sprach, dennoch seine Dankbarkeit zu Ausdruck brachte und seine Verbundenheit und Liebe zeigen konnte. So hat er seinen Söhnen vermittelt, was er selber an Erziehung erfahren hat, was er an Erziehung den Söhnen weitergeben wollte und die Söhne dies in ihre Kinder weitergeben können. Trotz aller Trauer hat er einen Weg aufgezeigt, wie seine Eltern weiterleben in der Erinnerung und der Erziehung der Kinder in dieser Familie.

Es geht immer weiter – anders halt, aber es geht! Manchmal schwer, manchmal leichter … mir ist bewusst, dass ich die Veränderungen nicht aufhalten kann. Will ich auch nicht, genauso wenig wie ständig daran denken. Oder durch so eine Mail mit einer Mohnstolle daran erinnert werden. Lieber konzentriere ich mich auf das Jetzt. Überlege, wie ich die Zeit, die ich z.B. mit der Schwiegermutter noch habe, nutzen kann. Wie ich mich auf Veränderungen vorbereiten und wappnen kann. Genauso wie ich bereit sein muss, mich von Menschen zu verabschieden, muss ich bereit sein, Menschen in meinem Leben zu begrüßen. Was steht mir noch mit meinen Kindern bevor? Ich bin so dankbar, dass ich sie um mich habe, sind sie doch ein entscheidender Motor für mein Leben. Ich freue mich auf neues Leben, denn sicherlich werde ich in vielen Jahren auch einmal Oma sein. Erst einmal werde ich Tante – im nächsten Mai bekomme ich eine Nichte oder einen Neffen. Mein jüngster Bruder wird das erste Mal Vater und die Familie wächst weiter. Ein absoluter Grund für Optimismus – so eine große Freude für uns alle.

In diesem Jahr genieße ich die letzte, von der Mutter gebackene, Mohnstolle, denn das Päckchen ist angekommen. Im nächsten Jahr … backe ich sicherheitshalber schon mal selber … oder schaffe es doch noch, sie wieder zu überreden! 🙂 Denn es gibt einfach Gerichte und Gebackenes, die bei aller Mühe nicht so schmecken wollen, wie es zuhause einmal war!

 

 

 

Heinrich saß auf der Bank …

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… und grübelte über alles mögliche nach. Eigentlich grübelte er gar nicht – er muffelte vor sich hin. Gleich von morgens an war die schlechte Laune sein Begleiter, was sich im Laufe des Tages auch nicht ändern sollte. Nach der Arbeit holte er sich auf dem Nachhauseweg einen Kaffee und setzte sich auf die Bank. Vielleicht kam ja so ein Hauch guter Laune vorbei.

Vor ihm liefen die Leute emsig beschäftigt von einem Geschäft in das andere. Nach jedem Geschäft mit mehr Tüten bepackt. Männer, die eher wie Lastenheber wirkten. Frauen, denen die Angst ins Gesicht geschrieben stand, nicht alles zu bekommen. Kinder, die lieber woanders wären, als hier aufzupassen, dass sie nicht überrannt werden. Viele Leute, alle mit sich selbst beschäftigt. Keiner, der einen Blick dafür hatte, dass überall schöne Weihnachtsdeko hing. Und Heinrich konnte nicht mitmachen … das ärgerte ihn am meisten.

Er hatte sich seinen Weihnachtswunsch schon erfüllt. Heinrich wollte einen riesengroßen Fernseher haben. Den hat er sich seit sieben Monaten zusammen gespart. Jetzt mit dem letzten Gehalt hatte er das Geld zusammen und nach dem Kauf soviel übrig, dass er noch so gerade über den Monat kam. Mehr aber auch nicht. Hätte er doch einen Monat gewartet. Das war der Grund für seinen Ärger. Jetzt hatte er das Riesending zuhause stehen, aber nix mehr übrig für die Fahrkarte zu Muttern oder für irgendwelche anderen Annehmlichkeiten, die man sich zu Weihnachten gönnt. Frohes Fest aber auch.

Aus dem Augenwinkel heraus beobachtete er einen Stadtstreicher, der immer näher in seine Richtung kam. „Bitte nicht hierher, nicht hier auf die Bank,“ dachte Heinrich. Er wollte doch alleine sein. Alleine mit seinem lauwarmen Kaffee. Aber denkste. Natürlich kam der Mann immer näher und fragte mit einem freundlichen Lächeln, ob hier noch frei sei. War’s ja wohl offensichtlich und Heinrich hatte zwar schlechte Laune, aber unhöflich war er nicht. „Ich bin Kalle!“ sagte der Stadtstreicher. „Heinrich“ stellte er sich vor und dachte nur, dass er sich bloß nicht unterhalten wollte. „Schlechte Laune, wie?“ fragte Kalle. Heinrichs Stirnfalte zog sich verdächtig zusammen: „Wie willste das denn wissen?“ „Na, ich hab den Blick, weißte. Den bekommt man hier unter den Leuten! Das lernt man. Das muss man lernen,“ sagte Kalle und freute sich über seine Erkenntnis. Heinrich fühlte sich ertappt.

Kalle breitete sich auf der Bank aus. Der hatte ja eine ganze Menge Gepäck. Tüte hierher, Tasche da rüber, Tüte auf die andere Tüte und so dauerte es eine Weile, bis Kalle alles so hingepackt hatte, dass er gemütlich sitzen konnte. „Muss alles seine Ordnung haben, weißte!“ sagte er mit einem Zwinkern zu Heinrich. „Und jetzt erzähl mal, Junge.“ … Heinrich drehte ganz langsam den Kopf zu Kalle … wie, um Himmels willen, kam der alte Mann darauf, dass er ihm jetzt was erzählen wollte. Als er Kalle frontal ins Gesicht schaute, sagt der nur: „Dir ist doch ne Laus über die Leber gelaufen … lass sie raus, dann wird’s leichter!“ und strahlte den Jüngeren entwaffnend an. Heinrich schüttelte langsam den Kopf, aber innerlich musste er grinsen. Der Alte war schon irgendwie locker drauf. Ein großer Seufzer kam von ganz alleine aus ihm heraus und ohne, dass er es eigentlich wollte, erzählte Heinrich von seinem Groll.

„So, ein Fernseher also. Ein riesengroßer Fernseher. Junge, hol uns mal einen warmen Kaffee und dann unterhalten wir uns mal über Fernseher.“ Kalle saß auf der Bank, in seine Taschen und Tüten eingepackt, wie der Großvater, der gleich eine spannende Geschichte erzählen wollte. Heinrich brachte nur ein leises „Ok!“ heraus und kurze Zeit später hatten beide das wärmende Getränk in der Hand. Jetzt war Heinrich gespannt, was Kalle für Weisheiten über Fernseher von sich geben würde. Langsam machte ihm die Geschichte Spaß.

„Also, dein Fernseher. Da hast du dir ja was Tolles geleistet. Und was hast du jetzt davon? Alles was der kann, hast du hier draußen auch. Und trotzdem bist du hier frei. Kannst hingehen, wohin du willst und dir immer wieder neue `Programme´ aussuchen … ohne dass es irgendwas kostet.“ behauptete Kalle und machte eine gönnerhafte Bewegung mit der Hand. „Hä, wieso das denn?“ fragte Heinrich, „Wo hab ich hier Sport, Spielfilm, Politik, Unterhaltung, Musik … ?“ Kalle fing schon wieder an sein entwaffnendes Lächeln aufzusetzen. „Na, überleg doch mal. Um Sport zu gucken, gehe ich nachmittags auf den Bolzplatz. Wenn die Jungs mit der Schule fertig sind, wollen die sich bewegen. Da gibt’s die spannendsten Spiele. Ein bisschen dramatischer wird’s dann vor dem Gericht. Da kannste manchmal sogar Tränen sehen. Oder du suchst dir einen guten Platz vor einem Kaffee in dem sich Paare treffen … da spürst du die Herzchen förmlich in der Luft. Politik gucke ich vor der Polizeiwache oder vorm Rathaus. Mit ein bisschen Fantasie kann ich mir die interessantesten Geschichten zusammenreimen, von denen ich in der Zeitung gelesen habe. Unterhaltung hab ich überall – dafür brauche ich nicht so eine Kiste, die mich festnagelt. Fehlt noch Musik. Also dafür muss man eigentlich nur wissen, wo die Musikschule ist oder das Blasorchester jede Woche übt.“ „Und wo guckst du Kochsendungen?“ warf Heinrich ein. „Oh, die hab ich über die ganze Stadt verteilt. Glaub mir, wenn man frei ist, so wie ich, dann weiß man schon, wo die besten Köche sind. Das sind die mit Herz. Die, die etwas übrig haben.“ Heinrich guckte verlegen in seinen Kaffeebecher. Da war ja schon was dran, was der da von sich gab.

