Mein digitaler Chef

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Jeder kennt einen, arbeitet mit einem, hat sich schon mal über einen geärgert, muss sich wohl (-überlegt) mit ihm arrangieren, muss ihm seine Arbeitsleistung bestmöglich verkaufen und freut sich über sein Lob. Jede Firma, Institution, jedes Amt, jeder Verein hat einen. Jeder Arbeitsprozess und jedes Arbeitsverhältnis wird durch ihn beeinflusst – vom Chef. Und so unterschiedlich die Arbeitsbereiche sind, sind auch die Chef’s. Großer Chef, mittlerer Chef, kleiner Chef. Unter ihnen die Gelassenen, die Choleriker, die Kontrolleure, die Kumpels, die Despoten, die Innovativen, die Wortgewaltigen, die Darsteller und viele, viele andere mehr. Und jeder von uns kann seine persönliche Chef-Geschichte erzählen – ich auch … ich hab nämlich einen digitalen Chef!

Was ein digitaler Chef ist? Ein Mensch aus Fleisch und Blut, wie alle, nur mit einer unverbesserlichen Energie bei allen digitalen Entwicklungen in der ersten Reihe mitzumachen. Eigentlich hat das bei ihm ja ganz harmlos angefangen. Am Anfang gab’s einen Computer – Arbeitsmittel, E-Mail – Kommunikationsmittel und so ein Internet mit Homepages – Informations- und Selbstdarstellungs-Tool. Er erkannte wohl ziemlich schnell deren Vorteile gegenüber Schreibmaschine, Brief und Visitenkarte. Das ging alles schneller und bequemer und wie jeder gute Chef, hat er auch schnell die Vorteile für unsere Arbeitsprozesse und den Bekanntheitsgrad im Netz realisiert. Folglich war die unmittelbare Auswirkung des Ganzen, dass wir ein Verein sozial arbeitender Menschen geworden sind, die sich mit solchen technischen Sachen auskennen – müssen! (Anm. d. Red.: Der Verein ist das Stadtteilzentrum Steglitz e.V. – ein sozialer Träger mit Einrichtungen von Kindertagesstätten bis zum Seniorenzentrum – Infos: Link anklicken.)

Wo war ich stehen geblieben? Ach ja – sozial und technisch … Passt nicht? Passt doch, denn bei so vielen Menschen, mit denen wir tagtäglich zu tun haben, entsteht ein erheblicher Verwaltungsaufwand, der auf diese Weise effizient bewältigt werden kann. Sowohl personaltechnische Angelegenheiten, als auch die Verwaltung z.B. aller Kinder, die unsere Kitas, Schul- oder Jugendeinrichtungen besuchen, sind bestens eingetacktet. Chef beobachtete wohlwollend – vorerst.

Na, jedenfalls hat der Chef wohl was richtig gemacht, denn der Verein wurde größer und größer und aus einer Handvoll Mitarbeitern und Einrichtungen, wurde bald ein ganzer Bienenkorb. Die Folge war Zeitnot, denn anders als bei der Bienenkönigin bringen die Bienen nicht nur alle was, die wollen auch alle was. Gar nicht mehr so einfach das Ganze zu managen, weshalb Chef sich mit Arbeitseffizienz auseinandersetzen musste. So begründet hat er seine Bibel gefunden (Keine Sorge – es geht nicht religiös weiter). Bibel heißt bei ihm GTD – „Getting things done“ von David Allen. Auf deutsch: „Wie ich die Dinge geregelt kriege“. Ich behaupte mal, wir finden kaum einen Kollegen bei uns, der nicht weiß, was das ist. Alle Arbeitsprozesse werden in eine bestimmte Reihenfolge gebracht, die immer einen guten Überblick und ein ruhiges Gewissen verschaffen. Gar nicht so verkehrt die Idee, die er uns sehr ans Herz gelegt hat. Klagt mal einer über Chaos am Arbeitsplatz, ernten wir ein müdes Lächeln vom Chef.

