Dem Kiez ein Gesicht geben und feiern!

SzS_kiezfest_lb_szs13_2014

Mit dicken Regentropfen hat es angefangen, aber das sollte nicht so bleiben. Am Runden Tisch im Gutshaus Lichterfelde entstand die Idee ein Kiezfest auf dem Ludwig-Beck-Platz zu feiern und nun war es soweit. Ging der Aufbau der Marktstände noch mit Schirm und etwas schnelleren Schritten vonstatten, kehrte sich das Bild sehr schnell um. Pünktlich zum Festbeginn um 15.00 Uhr riss die Wolkendecke auf und die Sonne hatte beschlossen mitzufeiern. Mit dem Sonnenschein kamen die Besucher und der Ludwig-Beck-Platz in Lichterfelde füllte sich sehr schnell mit Leben.

SzS_kiezfest_lb_szs21_2014

Jeder, der im unmittelbaren Kiez ein Geschäft, eine Einrichtung, eine Organisation vertritt, war aufgerufen teilzunehmen. So waren im Vorfeld die Stände schnell vergeben und bunter hätte die Mischung nicht sein können. Am 20. September wurde gefeiert und mit dem guten Wetter bevölkerten bald Nachbarn, Gäste und Teilnehmer den sonst eher ruhigen Platz. Information, Kennenlernen, Austausch und Gemeinsamkeit stand im Mittelpunkt des Nachmittags und wurde an 15 Marktständen präsentiert. Thomas Oppen und Jens Ihmann vertraten am ersten Stand die IhmannOppen GmbH. Design ist das große Thema der Firma, was sich in Produktdesign, Druck- und Webdesign widerspiegelt. Sie stellten ihre Ravensburger Spielfiguren vor und das Schachspiel für Kinder. Immer wieder standen die kleinen Besucher vor den hübschen Tierfiguren, deren Geräusche man mittels einem Stift hören kann. Auch das Schachspiel fesselte Kinder wie Eltern gleichermaßen. Frau Evouli Thiemer und ihr Mann vertraten die Markttreibenden des Platzes, die am Vormittag schon ihre Waren angeboten hatten. Sie warben für mehr Interesse und besonders für ein größeres Angebot auf dem Samstagsmarkt. Dies ist in der Nachbarschaft sehr gewünscht, denn besonders die älteren Anwohner erinnern sich gerne an den früher belebten Wochenmarkt. Und sehr oft vernahm Familie Thiemer die Aussage, dass Besucher gar nicht wussten, dass dort überhaupt ein Markt angeboten wird. Gleich daneben konnte man den Stand des Netti 2.0 besuchen. Andreas Oesinghaus und Roman Tismer stellten die kleine Internetwerkstatt am Hindenburgdamm 85 vor. In Verbindung mit dem gemeinnützigen Verein Computerbildung e.V. bieten sie allen Nutzern von digitalen Medien, Hilfe, Information und Unterstützung an PC und Laptop. Der geöffnete PC auf dem Tisch, der sein Innenleben preisgab, lud so manchen Besucher zu einem kleinen Fachgespräch ein. Am nächsten Stand stellte sich das Einwohnerheim in der Klingsorstraße vor. Eine kulinarische Mischung von Speisen unter anderem aus Ägypten und Syrien, zeigte die kulturelle Vielfältigkeit, die das Haus zu bieten hat und machte es fast unmöglich vorbeizugehen ohne zu probieren. Besonders schön war, dass dies kein Informationsstand war – hier konnte man sich kennenlernen, Kontakte knüpfen, Interessantes aus dem Haus erfahren. Die vielen Bewohner mischten sich mit ihren Kindern unter die Gäste und wurden eine große, bunte Bereicherung in der Vielfalt der Besucher. Gleich daneben standen Anna Blauert und Regina Hahn von der Seniorenresidenz Bürgerpark GmbH – Haus Steglitz, gleich an der Ecke der Klingsorstraße 121 bereit. Alles was sich um die Pflege im Alter und entsprechender Vorsorge drehte, konnte hier fachkompetent und sympathisch erfragt werden.

SzS_kiezfest_lb_klingsor8_2014

Die Stadtteilgruppe Steglitz-Zehlendorf des ADFC ließ es sich ebenfalls nicht nehmen für ihr Anliegen zu werben. Bei den Treffen der Stadtteilgruppe, die sich jeden ersten Donnerstag im Gutshaus Lichterfelde trifft, sind interessierte Radlerinnen und Radler jederzeit gerne gesehen. Am nächsten Stand wurde es politisch, was so aber nicht ganz stimmt. Die CDU Lichterfelde warb für Bürgernähe und das Bürgerbüro am Hindenburgdamm 80. Christian Goiny und Heiko Köpke standen für Fragen bereit. Besondere Attraktion an dem Stand war an diesem Tag aber das Glücksrad, an dem so manch kleiner Gewinn erdreht werden konnte. Die Kieferorthopädische Praxis Kolberg am Hindenburgdamm 106 konnte so manches zur gesunden Ernährung und Zahnkunde beitragen. Dies natürlich mit Rätseln und Spaß. Unterstützt wurde Andrea Kohlberg durch ihren Mann, Marc Kohlberg, der den Besuchern eine besondere Attraktion bot: Eine Runde auf dem Platz mit einem Segwheel fahren – die beiden Räder mit Lenkstange waren den ganzen Nachmittag im Einsatz. Immer wieder konnte man staunen, wie schnell Interessierte nach einer kleinen Probe auf dem kleinen Gefährt schon eine Runde über den Platz fahren konnten.

SzS_kiezfest_lb_kolberg6_2014

Faszination Netzwerken war das zentrale Thema des Standes an dem Silke Landgraf mit Mann und Michael Ebbinghaus zu Austausch, Kommunikation und Kennenlernen einluden. „Kontakte knüpfen – Kontakte pflegen“ ist der Leitspruch des berlinweiten Netzwerks, dass allen Bürgern offen steht. Einen Schritt weiter kamen wieder die Kinder zum Zuge. Antonija Soldo und Joanna Konojacky, Erzieherinnen der Kita Schlosskobolde im Gutshaus Lichterfelde, schminkten viele kleine Prinzessinnen, Elben, kleine Helden und wilde Tiere. Die wartenden Eltern bekamen gleich daneben ein Stück leckeren Kuchen aus dem Nachbarschaftscafé des Gutshauses und auf Wunsch Informationen und Auskünfte über das Stadtteilzentrum Steglitz e.V., dass den organisatorischen Rahmen für das Fest geboten hatte, und den Runden Tisch im Gutshaus Lichterfelde.

SzS_kiezfest_lb_szs18_2014

Unterbrochen wurde die Standreihe vom kleinen Pavillon auf dem Ludwig-Beck-Platz. Eigens für diesen Nachmittag öffnete Herr Friedl den Betrieb, so dass alle Besucher eine schöne Tasse Kaffee oder die Kinder ein Eis bekamen. Die JFE Jugendfreizeiteinrichtung Albrecht Dürer und der Schülerclub Memlinge teilten sich einen Stand und boten unter anderem mit Klingeldraht, Riechspiel, Suchtbrille, verschiedene Spiele an und stellten sich allen Fragen zur Einrichtung oder grüßten die vielen Freunde und Bekannten des Hauses, das auf eine lange Tradition im Kiez zurück blicken kann. HiBuDa ist die Abkürzung für die Händlergemeinschaft am Hindenburgdamm. Jeder im Kiez kennt ihre Geschäfte und nutzt sie. Thomas Gralla (Buchhandlung Gralla), Annegret Lenz (Tintenfass und Feder), Detlev Bosse (Eisenwarenhandel Bosse), Jürgen Nastali (Farben, Lacke, Tapeten) und Caroline Sahmel (CS-Haarstudio) setzten ein deutliches Zeichen, dass Kieznähe und Handel unbedingt zusammengehören. Herr Nastali mischte das ganze Fest hin und wieder sehr gekonnt und sympathisch mit seinen Klängen auf der großen Conga auf. Und weiter ging es mit der Paulus-Gemeinde, die unterstützt mit einer netten Bowle die Arbeit der Kirchengemeinde und der Bücherstube vorstellten. Auch an diesem Stand war ein reges Kommen und Gehen zu beobachten – man kennt sich, grüßt sich, unterstützt und freut sich über Gemeinsamkeiten. Den gekonnt orangeroten Abschluss boten die Piraten Partei mit ihrem Stand, der konsequent dekoriert war. Sie hatten den Hit in der Sicht der Kinder zu bieten: Lange orangerote Luftballons, die in Form von Tieren, Blumen und Laserschwertern den Markt in Kinderhänden orange gestalteten. Und so mancher Laserschwert-Kampf wurde ausgefochten, der vielen Erwachsenen ein Lächeln entlockte.

SzS_kiezfest_lb_klingsor6_2014

Die bunte Mischung der Stände, die Vielzahl der Besucher und die schöne Atmosphäre des Festes sind besonders zu betonen. Es kam sehr gut an und viele Besucher entdeckten Bezüge zum Kiez, die sie vorher nicht hatten. Auch unter den Teilnehmenden entstand eine Vertrautheit, der Kiez bekam ein Gesicht. Zum Beispiel werden sich Herr Nastali von der HiBuDa und Herr Oesinghaus von ComputerBildung e.V. sicherlich noch lange und fröhlich an ihr gemeinsames Spiel auf der Conga erinnern. Überall saßen die Besucher in Gruppen zusammen, überall fanden Gespräche und Kinderspiel statt. Die jungen Männer aus dem Einwohnerheim hatten Musik mitgebracht und auch kleine Tanzeinlagen trugen zur fröhlichen Stimmung bei. An den Ständen konnte durchgehend ein reges Treiben beobachtet werden. Besonders gefreut hat die Teilnehmenden auch der Besuch von Frau Richter-Kotowski, Bezirksstadträtin für Bildung, Kultur, Sport und Bürgerdienst, die für jeden Stand einen aufmerksamen Blick und nettes Wort hatte.