„Nicht schlecht, Kalle!“ gab er nach einer Weile zu. „darüber muss ich mir mal Gedanken machen. Unter Leute gehen, willste mir bestimmt damit sagen. Mich mit einfachen Sachen begnügen. Im Kleinen suchen, womit ich zufrieden sein kann.“ Kalle hielt ihm als Antwort nur seinen leeren Kaffeebecher hin. „Für noch’n Kaffee, gibt’s noch ein paar Lebensweisheiten.“ Jetzt musste Heinrich lachen. „Nee, Kalle, jetzt schalten wir mal das Programm um. Ich hab Hunger und für ne Doppelte Portion Currywurst und Pommes reicht mein Geld allmal noch.“ Kurze Zeit später war die Bank leer. Etwas weiter liefen zwei Männer mit vielen Taschen und Tüten, die rege diskutierten und anfingen die Welt zu verbessern. Der Hauch guter Laune war ja doch an der Bank vorbeigekommen.

 

Weihnachten wird abgeschafft!

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„Das neue Gesetz zur Regelung christlicher Feiertage wurde heute in dritter Lesung vom Bundestag verabschiedet und wird nun dem Bundesrat zur Zustimmung zugeleitet. Gegenstand der neuen Gesetzgebung ist die bundesweite Abschaffung der christlichen Feiertage. Nach Zustimmung im Bundesrat wird es nur noch einen bundeseinheitlichen Feiertag, den Tag der Deutschen Einheit, geben.“ Eine Nachricht, die der Gleichstellung aller Religionsgemeinschaften in Deutschland entgegen kommt und schon lange überfällig ist. Religiöse Feste werden nur noch innerhalb der Gemeinden und an Wochenenden gefeiert. Religionsunterricht muss dem Lebenskunde-Unterricht aus den Schulen weichen. Soziale Aufgaben christlicher Arbeitsgemeinschaften und Verbände werden an freie Träger übergeben.

Der erste Advent steht bevor und Deutschland stöhnt unter der Last der bevorstehenden Feiertage. Es wird gemault und geklagt, was das Zeug hält. Wem kein Grund zum Schimpfen einfällt, klagt mindestens darüber, dass es wieder keine weiße Weihnacht geben wird. Seit Wochen schimpfen die Menschen, dass neben den Halloween-Sachen schon die Weihnachtssüßigkeiten standen. Es wird über zu volle Einkaufspassagen geklagt und über Billigwaren, die eigens zum Fest produziert, in die Läden kommen. Briefkästen sind voll mit Spendenaufrufen, die zur Mildtätigkeit auffordern, bei denen man oft nicht weiß, wohin das Geld geht. Es ist nicht möglich mit Kindern zwei Sendungen zu schauen und dazwischen unbeschadet die Werbung mit glorifiziertem Spielzeug zu umgehen. Die Vorstellungen des Nachwuchses gehen natürlich weit mit den realistischen Möglichkeiten der Eltern auseinander. Ehefrauen bekommen Schweißausbrüche, wenn sie überlegen, was sie in diesem Jahr wieder für ein liebloses Geschenk vom Gatten bekommen und Ehemänner überlegen mit welcher Schnapssorte sie den diesjährigen Besuch der Schwiegermutter überstehen sollen. Heerscharen von Jugendlichen entwickeln Strategiepläne, wie sie das Heile-Welt-Theater – drei Tage eingesperrt – überstehen sollen.

Restaurantbesitzer freuen sich zur Abwechslung. Die bekommen ihre Räume mit allen möglichen Weihnachtsessen voll und können bestens auskosten, dass die Betriebe doch allzu dringend noch einen Platz für ihre Feier brauchen. Unzählige Geschenke-Listen werden geschrieben, überarbeitet, verworfen, um dann doch am 24. in letzter Minute ein recht unpassendes Präsent zu bekommen. Was um Himmels willen schenkt man dem Kollegen, den man beim Wichteln gezogen, eigentlich gar nicht mag. Und spätestens bei der 15 Weihnachtskarte schreibt man den Text nur noch monoton ab und hofft, dass der Adressat die Lieblosigkeit nicht spüren kann, aber – die Form ist gewahrt. Schließlich hat man spätestens beim dritten Weihnachtsbasar der Kita, des Hortes, der Schule, keine Lust mehr einen Kuchen abzugeben, selbstverständlich als Spende, und dafür so komisch Selbstgebasteltes der eigenen Kinder für zu viel Geld zu kaufen.

So schlimm?

Warum machen wir’s dann?

Weil wir es immer schon so gewöhnt sind. Weil wir uns aus dieser Gesellschaft nicht lösen können. Weil wir den Gepflogenheiten Genüge tun wollen. Weil wir ja eigentlich doch daran hängen oder andere nicht enttäuschen wollen. Ganz tapfere erklären, dass sie sich in diesem Jahr vollkommen aus dem Trubel zurückziehen, hoffen auf bewundernde Anerkennung und ernten doch ein müdes Lächeln. Die Starken erklären „Wir schenken uns nichts!“, kriegen aber spitze Ohren, wenn andere von ihren neuen Schätzen berichten oder erzählen, was sie sich für liebevolle Besonderheiten haben einfallen lassen. Die Mutigen erzählen, dass sie die Weihnachtsgans schon im Hochsommer gebraten haben, die bei 28 Grad auf der Terrasse dann aber doch nicht so richtig schmeckte. Es passt einfach nicht.

Immer noch kein Protest? Bei mir schon. Bei so vielen Gründen gegen Weihnachten, habe ich schon allein aus Widerwillen, Lust darauf Weihnachten zu feiern. Denn ganz unzeitgemäß – bei allen Argumenten – ich liebe diese Zeit! Und gerne mache ich einen Bogen um alle Leute, die es mir schlecht reden möchten. Und ganz ehrlich, ich hoffe inständig, dass ich die Nachricht am Anfang niemals werde lesen müssen.

Ich bekenne mich zur Weihnacht!

Aus meiner Erinnerung: Ich liebte es, wenn es im Advent heimlich wurde. Meine Mutter verschwand stundenlang in ihrem Nähzimmer und wir wussten, dass sie etwas für uns machte. Mein Vater, der nie kochte, machte uns in der Weihnachtszeit die Bratäpfel im Ofen. Die hilflosen Versuche meiner Mutter alle Weihnachtsplätzchen bis Weihnachten zu retten – bei fünf Kindern unmöglich. Wir mussten noch tatsächlich zur Bescherung Gedichte aufsagen, was natürlich immer in letzter Minute von uns geübt wurde. Das Vorlesen der Weihnachtsgeschichte und die ruhigen Stunden am Morgen des 25. Dezember, wenn wir Zeit hatten noch einmal in Ruhe unsere Geschenke zu bewundern. Ich liebte alle Weihnachtsfeste, bei denen ich selber Mutter und diejenige war, die die Feste gestalten durfte. Ich liebe die heutigen Weihnachtsfeste, die von den fast erwachsenen Kindern beeinflusst werden.

