Ola Eibl … sensible Töne zu großer Kunst

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Sie denkt gerne zurück, wenn sie vom Kunstmarkt der Generationen im letzten Jahr erzählt. Alles wäre so liebevoll organisiert worden und die ganze Atmosphäre zum Wohlfühlen gewesen. Der Umgang, die Leute – alles hätte sich friedvoll und leicht angefühlt. Der Tag auf dem Markt war ein Gewinn für sie und eine Dame, die eine von ihren ausgestellten Druckgrafiken kaufte, fragt sie, ob sie denn einmal im Gutshaus Lichterfelde ausstellen wolle. Das wäre für die Dame so schön nah und eine gute Gelegenheit auch die Malerei von Ola Eibl kennenzulernen. Diese Anregung hat sie in die Tat umgesetzt und kehrt wieder ins Gutshaus Lichterfelde zurück. Diesmal nicht am Marktstand, sondern in eigener Ausstellung vom 12. Mai bis 17. Juli. Die Umgebung sei so positiv – etwas was sie trägt und beflügelt … ein guter Platz für ihre Bilder, sagt die junge Künstlerin.

Die Malerei, die Kunst, gehört zu Ola Eibl wie für den Magier der Zauberstab. Schon als ganz kleines Kind hätte sie nur einen Stift und Zettel gebraucht um für lange Zeit in die Welt der Farben, Striche und Formen abzutauchen. Das konnte sie schon früh besonders im österreichischen Teil der Familie ausleben aus der ihr Vater stammt, in dem traditionelles Kunsthandwerk fester Bestandteil war. Früh lernte sie durch die Tante Gegenstände genau zu betrachten, zu studieren und ihr Wesen zu erfassen um es sorgfältig auf Papier zu bringen. Das Zeichnen und Malen gehört zu ihr und doch reichte es irgendwann in der autodidaktischen Form nicht mehr aus. Sie lernte zeitig, dass jeder Kunst ein Handwerk zugrunde liegt. Lernen wollte sie um dem, was sie sah und auf Leinwände bringen wollte, die erforderliche Wertschätzung und Wirkung zu geben.

Die Universität der Künste ist die erste Station des Studiums der freien Kunst und des Lehramtes, Großfach Kunst. Es führt sie unter anderem über ein Erasmus-Stipendium weiter nach Milano/Italien und Sao Paolo/Brasilien. 2008 besteht sie das erste Staatsexamen und wird 2009 Meisterschülerin. Auch da ist noch nicht genug gelernt … wobei das Lernen nun eher dem Wunsch nach weiterem Wissen und Verfeinerung der Techniken nachkommt. Ein Bildhauerprojekt, die Deutsche Kinemathek, ein Gaststudium in Lublin/Polen und ein Stipendium, eine finanzielle Atelier-Förderung, durch die Dorothea-Konwiarz-Stiftung sind weitere Stationen, die ihren Werdegang begleiten. Die permanente Neugierde das Handwerk zu erfassen, zu verfeinern, sind für Ola Eibl der Türöffner ihre Ideen, Bildvisionen und ihr Erleben mit Talent und Technik umzusetzen. Ola Eibl besucht Werkstätten von Kunst- und Kunsthandwerke-Kollegen (z.B. Keramiker, Vergolder, Kupferstecher), die ihr eigenes Wissen für ihre künstlerische Arbeit zu Verfügung stellen.

Es war eine bewusste Entscheidung das Leben ihrer Kunst zu widmen. Dabei ist ihr besonders wichtig, dass sie sich frei entwickeln und wirken kann, an keine Konventionen und Vorgaben gebunden ist. Dies zeigt sich insbesondere in der Internationalität, die ihren Wirkungskreis bereichert. Von Kindheit an ist die geborene Berlinerin mit Österreich durch den Vater und Polen durch die Mutter verbunden. Heute hat sich ihr Netzwerk von Freunden und kreativer Arbeit über Italien und Brasilien erweitert. In diesem Netzwerk der großen Familie und dem internationalen Freundeskreis findet die sensible Künstlerin ihren Halt.