SzS_kiezfest_lb_klingsor11_2014

Dem Anliegen des Festes, für die Wiederbelebung des schönen Platzes zu werben, den Runden Tisch im Gutshaus Lichterfelde bekannt zu machen und den Teilnehmenden eine bürgernahe Plattform zu geben, konnte in schöner Stimmung Rechnung getragen werden. Ob Firma, Handel, Verein oder Partei – es sind Menschen, die dahinter stehen, die sich bekannt machen möchten, untereinander kennenlernen wollen, gemeinsam etwas auf die Beine stellen wollen – letztendlich mit dem gemeinsamen Ziel, dass sich alle im Kiez wohlfühlen und jeder weiß, wer was macht und wofür er steht. An den Ständen standen am Nachmittag bunte Spendendosen bereit, die eine kleine hübsche Summe ergaben. Davon wird im Rahmen des Runden Tisches den Kindern des Einwohnerheims ein Spielzeugwunsch erfüllt. Am Runden Tisch werden wir weithin überlegen, wie man die Bewohner des Kiezes für diesen Platz begeistern kann, sie aus den Häusern bekommt und so Gemeinschaft und Kiezgeschehen fördern kann. Interesse und Bereitschaft dazu ist reichlich vorhanden, das hat das Kiezfest deutlich zeigen können. Berlin ist zwar eine Großstadt, doch hat jeder Kiez sein eigenes Flair und diesmal bekam er Gesicht, Geselligkeit und ein schönes Miteinander. Auf die Wiederholung des Festes im nächsten Jahr darf man sich jetzt schon freuen – und wer mitmachen möchte – am Runden Tisch ist immer ein Platz für Sie frei!

Leitartikel der Homepage des Stadtteilzentrum Steglitz e.V. vom 25. September 2014

Mein digitaler Chef

annaschmidt-berlin.com_mac-tm_web

Jeder kennt einen, arbeitet mit einem, hat sich schon mal über einen geärgert, muss sich wohl (-überlegt) mit ihm arrangieren, muss ihm seine Arbeitsleistung bestmöglich verkaufen und freut sich über sein Lob. Jede Firma, Institution, jedes Amt, jeder Verein hat einen. Jeder Arbeitsprozess und jedes Arbeitsverhältnis wird durch ihn beeinflusst – vom Chef. Und so unterschiedlich die Arbeitsbereiche sind, sind auch die Chef’s. Großer Chef, mittlerer Chef, kleiner Chef. Unter ihnen die Gelassenen, die Choleriker, die Kontrolleure, die Kumpels, die Despoten, die Innovativen, die Wortgewaltigen, die Darsteller und viele, viele andere mehr. Und jeder von uns kann seine persönliche Chef-Geschichte erzählen – ich auch … ich hab nämlich einen digitalen Chef!

Was ein digitaler Chef ist? Ein Mensch aus Fleisch und Blut, wie alle, nur mit einer unverbesserlichen Energie bei allen digitalen Entwicklungen in der ersten Reihe mitzumachen. Eigentlich hat das bei ihm ja ganz harmlos angefangen. Am Anfang gab’s einen Computer – Arbeitsmittel, E-Mail – Kommunikationsmittel und so ein Internet mit Homepages – Informations- und Selbstdarstellungs-Tool. Er erkannte wohl ziemlich schnell deren Vorteile gegenüber Schreibmaschine, Brief und Visitenkarte. Das ging alles schneller und bequemer und wie jeder gute Chef, hat er auch schnell die Vorteile für unsere Arbeitsprozesse und den Bekanntheitsgrad im Netz realisiert. Folglich war die unmittelbare Auswirkung des Ganzen, dass wir ein Verein sozial arbeitender Menschen geworden sind, die sich mit solchen technischen Sachen auskennen – müssen! (Anm. d. Red.: Der Verein ist das Stadtteilzentrum Steglitz e.V. – ein sozialer Träger mit Einrichtungen von Kindertagesstätten bis zum Seniorenzentrum – Infos: Link anklicken.)

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja – sozial und technisch … Passt nicht? Passt doch, denn bei so vielen Menschen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben, entsteht ein erheblicher Verwaltungsaufwand, der auf diese Weise effizient bewältigt werden kann. Sowohl personaltechnische Angelegenheiten, als auch die Verwaltung z.B. aller Kinder, die unsere Kitas, Schul- oder Jugendeinrichtungen besuchen, sind bestens eingetacktet. Chef beobachtete wohlwollend – vorerst.

Na, jedenfalls hat der Chef wohl was richtig gemacht, denn der Verein wurde größer und größer und aus einer Handvoll Mitarbeitern und Einrichtungen, wurde bald ein ganzer Bienenkorb. Die Folge war Zeitnot, denn anders als bei der Bienenkönigin bringen die Bienen nicht nur alle was, die wollen auch alle was. Gar nicht mehr so einfach das Ganze zu managen, weshalb Chef sich mit Arbeitseffizienz auseinandersetzen musste. So begründet hat er seine Bibel gefunden (Keine Sorge – es geht nicht religiös weiter). Bibel heißt bei ihm GTD – „Getting things done“ von David Allen. Auf deutsch: „Wie ich die Dinge geregelt kriege“. Ich behaupte mal, wir finden kaum einen Kollegen bei uns, der nicht weiß, was das ist. Alle Arbeitsprozesse werden in eine bestimmte Reihenfolge gebracht, die immer einen guten Überblick und ein ruhiges Gewissen verschaffen. Gar nicht so verkehrt die Idee, die er uns sehr ans Herz gelegt hat. Klagt mal einer über Chaos am Arbeitsplatz, ernten wir ein müdes Lächeln vom Chef.

GTD war denn der letzte Auslöser für die chefliche Digitalisierung. Sehr bald war er der E-Mail-Flut überdrüssig und fand eine Internetseite, die ein innerbetriebliches Netzwerk anbot. Mein Pech war dabei nur, dass ich an der Presse- und Öffentlichkeitsstelle sitze – also war es mein Job das Teil auszuprobieren. Ok – anmelden, KollegInnen einladen und hartnäckig darüber kommunizieren. Es hat, schätze ich mal, ein Jahr gedauert, bis auch der letzte Zauderer geglaubt hat, dass das Netzwerk wirklich nur für uns ist und – dass tatsächlich weniger E-Mails von KollegInnen zu beantworten waren. Nun konnten wir Sachverhalte, Projekte, AGs oder einfach mal Spaß gleich mit allen Mitarbeitern teilen. Gut so … Chef zufrieden – kurzfristig.

Ich spreche jetzt mal nicht von den ganzen Netzwerken, in denen ein moderner Verein heutzutage vertreten sein sollte – Chefmeinung. Meine zweijährige hartnäckige Weigerung in ein sehr bekanntes Netzwerk mit F einzutreten, scheiterte am Chefwunsch, dort eine Vereinsseite zu haben. Angemeldet und – hm – Spaß dran gewonnen. Auch in den anderen Netzwerken sind wir prima vertreten. Einen Überblick, wo ich überall angemeldet bin, kann ich spontan nicht geben. Anmelden, ausprobieren, schauen, ob das was für uns ist. Wir sind dabei und machen mit – wo’s sinnvoll ist und nutzt und – Chef gefällt – einstweilen.

Immer wieder kommt er mit neuen schönen Programmen, die uns die Erfüllung und Erleichterung unserer Arbeitswelt geloben. Haben wir eins begriffen und gelernt, integriert oder verworfen, hat er schon wieder eine neue Idee. Aufmerksamkeit ist immer geboten, wenn ich in einem Netzwerk von ihm lese: „Hat jemand schon mal Sowieso ausprobiert und kann mir dazu was sagen?“ Das bedeutet mit ziemlicher Sicherheit, dass er nicht lang danach um die Büro-Ecke kommt und sagt: „Probier mal“. Zugeben muss ich dabei: Hab ich eine Frage dazu oder bekomme ich irgendetwas nicht gleich hin, er weiß es. Also, was er uns zumutet, hat er auch probiert, studiert und eingesetzt. Chef bloggt, postet, schreibt, kommentiert, netzwerkt und ist digital an vorderster Front – früher nannte man die Pioniere. Neulich hatte er Urlaub – das bedeutet Luft im Netz zu suchen. Ganz gefährlich bei digitalen Chefs. Und wie erwartet, stand dann auch bald zu lesen, wie begeistert er von einem neuen Aufgabenprogramm ist. Und wie erwartet … wer probiert es jetzt aus? Wir … Chef freut sich! 🙂

Ok, zugegeben, der Nutzen ist sehr groß und letztendlich machen viele Programme ganz einfach Spaß. Auch ist es ein gutes Gefühl, für einem Verein zu arbeiten, der diesen Dingen sehr aufgeschlossen ist, optimalen Nutzen daraus zieht und eine sehr modere Einstellung dazu hat. Ich stelle mir insgeheim immer vor, dass seine erste Frage bei potentiellen Bewerbungsgesprächen nur heißen kann: „Lieben Sie ihren Computer?“. Tue ich und sitze eigentlich am richtigen Platz, probiere auch gerne aus. Aber nun hat er es doch einmal geschafft, mir den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben … Da hat er gepostet (so nennt man das): „Hypereffizienz hätte er noch nicht in seiner Zielplanung gehabt“ und einen Artikel dazu von einer Seite, die sich mit Arbeitseffizienz beschäftigt. – Hypereffizienz – Chef bitte … du musst nicht alles ausprobieren!