Und auch die Erinnerung, an ein sehr freches Weihnachtsgedicht, dass ich aufsagte und den Missfallen meines Vaters auf mich zog, gehört dazu. Ebenso die Erinnerung an den Versuch einen vorbereiteten Plätzchenteig aus der Schüssel zu bekommen. Der war so fest geworden, dass er bei einer Flughöhe aus einem Meter auf Steinboden keine Schramme hatte. Jeder Keramiker wäre mir dankbar für das Rezept. Mein letzter Versuch Pfeffernüsse zu backen.

Was ist verkehrt an Weihnachten, oder überhaupt an Feiertagen, wenn Menschen, egal ob gläubig oder nicht, zur Ruhe kommen. Wenn die Zeit ein wenig angehalten wird und wir besinnlich werden. Wenn Menschen bereit sind, intensiver an andere zu denken und oft auch karikativ aktiv zu werden. Wenn Familien zusammenrücken und die Gelegenheit nutzen sich zu sehen, zu sprechen – sich aneinander zu erinnern. Sicherlich, das gute Argument, das wir das auch das ganze Jahr tun können, wird immer wieder aufgegriffen. Tun wir aber nicht, weil jeder doch zu sehr mit sich selber und seinen Lebensumständen beschäftigt ist.

Ich freue mich auf die Adventszeit mit vielen schönen kleinen Momenten, die mir ins Gedächtnis bringen, mal wieder dem ein oder anderen zu schreiben. Freue mich auf die Zeit mit meiner Familie. Freue mich auf meinen jährlichen Ohrwurm „Oh, du fröhliche …!“ und darauf meine selbstgemachte Krippe aus Ton wieder aufzustellen. Auch auf die hoffentlich erfolgreichen Versuche die Weihnachtssüßigkeiten vor dem Hund zu retten und der Katze klar zu machen, dass sie nichts im Weihnachtsbaum zu suchen hat. Den KollegInnen lege ich gerne einen Weihnachtsgruß hin. Die Schwiegermutter werde ich selber nach Hause holen. Meinen Jugendlichen alle nötigen Freiheiten über die Feiertage lassen. Weihnachtsbasare besuche ich gerne, genieße die Stimmung und freue mich auf Kerzenlicht.

Weihnachten darf nicht abgeschafft werden und auch die größten Kritiker müssen zugeben, dass in dieser Zeit viel Gutes entsteht, für das unter dem Jahr sonst wenig Raum ist. Jeder … der Atheist, der Religiöse, der Humanist hat etwas davon … und wenn es nur eine kleine Pause ist. Also, nicht nörgeln oder klagen, sondern für sich selber und andere schauen, was man Positives bewirken kann – daraus sollte ein Gesetz werden.

Geboren vor fast 100 Jahren

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Der Versailler Friedensvertrag tritt am 10. Januar in Kraft. Deutschland leidet unter dem schwierigen Wiederaufbau nach dem Krieg und durch die immensen Reparationsleistungen, die aufgrund des Vertrags erbracht werden müssen. Es herrscht Mangel unter dem die Menschen leiden. Die NSDAP wird gegründet. Der Kapp-Putsch treib Parteien und Gewerkschaften auf die Straße. Es ist das Jahr 1920, das Geburtsjahr von Heinz Rothe, in dem seine Kindheit begann. In diesem Jahr wird er am 27. November 94 Jahre alt und trotzdem erinnert er sich an die Kindheit, als wäre sie gestern erst gewesen. Eine Kindheit, die mit den heutigen Kindertagen so wenig Gemeinsamkeit hat.

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Heinz Rothe wird in der Kaserne des Gardeschützenbataillons im Gardeschützenweg, der früheren Steglitzer Straße in Lichterfelde geboren. Der Vater war Berufssoldat, arbeitete dort in der Bataillonsschmiede, die er als Feldwebel leitete und so konnte die Familie eine kleine Dienstwohnung beziehen. Das Kasernenleben wurde eine der prägendsten Erinnerungen für Heinz Rothe. Für den Jungen gehörte das Militär zum gewohnten Bild, lebte er mit den Eltern ja mitten im Kasernenalltag. Exerzierende oder Sport treibende Soldaten, Militärmusik, Paraden, gehörten genauso dazu wie Uniformen und ein korrekter Gruß unter den Männern. Wollten die Eltern ins Theater gehen, wurde der Junge im Kinderbett in die Stube des Feldwebels geschoben, wo er schlief bis die Eltern heimkehrten. Und später als er auf Entdeckungsreise ging, wurde die ganze Kaserne ein riesengroßes Abenteuerland für ihn. Es gefiel ihm natürlich, bot die Kaserne doch alles, was kleine Jungen sich in der Zeit für heldenhafte Abenteuer ausdachten. Er wurde immer fündig in der Schmiede, der Tischlerei und selbst die Kleiderkammer bot mit Schulterklappen und Knöpfen viele Möglichkeiten, sich Geschichten auszudenken. Heinz Rothe erinnert sich an ein Schaukelpferd, das mit echten Fellen und einem richtigen Sattel ausgestattet war. Eine Eisenbahn mit Dampfmaschine und ein Bahnhof aus Blech gehörte zu seinem Spielzeug. Für zehn Pfennig konnte er sich fünf Zinnsoldaten kaufen und sich mit ihnen in sein Spiel vertiefen. Brauchte er einen Groschen, ging er zu den Soldaten bei denen er für ein ordentliches Lied das Gewünschte bekam und beim Bäcker gegenüber der Kaserne in einen Lutscher, Gebäck oder ein paar Bonbons tauschen konnte. Seine Freunde kamen gerne zu ihm in die Kaserne, in der es immer etwas Spannendes zu erleben gab.

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Mit den Eltern hat er kaum gespielt, wenn eher mit der Mutter. Den Vater sah er eher wie einen großen Bruder an, war er doch sehr beschäftigt. Die Mutter war auch die strengere von beiden, die durchaus mal den Kochlöffel gebrauchte. Hatte er sich bei den Aufgaben verschrieben, kannte sie kein Pardon und riss ihm die Seite aus dem Heft. An die Weihnachtsfeste kann er sich gut erinnern, aber sie wurden doch ganz anders als heute gefeiert. An Wachskerzen und viel Lametta erinnert er sich. Das besondere am Fest war jedoch mal eine Dose Sprotten oder eine Kiste Mandarinen, das war eben so in der kargen Zeit. Dabei ging es der Familie noch gut, denn hin und wieder kam es vor, dass einer der Soldaten, der die Bügelhilfe der Mutter zu schätzen wusste, mit einem Fasan oder einem Huhn vorbeikam.

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1927 konnte die Familie in ein Zweifamilienhaus der Genossenschaft Lankwitz umziehen. Der Vater war in der Zwischenzeit Beamter geworden und hatte Anspruch auf diese Wohnung. Für Heinz Rothe begann in diesem Jahr zusätzlich die Schulzeit. Die Paul-Schneider-Schule sollte für die nächsten Jahre sein Leben prägen. Dies besonders in der Person des Lehrers Paul Hiller. Eine Klasse mit 42 Schülern leitete er nach seiner Lehrerauffassung. Paul Hiller habe ihn den Grundstock für’s Leben gegeben, sagt Heinz Rothe, ein Lehrer, der auf Disziplin setzte, durch aus den Rohrstock gebrauchte, dennoch gerecht und korrekt war. Die Zeichnungen aus der Schulzeit hat Heinz Rothe noch alle zuhause. Sieht man sie durch, erkennt man auf den ersten Blick, wie korrekt die Aufgaben von den Schülern durchgeführt werden mussten. Später ging er auf das Tannenberg-Gymnasium, derzeit eine reine Jungenschule, auf der er 1939 das Abitur machen konnte. Da er vom Elternhaus her zur minderbegüterten Klasse gehörte, konnten sich die Familie das Schulgeld von 15 Reichsmark leisten, was nicht vielen Schülern möglich war. Von 1934 gehörte Heinz Rothe der Hitlerjugend an. Das erzählt er ohne besondere Scheu, denn dort wurde den jungen Leuten das geboten, was sie suchten. Jeden Mittwoch gab es einen Heimatabend, bei dem von 16.00 – 18.00 Uhr Lieder gesungen wurden, sie konnten an Zeltlagern und vielen Dingen, die Jugendliche in dem Alter gerne machten, teilnehmen. Politische Richtungen waren kaum Inhalt der Aktivitäten, galt es zunächst nur Bindungen zu schaffen und die Jugendlichen für gemeinsame Ziele zu begeistern.