GTD war denn der letzte Auslöser für die chefliche Digitalisierung. Sehr bald war er der E-Mail-Flut überdrüssig und fand eine Internetseite, die ein innerbetriebliches Netzwerk anbot. Mein Pech war dabei nur, dass ich an der Presse- und Öffentlichkeitsstelle sitze – also war es mein Job das Teil auszuprobieren. Ok – anmelden, KollegInnen einladen und hartnäckig darüber kommunizieren. Es hat, schätze ich mal, ein Jahr gedauert, bis auch der letzte Zauderer geglaubt hat, dass das Netzwerk wirklich nur für uns ist und – dass tatsächlich weniger E-Mails von KollegInnen zu beantworten waren. Nun konnten wir Sachverhalte, Projekte, AGs oder einfach mal Spaß gleich mit allen Mitarbeitern teilen. Gut so … Chef zufrieden – kurzfristig.

Ich spreche jetzt mal nicht von den ganzen Netzwerken, in denen ein moderner Verein heutzutage vertreten sein sollte – Chefmeinung. Meine zweijährige hartnäckige Weigerung in ein sehr bekanntes Netzwerk mit F einzutreten, scheiterte am Chefwunsch, dort eine Vereinsseite zu haben. Angemeldet und – hm – Spaß dran gewonnen. Auch in den anderen Netzwerken sind wir prima vertreten. Einen Überblick, wo ich überall angemeldet bin, kann ich spontan nicht geben. Anmelden, ausprobieren, schauen, ob das was für uns ist. Wir sind dabei und machen mit – wo’s sinnvoll ist und nutzt und – Chef gefällt – einstweilen.

Immer wieder kommt er mit neuen schönen Programmen, die uns die Erfüllung und Erleichterung unserer Arbeitswelt geloben. Haben wir eins begriffen und gelernt, integriert oder verworfen, hat er schon wieder eine neue Idee. Aufmerksamkeit ist immer geboten, wenn ich in einem Netzwerk von ihm lese: „Hat jemand schon mal Sowieso ausprobiert und kann mir dazu was sagen?“ Das bedeutet mit ziemlicher Sicherheit, dass er nicht lang danach um die Büro-Ecke kommt und sagt: „Probier mal“. Zugeben muss ich dabei: Hab ich eine Frage dazu oder bekomme ich irgendetwas nicht gleich hin, er weiß es. Also, was er uns zumutet, hat er auch probiert, studiert und eingesetzt. Chef bloggt, postet, schreibt, kommentiert, netzwerkt und ist digital an vorderster Front – früher nannte man die Pioniere. Neulich hatte er Urlaub – das bedeutet Luft im Netz zu suchen. Ganz gefährlich bei digitalen Chefs. Und wie erwartet, stand dann auch bald zu lesen, wie begeistert er von einem neuen Aufgabenprogramm ist. Und wie erwartet … wer probiert es jetzt aus? Wir … Chef freut sich! 🙂

Ok, zugegeben, der Nutzen ist sehr groß und letztendlich machen viele Programme ganz einfach Spaß. Auch ist es ein gutes Gefühl, für einem Verein zu arbeiten, der diesen Dingen sehr aufgeschlossen ist, optimalen Nutzen daraus zieht und eine sehr modere Einstellung dazu hat. Ich stelle mir insgeheim immer vor, dass seine erste Frage bei potentiellen Bewerbungsgesprächen nur heißen kann: „Lieben Sie ihren Computer?“. Tue ich und sitze eigentlich am richtigen Platz, probiere auch gerne aus. Aber nun hat er es doch einmal geschafft, mir den Angstschweiß auf die Stirn zu treiben … Da hat er gepostet (so nennt man das): „Hypereffizienz hätte er noch nicht in seiner Zielplanung gehabt“ und einen Artikel dazu von einer Seite, die sich mit Arbeitseffizienz beschäftigt. – Hypereffizienz – Chef bitte … du musst nicht alles ausprobieren!