Zur Person: Thomas Mampel ist Sozialarbeiter und Unternehmer und versteht sich als social entrepreneur. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer des Stadtteilzentrum Steglitz e.V., Mitgründer und Mitbetreiber des sozialen Netzwerkes “socialNC – soziales engagement 2.0″ und geschäftsführender Gesellschafter der .garage berlin GmbH und Gründungsmitglied und Vorstand des gemeinnützigen Vereins Computerbildung e.V.. In seinem Blog „mampel’s welt“ will er seine Sicht auf die Welt – insbesondere zu den Themen “Soziale Arbeit und soziale Netzwerke”, “soziales Unternehmertum” und “Entwicklung der sozialen Arbeit” – zur Diskussion stellen. Außerdem ist er …

… mein Chef! 🙂

Weiter geht’s … der erste Schultag

Foto: ©-stockWERK-Fotolia.com

Foto: ©-stockWERK-Fotolia.com

Wochenlang freuen wir uns darauf und wenn sie dann da sind, dauert es gefühlt einen Augenaufschlag bis sie wieder vorbei sind – die Sommerferien. Kinder wie Eltern freuen sich darauf durchatmen zu können, keinen Wecker zu stellen, kein Nachmittagshausaufgaben-Programm findet statt, keine Schulbrote werden geschmiert, keine Nörgeleien kommen an die Ohren, keine Elternabende müssen geschafft werden. Einfach nur Pause, ein paar Wochen Erholung und Müßiggang.

Gegen Ende der Ferien dreht sich das Ganze wieder um. Die Kinder freuen sich auf ihre Freunde, die sie sechs Wochen lang nicht gesehen haben und so manch ehrlicher Elternteil freut sich auf die gewohnte Alltagsroutine. Der erste Schultag steht bevor. Die „alten“ Hasen ab der zweiten Klasse packen wieder ihre Ranzen und sehen dem ersten Tag mehr oder weniger gelassen entgegen. Für die Neulinge, die Erstklässler, beginnt es eine Woche später. Für sie wird es aufregend und neu – Kinder und wie Eltern. Eine Schultüte wird gebastelt und gepackt, Erwartungen und Vorfreude bestimmt die Stimmung – ein ganz neuer Lebensabschnitt des Kindes und der Familie beginnt.

Hat das Kind bisher nur spielerisch und in zeitlich sehr lockerem Rahmen gelernt, wird das Lernen nun zum Hauptteil der Vormittage. Auch weite Teile des Nachmittags werden davon bestimmt. Und recht schnell wird deutlich werden, welche Fächer dem Kind liegen oder welche eher Schwächen offenbaren. Ist das eine Kind mathematisch begabt, glänzt das andere durch das Lesen oder Schreiben, manche sind auffällig durch ihre kreative Seite, andere wiederum durch sportliche Aktivitäten. Natürlich gibt es die Überflieger, die alles können, wahrscheinlicher ist aber, dass sich besondere Stärken und auch Schwächen zeigen werden. Was die Erstklässler in den ersten Wochen in jedem Fall erleben ist VIEL. Sie müssen sich an einen neuen Ort gewöhnen, herausfinden welchen Geistes die Lehrkraft ist, müssen sich in der Gemeinschaft der Klassen zurechtfinden und dann auch noch Ergebnisse liefern, die Lehrkraft und Eltern zufrieden stellt. Der neue Schulweg muss sicher und alleine gemeistert werden, die richtige Portion an Schulbrot bemessen und zeitliche Abläufe neu eingeübt werden. Ist das Kind informationsfreudig oder eher der Typ, bei dem nie etwas besonderes in der Schule passiert? Findet es schnell Freunde? Welche Ruhephasen braucht es, um die Fülle der neuen Situation zu bewältigen? Der Kuschelfaktor der Kita entfällt … der erste Schritt zur Selbstständigkeit getan.

Was Kinder ganz besonders in dieser ersten Zeit brauchen, sind starke Partner zuhause. Eltern, die egal was kommt, ihnen den Rücken stärken und das nicht nur in den ersten Wochen, sondern in der gesamten Schulzeit! Eltern, die an den einen Punkten gelassen reagieren, an anderen wiederum konsequent. Kinder brauchen Eltern, die in jedem Fall genau beobachten, wie sich der junge Schüler in die neue Rolle einfindet und was er an Unterstützung braucht. Eltern ohne rosarote Brille, die einen guten Blick und die nötige Gelassenheit haben, ihren Nachwuchs durch diese wichtige Zeit zu begleiten. Insbesondere aber auch Eltern, die loslassen können und dem Kind ermöglichen, selber die Verantwortung für seine Schullaufbahn zu übernehmen. Das müssen sie lernen. Hausaufgaben zuverlässig anfertigen, Informationen weitergeben, Erlerntes wiederholen … es ist primär die Aufgabe des Kindes, diese Job zu erledigen. Eltern sollten nur Unterstützer und gute Beobachter sein.

Ein Patentrezept für eine gute Schulzeit gibt es nicht. So unterschiedlich jedes Individuum ist, so unterschiedlich gestalten sich auch die Schullaufbahnen der Kinder. Empfehlenswert ist es in jedem Fall, immer gut informiert zu sein und die Besonderheiten der Schuljahre zu kennen. So sollte man in Berlin darauf vorbereitet sein, dass die ersten zwei Jahre in sogenannten JÜL-Klassen verbracht werden – Jahrgangsübergreifendes Lernen. Die Noten der fünften und das erste Halbjahr der sechsten Klasse zählen für die Qualifizierung der Oberschule. Die siebte Klasse auf dem Gymnasium ist ein Probejahr. In der achten Klasse schreiben allen Schüler Vera 8 – Vergleichsarbeiten in den Fächern Deutsch, Mathematik und der ersten Fremdsprache. In der neunten Klasse wird der BBR geprüft – Berufsbildungsreife und in der zehnten Klasse müssen die Schülerinnen und Schüler den MSA bestehen – den Mittleren Schulabschluss. Wer dann noch weiter gehen möchte hat die Möglichkeit, je nach Schultyp das Abitur in zwei oder drei Jahren zu machen. Je früher man diese Besonderheiten kennt, desto früher kann man den geeigneten Schultyp für das Kind finden und sich entsprechend vorbereiten. Tage der offenen Tür gibt es an den Schulen in jedem Jahr, nicht nur in dem Jahr bevor das Kind wechseln muss. Lohnenswert ist es in jedem Fall sich die jeweiligen Schulprofile der Schulen anzusehen. Ob eine Betonung auf den Naturwissenschaften, der Musik, einer sportliche Ausrichtung oder in sprachlicher Richtung liegt, ist ein guter Hinweis. Informationsmöglichkeiten gibt es zahlreich, auch im Internet. Sehr gut ist aber auch ein Eindruck von Eltern, die ihr Kind schon auf einer potentiellen Schule haben, auch wenn hier eher das subjektive Empfinden eine Rolle spielt. Informieren kann man sich immer sehr gut über die GEV – die Gesamtelternvertretung und empfehlenswert sind in jedem Fall die regelmäßige Teilnahme an Elternabenden. Auch wenn ihr Kind viel aus der Schule erzählt, auf der Elternebene wird doch anders gesprochen und manche Erzählungen zeigen sich in einem anderen Licht. Die erste Adresse bei Fragen sollte jedoch immer die entsprechende Lehrkraft sein. Ideal ist es, wenn Eltern mit Lehrerinnen und Lehrern Partner im Sinne des Kindes werden.

Das wichtigste ist trotzdem immer der eigene und realistische Blick auf das Kind. Den Satz „Der Lehrer nimmt mich nie dran, obwohl ich mich immer melde!“ kennen wir alle und haben ihn wohlmöglich selber schon unseren Eltern gesagt. Es gibt aber immer zwei Blickwinkel des Ganzen – den des Kindes und den der Lehrkraft. So muss man vorsichtig versuchen herauszufinden, wo das Problem liegt und gut abwägen, was zu tun ist. Liegt eine Schräglage vor, muss man handeln und versuchen wieder Ordnung zu schaffen. Wenn ein Kind sich in der Schule nachhaltig nicht wohl fühlt, ist in jedem Fall Handlungsbedarf. Und auch wenn es manchmal schwer auszuhalten scheint – keine Schullaufbahn wurde je in einem Schuljahr entschieden. Die Kinder werden heute sehr jung eingeschult und haben früh einen Abschluss. Manch einer ist dankbar für ein Jahr mehr Zeit und Entwicklungsspielraum. Ein guter Schulabschluss ist eine Grundlage und ein Einstieg, jedoch nicht zwingend ein Garant einer erfolgreichen beruflichen Laufbahn.

Eine wichtige Sache zum Schluss: Jeder hat Schule erlebt und verbindet damit Erinnerungen. Kinder merken, was für eine Einstellung die eigenen Eltern zu Schule haben. Eine positive Einstellung, Motivation und Spaß an der Schule kann man zuhause unterstützen, immer bedacht dabei, dass die Eltern eher in der zweiten Reihe stehen sollten. Freundliche, ihnen zugewandte Lehrkräfte brauchen Kinder. Lehrkräfte, die individuell erkennen, wo Stärken ausgebaut und Schwächen behoben werden können. Kinder können in jedem Fall mehr, als wir ihnen zutrauen … lassen wir uns von ihnen überraschen und sie ihren eigenen Weg laufen.

Leitartikel der Homepage des Stadtteilzentrum Steglitz e.V.
vom 21. August 2014

Spiel und Spaß und … Hausaufgaben!

SzS_leitartikel_HA-Betreuung

Im Immenweg in Steglitz gibt es ein Haus, in dem sich alles um Kinder und Jugendliche dreht – liebevoll „die Imme“ genannt. Ein eingespieltes Team von Pädagogen bezeichnet die Imme sozusagen als „verlängertes Wohnzimmer“ für die Jugend, in dem aber auch Eltern und Lehrkräfte auf Wunsch Hilfe und Unterstützung bekommen. Ganz wichtig ist es, in der Imme gemeinsam Spaß zu haben, und so bietet man dort ein breit gefächertes Angebot, das genau auf die Interessen von älteren Kindern und Jugendlichen abgestimmt ist. Schon auf der Internetseite www.immenweg.de wird jedoch klar, dass es nicht nur um Spaß geht. „Hausaufgaben“ ist ein eigener Reiter auf der Homepage, der deutlich macht, dass alle Lebensbereiche der Kinder und Jugendlichen in diesem Haus unterstützt werden.

