Geschwister – Familienbande

Lästiges Übel oder Gewinn für´s Leben?

Geschwister_24082013_webIch gehöre dazu. Ich bin sogar eine von Fünfen. Das Zweite von fünf Kindern. Ältere Schwester, jüngere Schwester und zwei jüngere Brüder. Nur ein „großer“ Bruder blieb mir verwehrt, sonst kann ich in jeder Hinsicht bei diesem Thema mitreden. Aber einfach ist das nicht unbedingt.

Als wir klein waren, haben wir uns überhaupt keine Gedanken darüber gemacht. Wir waren halt immer viele. Und wo viele sind, werden es auch immer mehr. Freunde waren bei uns immer im Haus, das gehörte dazu, fiel nicht weiter auf und zu irgendwem würde das zusätzliche Kind schon gehören. Ob es Freund oder Freundin von der großen Schwester oder einem Bruder war, das spielte gar keine Rolle. Das haben wir auch alle sehr genossen, war doch immer etwas los. Bei so vielen Kindern hat immer jemand eine Idee, was man anstellen könnte.

Später in der Schule fiel uns dann schon auf, dass die Augen doch manchmal sehr groß wurden, wenn wir erzählen (mussten), dass wir fünf Kinder zuhause waren. Bei den Erwachsenen konnten wir die Blicke nicht deuten. War es das Mitleid mit unseren Eltern, die uns durchbringen mussten oder die Bewunderung, dass sich jemand so etwas noch zumutete. Kamen wir vielleicht sogar aus ärmlichen Verhältnissen? Bei den Jugendlichen war es eigentlich immer Solidarität. Bei uns war immer etwas los, es gab immer etwas zu erzählen, es gab immer etwas zu essen und es gab (fast) immer etwas zu Lachen. Und wir haben etliche Einzelkinder in allen Zeiten erlebt, die sich sehr wohl bei uns fühlten.

Natürlich gab es auch Streit. Bei fünf Kindern ist es vollkommen natürlich, dass der eine zum anderen besser passt oder eine andere Konstellation überhaupt nicht geht. Aber damit lernt man umzugehen und letztendlich auch die Erkenntnis zu schätzen, dass man gerade trotz der hohen Kinderzahl doch einzigartig ist und nicht in einen Topf gehört. Und man lernt mit der Zeit, die Stärken und Schwächen der Geschwister zu nutzen. Ist der eine der kreative Kopf, der andere der stille Philosoph, gibt es immer auch den starken Redner, den logischen Denker oder den tatkräftigen Bauchmenschen. Geschwister ergänzen sich im Idealfall, stärken sich den Rücken und ziehen eine unglaubliche Kraft aus dem Gemeinschaftsgefühl. Streit gehört dazu, um immer wieder die Stärke zu messen und Grenzen abzustecken, um dann wieder den sprachlosen Eltern mit diesem entwaffnenden „War doch gar nicht so schlimm“-Lächeln entgegen zu leuchten!

Und oft genug war uns vollkommen klar, dass wir eine eingeschworene Bande sind – wir fünf gegen den Rest der Welt. Hat einer ein Problem, stehen vier zur Seite – bis heute. Heute sind wir erwachsen, leben alle in verschiedenen Städten, und drei Geschwister sind verheiratet und haben eigene Familien. Dennoch ist das Band geblieben. Die Ehemänner mussten mit der geschwisterlichen Verbundenheit umgehen lernen. Wir pflegen intuitiv einen sehr engen Kontakt, und uns wird gerade im Alter bewusst, wie sehr wir uns gegenseitig brauchen. Sind die Geschwister doch die Menschen, denen ich nichts erklären muss. Sie wissen, in welchem Muster ich denke und wissen nach einem Wort von mir, wie es mir geht. Wir geben uns gegenseitige Geborgenheit, finden immer Verständnis und können mit unzähligen Geschichten und Erinnerungen alles um uns herum vergessen.

Wenn wir von anderen hören, dass Familienbande gebrochen sind, kein Kontakt mehr zu Geschwistern besteht oder nur noch Konflikte das Miteinander bestimmen, macht uns das sehr traurig und sprachlos. Aber es macht uns auch unendlich dankbar – wissen wir doch, was wir an einander haben!

Der beste Freund …

Hundehaltung in der Stadt – mit Sicherheit keine einfache Sache.

Der Golden Retriever ist allgemein als Familiehund und für sein ruhiges Gemüt bekannt. Aber auch dieser hübsche Gefährte kann ohne vernüftige Erziehung für seine Familie zur Belastung werden und mit seinen starken Zähnen schmerzhafte Bisse verursachen.