Nach dem Abitur begann für Heinz Rothe der Arbeitsdienst und später wurde er Offizier. Die Kindheit und das Elternhaus hatten sein Leben militärisch geprägt, in einer Zeit, in der dem Militär ein hohes gesellschaftliches Ansehen entgegen kam. Mit dem Jahr 1939 hörte die Kindheit für ihn auf, die später in Kriegs- und Gefangenschaftserlebnisse münden sollte. „Ich habe überlebt!“ heißt sein Buch in dem er diese Lebensphase schildert und verarbeitet. Er hat den Weltkrieg überlebt, konnte nach sechs jähriger Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion am 4. Mai 1950 in ein zerstörtes Deutschland zurückkehren. Der Vater war erschossen worden und um die Mutter nicht alleine zu lassen blieb er bei ihr. Er wurde Beamter und später Zollrat – Leiter der Zentralstelle für alle Meldungen, die von den Zollbeamten an der Grenze als „ Auge und Ohr“ fernmündlich ihm zugeleitet wurden. Heinz Rothe kann sein ganzes Leben belegen – in Bildern, Berichten, Ausweisen, Briefen, Urkunden und vielem mehr. Er ist Zeitzeuge für den BND, bei dem er jüngst einen Vortag in seinem Geburtszimmer halten durfte. Zeitzeuge für die Olympiade 1936 in Berlin, für die 700 Jahr Feier der Stadt Berlin, für die Paul-Schneider-Schule, die frühere Tannenberg-Schule (dem heutigen Willi-Graf-Gymnasium) und vieles mehr. Was besonders beeindruckt, ist sein waches Erzählen und der Wunsch auch noch eine 100 als Geburtszahl zu erreichen. Das was er aktiv erlebt hat, können die meisten von uns nur noch aus den Geschichtsbüchern erfahren. Ein großartiger Mann und beeindruckender Zeitzeuge!

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Das Buch „Ich habe überlebt“ ist persönlich bei Heinz Rothe für 16 Euro, Telefon 030 7 72 24 51, erhältlich.

Stadtteilzeitung Steglitz-ZehlendorfNr. 183 • Dezember 2014

Der Kitaleiter und das Spiel …

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Erst mit fünf Jahren kam er in die Kita und war anderes Spielen gewohnt. Sie mussten dort komische Lieder singen und Spiele spielen, die er nicht mochte. Er fühlte sich eingeengt und es war ihm zu streng, deshalb denkt nicht gerne an seine Kindergartenzeit zurück. Zuhause hatte er die richtige Umgebung dafür, da war es anders: Fünf Geschwister, Nachbarsfamilien mit vielen Kindern, Felder, Wald und die Freiheit, ungestört die Welt zu entdecken. Heute leitet er selber einen Kindergarten und bewahrt sich dabei immer sein Bild vom freien Spiel, das er so mochte. Werner Luff leitet die Kita Lankwitzer Maltinis, die im August 2013 eröffnet wurde. Er organisiert und koordiniert den Tagesablauf von 88 Kindern und 16 Erzieherinnen. Das ist eine große Aufgabe, wenn man sich selber den Anspruch gibt, dass diese Kinder einmal sehr gerne an ihre Kitazeit zurückdenken sollen.

Hätte sich der Vater durchgesetzt, wäre er Kaufmann geworden. Doch dieser Beruf füllte ihn nicht aus. Als eine Schwester ein Kind bekam, sich vom Kindsvater trennte, bat sie ihn um Unterstützung bei der Kindererziehung. Diese Unterstützung ließ ihn merken, dass der Kontakt zu Kindern, das soziale Arbeiten, sehr entgegenkam. Mit dem Musterungsbescheid stand fest, dass er Ersatzdienst leisten wollte, den er in der Altenpflege absolvierte. Auch hier fühlte er sich im sozialen Dienst sehr wohl, dennoch war seine Affinität zu Kindern stärker als zu älteren Menschen. Es war eine wohlüberlegte Entscheidung in der Folge eine Ausbildung als Erzieher im Pestalozzi-Fröbel-Haus zu machen. Ein Mann als Erzieher war zu seiner Ausbildungszeit schon eine Besonderheit und Werner Luff war dankbar, dass er dennoch mit vier männlichen Kollegen lernen durfte. Wie besonders ein Mann als Erzieher war, merkte er später als er sich um Arbeitsstellen bewarb. Dort passierte es ihm, dass ein Arbeitgeber sich in keiner Weise für seine Qualifikationen interessierte, sondern allein sein männlicher Status für eine Anstellung ausreichen sollte. Er trat die Stelle nicht an. Eine andere Arbeitsstelle als kommissarischer Kitaleiter ließ ihn später jedoch merken, dass ihm seine Ausbildung nicht ausreichte. Als beruflich qualifizierter Bewerber ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung konnte er das Studium für „Kleinkindpädagogik“ antreten. Parallel arbeitete er in der Krankenpflege und absolvierte Zusatzausbildungen in Studiums- und Informationsmanagement und Medienpädagogik. Danach blieb er an der Universität, zertifizierte mit seinem Professor Kindergärten und konnte seine Kenntnisse im IT-Bereich einbringen und festigen.

Mit der Geburt der zweiten Tochter ging er in die Elternzeit. Der Vertrag mit der Uni lief aus, aber sein Entschluss lieber wieder in der Praxis zu arbeiten stand schon fest. Nun hatte er das notwendige theoretische Rüstzeug und zugleich die Erfahrung als Erzieher. Er kannte einerseits die Alltäglichkeiten, Sorgen und Nöte der ErzieherInnen und konnte andererseits die übergeordnete Organisationsstruktur, Mitarbeiterführung und den pädagogischen Anspruch dafür bieten. Er arbeitet nicht mehr direkt in einer Gruppe mit Kindern, aber Kontakt hat er doch mit allen. Wenn er auftaucht muss er oft Fragen beantworten, wann sie wieder gemeinsam spielen oder zusammen Waffeln backen. Dieser Kontakt ist ihm sehr wichtig, begeistert ihn doch bis heute das Urvertrauen, dass Kinder entgegenbringen können.

Was für ihn „Kindheit“ bedeutet, beantwortet Werner Luff damit, dass dies der Zeitraum ist, in dem Kinder alles ausprobieren dürfen. Sie können probieren, staunen, neugierig sein, erforschen, abschauen und besonders spielen, ohne in einen engen Tagesablauf gepresst zu sein. In Rollenspielen soziales Miteinander üben, sich in einer Gruppe positionieren, sich trauen verschiedenste Dinge zu machen, ihre Identität finden … viele lebensentscheidende Aspekte werden in der Kindheit gelegt, die mit freiem Spiel verbunden sind. Werner Luff glaubt, dass vielen Eltern nicht bewusst ist, wie wichtig das Spiel an sich für Kinder ist. Er fremdelt selber in Wohnungen, in denen Kinder leben, die aber vollkommen aufgeräumt sind. Auch das müssen Kinder natürlich lernen, aber ohne Hilfe und mit geduldigen Vorbildern. Das Spiel legt die Grundlagen für jegliche motorischen, sensitiven und emotionalen Handlungen und ist so bessere Vorbereitung für ein Leben, als ein strenges Korsett von allen möglichen Frühförderungen. Die Welt ist heute schon anders, sagt er. Die Kinder, besonders in der Stadt, können nicht einfach unbeaufsichtigt stundenlang im Freien spielen, dennoch sollten sie ein höchstmögliches Maß an Freiheit und Entfaltungsmöglichkeiten behalten.