Die Hausaufgabenbetreuung in der Imme gibt es seit 2002, als das Haus unter Trägerschaft des Stadtteilzentrums Steglitz e.V. für die Kinder und Jugendlichen geöffnet wurde. Anfangs besuchten lediglich zwischen zwei und fünf Kinder die Hausaufgabenbetreuung, die damals noch halbtags von einem Mitarbeiter des Jugendamtes geleitet wurde. Von 2005 bis 2008 musste sich die Einrichtung die Räume im Haus mit dem Hort einer benachbarten Grundschule wegen eines Neubaus teilen, wodurch aufgrund der beengten Platzverhältnisse die Durchführung der Hausaufgabenhilfe eher theoretisch möglich war. Dennoch ließen sich in dieser Zeit etwa fünf bis zehn Kinder täglich unterstützen, wenn auch mit einem eher unverbindlichen Charakter. Nachdem der Hort seinen eigenen Neubau beziehen konnte, übernahm Jörg Backes, Projektleiter des Kinder- und Jugendhauses, den Neuaufbau der HA-Betreuung, die mittlerweile seit sieben Jahren mit Erfolg läuft. Das Konzept wurde komplett neu ausgerichtet und fand nach einer rund einjährigen Anlaufzeit zu der Form, in der sie bis heute besteht.

Die Hausaufgabenbetreuung ist offen für alle Kinder ab der 5. Klasse bis zur Oberstufe. In der Praxis sieht es aber so aus, dass überwiegend Grundschüler der 5. und 6. Klasse kommen, die trotz Hortzeitverlängerung nicht mehr in den Hort gehen möchten. Dazu kommen Oberschüler der Unter- und Mittelstufe. Die meisten Kinder sind also zwischen 10 und 15 Jahre alt. Vereinzelt finden sich Viertklässler (als Ausnahme, z.B. bei Geschwisterkindern) ein und Ältere, die vor allem die Recherche-Möglichkeiten und Hilfestellungen nutzen. Angemeldet waren in den letzten Jahren immer zwischen 35 und 50 Schüler und Schülerinnen. Hinzu kommen „Altgediente“, die nicht mehr regelmäßig kommen, sondern nur noch, wenn z.B. ein Referat oder die MSA-Vorbereitung (Mittlerer Schulabschluss) auf dem Plan steht.

Die Kinder kommen nicht gleichzeitig, sondern gestaffelt. In Kernzeiten steht Jörg Backes eine Honorarkraft zur Seite. Um an der Hausaufgabenbetreuung teilnehmen zu können, müssen sich die Kinder verbindlich anmelden. Es gibt ein Aufnahmegespräch mit den Eltern, außerdem ist das Erscheinen dreimal in der Woche Minimum. Die Hausaufgabenbetreuung in der Imme grenzt sich von individueller Nachhilfe ab, gibt aber intensive Hilfestellung mit Üben auch für Klassenarbeiten – und das Ganze gibt’s kostenlos.

Sind Hausaufgaben, die die Kinder zu erledigen haben, überhaupt ein Gewinn für sie und zeitgemäß? Hat das Gelernte nicht nur für die nächste Klassenarbeit, sondern für die Zukunft Relevanz? Jörg Backes denkt durchaus, dass Hausaufgaben – bei einem sinnvollen Umgang – zeitgemäß sind. Er beantwortet die Frage mit einem entschiedenen ‚Ja’.

“Ich weiß, dass es Bestrebungen gibt, die Hausaufgaben als Relikt einer frontal vermittelnden Macht- und Notenpädagogik abzuschaffen, aber ich halte sehr viel von Hausaufgaben – WENN sie richtig eingesetzt werden. Sich stumpfsinnig hinzusetzen und eine Matheaufgabe nach der anderen herunterzuschreiben, ist natürlich nicht mehr zeitgemäß. Aber dass die Schüler sich auch nach dem letzten Klingeln noch hinsetzen und ihre Gehirnzellen mit dem tieferen Verständnis des Stoffes trainieren, ist in meinen Augen absolut sinnvoll.

Der „richtige“ Umgang mit Hausaufgaben beinhaltet dabei natürlich einige Voraussetzungen. Dazu gehört die sinnvolle Verzahnung von Lehrern und Eltern/Hausaufgabenpädagogen. Manche Aufgaben könnten fächerübergreifend thematisch verbunden werden. Bei anderen mag es sinnvoll sein, die Art der Aufgabe an die individuelle Leistungsfähigkeit jedes Schülers anzupassen. Zudem fördert der Dialog zuhause bzw. in der HA-Betreuung auch das Verständnis des Stoffes. Zum Beispiel, wenn Schüler und Eltern gemeinsam an einer kniffligen Frage arbeiten – die Eltern natürlich nur beratend, nicht vorsagend.“ Er denkt aber, dass diese Frage nicht nur in Bezug auf die Hausaufgaben, sondern in Bezug auf den Lehrstoff bzw. die Schulfächer betrachtet werden muss. “Einiges hat Relevanz für die Zukunft (und zwar immer dann, wenn das Kind sich für diese Thematik irgendwie interessiert), anderes wiederum lernt man nur bis zur nächsten Arbeit. Welche Priorität man da auch immer hat: Ein Gewinn ist das Anfertigen der Hausaufgaben immer – allerdings weniger in Bezug auf den Stoff, sondern eher in Bezug auf das Erlernen von Schlüsselqualifikationen (Selbständigkeit, Organisation, Zuverlässigkeit, Bilden von Verknüpfungen). Anders gesagt: Es gibt blöde, stumpfsinnige Hausaufgaben, die einfach nur sinnlos sind, es gibt aber auch die sinnvolle Vertiefung von relevanten Themen und deren Verinnerlichung.“

Danach gefragt, was er abschaffen würde, wenn er “Minister für Bildung” wäre, antwortet Jörg Backes, er würde die Abschaffung der Kulturhoheit der Länder betreiben und das Bildungswesen als Bundesangelegenheit definieren. Der Föderalismus führt in diesem Bereich dazu, dass jedes Bundesland macht, was es will. Er würde keins der heutigen Fächer wirklich abschaffen wollen, sich aber eine lebenspraktischere Orientierung wünschen und allgemein ein größeres Gewicht auf kreative Fächer legen. Nur statt Religion würde er einen neutralen Ethikunterricht einführen, in dem die Religionen natürlich vorkommen, aber eher als Teil der Geschichte.

Jörg Backes nimmt die Betreuung der Hausaufgabenhilfe und seine leitende Rolle darin sehr ernst und wünscht sich besonders, dass Eltern und Pädagogen eng zusammenarbeiten um individuell beurteilen zu können, welche Hilfestellung für das jeweilige Kind erforderlich ist. Aber besonders eines ist ihm bei aller Ernsthaftigkeit des Themas wichtig – der Spaß bei der Sache und das gemeinsame Lachen sollten dabei nie fehlen.

Leitartikel der Homepage des Stadtteilzentrum Steglitz e.V.
vom 14. August 2014

 

Einen herzlichen Dank an Jörg Backes, Projektleiter des Kinder- und Jugendhaus Immenweg, der mich bei diesem Beitrag unterstützt hat.

Warum machst du das eigentlich?

annaschmidt-berlin_stadtteilzeitung

„Warum machst du das eigentlich“, fragte mich eine Bekannte und ihr Unverständnis in der Stimme war deutlich zu hören. Im ersten Moment war ich verwirrt, bis ich verstand was sie meinte. Ich hatte mich beklagt, dass ich trotz Müdigkeit am Abend noch eine ehrenamtliche Arbeit für den Sportverein meiner Kinder fertig bekommen musste. Ja, warum macht man das eigentlich. Warum engagieren sich manche Menschen ehrenamtlich, obwohl vordergründig keine Vorteile daraus ersichtlich sind. Ein Ehrenamt hat immer etwas den Ruf, dass man mehr investiert als man zurück bekommt. Also muss es andere Gründe geben, warum sich viele Menschen engagieren und so einen wertvollen Beitrag in allen gesellschaftlichen Belangen leisten. Ehrenamtlich Engagierte als blauäugig oder Weltverbesserer abzutun wäre zu leicht.

In einem Bereich meiner Arbeit wechsele ich die Rolle der selbst Engagierten, in die Rolle derjenigen, die ein Ehrenamt anbietet. Mein Arbeitgeber ist das Stadtteilzentrum Steglitz e.V., ein sozialer Verein mit Einrichtungen von der Kita bis zum Seniorenheim. Mein Arbeitsbereich ist die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit. In diesem Rahmen begleite ich ein Projekt, das ohne ehrenamtliche MitarbeiterInnen in dieser Form nicht denkbar wäre – die Stadtteilzeitung Steglitz-Zehlendorf. Die erste Stadtteilzeitung erschien im März/April 1996 und hieß damals noch “Nachbarschaftsbote”. Die ersten Ausgaben wurden auf einem Kopierer vervielfältigt, aber im Laufe der Zeit entwickelte sie sich zur Stadtteilzeitung und veränderte viele Male ihr “Gesicht”. Nach einer sieben monatigen Zeitungspause durfte ich an diesem Projekt ab April 2003 teilhaben. Schaut man in das Impressum der ersten Ausgaben 2003, so findet man vornehmlich MitarbeiterInnen des Stadtteilzentrums, was sich aber in den folgenden Ausgaben sehr schnell ändert. Das Impressum füllte sich sehr bald mit den Namen ehrenamtlicher RedakteurInnen, die uns nun zum Teil schon über sehr viele Jahre begleiten.

