Weihnachten wird abgeschafft!

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„Das neue Gesetz zur Regelung christlicher Feiertage wurde heute in dritter Lesung vom Bundestag verabschiedet und wird nun dem Bundesrat zur Zustimmung zugeleitet. Gegenstand der neuen Gesetzgebung ist die bundesweite Abschaffung der christlichen Feiertage. Nach Zustimmung im Bundesrat wird es nur noch einen bundeseinheitlichen Feiertag, den Tag der Deutschen Einheit, geben.“ Eine Nachricht, die der Gleichstellung aller Religionsgemeinschaften in Deutschland entgegen kommt und schon lange überfällig ist. Religiöse Feste werden nur noch innerhalb der Gemeinden und an Wochenenden gefeiert. Religionsunterricht muss dem Lebenskunde-Unterricht aus den Schulen weichen. Soziale Aufgaben christlicher Arbeitsgemeinschaften und Verbände werden an freie Träger übergeben.

Der erste Advent steht bevor und Deutschland stöhnt unter der Last der bevorstehenden Feiertage. Es wird gemault und geklagt, was das Zeug hält. Wem kein Grund zum Schimpfen einfällt, klagt mindestens darüber, dass es wieder keine weiße Weihnacht geben wird. Seit Wochen schimpfen die Menschen, dass neben den Halloween-Sachen schon die Weihnachtssüßigkeiten standen. Es wird über zu volle Einkaufspassagen geklagt und über Billigwaren, die eigens zum Fest produziert, in die Läden kommen. Briefkästen sind voll mit Spendenaufrufen, die zur Mildtätigkeit auffordern, bei denen man oft nicht weiß, wohin das Geld geht. Es ist nicht möglich mit Kindern zwei Sendungen zu schauen und dazwischen unbeschadet die Werbung mit glorifiziertem Spielzeug zu umgehen. Die Vorstellungen des Nachwuchses gehen natürlich weit mit den realistischen Möglichkeiten der Eltern auseinander. Ehefrauen bekommen Schweißausbrüche, wenn sie überlegen, was sie in diesem Jahr wieder für ein liebloses Geschenk vom Gatten bekommen und Ehemänner überlegen mit welcher Schnapssorte sie den diesjährigen Besuch der Schwiegermutter überstehen sollen. Heerscharen von Jugendlichen entwickeln Strategiepläne, wie sie das Heile-Welt-Theater – drei Tage eingesperrt – überstehen sollen.

Restaurantbesitzer freuen sich zur Abwechslung. Die bekommen ihre Räume mit allen möglichen Weihnachtsessen voll und können bestens auskosten, dass die Betriebe doch allzu dringend noch einen Platz für ihre Feier brauchen. Unzählige Geschenke-Listen werden geschrieben, überarbeitet, verworfen, um dann doch am 24. in letzter Minute ein recht unpassendes Präsent zu bekommen. Was um Himmels willen schenkt man dem Kollegen, den man beim Wichteln gezogen, eigentlich gar nicht mag. Und spätestens bei der 15 Weihnachtskarte schreibt man den Text nur noch monoton ab und hofft, dass der Adressat die Lieblosigkeit nicht spüren kann, aber – die Form ist gewahrt. Schließlich hat man spätestens beim dritten Weihnachtsbasar der Kita, des Hortes, der Schule, keine Lust mehr einen Kuchen abzugeben, selbstverständlich als Spende, und dafür so komisch Selbstgebasteltes der eigenen Kinder für zu viel Geld zu kaufen.

So schlimm?

Warum machen wir’s dann?

