Kunst für Flüchtlinge

Wildwuchs - Katrin Munke

Wildwuchs – Katrin Munke

Sie sind im Moment in aller Munde, viele Berichte, Nachrichten und Ereignisse beschäftigen sich täglich mit ihnen. Menschen, die ihr eigenes Land verlassen, weil die Verhältnisse dort aus irgendeinem Grund nicht mehr zu ertragen sind. Sie werden Flüchtlinge und suchen sich eine neue Heimat, Schutz und Ruhe um ein neues Leben aufbauen zu können. Dort, wohin sie gehen, überlegen andere Menschen ob, wie und wo man sie integrieren kann. Diskussionen werden geführt, ob man sie will oder nicht. Politiker rangeln um die Bedingungen, Gemeinden beklagen fehlendes Geld, Gemeinschaften organisieren sich, um ihnen zu helfen. Oftmals sind es aber ganz kleine Dinge, die mich staunen lassen, mit welchem Einfallsreichtum und welcher Energie man helfen kann.

Ich ging ins Gutshaus Lichterfelde, ein Haus mit dem Schwerpunkt auf nachbarschaftlicher Arbeit. Ich bin oft und gerne dort, auch weil ich für den Träger, das Stadtteilzentrum Steglitz e.V., arbeite. Diesmal blieb ich aber gleich im Eingangsbereich hängen und konnte nicht weiter gehen. Dort hing, wie so oft, eine Bilderausstellung und die Bilder haben mich gleich so gefangen und angesprochen, dass ich sie alle studieren musste. Nach der Runde kam ich zu einem Rahmen, in dem die Künstlerin sich vorstellte.  Sie schrieb unter anderem, dass der Erlös aus den Verkäufen der Bilder zu 100 % der UNO-Flüchtlingshilfe gespendet werden würde. Als ich den Text gelesen hatte, stand mein Entschluss fest, dass ich die Frau gerne kennenlernen wollte. Welcher Künstler stellt seine komplette Ausstellung einem guten Zweck zur Verfügung?

Katrin Munke ist Lehrerin, aber auch Mutter und Ehefrau und lernte durch die Kita im Haus das Gutshaus zu schätzen. Schon vor zwei Jahren nutzte sie die Räume für eine Ausstellung und auch in diesem Jahr war ein Termin für ihre schönen Bilder frei. 1976 geboren, verbringt sie ihre Kindheit in Dessau, Bernburg und Berlin. Schon frühzeitig wird ihr Interesse für Kunst und Musik geweckt und sie werden ständige Begleiter in ihrem Leben. Nach Abschluss des Lehramtsstudiums in Kunst und Musik an der Universität Potsdam 2001 unterrichtet sie an Berliner und Brandenburger Schulen. Seit 10 Jahren lebt die Familie in Lichterfelde und ist heimisch geworden. Als ich sie frage, ob sie vornehmlich Künstlerin oder Lehrerin ist, zögert sie keinen Moment um sich für die Lehrerin zu entscheiden. Die Kunst ist ihr Hobby, ihre Möglichkeit zu entspannen und die Bilder sozusagen ein Mehrprodukt. Sie lehnt den heutigen Kunstmarkt ab und findet die Preisfindung für die eigenen Bilder sehr schwer. So ist ihre Überzeugung gereift, dass sie lieber ein Bild für 100 Euro verkaufen möchte, als es in einer Ecke verstauben zu lassen. Da der Grunderwerb der Familie durch beide Elternteile gesichert ist, hat sie sich dazu entschlossen, den Erlös ihrer Bilder zu spenden. Dazu genüge ihr ein Blick in die Welt, der sie immer wieder unterstützenswerte Projekte finden lässt. Sie hat aber gemerkt, dass es Menschen manchmal schwer fällt, einfach nur zu spenden. Leichter wird es, wenn Besucher ein Bild, etwas Schönes für die eigene Wand oder ein außergewöhnliches Geschenk mit nach Hause nehmen können. So reifte diese Form, mit der sie immerhin zwei bis drei Bilder pro Ausstellung verkaufen und den Erlös spenden kann.