Die Gründe in diesem Bereich mit Ehrenamtlichen zu arbeiten sind vielfältig. Einer davon ist der zeitliche Aspekt. In der täglichen sozialen Arbeit ist zum einen viel zu tun und zum anderen fällt es MitarbeiterInnen schwer zu erkennen wie erzählenswert ihre Arbeit ist, die sie als Selbstverständlichkeit ansehen. Geht ein Kind glücklich nach der Hausaufgabenbetreuung nach Hause, ist das für „Zeitungsmacher“ eine Geschichte wert. Der Mitarbeiter sieht eher die erfüllte Pflicht, die schwer in Worte zu fassen ist. Der Blick des Ehrenamtlichen von außen, lässt es dann wiederum zu einem Bericht werden. Hinzu kommt die Vielfältigkeit der Stadtteilzeitung, die aus allen Bereichen des Bezirks berichtet. Nicht nur eigene Einrichtungen, auch Kooperationspartner, Initiativen, der Bezirk, Privatpersonen, Schulen, Aktionen, Projekte … jeder kommt zu Wort, der sich an die Redaktion wendet und die moralischen Grundsätze der Zeitung einhält. Diese Vielfältigkeit zu bedienen ist nur durch ehrenamtliche Redakteure möglich, die aus allen Bereichen des Bezirks kommen. Sie sind nicht nur die Berichtenden, sondern zugleich auch diejenigen, die Hinweise geben, worüber wir berichten sollten. Seit einigen Jahren arbeiten wir in der Redaktion in jeder Ausgabe mit Themenschwerpunkten, wie zum Beispiel Familie, Bildung, Jugend, Sport, Nachhaltigkeit. Auch diesbezüglich offerieren die RedakteurInnen die notwendige Vielfalt. Durch die Unterschiedlichkeit ihrer Persönlichkeiten bekommen die Themenschwerpunkte verschiedene Gewichtungen, die eine abwechslungsreiche Zeitung möglich machen.

Die Redaktionssitzungen sind spannend. Denn auch wenn sich das Team meist schon lange kennt, gibt es immer wieder Diskussionen, die verschiedene Standpunkte und Sichtweisen unter einen Hut bringen müssen. Es muss ein gemeinsamer Nenner gefunden werden, der eine gemeinsame Zeitungsausgabe möglich macht. Die Gründe über teils viele Jahre in diesem Team mitzuarbeiten sind unterschiedlich. Dank und große Wertschätzung hat einen hohen Stellenwert. Es ist eine fruchtbare Arbeit, abwechslungsreich und spannend und letztendlich erfüllt es ja auch mit Stolz, zu wissen, dass der eigene Artikel 10.000 mal im Bezirk gelesen wird. Es ist ein Team, das über die Zeit gelernt hat, die Eigenheiten, Schwächen und Stärken der anderen zu schätzen.

Meine KollegInnen erfreuen sich ebenso der Unterstützung durch Ehrenamtliche in ihren Arbeitsbereichen. Englischunterricht, Deutschunterricht, Lesestunden für Kinder, Bastelstunden, Hilfe im Nachbarschaftscafé, bei der Gartenarbeit, Hausaufgabenhilfe … sind einige Beispiele dafür. Und genauso wie die Ehrenamtlichen der Stadtteilzeitung, ermöglichen sie eine Angebotsvielfalt, die nur mit dem normalen Arbeitsaufwand personell nicht möglich wäre. Sie bringen den Gemeinschaftsgedanken, Freude am Umgang mit Menschen, Wertschätzung, Erfahrungen und viele andere menschliche Aspekte mit ein, die eine große Bereicherung und ganz besondere Hilfe sind.

In jedem Ehrenamt liegt ein egoistischer Aspekt. So engagiere ich mich in der GEV (Gesamteltervertretung) der Schule meiner Tochter und bin besser informiert, als die meisten Eltern. Ich engagiere mich im Sportverein und kann auch so indirekt den sportlichen Gedanken meiner Kinder fördern. Ich stelle mich an einen Info-Stand meines Vereins und kann meiner Neugier auf ein Event den nötigen Raum einräumen. Ich schreibe für eine Zeitung und finde meine Berichte in großer Vervielfältigung. Ich gebe Deutschunterricht und trainiere eine Weiterbildung. Ich helfe im Café und bin nicht mehr allein. Es ist ein gesunder Egoismus, der Menschen motiviert, sich zu engagieren. So müsste die Antwort auf die Eingangsfrage eigentlich eine Gegenfrage sein: „Warum machst du es noch nicht?“

Erschienen auf der Seite des Paritätischen Berlin für den Rundbrief August 2014
www.paritaet-berlin.de

Ich rieche, höre, fühle, schmecke … nur sehen kann ich nichts!

kathrin_backhaus_Juli2014_2

Es sind sehr zaghafte Schritte, vorsichtig und gerade – einer nach dem anderen. Der rechte Arm ist wärmer als der Linke, also ist die Sonne rechts. Von rechts kommen die Kindergeräusche, dort ist der Spielplatz. Und auch der Schatten auf dieser Seite gibt mir eine Ahnung, wo die großen Bäume stehen. Vor mir auf dem Boden rollt eine Kugel, immer hin und her. Die ist verbunden mit einem langen Stab und der liegt in meiner Hand. Ich merke an meinen Schritten den Unterschied von Sand-, Stein- und Holzboden. Mehr habe nicht ich als Orientierungshilfe. Nur eine Brille auf den Augen, die mir vermittelt, wie sich ein Mensch fühlt, der nur noch vier Sinne zur Verfügung hat.

Meine Neugierde war geweckt. Ich hatte zuvor eine E-Mail von meiner Kollegin bekommen. Manuela schreibt nicht viel, diesmal bekam ich jedoch einen langen Text von ihr, der mir von ihrem Treffen mit Kathrin erzählte. Manuela ist die Projektleiterin im Gutshaus Lichterfelde, einem Nachbarschaftshaus. Im Rahmen der Nachbarschaftsarbeit hatte sie Kathrin kennengelernt und gemeinsam bieten sie Nachmittage an, an denen Besucher mit Kathrin in Gespräch kommen können. Kathrin ist gesetzlich blind. An diesem Nachmittag kam keiner und so kamen beide Frauen ins Gespräch.

Manuela schreibt mir darüber: „Wir bieten diese Gesprächsrunden an. Es geht um Barrierefreiheit. Was heißt es eigentlich, nicht sehen zu können, nicht hören zu können oder in einem Rollstuhl zu sitzen? Wir wollen aufklären und Austausch möglich machen. Aber wo fängt das an? Ab heute weiß ich, wo ich anfangen muss. Sensibilisieren heißt das Schlüsselwort. Kathrin hat ihren Laptop dabei. Darauf zeigt sie mir, wie sie Nachrichten schreibt und liest, bzw. wie sie ihr vorgelesen werden. Die Tastatur hat erhöhte Punkte, die ihr eine Orientierung über die Buchstaben geben. Bilder erkennt sie mittels der Audiodeskription, das ist eine akustische Bildbeschreibung. Für mich ist es faszinierend, wie sie sich so im Internet bewegen kann. Etwas, was für uns sehende Menschen selbstverständlich ist, wird für sie möglich. Ich bin vollkommen beeindruckt. 

Später erklärt Kathrin mir, wie sie sich in den Straßen bewegt. Dafür hat sie den langen Blindenstock und trotzdem ist es wie eine Abenteuerreise ins Nirgendwo. Sie erzählt von den fehlenden Gehwegmarkierungen, von den Hindernissen, die im Weg stehen und so ihre Orientierung zunichte machen. Ich kann mir nicht wirklich vorstellen, was damit gemeint ist, aber dafür hatte Kathrin eine Lösung. Sie greift in ihre Tasche und hat eine Brille in der Hand, die im ersten Moment wie eine kleine Taucherbrille aussieht, aber sie hat Tücken. Als ich die Brille aufsetze, sehe ich nichts mehr. Nur noch einen kleinen hellen Punkt. Den Ort an dem ich stehe, kenne ich seit vielen Jahren. Mit der Brille merke ich sofort meine Unsicherheit. Meine Orientierung ist wie ausgelöscht. Aber ich bekomme noch den Stock in die Hand. Ich laufe los, oder besser, ich versuche loszulaufen. Mir wird ganz heiß, ich habe Angst und fühle mich völlig hilflos, obwohl ich weiß, dass Kathrin in meiner Nähe ist.“ 

Angst und Hilflosigkeit löst die simulierte Blindheit bei Manuela aus, bei mir eher die Neugier, wie sich meine anderen Sinne bewähren. Wir können die Situation jedoch unterbrechen. Kathrin nicht – sie lebt damit, jedoch nicht von Anfang an. „Retinopathia pigmentosa“ diagnostizieren die Ärzte als sie 15 Jahre alt war. Für die Eltern ein herber Schlag, dass das jüngste der fünf Kinder mit Blindheit geschlagen sein sollte. Nur ab wann, konnte keiner vorher sagen. Informationen vom Arzt gab es nicht, die musste sie sich zusammensuchen und erfuhr so von ihrem Krankheitsbild und auch, dass nie jemand sagen konnte, wann die Blindheit so gravierend sein würde, dass ein „normales“ Leben nicht mehr möglich sein würde. Die Eltern reagierten dennoch sofort und belegten Radfahren, Rollschuh fahren oder Zeitungen austragen mit Verboten. Für eine 15-jährige junge Frau schwer zu verstehen und zu ertragen, noch ging ja alles. Erst mit 38 Jahren erlebte sie einen großen Schub, der in der Folge die Bezeichnung „gesetzlich blind“ einbrachte. Schwierig war für Kathrin die Zeit, in der sie sich zur Krankheit bekennen musste. Sie vermied Treffen in Restaurants, sie lernte Toilettengänge in der Stadt zu umgehen, aber doch standen zahlreiche Laternen im Weg, die letztendlich das Bekenntnis zur Krankheit verlangten. So war der berufliche Weg auch von Fachschulen begleitet. Über die gelernte Masseurin zur Büroleitung erlebte sie viel Abwechslung und viele Änderungen. Den Lebenspartner lernte sie schon nach der Ausbildung kennen, verlor ihn aber früh durch ein Herzversagen.