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Jedes einzelne Kind ist für Werner Luff eine Persönlichkeit, deren Gefühle und Meinungen er sehr ernst nimmt. Über genaues Hinhören und Beobachten möchte er Kinder in ihrer persönlichen Entwicklung nach ihrem Zeitmaß fördern und ihnen motivierende Anregungen geben. Für die eigenen Töchter gilt natürlich das gleiche, wie für die Kitakinder. Er weiß, dass er seinen Töchtern Freiräume geben muss, ihnen vertrauen kann und Dinge zutrauen darf. Dennoch geht den eigenen Kindern immer ein väterlich besorgter Blick hinterher, fällt das Loslassen doch manchmal schwer. Er wünscht ihnen, dass sie sich an eine tolle Kindheit erinnert, trotz ihn, den Pädagogen, als Vater. Droht die kleine Tochter ja doch hin und wieder, dass er, der Vater, kein Sandmännchen sehen darf, wenn er ihr Missfallen erregt.

In der Kita Lankwitzer Maltinis ist das erste gemeinsame Jahr geschafft. Ein Team hat sich gefunden, ein geregelter Auflauf findet statt, eine Gemeinschaft hat sich gebildet und mit dem diesjährigen Laternenfest beginnen die Wiederholungen und Routine im Kitajahr. Was ihn von Anfang an in dieser Kita begeistert hat, sind die Freundlichkeit und der wertvolle Umgangston untereinander. Das findet er, ist das Besondere hier, das Kindern, Eltern und den ErzieherInnen, immer ein gutes Gefühl auf den Weg mitgibt.

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Stadtteilzeitung Steglitz-ZehlendorfNr. 183 • Dezember 2014

Kunst für Flüchtlinge

Wildwuchs - Katrin Munke

Wildwuchs – Katrin Munke

Sie sind im Moment in aller Munde, viele Berichte, Nachrichten und Ereignisse beschäftigen sich täglich mit ihnen. Menschen, die ihr eigenes Land verlassen, weil die Verhältnisse dort aus irgendeinem Grund nicht mehr zu ertragen sind. Sie werden Flüchtlinge und suchen sich eine neue Heimat, Schutz und Ruhe um ein neues Leben aufbauen zu können. Dort, wohin sie gehen, überlegen andere Menschen ob, wie und wo man sie integrieren kann. Diskussionen werden geführt, ob man sie will oder nicht. Politiker rangeln um die Bedingungen, Gemeinden beklagen fehlendes Geld, Gemeinschaften organisieren sich, um ihnen zu helfen. Oftmals sind es aber ganz kleine Dinge, die mich staunen lassen, mit welchem Einfallsreichtum und welcher Energie man helfen kann.

Ich ging ins Gutshaus Lichterfelde, ein Haus mit dem Schwerpunkt auf nachbarschaftlicher Arbeit. Ich bin oft und gerne dort, auch weil ich für den Träger, das Stadtteilzentrum Steglitz e.V., arbeite. Diesmal blieb ich aber gleich im Eingangsbereich hängen und konnte nicht weiter gehen. Dort hing, wie so oft, eine Bilderausstellung und die Bilder haben mich gleich so gefangen und angesprochen, dass ich sie alle studieren musste. Nach der Runde kam ich zu einem Rahmen, in dem die Künstlerin sich vorstellte.  Sie schrieb unter anderem, dass der Erlös aus den Verkäufen der Bilder zu 100 % der UNO-Flüchtlingshilfe gespendet werden würde. Als ich den Text gelesen hatte, stand mein Entschluss fest, dass ich die Frau gerne kennenlernen wollte. Welcher Künstler stellt seine komplette Ausstellung einem guten Zweck zur Verfügung?

Katrin Munke ist Lehrerin, aber auch Mutter und Ehefrau und lernte durch die Kita im Haus das Gutshaus zu schätzen. Schon vor zwei Jahren nutzte sie die Räume für eine Ausstellung und auch in diesem Jahr war ein Termin für ihre schönen Bilder frei. 1976 geboren, verbringt sie ihre Kindheit in Dessau, Bernburg und Berlin. Schon frühzeitig wird ihr Interesse für Kunst und Musik geweckt und sie werden ständige Begleiter in ihrem Leben. Nach Abschluss des Lehramtsstudiums in Kunst und Musik an der Universität Potsdam 2001 unterrichtet sie an Berliner und Brandenburger Schulen. Seit 10 Jahren lebt die Familie in Lichterfelde und ist heimisch geworden. Als ich sie frage, ob sie vornehmlich Künstlerin oder Lehrerin ist, zögert sie keinen Moment um sich für die Lehrerin zu entscheiden. Die Kunst ist ihr Hobby, ihre Möglichkeit zu entspannen und die Bilder sozusagen ein Mehrprodukt. Sie lehnt den heutigen Kunstmarkt ab und findet die Preisfindung für die eigenen Bilder sehr schwer. So ist ihre Überzeugung gereift, dass sie lieber ein Bild für 100 Euro verkaufen möchte, als es in einer Ecke verstauben zu lassen. Da der Grunderwerb der Familie durch beide Elternteile gesichert ist, hat sie sich dazu entschlossen, den Erlös ihrer Bilder zu spenden. Dazu genüge ihr ein Blick in die Welt, der sie immer wieder unterstützenswerte Projekte finden lässt. Sie hat aber gemerkt, dass es Menschen manchmal schwer fällt, einfach nur zu spenden. Leichter wird es, wenn Besucher ein Bild, etwas Schönes für die eigene Wand oder ein außergewöhnliches Geschenk mit nach Hause nehmen können. So reifte diese Form, mit der sie immerhin zwei bis drei Bilder pro Ausstellung verkaufen und den Erlös spenden kann.

Hin und wieder muss sie sich mit der erstaunten Frage auseinander setzen, ob sie denn gar nichts für sich selber als Erlös für die Bilder behalten will. Die Kunst hat in dieser Familie jedoch einen anderen Sinn als das fertige Ergebnis zu sehen. Der Prozess zum Produkt, zum Kunstwerk in jeglicher Form, gehört zum festen Bestandteil der gemeinsamen Zeit. Der Vater, ebenfalls Lehrer, arbeitet mit Leder. Die Kinder experimentieren, probieren, lassen sich begeistern und sind unheimlich stolz, wenn sie zum Beispiel beim Filzen später mit selbstgemachten Hausschuhen herumlaufen können. Die gemeinsame Aktion, die Beschäftigung mit Kunstformen, aber auch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Materialien, ist der Kern für den familiären Handlungsplan. Für sich selber sieht Katrin Munke ihre Bilder als eine Art Tagebuch. Dort kann sie ihre Sehnsüchte, Wünsche und Ideen hineinarbeiten. Sie mag vielschichtige Bilder, die im Detail zeigen, was sie ausdrücken möchte. So lohnt es sich immer ein zweites Mal hinzuschauen und den Kleinigkeiten, die zu finden sind, Beachtung zu schenken.

Ob sie ihre Kunst auch mit ihrer Arbeit als Lehrerin verbindet, verneint sie. Dort sieht sie eher die Kunst als Fertigkeit und versucht Bewertungsdruck zu vermeiden. Sie weiß, dass Kinder eher praktisch orientiert sind und versucht sie für die Sache an sich zu begeistern.