Der Golden Retriever ist allgemein als Familiehund und für sein ruhiges Gemüt bekannt. Aber auch dieser hübsche Gefährte kann ohne vernüftige Erziehung für seine Familie zur Belastung werden und mit seinen starken Zähnen schmerzhafte Bisse verursachen.

Untersuchungen belegen, dass Hundehalter deutlich weniger Herzinfarkte erleiden, auffällig weniger stressanfällig sind und grundsätzlich gesünder leben. Dennoch ist der gesundheitliche Aspekt wohl der seltenste Grund, sich so einen flauschigen Spielkameraden ins Haus zu holen und damit eine jahrelange Verantwortung – auch der Gesellschaft gegenüber – zu übernehmen.

Hundebesitzer sind gefordert, das Zusammenleben mit ihrem Vierbeiner so zu gestalten, dass kein anderer belästigt, beeinträchtigt oder gar verletzt wird. Er trägt die Verantwortung, sein Tier so zu verstehen, dass der Grundgehorsam erfolgreich gelernt werden kann und eine Beeinträchtigung all derer vermieden wird, die Hunde ganz einfach nicht leiden können oder auch Angst vor ihnen haben.

Aber auch hier können nur durch gegenseitige Rücksichtnahme und Verständnis Konflikte vermieden werden. Ärger entsteht, wo beispielsweise ignorante Hundeliebhaber ihren Lieblingen unkontrollierten freien Lauf lassen, Hinderlassenschaften liegen lassen und so tun, als ob ihr Tier keine Zähne hat. Nur wer die Natur und das Wesen des Hundes versteht, ihn zu Gehorsam erzieht, ängstliche Menschen, Kinder, Jogger und Radfahrer respektiert, kann letztendlich auch mit Freude und gutem Gewissen seinen Hund in der Stadt ausführen.

Aber auch die anderen, die ohne Hund leben, sollten ein paar Regeln kennen, zur eigenen Sicherheit und aus Respekt dem Tier gegenüber. Hunde verstehen keine Sprache, sie kennen nur eindeutige Laut- oder Sichtzeichen. Sie reagieren auf Körperhaltungen, Bewegungen und letztendlich – ganz wichtig – sie spüren Emotionen. Merkt ein Hund Angst bei einem Menschen, wird er automatisch der dominantere Part und der Mensch seine Beute. Es ist fast unmöglich einem Hund seine Stimmung zu verbergen, aber mit ein paar kleinen Tricks, kann man sie dennoch bestens ablenken und einer Konfrontation aus dem Weg gehen, sollte, warum auch immer, der Hundehalter nicht in der Nähe sein.

Wenn Sie einem freilaufenden Hund begegnen … wird er sich in der Regel nicht für Sie interessieren. Da bietet die Natur spannendere Gerüche und Geräusche als so einen unbekannten Menschen. Sollte er doch aktiv auf Sie zukommen, sollten Sie sich nicht über ihn beugen und ihn streicheln. Versuchen Sie möglichst ruhig und entspannt zu bleiben. Gehen Sie ruhig weiter, schauen Sie ihm nicht in die Augen und vermeiden Sie ruckartige Bewegungen oder Fuchteln mit den Armen. Sie dürfen auf gar keinem Fall nach ihm treten, das versteht er als Aggression. Je ruhiger und selbstsicherer Sie auftreten, desto schneller verliert er das Interesse an Ihnen. Laufen Sie ganz normal weiter, Wegrennen versteht er als Flucht oder Spiel.