Ola Eibl erzählt, dass sie nicht viel zum Leben braucht. Sie lebt reduziert, hat dennoch das Gefühl sehr reich zu sein. Durch die Reduktion bewahrt sie sich die Freiheit spontan über ihre Zeit zu entscheiden, welche nächsten Schritte die richtigen sind. Für ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Kreativität und Pflichten musste sie sich eine für sie passende Struktur erarbeiten, die es möglich macht, der Kreativität zu folgen, wenn das Gefühl, die Idee und Stimmung gerade passt. Wie jeder Werkschaffende auch, steht sie morgens auf und geht ins Atelier um zu arbeiten. Dennoch bewahrt sie sich die Freiheit, ein Bild, und wenn es bis spät in die Nacht dauert, ohne Unterbrechung zu beenden und den nächsten Tag später zu beginnen. Spontane Besuche oder Reisen ermöglicht sie sich durch diese Freiheit, die für ihr Wirken so wichtig ist. Vorhaben, Vorstellungen, Ideen ja – aber ohne große Pläne oder Bindungen, so dass sie der Neugierde auf neues Erleben, neue Erfahrungen und Eindrücke stets nachgeben kann.

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Die Sensibilität der Künstlerin spiegelt sich in ihren Bildern. Malerei, Zeichnungen und Druckgrafiken sind ihre vornehmlich Ausdruckstechniken, wobei sie jederzeit offen ist andere Bereiche und Materialien einzubeziehen und zu erfahren. Sie möchte mit ihren Bildern jeden erreichen und den Blick für Feinheit und Nuancen öffnen. Sie liebt Polaritäten. Versucht die Bereiche die zwischen Gegensätzen liegen zu erreichen und sichtbar zu machen. Dynamiken faszinieren sie unter Verwendung der Strukturen, die sie in der Natur findet. Gegenständlichkeit im Kontrast zur Abstraktion, feine zu groben Strukturen, Farbe zu Kontrasten in Schwarz und Weiß … Ola Eibl denkt und arbeitet gerne mit den Polaritäten, die sich im Leben finden. Und genauso kontrovers wie das Leben manchmal ist, sind auch die Bilder, von denen man jedes einzelne lange betrachtet in dem Bemühen kein Detail zu verpassen. Man folgt dem Schwung des Pinsels, des Zeichenstiftes nur um dem Ende nicht zu entgehen.

Gelegenheiten die Werke und die Künstlerin kennenzulernen gibt es vielfältig. Am 12. Mai eröffnet die Ausstellung „Flora, Fauna, Zivilisation“ – Malerei und Druckgrafik, im Gutshaus Lichterfelde. Von 17.00 – 20.00 Uhr sind Sie am 16. Mai 2015 herzlich zur Vernissage eingeladen. Bis zum 17. Juli können Sie die Ausstellung zu den Öffnungszeiten des Nachbarschaftscafés besuchen. Dazwischen bietet sich eine zweite Möglichkeit beim 17. Kulturfestival – 48 Stunden Neukölln. Vom 26. bis 28. Juni 2015 öffnet Ola Eibl ihr Atelier mit der Ausstellung „be colorful with me“. Und wer weiß … vielleicht dürfen wir sie beim 3. Kunstmarkt der Generationen 2016 wieder in den Reihen der KünstlerInnen begrüßen. An Plätze, an denen sie sich wohl fühlt, kommt sie immer wieder gerne zurück.