Weil wir es immer schon so gewöhnt sind. Weil wir uns aus dieser Gesellschaft nicht lösen können. Weil wir den Gepflogenheiten Genüge tun wollen. Weil wir ja eigentlich doch daran hängen oder andere nicht enttäuschen wollen. Ganz tapfere erklären, dass sie sich in diesem Jahr vollkommen aus dem Trubel zurückziehen, hoffen auf bewundernde Anerkennung und ernten doch ein müdes Lächeln. Die Starken erklären „Wir schenken uns nichts!“, kriegen aber spitze Ohren, wenn andere von ihren neuen Schätzen berichten oder erzählen, was sie sich für liebevolle Besonderheiten haben einfallen lassen. Die Mutigen erzählen, dass sie die Weihnachtsgans schon im Hochsommer gebraten haben, die bei 28 Grad auf der Terrasse dann aber doch nicht so richtig schmeckte. Es passt einfach nicht.

Immer noch kein Protest? Bei mir schon. Bei so vielen Gründen gegen Weihnachten, habe ich schon allein aus Widerwillen, Lust darauf Weihnachten zu feiern. Denn ganz unzeitgemäß – bei allen Argumenten – ich liebe diese Zeit! Und gerne mache ich einen Bogen um alle Leute, die es mir schlecht reden möchten. Und ganz ehrlich, ich hoffe inständig, dass ich die Nachricht am Anfang niemals werde lesen müssen.

Ich bekenne mich zur Weihnacht!

Aus meiner Erinnerung: Ich liebte es, wenn es im Advent heimlich wurde. Meine Mutter verschwand stundenlang in ihrem Nähzimmer und wir wussten, dass sie etwas für uns machte. Mein Vater, der nie kochte, machte uns in der Weihnachtszeit die Bratäpfel im Ofen. Die hilflosen Versuche meiner Mutter alle Weihnachtsplätzchen bis Weihnachten zu retten – bei fünf Kindern unmöglich. Wir mussten noch tatsächlich zur Bescherung Gedichte aufsagen, was natürlich immer in letzter Minute von uns geübt wurde. Das Vorlesen der Weihnachtsgeschichte und die ruhigen Stunden am Morgen des 25. Dezember, wenn wir Zeit hatten noch einmal in Ruhe unsere Geschenke zu bewundern. Ich liebte alle Weihnachtsfeste, bei denen ich selber Mutter und diejenige war, die die Feste gestalten durfte. Ich liebe die heutigen Weihnachtsfeste, die von den fast erwachsenen Kindern beeinflusst werden.

Und auch die Erinnerung, an ein sehr freches Weihnachtsgedicht, dass ich aufsagte und den Missfallen meines Vaters auf mich zog, gehört dazu. Ebenso die Erinnerung an den Versuch einen vorbereiteten Plätzchenteig aus der Schüssel zu bekommen. Der war so fest geworden, dass er bei einer Flughöhe aus einem Meter auf Steinboden keine Schramme hatte. Jeder Keramiker wäre mir dankbar für das Rezept. Mein letzter Versuch Pfeffernüsse zu backen.

Was ist verkehrt an Weihnachten, oder überhaupt an Feiertagen, wenn Menschen, egal ob gläubig oder nicht, zur Ruhe kommen. Wenn die Zeit ein wenig angehalten wird und wir besinnlich werden. Wenn Menschen bereit sind, intensiver an andere zu denken und oft auch karikativ aktiv zu werden. Wenn Familien zusammenrücken und die Gelegenheit nutzen sich zu sehen, zu sprechen – sich aneinander zu erinnern. Sicherlich, das gute Argument, das wir das auch das ganze Jahr tun können, wird immer wieder aufgegriffen. Tun wir aber nicht, weil jeder doch zu sehr mit sich selber und seinen Lebensumständen beschäftigt ist.

Ich freue mich auf die Adventszeit mit vielen schönen kleinen Momenten, die mir ins Gedächtnis bringen, mal wieder dem ein oder anderen zu schreiben. Freue mich auf die Zeit mit meiner Familie. Freue mich auf meinen jährlichen Ohrwurm „Oh, du fröhliche …!“ und darauf meine selbstgemachte Krippe aus Ton wieder aufzustellen. Auch auf die hoffentlich erfolgreichen Versuche die Weihnachtssüßigkeiten vor dem Hund zu retten und der Katze klar zu machen, dass sie nichts im Weihnachtsbaum zu suchen hat. Den KollegInnen lege ich gerne einen Weihnachtsgruß hin. Die Schwiegermutter werde ich selber nach Hause holen. Meinen Jugendlichen alle nötigen Freiheiten über die Feiertage lassen. Weihnachtsbasare besuche ich gerne, genieße die Stimmung und freue mich auf Kerzenlicht.