kathrin_backhaus_Juli2014_1

Kathrin bei einem Vortrag über Assistenzhunde der Fürst Donnersmark Stiftung am 25. Juni 2014

Das hört sich alles nicht so wirklich prickelnd an, wäre da nicht der Mensch Kathrin. Lernt man sie kennen, sind Frustration und Resignation die letzten Vokabeln, die einem einfallen würden. Wir erleben eine Frau, die sich Platz macht, mit lauter Stimme sagt, was sie braucht, die sich einmischt und mitredet und – nicht zuletzt – lacht und einen Humor verbreitet, den sich Menschen ohne Sehbehinderung kaum in ihrer Gegenwart zutrauen würden. Kathrin ist mittendrin, mischt mit, macht mit, redet mit. Der Bezirksbehindertenbeirat, die Seniorenvertretung, das Führhundehalter-Portal, der Apple-Stammtisch, der Runde Tisch, die AG Mobilität … alle dürfen mit ihrer Wortmeldung, ob bequem oder eben meistens auch nicht, rechnen. Sie versteht sich als Multiplikator, sozusagen als Werbeplattform in eigener Sache und nutzt die sozialen Medien, meist Facebook oder die eigene Homepage um ihre Sache voranzutreiben. Die da wäre?

Kathrin möchte eine Welt, die für alle bedienbar ist. Das Wort „Inklusion“ mag sie nicht hören und hofft, dass ich meine Frage wieder vergessen, tue ich aber nicht. Sie mag Inklusion nicht, weil wir darüber sprechen müssen, dabei sollte eine für alle nutzbare Welt Selbstverständlichkeit sein. Und zu viele, die selber nicht betroffen sind, erklären uns, was Inklusion heißt. Nur erklären sie nicht, dass eine behindertengerechte Toilette für einen sehbehinderten Menschen nicht gerade das El Dorado an Hygiene ist. Das gehbehinderte, hörbehinderte und sehbehinderte Menschen völlig andere Bedürfnisse haben. Und selber sagt sie, dass es eine 100 % Barrierefreiheit nicht geben kann, dass man aber für Barrierefreiheit in den Köpfen der Menschen noch viel tun könnte.

Dazu schreibt Manuela in ihrer Mail an mich weiter: „Wir nicht körperlich behinderten Menschen können uns in der Welt behaupten. Wir können uns aber nicht in die Lage eines Menschen mit Behinderung hineinversetzen. Wie fühlt es sich an, wenn man alles abgenommen bekommt oder merkt, dass andere nicht wahrnehmen, wo ich gerade Hilfe benötige. Was ist es für ein Gefühl, wenn mein ausgebildeter Blindenführhund von Räumen oder Versammlungen ausgeschlossen ist, die ich besuchen möchte. Das, obwohl der Hund die notwendige Sicherheit und Orientierung gibt. Ich wünsche mir, dass die Menschen nicht aus Mitleid helfen, das keinem nutzt. Ich wünsche mir, dass sich die Menschen dafür interessieren, was Menschen mit Handicap brauchen. Dass sie offen auf die anderen zugehen und einfach ehrlich fragen, ob Hilfe gewünscht, notwendig oder nicht erforderlich ist. Ich werde weiter mit Kathrin sprechen, weiter versuchen andere zu sensibilisieren und weithin Gesprächsmöglichkeiten schaffen, die Menschen mit und ohne Behinderungen zusammen bringen.“ 

Wie notwendig das ist, erklärt mir Kathrin weiter. So selbstständig sie ihr Leben eingerichtet hat, gibt es immer wieder Bereiche, die alleine nicht zu bewältigen sind. So lese ich in einem Facebook Kommentar von ihr, dass sie bei einem Einkauf eine kleine Flasche Joghurt kaufte, der ja bei den Milchprodukten zu finden war und sich auch so anfühlte. Zuhause stelle sich dies jedoch, nach einem herzhaften Schluck aus der Flasche, als Ölprodukt heraus. Eigentlich zum Lachen und tragisch zugleich. Einkaufen, sagt Kathrin, sei ein sehr schwieriger Bereich. Für sehbehinderte Menschen sind Preise, Ausschilderungen und Sortiment-Änderungen kaum zu erkennen. Dort müssen sie warten und hoffen, dass entweder eine Verkäuferin, ein Verkäufer oder ein aufmerksamer Kunde Zeit hat und hilft.

Wie sensibel die ganze Geschichte ist, verstehe ich spätestens, als wir uns schon fast verabschieden. Als diese beeindruckende Frau mir erzählt, dass es Tage gibt, an denen es ihr gut geht, an denen sie Hilfe annehmen möchte und kann. Aber es gibt auch Tage, an denen sie genau diese Hilfe nicht ertragen kann. Es gibt nur eine einzige Sache, die dies Lösen kann: Wir müssen uns trauen, fragen und auf Menschen mit Behinderung zugehen, Scheuklappen abbauen, offen sein und sie in unserem Alltag willkommen heißen!

Wer mehr über Kathrin Backhaus wissen möchte, wird auf ihrer Homepage Backis Welt fündig!

Informationen über die Fürst Donnersmarck-Stiftung: „Rehabilitation, Betreuung, Förderung und Unterstützung“ von Menschen mit Behinderung in drei Arbeitsbereichen um: Rehabilitation, Touristik, Bildung.
 

Update – Toleranz und Anerkennung

februar-zeitung-2014

Man möchte bewegen, wenn man sich einem Thema annimmt und darüber schreibt. Die Richtung der Bewegung kann man allerdings kaum beeinflussen. Ich möchte bewegen, Aufmerksamkeit schaffen. Den Beitrag „Toleranz und Anerkennung – Zwischen Wunsch und Wirklichkeit“ hatte ich für die Februar-Ausgabe der Stadtteilzeitung geschrieben. Das Leitthema der Zeitung hieß „Anderssein“. Als ich der Freundin meines Bruders damals erzählte, dass mein geplanter Beitrag nichts werden würde, schlug sie vor über sie selber zu schreiben. Darüber, was sie mit ihrer schwarzen Hautfarbe in den ersten Jahren hier in Deutschland erlebt hatte. Sie wollte anderen in gleicher Situation Mut machen. Der Artikel war das Resultat unseres Gesprächs und er ist bis heute einer meiner liebsten Beiträge in meinem Blog. Ich bekam durch das Gespräch mit ihr einen ganz anderen Blick auf die Situation der Menschen, die versuchen sich in Deutschland eine Existenz aufzubauen.

Einige Zeit nach erscheinen der Zeitung hatte sie Urlaub, den sie in einer anderen Stadt verbrachte. Als sie wieder zurück zur Arbeit kam, sprach keiner der KollegInnen mehr mit ihr. Der Umgang mit ihr wurde gemieden und erst nach einer Woche bekam sie ein Gespräch mit der Filialleitung zugesprochen. Dabei kam heraus, dass während ihres Urlaubs eine Kollegin diesen Artikel in der Zeitung gefunden hatte und der Filialleitung zu lesen gab. Nun durfte sie sich rechtfertigen, wie sie auf die Idee käme, so einen Artikel in eine Zeitung zu setzten. Als ich das hörte, war ich sehr erschüttert und auch völlig verwirrt. Nicht zuletzt, weil ich auch das Gefühl bekam an ihren Unannehmlichkeiten Schuld zu sein.

Letztendlich führten diese Unannehmlichkeiten dazu, dass sie in der anderen Stadt eine neue Arbeitsstelle gesucht und gefunden hat, mit meinem Bruder nun zusammen wohnt und sie sich ein gemeinsames Leben aufbauen werden. Das war zweifelsohne eh geplant, durch diese Vorgänge aber beschleunigt. Ich wünsche beiden alles erdenkliche Glück für ihr gemeinsames Leben!

Was mich nachhaltig an dieser Geschichte beschäftigt ist der Gedanke, wie notwendig das Werben um Toleranz und Anerkennung hier unter uns, in diesem Land und in unserem Umfeld ist. Und auch, wie aktuell dieses Thema ist. Wir sind eine multinationale Gesellschaft, die ihre Stärken eben aus der Mischung aller Menschen zieht. Wir können als attraktives Land nur bestehen, wenn wir Andersartigkeit zulassen und unsere Köpf dafür öffnen. Es gibt für mich keinen einzigen Grund, warum ein Mensch bei uns wegen eines ethnischen Merkmals eine andere Behandlung erfahren sollte als alle anderen oder über sein Erleben schweigen sollte.

Ich gebe gerne zu, dass auch ich oft Scheu spüre, wenn ich Menschen begegne, die aus fremden Ländern kommen, die ich nicht einschätzen kann, die eine mir unbekannte Religion haben oder zu denen ich aus sprachlichen Gründen nicht gehören kann. Ich gebe zu, dass ich mit einem komischen Bauchgefühl kämpfte, als in unmittelbarer Wohnnähe ein Wohnheim für Aussiedler eröffnet wurde. Es war so nah. Aber ich weiß, dass mein Gefühl aus Unkenntnis entsteht und Unkenntnis kann man nur entgehen, indem man darauf zugeht. Man muss Fragen stellen und versuchen zu verstehen, was diese anderen Menschen antreibt und beschäftigt. Damit habe ich noch nie schlechte Erfahrungen gemacht. Ganz im Gegenteil, viele wunderbare Freunde gewonnen und sehr viel für mich gelernt. Das Wohnheim habe ich mir angesehen, sprachliche Hürden kann man überwinden, Religionen und Länder kennenlernen.