Mich hat Katrin Munke begeistert. Ihr Bilder zeigen Phantasie, Ästhetik und das beherrschte Handwerk. Zudem ist diese Ausstellung, mit dem Sinn dahinter Flüchtlingen zu helfen, ein Beispiel gelungener Eigeninitiative, die einfach beachtet und unterstützt werden sollte. Die Ausstellung hängt noch bis zum 26. November 2014 im Gutshaus Lichterfelde. Wer keine Gelegenheit hat dort hinzugehen, kann sich die Bilder hier ansehen, die Preise anschauen und über den Kontakt eine Verbindung zur Künstlerin bekommen. Vielleicht braucht der ein oder andere ja noch ein besonderes Weihnachtsgeschenk und kann so eine Freude bereiten und gleichzeitig etwas Gutes tun.

Die vielen Flüchtlinge, die unsere Hilfe brauchen, werden diese Bilder kaum zu sehen bekommen. Aber die Idee, die dahinter steht, motiviert und zeigt, wie einfallsreich auch mit weniger populären Möglichkeiten geholfen werden kann – diese Idee sollte ansteckend sein.

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Waldnacht

wildwuchs

Wildwuchs

zebrabaum

Zebrabaum

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o.T. (I)

polar

Polar

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Stadt

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Land – verkauft

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Nordlicht

verborgen

Verborgen

alt

Alt

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Hafen

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Vogelflug – verkauft

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ohne Rücksicht

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Tau

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Deine Stimme in meinem Kopf – verkauft

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Februar und März

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Garten

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Blatt und Blätter

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Küstenstreifen

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Blaue Schalen

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Rügen


Das Wertvollste, was wir haben!

Anfang der 60er Jahre saß ich zwischen diesen portugiesischen Fischerfrauen ... eine sehr prägende Kindheitsphase

Mitte der 60er Jahre saß ich zwischen diesen portugiesischen Fischerfrauen … sehr prägende Jahre für unsere ganze Familie

Man könnte sie mit einem Chamäleon vergleichen. Je nachdem, wie der Untergrund, der Nährboden, beschaffen ist und je nachdem, wie die Umgebung sich verhält, verändert sich ihre Färbung. Ist der Grund gut und die Umgebung freundlich gesinnt, ist auch die Färbung ausgeglichen. Es gibt sie in unzähligen Nuancen und Arten, genauso wie es kaum zählbare Farbtöne gibt. Gemeint ist die Kindheit – unsere Kindheit und die derjenigen, die wir beeinflussen.

Wir stellen im Redaktionsteam wieder eine Zeitung zusammen. Dieses Mal wird das Leitthema „Kindheit“ sein. Das Leitthema wird in einer Redaktionssitzung vorbereitet und besprochen. Nach dem Redaktionsschluss ist es meine Aufgabe aus den eintreffenden Berichten der Redakteure, sozusagen einem digitalen Stapel Manuskripte, eine 12-seitige Zeitungsausgabe zu gestalten. Das mache ich schon lange und es ist ein sehr routinierter Vorgang, dennoch manchmal eine Herausforderung. Spannend ist für mich insbesondere, wenn ich lesen kann, was die Redakteure zusammengestellt haben und von welch unterschiedlichen Aspekten und Sichtweisen her, sie ein Thema behandeln. So auch dieses Mal wieder. Welche Inhalte in der nächsten Zeitung stehen werden, kann ich jetzt noch nicht verraten. Es ist immer wieder spannend für mich, die Beiträge aus meiner eigenen persönlichen Position zu hinterfragen und so auch mir selber ein Stück näher zu kommen.

Die Kindheit ist das wertvollste, was wir haben. Immer … auch wenn sie Vergangenheit ist. Dabei spielt es keine Rolle, ob sie gut oder schlecht war. Was dabei gut oder schlecht war, ist sehr persönliches Empfinden und durch die Sensibilität des einzelnen geprägt. Empfinde ich meine Kindheit als gut, kann sie ein fruchtbares Fundament für mein ganzes Leben sein. Empfinde ich sie als schlecht, birgt sie eine sehr große Chance, daraus zu lernen und meinem Leben eine gute Richtung zu geben, weil ich genau weiß, was ich nicht mehr erleben will. Wenn man es kann und schafft, sich von den negativen Erlebten zu lösen und darauf aufzubauen. Viele können das nicht.

Mir persönlich liegt es mehr zu differenzieren. Zu reflektieren, was ich an meiner Kindheit als gut und was als schlecht empfand. Zum Beispiel empfand ich es immer und bis heute als Geschenk einem großen, engen Familienbund anzugehören. Vermisst habe ich dagegen, dass meine Mutter nicht lobte. Das hatte sie nicht gelernt und ich denke auch, sie hatte die Einstellung, dass wir alles eh für uns selbst erreichen müssten. Ich werde sie fragen. Jetzt ist es aber nicht so, dass ich sehnsüchtig auf Lob warte. Ich habe es als bewusstes Element in meine Erziehung aufgenommen, lobe meine Kinder, wo es angemessen und angebracht ist. Ja, ich lobe oft, ohne zu überloben.  So schaue ich immer, was ich mit positiven oder negativen Erinnerungen an Kindheit verbinde und versuche es in Einklang mit meinem heutigen Handeln zu bringen. Ich kann eigentlich gar nicht sagen, meine Kindheit war gut oder schlecht. Ich glaube, sie war gut, aber es waren auch nicht so gute Dinge dabei. Ich hoffe, sie war gut, ist doch bekannt, dass sie den Menschen für sein ganzes Leben prägt. Meine Erinnerung möchte, dass sie gut war und ich habe ein gutes Gefühl zu ihr.

Meine Kinder müssen beide den Abschied von der Kindheit bewältigen. Sie sind fast erwachsen und es gibt Situationen in denen ich genau merke, dass sie dann gerne klein sein möchten. Das verbietet oft der Stolz, aber genauso oft lassen sie es auch noch zu – wertvolle Momente für uns. Ich hoffe, dass sie einmal, mit dem nötigen Abstand, sagen werden, dass sie eine schöne Kindheit hatten. Wir hatten auch schwierige Zeiten, haben sie aber gemeinsam bewältigt. Ich denke, wir sind ein gutes Familienteam und ich genieße unsere letzten Jahre mit diesen jungen Frauen in unserem gemeinsamen Haushalt. Wenn ich ihnen drohe, dass ich und ihr Vater die einzigen sind, die auch noch mit 80 Jahren sagen dürfen: „Mein Kind!“ müssen wir alle lachen.

In Bezug auf Kindheit müssen wir zwei Seiten beachten. Die eine ist die eigene Kindheit. Das was wir daraus für Schlüsse ziehen, ob wir sie als Fundament zulassen, uns bewusst machen welche Bezüge wir dazu haben und wie weit wir unser erwachsenes Leben von ihr bestimmen lassen. Die andere Seite ist die Kindheit der eigenen Kinder, die wir entscheidend prägen und die absolute Verantwortung dafür tragen. Auch zu anderen fremden Kindern, die genau beobachten, wie wir Erwachsene uns verhalten. Ob wir sie als Persönlichkeiten anerkennen, sie als Bereicherung empfinden oder sie von oben herab und besserwisserisch behandeln. In der Kindheit ist es möglich starke und weltoffene Menschen zu formen.

Das die Kindheit auch der Schlüssel zum erwachsenen Menschen ist, habe ich vor nicht allzu langer Zeit wieder einmal erlebt. Ich hatte ein Gespräch mit einer Frau, die ich schon lange kenne. Als wir den Gesprächsgrund befriedigend abgehandelt hatten, kamen wir auf verschieden andere Dinge bis sie anfing, von ihrer eigenen Kindheit zu erzählen. Es war eine sehr spannende Schilderung von einer Kindheit unter schweren Bedingungen. Dennoch kam immer wieder der Wille sich zu behaupten und Stärke zu zeigen heraus. Als ich ihr Tage später wieder begegnete, war mir klar, dass ich diese Frau in ihrer Art, ihrem Handeln und ihrem Ausdruck nun viel besser verstehen konnte. Vieles erklärt sich nun von selbst und ich kann mich gut darauf einstellen.