Hin und wieder muss sie sich mit der erstaunten Frage auseinander setzen, ob sie denn gar nichts für sich selber als Erlös für die Bilder behalten will. Die Kunst hat in dieser Familie jedoch einen anderen Sinn als das fertige Ergebnis zu sehen. Der Prozess zum Produkt, zum Kunstwerk in jeglicher Form, gehört zum festen Bestandteil der gemeinsamen Zeit. Der Vater, ebenfalls Lehrer, arbeitet mit Leder. Die Kinder experimentieren, probieren, lassen sich begeistern und sind unheimlich stolz, wenn sie zum Beispiel beim Filzen später mit selbstgemachten Hausschuhen herumlaufen können. Die gemeinsame Aktion, die Beschäftigung mit Kunstformen, aber auch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Materialien, ist der Kern für den familiären Handlungsplan. Für sich selber sieht Katrin Munke ihre Bilder als eine Art Tagebuch. Dort kann sie ihre Sehnsüchte, Wünsche und Ideen hineinarbeiten. Sie mag vielschichtige Bilder, die im Detail zeigen, was sie ausdrücken möchte. So lohnt es sich immer ein zweites Mal hinzuschauen und den Kleinigkeiten, die zu finden sind, Beachtung zu schenken.

Ob sie ihre Kunst auch mit ihrer Arbeit als Lehrerin verbindet, verneint sie. Dort sieht sie eher die Kunst als Fertigkeit und versucht Bewertungsdruck zu vermeiden. Sie weiß, dass Kinder eher praktisch orientiert sind und versucht sie für die Sache an sich zu begeistern.

Mich hat Katrin Munke begeistert. Ihr Bilder zeigen Phantasie, Ästhetik und das beherrschte Handwerk. Zudem ist diese Ausstellung, mit dem Sinn dahinter Flüchtlingen zu helfen, ein Beispiel gelungener Eigeninitiative, die einfach beachtet und unterstützt werden sollte. Die Ausstellung hängt noch bis zum 26. November 2014 im Gutshaus Lichterfelde. Wer keine Gelegenheit hat dort hinzugehen, kann sich die Bilder hier ansehen, die Preise anschauen und über den Kontakt eine Verbindung zur Künstlerin bekommen. Vielleicht braucht der ein oder andere ja noch ein besonderes Weihnachtsgeschenk und kann so eine Freude bereiten und gleichzeitig etwas Gutes tun.

Die vielen Flüchtlinge, die unsere Hilfe brauchen, werden diese Bilder kaum zu sehen bekommen. Aber die Idee, die dahinter steht, motiviert und zeigt, wie einfallsreich auch mit weniger populären Möglichkeiten geholfen werden kann – diese Idee sollte ansteckend sein.

waldnacht

Waldnacht

wildwuchs

Wildwuchs

zebrabaum

Zebrabaum

o.T.-I-

o.T. (I)

polar

Polar

stadt

Stadt

land_verkauft

Land – verkauft

nordlicht

Nordlicht

verborgen

Verborgen

alt

Alt

hafen

Hafen

vogelflug_verkauft

Vogelflug – verkauft

ohne_ruechsicht

ohne Rücksicht

tau

Tau

deine_stimme_in_meinem_kopf

Deine Stimme in meinem Kopf – verkauft

februar_und_maerz

Februar und März

garten

Garten

blatt_und_blätter

Blatt und Blätter

kuestenstreifen

Küstenstreifen

blaue_schalen

Blaue Schalen

ruegen

Rügen


19 Kommentare zu “Kunst für Flüchtlinge

  1. Wunderschöne, leuchtende, mystische Bilder….
    Und eine wundervolle Idee, die dahinter steht…
    Ich bin sehr beeindruckt… !

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  2. allyayame sagt:

    Hat dies auf ayamesblog rebloggt und kommentierte:
    Wenn man will, kann man Menschen immer helfen. Ich wünschte mehr von uns würden so selbstlos sein!

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  3. TMampel sagt:

    Hat dies auf mampel´s welt rebloggt und kommentierte:
    ein wunderbarer Artikel meiner Kollegin Anna Schmidt, den ich gern auch in meinem Blog dokumentieren und teilen möchte….. sehr lesenswert!