Weihnachten darf nicht abgeschafft werden und auch die größten Kritiker müssen zugeben, dass in dieser Zeit viel Gutes entsteht, für das unter dem Jahr sonst wenig Raum ist. Jeder … der Atheist, der Religiöse, der Humanist hat etwas davon … und wenn es nur eine kleine Pause ist. Also, nicht nörgeln oder klagen, sondern für sich selber und andere schauen, was man Positives bewirken kann – daraus sollte ein Gesetz werden.

32 Kommentare zu “Weihnachten wird abgeschafft!

  1. […] einen Beitrag von Elvira landete ich bei einem Blogpost von Bunt und Farbenfroh: Weihnachten wird abgeschafft. Und während ich so vor mich hin las und dachte, entdeckte ich plötzlich, dass dies ja auch ein […]

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  2. vivilacht sagt:

    Feiertage sind ja dazu da, gefeiert zu werden. Ob es jetzt Weihnachten oder Chanukka oder aehnliches ist, das ist voellig egal. Das Geschaefte das vermarkten, das ist ja auch klar. Ebenso, das alles etwas uebertrieben wird. Aber deswegen Feiertage abzuschaffen, das soltle nciht sein.

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  3. Pauline sagt:

    Hat dies auf bayernpaulinesWelt rebloggt und kommentierte:
    Eine Meldung, die mich aufhorchen ließ …

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  4. Pauline sagt:

    Deine „Meldung“ über die Abschaffung der christlichen Feiertage hat mich doch aufhorchen lassen. Da ich regelmäßig alle Nachrichten sehe und höre, dachte ich beim Lesen: ups, ist da was an mir vorbei gegangen?
    Die „Auflösung“ fand ich ja dann in Deinem wunderbaren Beitrag, den ich gerne rebloggen würde, wenn es Dir recht ist???
    Ich mag Weihnachten auch, obwohl ich es aus diversen Gründen seit ein paar Jahren nur mit meinem Hundchen feiere 😆
    Sei von Herzen gegrüßt von der ♥ Pauline ❤

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    • Liebe Pauline,

      ich weiß gar nicht mehr, wie die Idee entstand, so anzufangen … es schreckt mich fast selber noch! 😉 Selbstverständlich darfst du gerne rebloggen – das freut mich sehr! Und mit Hundchen feiern ist gar nicht so verkehrt … unserer wird auch seinen sehr speziellen Weihnachtsknochen bekommen. Auf den Hundeblick freue ich mich jetzt schon! 😀

      Sehr herzliche Grüße an dich von Anna

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      • Pauline sagt:

        Dankeschön, liebe Anna, dann werde ich Deinen Beitrag gleich mal bei mir rebloggen …
        Mein Hundchen bekommt wahrscheinlich ihr Lieblings-Sonder-Fressen: halbes Hähnchen! 😆
        Hab noch einen schönen Abend und sei von Herzen gegrüßt von der ♥ Pauline ❤

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  5. scrooge sagt:

    Über Elviras Blog bin ich hier gelandet, und ich bekenne mich ebenfalls zur (Vor-)Weihnachtszeit. Nach einigem Nachdenken kam ich zu dem Schluss, dass dies eigentlich auch ein Grenzwandererthema ist, und so ist ein längerer Post entstanden, der die Kommentarfunktion wahrscheinlich sprengen würde: https://grenzwanderer.wordpress.com/2014/12/09/in-der-vorweihnachtszeit-fuhe-ich-mich-deutsch/
    Grüße aus dem deutsch-niederländischen Grenzland.