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Ausstellung – Ola Eibl
„Flora, Fauna, Zivilisation“ – Malerei und Druckgrafik
12. Mai – 17. Juli 2015, Öffnungszeiten: Montag – Freitag, 9.00 – 17.00 Uhr
Vernissage 16. Mai 2015, 17.00 – 20.00 Uhr
Gutshaus Lichterfelde, Hindenburgdamm 28, 12203 Berlin

17. Kulturfestival – 48 Stunden Neukölln
be colourful with me – Offenes Atelier mit aktueller Malerei und Grafik
26. bis 28. JUNI 2015, Öffnungszeiten: Fr., 19.00 – 23.45, Sa., 11.00 – 22.00, So., 11.00 -19.00 Uhr
Atelier Ola Eibl, Mahlower Str. 3, Seitenflügel 1. OG, 12049 Berlin-Neukölln.

Künstlerkontakt: Ola Eibl,
web@ola-eibl.de, Telefon 0172 390 26 88
http://www.ola-eibl.de/ 

Kunst für Flüchtlinge

Wildwuchs - Katrin Munke

Wildwuchs – Katrin Munke

Sie sind im Moment in aller Munde, viele Berichte, Nachrichten und Ereignisse beschäftigen sich täglich mit ihnen. Menschen, die ihr eigenes Land verlassen, weil die Verhältnisse dort aus irgendeinem Grund nicht mehr zu ertragen sind. Sie werden Flüchtlinge und suchen sich eine neue Heimat, Schutz und Ruhe um ein neues Leben aufbauen zu können. Dort, wohin sie gehen, überlegen andere Menschen ob, wie und wo man sie integrieren kann. Diskussionen werden geführt, ob man sie will oder nicht. Politiker rangeln um die Bedingungen, Gemeinden beklagen fehlendes Geld, Gemeinschaften organisieren sich, um ihnen zu helfen. Oftmals sind es aber ganz kleine Dinge, die mich staunen lassen, mit welchem Einfallsreichtum und welcher Energie man helfen kann.

Ich ging ins Gutshaus Lichterfelde, ein Haus mit dem Schwerpunkt auf nachbarschaftlicher Arbeit. Ich bin oft und gerne dort, auch weil ich für den Träger, das Stadtteilzentrum Steglitz e.V., arbeite. Diesmal blieb ich aber gleich im Eingangsbereich hängen und konnte nicht weiter gehen. Dort hing, wie so oft, eine Bilderausstellung und die Bilder haben mich gleich so gefangen und angesprochen, dass ich sie alle studieren musste. Nach der Runde kam ich zu einem Rahmen, in dem die Künstlerin sich vorstellte.  Sie schrieb unter anderem, dass der Erlös aus den Verkäufen der Bilder zu 100 % der UNO-Flüchtlingshilfe gespendet werden würde. Als ich den Text gelesen hatte, stand mein Entschluss fest, dass ich die Frau gerne kennenlernen wollte. Welcher Künstler stellt seine komplette Ausstellung einem guten Zweck zur Verfügung?

Katrin Munke ist Lehrerin, aber auch Mutter und Ehefrau und lernte durch die Kita im Haus das Gutshaus zu schätzen. Schon vor zwei Jahren nutzte sie die Räume für eine Ausstellung und auch in diesem Jahr war ein Termin für ihre schönen Bilder frei. 1976 geboren, verbringt sie ihre Kindheit in Dessau, Bernburg und Berlin. Schon frühzeitig wird ihr Interesse für Kunst und Musik geweckt und sie werden ständige Begleiter in ihrem Leben. Nach Abschluss des Lehramtsstudiums in Kunst und Musik an der Universität Potsdam 2001 unterrichtet sie an Berliner und Brandenburger Schulen. Seit 10 Jahren lebt die Familie in Lichterfelde und ist heimisch geworden. Als ich sie frage, ob sie vornehmlich Künstlerin oder Lehrerin ist, zögert sie keinen Moment um sich für die Lehrerin zu entscheiden. Die Kunst ist ihr Hobby, ihre Möglichkeit zu entspannen und die Bilder sozusagen ein Mehrprodukt. Sie lehnt den heutigen Kunstmarkt ab und findet die Preisfindung für die eigenen Bilder sehr schwer. So ist ihre Überzeugung gereift, dass sie lieber ein Bild für 100 Euro verkaufen möchte, als es in einer Ecke verstauben zu lassen. Da der Grunderwerb der Familie durch beide Elternteile gesichert ist, hat sie sich dazu entschlossen, den Erlös ihrer Bilder zu spenden. Dazu genüge ihr ein Blick in die Welt, der sie immer wieder unterstützenswerte Projekte finden lässt. Sie hat aber gemerkt, dass es Menschen manchmal schwer fällt, einfach nur zu spenden. Leichter wird es, wenn Besucher ein Bild, etwas Schönes für die eigene Wand oder ein außergewöhnliches Geschenk mit nach Hause nehmen können. So reifte diese Form, mit der sie immerhin zwei bis drei Bilder pro Ausstellung verkaufen und den Erlös spenden kann.