Der Beitrag „Toleranz und Anerkennung“ klagt nicht an. Darum geht es nicht. Er zeigt ein Beispiel eines Menschen, der hier eine Existenz aufgebaut hat und sich als bewährtes Mitglied und als Bereicherung für unsere Gesellschaft entwickelt hat. Er zeigt ein Beispiel, wie sich jemand erfolgreich bei uns integriert und hier Freunde, Familie und ein erfülltes Leben findet. Der Hürden überwindet und Stärke zeigt.

Traurig ist die menschliche Seite, die sich zeigte, als der Beitrag erschien. Das sich Menschen nicht vorstellen können, mit welchen Hürden man kämpft, wenn man bei uns anders ist. Das diese „andersartigen“ Menschen nur toleriert werden solange sie „funktionieren“. Wenn sie aber auf sich aufmerksam machen, Menschlichkeit zeigen, uns den Spiegel der Intoleranz vor Augen halten, dann werden sie auf ein Minimum der Akzeptanz reduziert. Und es zeigte sich auch, das der Inhalt und Sinn des Beitrags in keiner Weise von diesen Menschen verstanden werden wollte. Es tut ja auch weh, wenn man den „Guten“ zeigt, dass sie gar nicht so gut sind.

Das war eine Bewegung, die so nicht gewollt war, aber doch zeigt, dass diesbezüglich viel zu tun ist. Ich habe lange überlegt, diese Geschichte hinter dem Artikel einfach so stehen zu lassen. Es ist mir jedoch ein Bedürfnis, für Offenheit anderen gegenüber, bei mir selber und bei anderen – jetzt und künftig – zu werben.

Hallo Nachbar …

DSC08244

Als ich vor etwa 20 Jahren nach Berlin zog, sagte ein Bekannter zu mir, dass der „normale“ Berliner seinen Nachbarn nicht kennt. Was er damals mit „normal“ meinte, habe ich bis heute nicht herausgefunden. Zu dem Statement, dass der Berliner seinen Nachbarn nicht kennt, kann ich aus heutiger Sicht nur sagen: „Weit gefehlt!“.

3.419.623 Einwohner hatte Berlin im November 2013. Die alle zu kennen, wäre natürlich etwas anstrengend. So gehen wir lieber in die Bezirke direkt, den Stadtteil und den unmittelbaren Kiez. Dies ist eins der Dinge, die Berlin so faszinierend macht. Jeder Kiez hat seinen eigenen Flair, eine eigene Atmosphäre, ein bestimmtes Publikum und natürlich auch Schwächen. Steigt man in die U-Bahn und steigt am anderen Ende der Stadt wieder aus, begegnet man einem völlig anderem Stadtbild. Das sind die Äußerlichkeiten. Spannend wird der Blick auf die Bewohner.

Berlin ist multikulturell und gerade darin liegt der besondere Reiz, auch wenn es immer noch Menschen gibt, die das nicht realisiert haben. Diese Stadt lebt von der Unterschiedlichkeit, den Nationalitäten, der Andersartigkeit der Menschen. Am besten erkennt man dies, wenn man an warmen Sommertagen in die unzähligen Parks und an die vielen Plätze geht, an denen sich die Menschen begegnen. Lässt man sich darauf ein, erntet man einen ungeheuren Gewinn in jeglicher Hinsicht.

Diese Vielfalt und diese ungeheure Menge an Menschen braucht besondere Obhut, unabhängig von den Erfordernissen die behördliche Stellen zu meistern haben. Es ist eben keine „Menge Mensch“ – es sind 3.419.623 Individuen. Dem haben sich viele Verbände und eine wirklich enorme Zahl an freien Trägern, wie zum Beispiel die Stadtteilzentren angenommen. Besondere Größen in der Landschaft der Verbände sind in Berlin „Der Paritätische Berlin“, der „Verband für sozial-kulturelle Arbeit“ und „Das Berliner Bündnis für Familien“, denen sich freie Träger anschließen und so den sozialen Auftrag koordinieren, fördern und politisches Gewicht geben. Ein Blick in das Spektrum der Mitglieder dieser Verbände ist imponierend, da so klar wird, wie facettenreich diese Arbeit ist. Kinder- und Jugendeinrichtungen, Nachbarschaftshäuser, Selbsthilfekontaktstellen sind nur einige Beispiele, was hier den Menschen, den Nachbarn, geboten wird. Allen gemeinsam ist eins – die Menschen zusammenzubringen, Austausch zu fördern, Alleinstehende und Familien zu unterstützen und eben dem Nachbarn ein Gesicht zu geben.

Menschen zusammenzubringen – wie geht das besser als mit einem Fest? Am 24. Mai wurde in Berlin viel gefeiert, denn zwei große Events wurden koordiniert. Das 1999 in Frankreich ins Leben gerufene „Fest der Nachbarn“ wurde schon 2012 in 32 Ländern gefeiert. In diesem Jahr waren erneut zwölf Berliner Bezirke beteiligt und die Unterschiedlichkeit der Angebotspalette hatte alles zu bieten, was Spaß, Gemeinsamkeit und Austausch fördert. Nahtlos ging das Fest in die „4. Lange Nacht der Familien“ über. Bis Mitternacht konnten Familien am 150 Angeboten in ganz Berlin teilnehmen. Ein Blick auf die Internetseiten verrät, was man alles erleben konnte und lässt die Vorfreude auf die Aktionen im kommenden Jahr wachsen.

Ein Beispiel für das Fest war der „Mitternachtströdel im Gutshaus Lichterfelde“. Das Gutshaus Lichterfelde steht seit 1999 unter Trägerschaft des Stadtteilzentrums Steglitz e.V. Die Kita im Haus und das Nachbarschaftscafé machen das Gutshaus zu einem Treffpunkt für Familien und Nachbarn im unmittelbaren Umfeld. Bei dem Mitternachtströdel durfte jeder mitmachen, der seinen eigenen Tisch mitbrachte und einen Kuchen für die Allgemeinheit spendete. Im diesem Jahr war die Sonne dem Fest gewogen, so dass schon der Aufbau mit viel Vorfreude und gegenseitiger Hilfe vonstattengehen konnte. Besucher, die vom Spaziergang aus dem Park oder direkt zum Fest kamen, konnten gemütlich beim Trödel stöbern, Kuchen oder eine Grillwurst essen. Es wurde gehandelt, man konnte sich austauschen, diskutieren, erzählen, kennenlernen, gemeinsam lachen und überall den lustigen Spielen der Kinder zuschauen. Das ist gelebte Nachbarschaft, die mit einem Lagerfeuer in der Mitte ihr Ende fand. Diejenigen, die sich beim Bäcker, beim Einkauf oder im Nachbarschaftscafé in den nächsten Tagen wieder begegnen, werden sich garantiert ein Lächeln schenken. Gemeinsame Feste schaffen Verbundenheit, Nähe und Vertrauen.

DSC08264

Auch im privaten kenne ich meine Nachbarschaft sehr gut. Gegenseitige Akzeptanz und Hilfe ist an der Tagesordnung, ein freundliches Grüßen, ein nettes Gespräch immer gegeben. Die nachbarschaftliche Arbeit, die von den freien Trägern geleistet wird, habe ich überhaupt erst in Berlin kennengelernt. Lässt man sich darauf ein, wird diese große Stadt doch sehr menschlich und bekommt ein freundliches Gesicht.

Leitartikel der Homepage des Stadtteilzentrum Steglitz e.V.
vom 29. Mai 2014

Von Anfang an … Kinder mit Sportgeist!

Foto: René Blümner

Foto: René Blümner

Knochenbrüche und ausgeschlagene Zähne habe ich erwartet, als meine Tochter mit 5 ½ Jahren zu mir in die Küche kam und erklärte, dass sie von nun an Hockey spielen würde. Das saß! Hatte ich bis dahin die Vorstellung, dass meine Töchter die üblichen „Mädchensportarten“ ausüben würden – Ballett, Tennis, Aerobic, vielleicht Handball oder Volleyball … wurde ich hier von diesem kleinen Bündel recht schnell auf den Boden der Tatsachen geholt.

Ich kannte damals nur Eishockey. Männer in Riesenrüstungen, die selten ein Lächeln zustande brachten, bei dem man keinen Lachkrampf bekam. Das Geräusch von knackenden Knochen und zwischendrin mein kleines Kind. Schreckensbilder vor meinem geistigen Auge und keine Chance – denn das Kind wusste schon immer, was es wollte. Kurze Zeit später zog der erste Hockeyschläger in unser Haus ein. Von nun an sollte das Familienleben von einer Sache bestimmt sein – dem Hockeyfeld.

Es spielt keine Rolle, welche Sportart sich ein Kind aussucht. Wichtig ist, dass es sich eine aussucht. Je nach Neigung eine Mannschaftssportart oder eine Einzelsportart wie Schwimmen, Leichtathletik, Tennis beispielsweise. Der wohl wichtigste Aspekt, warum Kinder Sport machen sollten, ist die körperliche Entwicklung und Fitness. Der Sport als Ausgleich zu oft stundenlangem Sitzen in der Schule. Als Ausgleich zur Ernährung um Übergewichtigkeit auszugleichen oder vorzubeugen. Sport als Förderer der richtigen Haltung und als Vorbeugung um spätere körperliche Fehlstellungen zu vermeiden. Die medizinische Sinnhaftigkeit, dass Kinder wie auch Erwachsene Sport treiben sollten, steht außer Frage. Auch hier zeigt sich der Erfolg meist in dem Satz „Erziehen heißt vorleben!“. Treiben die Eltern Sport, liegt es nahe, dass sich auch der Nachwuchs dafür begeistern lässt.