Das Wort „Kindheit“ allein verleitet zu Träumen, ist Stoff für unzählige Geschichten und Filme. Es trägt immer eine kleine Sehnsucht mit sich, die den Wunsch nach Unversehrtheit, Schutz, Geborgenheit, Reinheit, Freiheit von Last, in sich trägt. Erwachsene neigen dazu Kindern zu sagen, dass sie es genießen sollen, so klein zu sein. Dabei vergessen sie, dass auch Kindheitsprobleme genauso gewichtig sind, wie die der großen Leute. Sind wir Kind, wollen wir groß sein – sind wir groß, sehnen wir uns manchmal zurück. Eine glückliche Kindheit ist das Ideal einer Gesellschaft, das oft unter realistischen Bedingungen schon in der Entwicklung nicht wirklich erreicht werden kann.

Die Kindheit ist für jeden Mensch ein Schlüssel – zur eigenen Persönlichkeit und im Verständnis zu anderen Menschen. Vieles was wir als Kind als störend empfanden, sehen wir im erwachsenen Leben mit ganz anderen Augen. Vieles vergessen wir, verdrängen wir oder möchten auch nicht mehr daran denken. Manche Erinnerungen verklären wir und machen sie uns schöner als sie waren. Umso wertvoller, wenn wir ein kleines Stück davon erhalten können und uns in die Welt der Kinder als Erwachsene noch hineindenken können. Wer den Schlüssel nicht mehr hat, findet bestimmt einen Ersatzschlüssel. Dieser Schlüssel gehört zu den wertvollsten Dingen die wir haben!

Wer lesen möchte, was die Redakteure zum Thema „Kindheit“ geschrieben haben, findet sie am 1. Dezember unter diesem Link.

Wir können die Welt ändern

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Momentaufnahme: Vor mir sitzt eine rebellische 17-jährige und verteidigt ihre Argumente ohne Rücksicht auf Verluste. Eigentlich ärgere ich mich, weil ihre Argumente gefühlt die besseren sind, ich aber in meiner elterlichen Vernunft gefangen bin. Insgeheim freu ich mich unheimlich, dass wir ein Kind erzogen haben, das so engagiert und stark argumentiert – auch wenn es sich gegen unsere „erwachsene“ Sicht der Dinge richtet.

Wir saßen wieder beim Abendessen. Für uns alle die wichtigste Mahlzeit am Tag. Auch wegen der Nahrungsaufnahme, wichtiger ist jedoch, einmal am Tag zusammenzusitzen, besprechen was erlebt wurde, was beschäftigt, was anliegt. Die Tochter bat den Vater um Hilfe, weil sie eine Geschichtshausaufgabe über die Ferien schreiben müsse. Eine Argumentation für und wider den Ersten Weltkrieg. Und wie so oft – wir sind alle Liebhaber historischer Vorgänge – waren wir sofort in einer Diskussion. Vornehmlich ging es darum, Argumente für etwas zu finden, zu dem man im Grunde die Gegenposition vertritt. Also in diesem Fall Argumente für den Ersten Weltkrieg, obwohl wir gegen Krieg überhaupt sind. Nicht leicht, auch für Erwachsene nicht.

Wir diskutierten und diskutierten, zogen andere Beispiele heran und waren mit einem mal bei dem Thema gelandet, ob Homosexualität schon Bestandteil des Lehrplans einer Grundschule sein sollte. Ich werde nicht alles wiedergeben. Es zeigte sich jedoch bald, dass unsere Kinder eine ganz andere Position als wir Eltern einnahmen. Die ältere Tochter unterstützte die Jüngere, jeder kämpfte mit der Regel, den anderen ausreden zu lassen, Argumente wurden aufgegriffen um widerlegt zu werden – es war heftig. Aber – die Kinder vertraten einen guten Standpunkt, der mich später sehr ins Grübeln brachte. Die Vehemenz mit der die Töchter ihre Position verteidigten und die Energie, die dahinter stand, beeindruckte mich nachhaltig und rief Erinnerungen wach.

Ich war genauso und befürchte, an einem Teil der grauen Haare meiner Mutter bin ich schuld. Als Jugendliche war ich frech, manche nannten es vorlaut oder schlagfertig. Ich habe meine Meinung laut und auch ungefragt geäußert, habe mich immer gemeldet, wenn ich Ungerechtigkeit spürte und liebte Weltverbesserungsdebatten. Ich war auch nicht gerade ein Liebling mancher LehrerInnen, denn die mögen es oft gar nicht, wenn man ehrlich sein Denken in die Runde gibt. Da ich eine (sagen wir nett) bequeme Schülerin war, waren die Noten nun nicht so die besten. Aber immerhin, ich habe es geschafft das Abitur zwischen Bequemlichkeit und freier Meinungsäußerung zu meistern. Durch die Zeit wurde ich natürlich ruhiger, bzw. habe ich gelernt, dass es manchmal doch besser ist den Mund zu halten und diplomatisch abzuwägen, was gesagt werden sollte oder was zu dem wunderbaren Lied „Die Gedanken sind frei!“ passt – übrigens bis heute eins meiner Lieblingslieder. Auch ändert man Ansichten, wenn sich die Lebenssituation ändert, Erfahrungen dazu kommen oder man einfach älter wird. Aber hin und wieder ist sie noch da – die Schlagfertigkeit – eine Bemerkung findet ihren Weg zu fremden Ohren und ich denke „Konntest du den Mund wieder nicht halten“.

Heute denke ich manchmal „Kind – halte doch einfach den Mund!“ – was natürlich so ganz nicht stimmt. Wir haben uns mehr oder weniger bewusst den schwierigsten Erziehungsweg ausgesucht. Wir haben unsere Kinder dazu erzogen, ihre Meinung frei und offen zu sagen. Ihnen gesagt, dass sie egal wo und zu wem, alles sagen dürfen was sie denken, solange sie die Grenzen des Respektes einhalten. Tun sie das, stehen wir hinter ihnen. Sie haben es beherzigt – sie sagen ihre Meinung. Da aber Menschen unterschiedliche Ansichten haben, was Grenzen des Respekts sind, hat uns diese Erziehungsart schon unzählige LehrerInnengespräche eingebracht. Zudem richtet sich diese freie Meinungsäußerung natürlich manchmal gegen uns selber, wie zum Beispiel in der oben beschriebenen Diskussion – es wird härter. Ein Argument der älteren Tochter war, dass sie den Satz „Es ändert sich so schnell sowieso nichts“, nicht mehr hören könne. Dann könne man auch jeglichen Fortschritt, jegliche Bewusstseinsänderung vergessen. Dazu kann ich nur sagen: „Kind, du hast recht“!

Später, als ich darüber nachdachte, kam mir ein schöner Gedanke: „Ja, wir können die Welt ändern“. Mir gehen ja auch frustrierte Menschen auf den Wecker, die lieber leiden als sich neue Wege zu suchen – die lieber schimpfen, als sich Lösungen auszudenken – die lieber alles lassen, wie es ist, als aktiv an Veränderungen teilzuhaben. Wir können selbstbewusste junge Menschen erziehen, die ihre Meinung äußern und Veränderungen in der Gesellschaft fordern. Wir können sie dabei unterstützen, ihren jugendlichen Elan zu erhalten und ihre Sicht der Welt zu behalten. Und wenn wir gut und offen sind, hören wir zu, was sie zu sagen haben und lernen von ihnen.

Die Diskussionen mit meinen Töchtern finde ich immer sehr spannend. Manchmal sind es anstrengende Gespräche und hin und wieder gebe ich zu, bin ich grummelig, weil sie an Punkten recht haben, die für mich unbequem sind. Aber ich kann nicht das eine wollen (selbstbewusste Kinder) und damit verbundenes ablehnen (selbstbewusste Kinder, die recht haben). Und ich wäre dumm, würde ich mich ihren Argumenten verschließen. Hin und wieder geben sie ja auch zu, dass die Mutter oder der Vater recht hat. Natürlich nicht so gerne, aber wenn ich ins Feld führe, dass sich ihre Sicht der Dinge ändern wird, wenn sie zum Beispiel selber Kinder haben werden, ist das nun mal nicht von der Hand zu weisen.