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  6. Du sprichst mir aus der Seele. Danke, danke, danke für diesen Post. ♥
    Ich liebe Weihnachten 🙂 , und das Gemecker um zu viel Trubel und dass es heute ja nur noch um Geschenke ginge und all das geht mir manchmal gehörig auf die Nerven.
    Man kann nicht allem aus dem Weg gehen, aber vieles hat man doch selbst in der Hand. Weihnachten ist auch ein bisschen das, was man selbst draus macht.

    Ganz herzliche Grüße,
    Martina

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  7. Ich glaube, viele Meckerbüddels haben noch nicht mal wirklich etwas gegen Weihnachten an sich, sondern gegen die damit verbundenen Konventionen, Gebräuche und vor allem die selbstauferlegten Zwänge, die sie sich nicht trauen aufzubrechen, obwohl sie sie so unendlich satt sind.

    Mutti würde so gerne ein mal, ein einziges Mal nur Würstchen mit Kartoffelsalat an Heiligabend reichen, weil sie es einmal etwas leichter in der Küche haben möchte. Trotzdem zwingt sie sich jedes Jahr zu dieser im wahrsten Sinne des Wortes blöden Gans und quält sich durch die ganzen Vorbereitung mit Füllungen und so weiter. Einfach weil es Tradition ist, weil es Gans schon bei ihrer Mutter, Oma und Uroma gab.

    Und die Altvorderen kommen oft nicht damit klar, dass der Sohn oder Enkel mit seiner frischgebackenen Frau und dem ersten Kind nun eine eigene Familie hat, mit der er seine eigenen Traditionen begründen möchte – und wenn die Tradition dann noch etwas ganz avantgardistisches wie Grillen unter dem Gartenpavillon oder Sushi auf dem Tisch ist…. o-haue-ha! „Sowas haben wir ja noch nie gemacht! Das haben wir schon immer anders gemacht! Wo kommen wir denn dahin?! Da könnte ja jeder kommen!“ Man kennt das

    Wie auch immer, ich glaube, das Meckern über Weihnachten ganz allgemein hat nur Stellvertreterfunktion für den Ärger über andere Dinge wie eben den fehlenden Mumm, die die von anderen aufgezwungenen und inzwischen als Last empfundenen Zwänge abzustreifen und durch was eigenes zu ersetzen. Sich mit solchen Themen präzise zu beschäftigen ist aber durchaus anstrengend, also verlegt man sich lieber auf das Meckern allgemein, weil das leichter ist.

    Weihnachten ist also das, was man selber draus macht, und wenn man es geschafft hat, es für sich kommodig zu machen statt auf andere Leute oder alte Traditionen zu schielen – dann kann es auch für die Meckerbüddels ein tolles Fest werden.

    Nebenbei: Ich mag Weihnachten!

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    • 100 % Zustimmung für deinen Kommentar. So habe ich heute z.B. beschlossen, dass meine zweite Weihnachtsgans keine ganze Gans wird, sondern dass es nur Keulen geben wird. (Idee von einer Kollegin). Die erste und einzige komplette Weihnachtsgans hat sogar den „Kleiner-Bruder-Test“ bestanden, so lecker war sie – aber das war echt Arbeit. Und wir mussten das gute Stück zu zweit aus dem Topf heben um es umzudrehen. Also gibt’s dieses Jahr die bequeme leckere Variante der Tradition.

      Du hast völlig recht – wenn wir uns trauen unsere eigenen Traditionen zu variieren, aus dem was wir erhalten und mitnehmen möchten, dann wird’s zum Wohlfühlen. Liebe Grüße!