Neben den körperlichen Vorteilen spielt insbesondere der soziale Aspekt eine wichtige Rolle. Spielt das Kind in einem Team oder einer Mannschaft, lernt es schnell die Bedeutung von Zuverlässigkeit, Kameradschaft, Zusammenhalt kennen. Der viel gerühmte Mannschaftsgeist ist eine große Motivationsquelle, kann begeistern und mitreißen. Zudem werden Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen geschult. Das Kind lernt mit Niederlagen zurechtzukommen und dennoch weiter zu machen. Es lernt wie sich konsequentes Training in Erfolg wandeln lässt und idealer Weise erlebt es schöne Siege. Oft stehen Wettbewerbe, Mannschaftsfahrten und Events auf dem Programm. Und nicht zuletzt gründen sich Freundschaften aus einem gemeinsamen Interesse.

Es ist wichtig, dass sich das Kind eine Sportart auswählen kann. Nicht die Eltern sollten beschließen, dass es beispielsweise Fußballspieler wird. Der Papa hat das doch schon so gerne gespielt und sieht den nächsten Franz Beckenbauer im Filius. Nein, das Kind muss Angebote zum Kennenlernen einer Sportart bekommen. Es muss erfahren, ausprobieren dürfen und selber sehen, ob ihm der Sport, die Mitspieler, das Team und der Ort liegt. Dazu gehört natürlich auch, dass Kinder einen Sport ablehnen. Mit Vorwürfen sollte man sich dann zurückhalten. Besser ist es zu ergründen, woran das liegt und das nächste Sportangebot machen.

Hat es schließlich eine Sportart gefunden, die Spaß macht, das Umfeld stimmt und man Trainingstermine einhalten kann, ist das Interesse der Eltern ein nicht zu unterschätzender Faktor. Wenn die Eltern nachfragen, wie es beim Training war, wie die Spiele laufen, ob die notwendige Ausrüstung passt, ist die Motivation weiterzumachen wesentlich höher. Besser ist es natürlich, wenn Eltern mit gehen, zuschauen und sich später über die sportlichen Erfahrungen mit dem Kind austauschen. Vorsicht aber mit ehrgeizigen Plänen. Kaum jemand ist so begabt, dass sich aus Sport eine Profession ergibt und der Lebensunterhalt durch Sport gesichert werden kann. Sport soll in erster Linie Spaß machen und gesundheitlichen Gewinn bringen.

Unsere kleine Hockeyspielerin ist nun erwachsen. Sie spielt immer noch Hockey, hat ihre Schwester von diesem Sport mit begeistert, trainiert kleine HockeyspielerInnen, macht ein soziales Jahr im Hockeyverein und ist DHB-Schiedsrichterin geworden. Ihre FreundInnen sind HockeyspielerInnen und sie plant ein Studium in diesem Bereich. Wir haben unzählige Wochenende auf dem Hockeyfeld verbracht, Nachmittag in Hallen gesessen, Spielpläne studiert und vieles mehr. Der Vater ist ehrenamtlich für den Verein tätig und die Mutter organisiert den logistischen Hintergrund. Der Wille, dass unsere Kinder in einer Sportart Fuß fassen, hat uns als Familie vor allem zwei Dinge gebracht – zwei gesunde Kinder und wunderbare Freundschaften zu anderen Familien.

Ach ja – ein Knochen ist nie gebrochen und die Zähne sitzen auch noch alle am richtigen Platz!

zeit0514

Stadtteilzeitung Steglitz-ZehlendorfNr. 177 • Mai 2014

„Feier-„oder „Arbeits“-Tag – 1. Mai 2014

© Zerbor - Fotolia.com

© Zerbor – Fotolia.com

Wer am 1. Mai seinen Fuß vor die Tür setzt, kann fast nicht anders als feiern zu gehen. Zeit hat er, denn es ist ein Feiertag und alle haben frei. Gefeiert wird überall, besonders in Berlin. Tanzfeste, Musikfeste, Kinderfeste, Hexen- oder Gewerkschaftsfeste – jedem kulinarischen und musikalischen Geschmack wird Rechnung getragen. Hoffen wir noch auf ein bisschen Sonnenschein und alles ist fein.

Dabei hat die ganze Sache einen ziemlich ernsten Hintergrund, denn es gehört auch dazu, dass sich Polizeiverbände schon im Vorfeld rüsten. Der Erste Mai ist der „Tag der Arbeit“, von dem auch seit den 1980er Jahren die Maikrawalle und -kundgebungen ausgehen. In Kreuzberg werden die Fenster der Geschäfte mit Holzplatten geschützt und wer kann, stellt sein Auto im Nachbarbezirk ab. Aber auch diese Maikundgebungen, von der damaligen Hausbesetzer- und Autonomenszene ausgehend, sind nur „Ableger“ des eigentlichen ‚Kampftages der Arbeiterklasse‘.

Es geht um „Arbeit“ und schon ab 1886 wurde der 1. Mai der zentrale Gedenktag für die arbeitende Klasse. Damals ausgehend von nordamerikanischen Massendemonstrationen war ein 8-Stunden-Arbeitstag zentrales Thema im Kampf gegen Arbeitgeber, die eher den Profit als den arbeitenden Menschen im Auge hatten. Das ist lange her und viel ist geschafft. Der körperlich hart arbeitende Proletarier ist eher die Seltenheit geworden. Im Normalfall können sich Arbeitnehmer an menschenwürdigen Arbeitsbedingungen freuen. Im Normalfall, denn zu tun, zu verbessern, wird es den zeitlichen und gesellschaftlichen Veränderungen entsprechend immer etwas zu verhandeln geben. Dabei spielt die Ausgewogenheit zwischen den Wünschen und Erfordernissen der Arbeitnehmer und den Vorstellungen sowie Interessen der Arbeitgeber die entscheidende Rolle. Dies zusammenzubringen ist die Kunst des Arbeitskampfes, der heute glücklicherweise nicht mehr mit rabiaten Mitteln geführt werden muss, sondern die Verhandlungspartner an einen Tisch zwingt.

Arbeitgeber wird man, sobald man einen Menschen gegen Entgelt in ein Arbeits- und Abhängigkeitsverhältnis stellt. Unwichtig dabei, ob es zwei, drei oder 200 Angestellte sind. Der Arbeitsplatz, die Arbeitsbedingungen müssen so gestaltet sein, dass es dem Arbeitnehmer möglich ist, seine Arbeitskraft so optimal als möglich zu Verfügung zu stellen. Dazu ist er sogar verpflichtet. Die richtige Mischung der Interessen von Arbeitnehmer und Arbeitgeber ist dabei wohl das Geheimnis des Erfolgs. Liegt darin doch der Grundstein von Arbeitsmotivation, Einsatz und der Produktivität.

Das Stadtteilzentrum Steglitz e.V. hat sich von einem kleinen Nachbarschaftsverein innerhalb von nunmehr 19 Jahren zu einem beachtlichem Arbeitgeber von 150 fest Angestellten entwickelt. Dazu kommen Teilzeit- und Honorarkräfte. Aus ehemals kleinen Weihnachtsfeiern und Mitarbeitertagen sind nun Veranstaltungen geworden, die strategisch gut geplant und vorbereitet werden müssen. Der Verwaltungsaufwand, die Versorgung aller Angestellten in verschiedenen Häusern und Projekten, die Koordination aller abhängigen Faktoren ist nur durch konsequente und effektive Planung und gute MitarbeiterInnen zu gewährleisten. Stimmt dieses Gesamtpaket, stimmt auch die Dienstleistung nach außen.

Thomas Mampel ist Geschäftsführer des Stadtteilzentrum Steglitz e.V., aber nicht nur das – er war einer der wenigen Gründer des nunmehr über die Bezirksgrenzen hinaus bekannten sozialen Vereins. So wie der Verein größer geworden ist, ist er in seine Rolle des Geschäftsführers hineingewachsen. Er musste die Seite wechseln – vom Arbeitnehmer zum Arbeitgeber. Ob er dieser Rolle gerecht wird und wie er sich mit diesem Thema beschäftigt, zeigt sich nicht zuletzt in seinem Blog „mampel’s welt“. In seinem Artikel vom 4. April nimmt er sich dem Thema „Führung“ auf humorige Weise an. Die Ergebnisse der daraus resultierenden Blogparade fasst er dann in einem Beitrag „Führen und führen lassen – eine Zusammenfassung.“ zusammen. Aber nicht nur das Thema „Führung“ beschäftigt ihn, auch die Arbeitsbedingungen innerhalb des Vereins werden fortwährend auf den Prüfstand gestellt und in verschiedenen Arbeitsgemeinschaften, Projektgruppen und in monatlich stattfindenden Projektleiter-Runden zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitern besprochen und entwickelt.

Die abschließende Frage, ob ein Tag der Arbeit, wie andere Feiertage, noch zeitgemäß ist, kann mit einem klaren „Ja“ beantwortet werden. Zum einen ist dieser Feiertag aus geschichtlicher Hinsicht sehr erhaltenswert. Auch auf der sozialen Ebene erfüllt er alle Bedingungen, die ein Zusammenkommen von Menschen verschiedenster Herkunft fördert. Vornehmlich sind es aber Gründe, die aus Sicht der Arbeitnehmer wie Arbeitgeber immer an Relevanz haben werden. Wie gestaltet sich künftig eine gerechte Rentenregelung, wie verbessert man Arbeitsbedingungen für Mütter, wie integriert man Arbeitnehmer aus fremden Ländern, wie schafft man eine Gleichgewichtung zwischen Arbeit und Freizeit, wie fördert man familienfreundliche Arbeitssituationen, und vieles mehr. Die Art und Weise, wie gearbeitet wird, wird sich immer der Zeit entsprechend ändern, ebenso die Bedingungen drumherum.

Arbeit sollte Spaß machen, motivieren, fordern, fördern und ein erfüllendes Gegengewicht zur Freizeit darstellen. Diesen Idealzustand zu erreichen ist für jeden ein lohnendes Ziel, der an einem Arbeitsprozess beteiligt ist. Schreiben wir die Geschichte des „Tages der Arbeit“ weiter!

Leitartikel der Homepage des Stadtteilzentrum Steglitz e.V.
vom 1. Mai 2014