Zur Person: Thomas Mampel ist Sozialarbeiter und Unternehmer und versteht sich als social entrepreneur. Er ist Mitgründer und Geschäftsführer des Stadtteilzentrum Steglitz e.V., Mitgründer und Mitbetreiber des sozialen Netzwerkes “socialNC – soziales engagement 2.0″ und geschäftsführender Gesellschafter der .garage berlin GmbH und Gründungsmitglied und Vorstand des gemeinnützigen Vereins Computerbildung e.V.. In seinem Blog „mampel’s welt“ will er seine Sicht auf die Welt – insbesondere zu den Themen “Soziale Arbeit und soziale Netzwerke”, “soziales Unternehmertum” und “Entwicklung der sozialen Arbeit” – zur Diskussion stellen. Außerdem ist er …

… mein Chef! 🙂

Vom Nachbarschaftsboten zur Stadtteilzeitung

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Beim Apotheker neben der Umschau, in der Stadtbücherei in der Leseecke oder im Bezirksamt im Warteraum findet man sie. Kann sie vor Ort durchsehen oder einfach einstecken und zuhause lesen. Zwölf Seiten berichten aus dem Bezirk, in jeder Ausgabe zu einem Schwerpunktthema, das immer einen sozialen Bezug hat und in dem der Mensch im Mittelpunkt steht. Die Rede ist von der Stadtteilzeitung Steglitz-Zehlendorf, einer kleinen Bezirkszeitung, die unscheinbar überall ausliegt, zum gewohnten Bild dazugehört und für viele Menschen zur monatlichen Informationsvielfalt beiträgt.

Die Gründe für eine eigene Zeitung
Das Stadtteilzentrum Steglitz e.V., Verein für soziale Arbeit, leistet sich beinahe seit seiner Gründung vor 18 Jahren diese eigene Zeitung. Die ersten Ausgaben 1996 hießen noch „Nachbarschaftsbote”, denn auch der Verein hieß damals “Nachbarschaftsverein Lankwitz”. 2001 wurde aus dem Nachbarschaftsverein Lankwitz das Stadtteilzentrum Steglitz e.V., da die räumliche Ausdehnung des Vereins immer weitere Einrichtungen im Bezirk einschloss. So wurde auch aus dem Nachbarschaftsboten die Stadtteilzeitung. Der Grundgedanke eine eigene Zeitung im Bezirk zu etablieren war von Anfang an, den Menschen von sozialer Arbeit zu erzählen, soziale Themen aufzugreifen, die nicht in die normale Boulevard-Presse passen, Menschen soziale Angebote vorzustellen und von kleinen Projekten zu erzählen, die sonst keinen Platz in einer Zeitung finden. Aber auch, zu erzählen, wie normal das Leben sein kann, dass zum Beispiel Arbeitslosigkeit, Einsamkeit, Geldnot, Altersschwierigkeiten, Erziehungsprobleme und andere Unwegsamkeiten des Lebens viele Menschen betreffen und durchaus in der Gesellschaft besprochen werden müssen.

Die technische Seite
Von der Idee eine Zeitung zu machen bis hin zum fertigen Druckprodukt ist es dennoch ein langer Weg, der viele Arbeitsschritte umfasst. Von der technischen Seite her begann die Zeitung mit einem kleinen Kopierer, heute obliegt der Druck einer großen Berliner Zeitungsdruckerei. 10.000 Exemplare laufen über eine große Rollenoffsetmaschine, sind am Ende verpackt und bereit verteilt zu werden. Wo früher die Schreibmaschine das technische Hilfsmittel war, steht heute ein Computer mit einem Grafikprogramm zur Verfügung. Bilder, die früher fotografiert wurden, mussten eingescannt werden bevor sie zur Verwendung genutzt werden konnten. Heute fotografiert man geschwind mit dem Smartphone und hat Bilder in Sekundenschnelle am Bildschirm zur Verfügung. War am Anfang nur eine schwarz/weiss Ausgabe möglich, sind heute vierfarbige Abbildungen und bunte Logos zu finden. Ein Hoch auf den technischen Fortschritt, der die qualitative und inhaltliche Arbeit an einer Zeitung jedoch nicht einfacher macht.