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  4. Anna, ich war also heute da und sie gefielen mir noch viel besser als hier als Fotos – was ja aber auch klar sein sollte. Immer wieder bin ich hin und her gegangen, habe überlegt, ob ich eines kaufe. Als Geschenk würde ich es nie wagen, jemandem etwas zu schenken, was er sich nicht selbst ausgesucht hat. – Alle, die mir besonders gefielen, habe ich noch einmal selbst fotografiert, auch die Adresse und die Telefonnummer der Malerin. – Besonders hatte es mir der Baum mit dem Titel „Alt“ angetan. Doch als ich zu Haus sah, dass kein geeigneter Platz an einer weißen Wand vorhanden ist (auf terrakotta möchte ich den roten Baum nicht hinhängen), dann ließ ich den Gedanken fallen. – Aber nach wie vor muss ich sagen: Eine herzerwärmende Idee!
    Im Impressum der Stadtteilzeitung habe ich gesehen, dass du wirklich „Anna Schmidt“ heißt – ich vermutete darin so ein Pseudonym wie das meinige. 🙂

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    • Schön, dass dir die Ausstellung gefallen hat. Ich habe ein anderes Bild als Favorit, aber die Entscheidung ist schwer. 😉 Und ja, ich heiße wirklich so … ich mache Presse- und Öffentlichkeitsarbeit, kann mich mit meinem Job identifizieren, mich bei den Dingen austoben, die mir Spaß machen und liebe es, mich auszutauschen … beruflich wie privat … dazu brauche ich kein Pseudonym … und wie in diesem Fall, freue ich mich ja, dass dieser Blog das Angebot einer unserer Einrichtungen unterstützen kann. 🙂

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  5. Maren Wulf sagt:

    Großartig! Die Idee, die Bilder, das Aufmerksammachen und Weitererzählen… Herzlichen Dank dafür!

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  6. Dieser Beitrag wurde schöner Weise auch auf BlogF geteilt! 🙂

    http://blogf.de/wissen/kunst/kunstwerke-fuer-fluechtlinge/

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  7. Hat dies auf Clara Himmelhoch rebloggt und kommentierte:
    Farbig ist nicht immer Karneval
    … sondern es können auch Bilder sein, wirklich wunderschöne Bilder, die alle zu einem guten Zweck verkauft werden sollen. Als ich diesen Beitrag „Kunst für Flüchtlinge“ bei Anna Schmidt auf ihrem Blog las, ging mir das Herz auf – einfach deswegen, weil es Menschen gibt, die nicht an ihren Gewinn denken, sondern helfen wollen, dass Not und Elend gemildert und gelindert wird.

    Und dann entschied ich mich, ihn nicht nur zu verlinken, sondern zu rebloggen, was ich bisher mit fremden Artikeln selten gemacht habe.

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  8. merlanne sagt:

    Die Bilder sind einfach wundervoll, märchenhaft und der Einsatz der Malerin vorbildhaft.

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  9. Ich würde so sehr wünschen, dass ALLE Bilder zu einem GUTEN Preis verkauft werden, denn bessere Aktionen der Hilfe gibt es kaum.

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  10. Myriade sagt:

    Was für schöne, originelle Bilder. Die würde ich mir gerne im Original ansehen, aber leider ist das eindeutig zu weit.
    Und ganz viel Freude beim Malunterricht, liebe Frau Ahnungslos. Malen ist auch mein liebstes Hobby.

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  11. Wow!!!
    Sind DAS tolle Bilder. Die würde ich mir gerne von Nahem anschauen. Und davon verkauft sie nur 2-3 Stück? Kaum zu glauben…

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  12. Hat dies auf westendstories rebloggt und kommentierte:
    ….weil das eine schöne Aktion ist.
    ….weil das tolle Bilder sind.
    ….weil es daran erinnern soll, das es nicht immer ein materielles Quit pro quo geben muß
    ….weil ich mir noch viel mehr solcher Aktionen wünsche.
    ….und weil täglich daran erinnert werden sollte, wie gut es uns doch eigentlich geht. Mit allem Übel, welches dem einen oder anderen heute, gestern oder vorgestern Widerfahren ist.

    In diesem Sinne, Frau Ahnungslos grüßt herzlich, weiterhin mit eingeschränkter Technik, dafür mit exquisitem Malunterricht diese Woche. Ich bin gespannt 🙂

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  13. Sehr sehr schön…. Darf ich das Teilen? 🙂

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