Hin und wieder muss sie sich mit der erstaunten Frage auseinander setzen, ob sie denn gar nichts für sich selber als Erlös für die Bilder behalten will. Die Kunst hat in dieser Familie jedoch einen anderen Sinn als das fertige Ergebnis zu sehen. Der Prozess zum Produkt, zum Kunstwerk in jeglicher Form, gehört zum festen Bestandteil der gemeinsamen Zeit. Der Vater, ebenfalls Lehrer, arbeitet mit Leder. Die Kinder experimentieren, probieren, lassen sich begeistern und sind unheimlich stolz, wenn sie zum Beispiel beim Filzen später mit selbstgemachten Hausschuhen herumlaufen können. Die gemeinsame Aktion, die Beschäftigung mit Kunstformen, aber auch die Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Materialien, ist der Kern für den familiären Handlungsplan. Für sich selber sieht Katrin Munke ihre Bilder als eine Art Tagebuch. Dort kann sie ihre Sehnsüchte, Wünsche und Ideen hineinarbeiten. Sie mag vielschichtige Bilder, die im Detail zeigen, was sie ausdrücken möchte. So lohnt es sich immer ein zweites Mal hinzuschauen und den Kleinigkeiten, die zu finden sind, Beachtung zu schenken.

Ob sie ihre Kunst auch mit ihrer Arbeit als Lehrerin verbindet, verneint sie. Dort sieht sie eher die Kunst als Fertigkeit und versucht Bewertungsdruck zu vermeiden. Sie weiß, dass Kinder eher praktisch orientiert sind und versucht sie für die Sache an sich zu begeistern.

Mich hat Katrin Munke begeistert. Ihr Bilder zeigen Phantasie, Ästhetik und das beherrschte Handwerk. Zudem ist diese Ausstellung, mit dem Sinn dahinter Flüchtlingen zu helfen, ein Beispiel gelungener Eigeninitiative, die einfach beachtet und unterstützt werden sollte. Die Ausstellung hängt noch bis zum 26. November 2014 im Gutshaus Lichterfelde. Wer keine Gelegenheit hat dort hinzugehen, kann sich die Bilder hier ansehen, die Preise anschauen und über den Kontakt eine Verbindung zur Künstlerin bekommen. Vielleicht braucht der ein oder andere ja noch ein besonderes Weihnachtsgeschenk und kann so eine Freude bereiten und gleichzeitig etwas Gutes tun.

Die vielen Flüchtlinge, die unsere Hilfe brauchen, werden diese Bilder kaum zu sehen bekommen. Aber die Idee, die dahinter steht, motiviert und zeigt, wie einfallsreich auch mit weniger populären Möglichkeiten geholfen werden kann – diese Idee sollte ansteckend sein.

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Waldnacht

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Wildwuchs

zebrabaum

Zebrabaum

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o.T. (I)

polar

Polar

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Stadt

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Land – verkauft

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Nordlicht

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Verborgen

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Alt

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Hafen

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Vogelflug – verkauft

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ohne Rücksicht

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Tau

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Deine Stimme in meinem Kopf – verkauft

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Februar und März

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Garten

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Blatt und Blätter

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Küstenstreifen

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Blaue Schalen

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Rügen