Die Menschen im Hintergrund
Die ersten Ausgaben entstanden am Mitarbeitertisch, aber es war recht schnell deutlich, dass die gewollte Vielseitigkeit der Zeitung nicht alleine bewerkstelligt werden konnte. So hat es schon sehr früh die ehrenamtlichen Redakteure gegeben, ohne die es die Stadtteilzeitung in dieser Form nicht gäbe. Menschen aus den verschiedensten Bereichen kamen zusammen um mitzuhelfen, zu recherchieren, schreiben und zu berichten. Das ist bis heute so geblieben. Heute können wir uns auf einen festen Stamm an Redakteuren stützen. Jede Redakteurin, jeder Redakteur bringt sich aus unterschiedlichsten Motiven, mit seiner individuellen Lebensgeschichte und Begabungen ein. Schreibt der eine lieber humorige Beiträge, liegt die Begabung des anderen eher in rational recherchierten Beiträgen, der dritte verfügt aus dem früheren Berufsleben über viel Erfahrung in beispielsweise kultureller oder architektonischer Hinsicht, der nächste arbeitet aktiv im sozialen Bereichen. Die Vielfalt der Redakteure, die viel Zeit für ihre Beiträge aufwenden, spiegelt sich in der Unterschiedlichkeit der Beiträge wieder. Die meisten Redakteurinnen und Redakteure begleiten uns schon seit vielen Jahren. Hin und wieder haben wir das Glück, dass einer sich dazu findet, aber wir haben es auch schon erlebt, dass wir eine Redakteurin durch einen Todesfall verloren haben, was eine deutliche Lücke hinterlassen hat. Die Redaktion ist offen für jeden, der Lust hat, sich mit dem Bezirk, den Menschen und den Themen darum auseinander zu setzen.

Alleine geht´s nicht
Nicht vergessen darf man dabei, dass über die Jahre eine fruchtbare Zusammenarbeit mit den Kooperationspartnern des Stadtteilzentrums und zu verschiedenen Stellen aus der Verwaltung entstanden ist. Auch zu anderen bezirklichen Medien pflegen wir den freundschaftlichen Kontakt. Freien Initiativen, Einrichtungen und Projekten stehen wir ebenso offen gegenüber, wie jedem Bürger, der ein berechtigtes und für den Bezirk interessantes Anliegen hat. Und letztendlich nutzen wir natürlich die Stadtteilzeitung um auf unsere Arbeit in den Einrichtungen von der Kita bis zum Seniorenzentrum aufmerksam zu machen, auf Veranstaltungen hinzuweisen und um auf die Fachkompetenz unserer Mitarbeiter zu den jeweiligen Leitthemen zurückzugreifen.

Themenwahl
Die Arbeit mit Leitthemen zur Zeitung haben wir vor einigen Jahren eingeführt. Einmal jährlich wird ein „Themenfahrplan“ in Absprache mit den ProjektleiterInnen des Stadtteilzentrums und den RedakteurInnen erstellt. Gemeinsam mit den Redaktionsschluss-Terminen wird dieser Plan am Ende des Kalenderjahres zur Verfügung gestellt. Unsere Berichterstattung steht in keiner Konkurrenz zu den Tagesmedien oder gar zum Internet. Beiträge sind von langer Hand vorbereitet, wir suchen Fachleute zu entsprechenden Themen und beleuchten sie aus den verschiedensten Blickwinkeln. Spannend und vielseitig ist die Arbeit an so einer kleinen Zeitung. So gab es schon unzählige Geschichten von Menschen, die uns echte Bewunderung und manches Staunen abverlangt haben.

Aus dem kleinen Nachbarschaftsboten ist eine kleine stattliche Zeitung geworden. Über 100 Ausgaben werden Sie im Archiv finden und die Entwicklung der letzten Jahre wird weiter gehen. So überlegen wir immer wieder, wie wir die Ausgaben den Bedürfnissen und den Wünschen der Leser anpassen können, aber auch wie wir die zeitlichen technischen Möglichkeiten nutzen können. Nur eins wird sich an der Stadtteilzeitung Steglitz-Zehlendorf nie ändern – bei uns steht der Mensch im Mittelpunkt!

Anna Schmidt
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit Stadtteilzentrum Steglitz e.V.
http://www.stadtteilzentrum-steglitz.de