Entscheidend ist, das wir im Gespräch bleiben. Dass die Jungen von den Erfahrungen der älteren Menschen profitieren, aber auch, dass sich die Älteren von den Ideen der jungen Menschen anstecken lassen. Dann wird ein Schuh draus und die Welt vielleicht ein klitzekleines bisschen besser! 🙂

Und nun … Diskussion frei …

Was ist ein Menschenleben wert?

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Ich bekam eine E-Mail von einer Kollegin, die gerade die Nachrichten gesehen hatte. Sie hatte dabei erfahren, dass für den Fussballspieler Christiano Ronaldo die stolze Ablösesumme von einer Milliarde Euro bezahlt werden müsse. Zum Vergleich meinte sie, dass unserem Staat unsere Kinder nicht einmal 100 Euro Schulbüchergeld wert sind oder die Gemeinde Esslingen einen Flüchtlingsstopp verhängt, weil die Kapazitäten/Gelder ausgeschöpft sind. Ihre abschließende Frage an mich war, ob es nicht einmal einen Bericht wert wäre in Betracht dieser Zahlen darüber nachzudenken, was ein Menschenleben wert wäre. Ist es, meine ich, unbedingt.

Man kann den Wert eines Menschen nüchtern betrachten oder moralisch. Nüchtern betrachtet kann man rechnen und dazu wurden schon vielseitige Studien und Berichte angefertigt. Die körperlichen Bestandteile lassen sich in Herz, Nieren, Lungen, Darm, Eizellen, Samenspenden, Muttermilch, Haare, Netzhaut … unterteilen. Je nachdem wie groß die Nachfrage ist, ließe sich unterschiedliches Kapital daraus schlagen. Ein Lungenflügel wird in etwa mit 110 000 Euro veranschlagt, eine Niere nur noch 90 000 Euro, ein Herz nur 50 000 Euro. Entsprechend kleiner die anderen Körperlichkeiten. Diese Zahlen kamen nach einer Recherche der italienischen Zeitung Focus (nicht zu verwechseln mit der deutschen Ausgabe) zustande, die Versicherungsexperten schätzen ließ. Die stolze Gesamtsumme belief sich auf 44 500 000 Euro (gerundete Zahlen aus einem Bericht des Hamburger Abendblattes von Oktober 2003). Macht immer noch keine Milliarde und verkaufe ich das alles – einen einwandfreien Zustand vorausgesetzt – kommen allenfalls meine Kinder in den Genuss des Geldes.

Chemisch betrachte kann man den Menschen in die Bestandteile Wasser, Kohlenstoff, Sauerstoff, Stickstoff und Aschenbestandteile zerlegen. Dabei kommt eine klitzekleine Summe raus. Medizinisch ließen sich Hormone und Insulin zusammenrechnen, was wieder in die Millionen geht. Der Physiker wiederum führt die Energie und Kilowattstunden ins Feld, die zwar Millionen, aber immer noch keine Milliarde einbringen würden.

Wenn wir gesellschaftlich an das Thema herangehen, müssten wir uns fragen, was für Eigenschaften den Mensch für die Gemeinschaft aller wertvoll macht. Sind es beispielsweise Nelson Mandela, Mutter Theresa, Mahatma Ghandi oder die diesjährigen Friedensnobelpreisträger Kailash Satyarthi und Malala Yousafzai, die Eigenschaften vereinen, die solch eine unglaubliche Summe rechtfertigen. Oder sind es wohlmöglich doch irgendwelche Wirtschaftsbosse, die den Kreislauf der Handelsgüter in Bewegung halten. Sind es die Politiker, die Fäden verstricken, verknüpfen und lösen, um das Nebeneinander, bestenfalls Miteinander aller Länder der Erde aufrecht zu erhalten? Vielleicht doch die Profisportler, die die Massen beschäftigen und so von dummen Gedanken abhalten.

Auf diese Weise komme ich weder nüchtern noch moralisch betrachtet dem Wert eines Menschen wirklich näher. Diese Frage kann meiner Ansicht nach nur mit dem Herzen und meiner Lebenseinstellung beantwortet werden. Und jeder wird sie entsprechend seiner Erfahrung anders beantworten. Nur in einem wird sich die Mehrzahl einig sein – in Euro kann ich den Wert nicht messen. Ein Menschenleben lässt sich nicht messen, nicht in Geld oder Leistung, auch nicht in Geisteshaltung, Fleiß, Geltung, Bekanntheit, Bescheidenheit oder anderen Werten. Jeder Mensch ist gleich viel Wert, gleichgültig was er denkt, glaubt, liebt, tut oder spricht. Es gibt nicht einen einzigen Grund, warum sich ein einziger Mensch über einen anderen stellen kann. Keinen Winkel der Erde in dem ein Mensch weniger Wert ist. Keinen Grund, der einen Menschen entwertet. Keine Gesellschaft, die Menschen in Rangfolgen einteilen darf. An dieser Stelle werden sicherlich einige überlegen, was für Verbrecher oder Menschen gilt, die anderen schaden. Auch die sind, in meinen Augen, gleich viel wert. Es ist aber eine Frage, wie eine Gesellschaft mit ihnen verfährt. In keinem Fall darf ein Mensch über ein anderes Leben entscheiden. Denn das bedeutet, sich über ihn zu stellen.

Es gibt Menschen, die sind mir persönlich unglaublich viel wert. Meine Kinder und mein Mann an erster Stelle, meine Familie, die Freunde, Bekannte … Menschen, die ich durch irgendwelche Umstände kenne. Entscheidend ist dabei aber auch die Frage, was ich mir selbst wert bin. Je höher ich die Wertigkeit bei mir selber ansetze, je höher mein Selbstbewusstsein ohne Arroganz ist, desto eher ist es mir möglich die Wertigkeit anderer Menschen wahrzunehmen. Eine realistische Betrachtung ist zudem hilfreich. Kein Mensch mag hören „Jeder ist ersetzbar!“, was aber nun mal den Tatsachen entspricht. Nur bedeutet das nicht, dass ich nichtig bin, denn die wichtige Frage, was bin ich für andere wert, ist wiederum für mein Handeln interessant und sollte Motivation und Motor sein.

Natürlich ist mit klar, dass die eine Milliarde für Christiano nie gezahlt werden sollte, sondern eher als Abschreckung dient, ihn durch andere Vereine abzuwerben. Dennoch – die Summe ist so unglaublich hoch und die Vorstellung, wo man mit so viel Geld überall helfen könnte, so unglaublich schön. Es ist eine schizophrene Welt in der wir leben. Menschen, die so viel Geld haben, dass sie im Leben nicht ausgeben können. Menschen, die selbst in reichen Staaten wie unserem nicht wissen, wie sie ihre Kinder am Monatsende ernähren sollen. Kinder, wie die von Michael Jackson, die überhaupt keine Relation zu Geld haben und Kinder, die nie eine Chance haben werden, Bildung und damit ein einigermaßen gesichertes Leben aufzubauen. Wenn ich von so hohen Summen höre, beispielsweise von unglaublichen Firmengewinnen, stellt sich mir eigentlich eine andere Frage als der nach dem Wert eines Menschen. Wir müssen eher hinterfragen, ob die Welt überhaupt noch einen realistischen Sinn für die Verteilung der Güter und die Gerechtigkeit aller Menschen hat. Wann wird sich das Denken weg von nicht mehr fassbaren Gewinnsummen zu sozialem und insbesondere nachhaltigem Denken auf allen Ebenen ändern.

So ist ein Menschenleben manchmal und für manche nichts wert. Umso wichtiger, dass es für uns unbezahlbar bleibt!