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  8. Also ich mag Weihnachten auch. Und ich bin zur Zeit froh, aus dem quirligen München abends wieder im beschaulichen Allgäu zu sein.
    Den Geschenkerummel und so, machen wir schon lange nicht mehr mit. Die stillen Stunden sind (aus anderen Gründen) gezählt, dann aber doppelt schön.
    Liebe Grüße
    Ute

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    • Ich wünsche euch schöne stille Stunden! Und im Allgäu wäre ich jetzt auch gerne – das ist bestimmt wunderschön dort. Hier tobt noch das Leben in der großen Stadt … aber die Aussicht auf die stillen Stunden lässt die Vorfreude wachsen! Herzliche Grüße! 🙂

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  9. merlanne sagt:

    Gläubig oder nicht … schon alleine dadurch dass wir Advent und Weihnachten „erleben“ und feiern, werden wir daran erinnert, uns zu besinnen, nehmen wir unsere lieben Mitmenschen wieder etwas mehr „wahr“ und erleben wir, dass nehmen und geben Glück bedeutet. Mir kann keiner Weihnachten mies reden.
    Du hast es wieder sehr gut in Worte gefasst.
    Liebe Grüsse,
    Claudine

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    • Ich habe gestern meinen Lieblingsatheisten gefragt, ob er überhaupt den 2. Advent feiert. Seine Antwort war: „Atheisten sind durchaus für Traditionen – nur eben, dass wir es als Tradition anerkennen und das dahinterstehende Märchen nicht als Wahrheit sehen. … eigentlich war das schon immer meine Haltung – ich habe überhaupt nichts gegen Traditionen oder dagegen, am Ende des Jahres ein besinnliches Fest zu feiern. Ich bin nur dagegen, die dahinterstehende Mythologie für bare Münze zu nehmen.“ Und darin komme ich mit ihm, als selber gläubiger Mensch, durchaus auf einen Nenner. Es ist wie du schreibst, das Wahr-nehmen des anderen, das Erleben und das Besinnen, das diese Zeit so wertvoll macht. Manche Menschen brauchen dafür ein Bild, ein Märchen oder Mythologie – was ich als völlig legitim ansehe. Liebe Grüße von Anna

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  10. quiltfru sagt:

    Wie wahr. Ich feiere auch gern Weihnachten. Wir machen es ganz locker. Es gibt richtig gut zu essen und zu naschen und die Geschenke, ja die überlege ich mir schon übers Jahr und bis spätestens Anfang Dezember habe ich alles beisammen. Dann kann die Adventszeit in Ruhe genossen werden. Mit Nachmittagstee und Geplauder.

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    • Offensichtlich kann ich von dir lernen … ich bin eher der Auf-den-letzten-Drücker-Typ – dann aber richtig und heftig bis in die Nacht. Spaß macht es trotzdem – besonders Päckchen einpacken und mir vorstellen ob/wie sich der Beschenkte freut – so schön! Ruhe finde ich besonders zwischen den Feiertagen – da habe ich manchmal das Gefühl, dass die Welt still steht. Das geht mir schon seit Kindertagen so.

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  11. … eine wundervolle Adventzeit … Segen und bewahre dir die Fähigkeit zu staunen …
    HERZ-lichst
    M.M.

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  12. Elvira sagt:

    Hat dies auf Quilt-Traum rebloggt und kommentierte:
    Ich wollte auch darüber schreiben, aber alles, was ich noch hätte sagen wollen, habe ich im Kommentar untergebracht

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  13. Elvira sagt:

    Ich habe ein gespaltenes Verhältnis zu Weihnachten. Das mag daran liegen, dass es keine Kinder mehr im Haus gibt. Gerade heute früh unterhielten mein Mann und ich uns darüber, wie toll es war, als unsere Söhne, die schon ihre eigen Wohnungen hatten, vom 24. zum 25. bei uns schliefen (meine späteren Schwiegertöchter verbrachten ihrerseits diese Tage bei ihren Eltern). Ich denke an das Gekicher und Rumgealbere der beiden erwachsenen Männer, wenn sie im Gästezimmer auf großen Luftmatratzen die Nacht verbrachten, an das wunderbare Gefühl, morgens wieder Trubel in der Wohnung zu haben. So wie ich auch sehr gerne an die Weihnachten meiner Kindheit denke. An die bunten Teller, die auf dem Wohnzimmerschrank schon zu sehen waren, an den mit zu viel Lametta und, jedenfalls für uns vier Kinder, stets zu wenig Süßigkeiten behangenen Baum, an die Geschenke unter dem Baum, wobei ich mich heute noch frage, wie meine Eltern sich das alles vom Mund absparen konnten. Auch wir sagten Gedichte auf, die wir im Zimmer meiner Brüder noch einmal übten. Ich spielte Weihnachtslieder auf der Blockflöte. Meine allerschönsten Erinnerungen aber bleiben die Adventswochen und das Fest mit meinen Kindern. Das Plätzchen backen gehörte dazu, das Basteln von Geschenken. Bei uns gab es keinen Weihnachtsmann. Meinen Kindern erklärte ich, dass Weihnachten ein Geburtstagsfest ist, wir den Geburtstag Jesu feiern und wir uns, stellvertretend quasi, Geschenke machen. Zu Weihnachte gehörte der Familiengottesdienst mit dem Krippenspiel, das Kaffeetrinken mit den Großeltern, die drängelnden Fragen der Kinder, ob wir denn nun mit dem Kaffee fertig wären, das Läuten des Glöckchens, wenn ich im geschlossenen Wohnzimmer die Kerzen am Baum entzündet hatte und die Familie das Weihnachtszimmer endlich betreten durfte, das gemeinsame Singen von Weihnachtsliedern, die später von meinem Geige spielenden Sohn untermalt wurden, das langsame Auspacken der Geschenke, jedes einzeln und meistens mit vielen Ahs und Ohs begleitet. Ganz vergessen habe ich das Baumschmucken am Abend des 23. Dezembers. Das war stets eine lustige Angelegenheit. Wir hörten immer Weihnachtslieder aus aller Welt, wobei uns die skandinavischen besonders heiter stimmten.
    Das alles vermisse ich heute! Unsere Weihnachtsfeiertage sind ruhiger geworden. Wir besuchen natürlich die jeweiligen Familien und freuen uns an und mit unseren vier Enkelkindern. Und dennoch fehlt mir dieser eine Funken, ganz tief im Herz, der mich berührt und glücklich macht.
    Liebe Grüße und einen wunderbaren ersten Advent wünscht
    Elvira

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    • Liebe Elvira, so wie du deine Weihnachtserinnerungen beschreibst, finde ich mich aber ganz ähnlich darin wieder. Nur wurde der Baum bei uns meistens schon Anfang Dezember aufgestellt und nur von der Mutter geschmückt. Meine Kinder sind noch im Haus. Wie mein Mann und ich feiern werden, wenn das nicht mehr der Fall ist, wird sich zeigen. Ich könnte mir aber zum Beispiel gut vorstellen, dass ich dann irgend etwas karitatives mache – mal sehen, wie fit ich dann noch bin. Ideen gehen mir selten aus. Eine schöne Adventszeit für dich mit deinen Kindern und Enkeln um dich … die Erfahrung mit den letzteren muss ich noch machen. Liebe Grüße!

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  14. Ulli sagt:

    es liegt an uns, wie wir diese Zeit gestalten! Ich mag den Konsumterror nicht und spiele da schon lange nicht mehr mit, aber ich mag die langen und heiligen Nächte, ich mag das Innehalten, die Kerzen, den Schmuck in der Wohnung, es darf auch ein bisschen kitschig für die Enkel und für meine Kinderseele sein, aber ich mag keine Weihnachtslieder, aber das Gedicht: Markt und Strassen sind verlassen … ich mag Plätzchen backen und essen und mag kleine Geschenke für die Liebsten und ich mag die Erinnerungen an Weihnachten mit meinen Kindern …

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  15. Super. Ein flammendes Plädoyer fürs Weihnachtsfest.
    Prima geschrieben. Ich jammer nicht, ich freue mich darauf.
    Grüßli 🙂

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  16. Melanie sagt:

    Oh Danke für diesen Text! Ich bekenne mich auch! Weihnachten ist für mich das Highlight des Jahres!

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