Wenn Kinder Hunden begegnen … kann es schnell gefährlich werden, wenn sie ein paar wichtige Grundregeln nicht kennen. Kleinen Kindern sollte man frühzeitig bewusst machen, dass Hunde, gleich welcher Größe, gefährlich werden können, besonders, wenn man sie erschreckt oder ärgert. Aber ein grundsätzliches Angstmachen ist ebenso fatal, wie alle Hunde „süß“ finden. Kinder sollten lernen, sich in Gegenwart eines Hundes ruhig zu verhalten, besonders, wenn sie ihn nicht kennen. Ein fremder Hund darf nur gestreichelt werden, wenn der Besitzer vorher gefragt wurde. Und auch dann reicht man erst dem Hund die Hand, damit er schnuppern kann. Dann darf gestreichelt werden, aber auch für Kinder gilt, sich nicht über den Hund zu beugen, ihn festzuhalten oder ihm in die Augen zu schauen. Heftiges Spielen sollte in jedem Fall vermieden werden, bei dem ein Kind stürzen kann und hinfällt. Hier sollten Erwachsene rechtzeitig eingreifen und die Situation wieder beruhigen. In einer bedrohlichen Situation sollte das Kind lernen, möglichst ruhig stehen zu bleiben und die Arme am Körper zu halten. Auch Spielsachen oder Dinge in der Hand sollte es fallen lassen, um für den Hund uninteressant zu werden. Lautes Schimpfen mit Kind, Hund oder Hundebesitzer ist in einer bedrohlichen Situation nicht hilfreich, bewirkt eher das Gegenteil, nämlich, dass der Hund beschützen will. Im Ernstfall, wenn ein Kind angegriffen wird, muss es sich zusammenrollen, mit den Armen Nacken und Gesicht schützen. Diese Verhaltensweisen müssen mit dem Kind in einer ruhigen Situation besprochen werden. Aber – ein Kind darf niemals mit einem Hund alleine gelassen werden.

Wenn Hunde einem Jogger hinterher laufen … sind diese zu Recht meist sehr verärgert. Aber sie entsprechen mit ihren Bewegungen einem Beutetier. Sollte ein Hund ihnen nachlaufen und bellen, laufen Sie immer langsamer in gleichbleibenden Bewegungen. Nicht mit den Armen fuchteln und ruhig atmen. Lässt er nicht von Ihnen ab, bleiben Sie stehen, reden Sie ruhig mit ihm und geben Sie deutlich den Befehl „Sitz“ oder „Platz“. Dabei sehen Sie ihn kurz an und deuten auf den Boden. Gehen Sie anschließend ruhig weiter.

Wenn der Hund einen Radfahrer jagt … gilt das gleiche wie bei dem Jogger. Fahren Sie immer langsamer, bis Sie zum Stillstand kommen. Reden Sie ruhig mit ihm und geben Sie den Befehl „Sitz“ oder „Platz“ – die meisten Hunde können das. Sie sollten aber als Radfahrer auf keinen Fall versuchen, unüberlegt auszuweichen oder schneller zu werden, das zieht eher eine Verletzung nach sich als durch den Hund.

Wenn Hunde Hunden begegnen …  gilt am Besten – Finger weg. Die meisten Hunde regeln das von alleine und wollen ihren Artgenossen nur begrüßen. Die Begrüßung, ohne dass einer der Hundeangeleint ist, ist auch meist friedlich. Mit Leine wird es schon schwieriger und da kommt es auf die Kenntnis des Hundehalters seines Hundes an. Sollte es doch zu einer Beißerei kommen, ist Dazwischengehen meist gefährlicher als es der Anlass wert ist und eher werden Sie verletzt als der Hund, dies ist wirklich gefährlich.

Wissen muss man im Umgang mit Hunden, dass Hunde Rudeltiere sind und eine Rangordnung brauchen, um sich wohlzufühlen. Je dominater, ruhiger und selbstsicherer der Mensch ihm begegnet, desto ruhiger verhält sich auch der Hund. Hunde, die sich auffällig verhalten oder unangenehm auftreten, spiegeln die Erziehungsfehler ihrer Halter wieder. Wenig bekannt ist, dass Hunde bis ins hohe Alter lernfähig bleiben und Verhalten korregiert werden kann.

Letztendlich gilt, dass ein gut erzogener Hund seinem Halter viel Freude machen kann, Gesundheit erhält und Kontakte schafft. Solch ein Hund wird auch nicht zum Ärgernis für andere Menschen und fügt sich bestens ins Stadtbild ein. Aber auch für die Nicht-Hundefreunde gilt – ein bisschen Entgegenkommen und Verständnis für den Hundefreund, ein bisschen Kenntnis des Hundedenkens macht den Hund letztendlich doch zum besten Freund des Menschen.

 

Stadtteilzeitung Steglitz-Zehlendorf – Nr. 157, Mai 2012

Ein Tag ohne Multikulti. – Geht das überhaupt?

Um es gleich vorweg zu sagen – ich bin blond und blauäugig, also germanischer Abstammung. Auch mein Name ist rein deutsch und so kann ich von der Ursprungsgeschichte her schon mal versuchen, einen „rein-deutschen“ Tag zu erleben.

Wach werden … ich habe Glück, denn ich wache immer vor meinem Wecker auf, um ihn rechtzeitig auszustellen. Er ist aus Taiwan. So gehe ich erstmal in die Küche – nein, heute gibt es keinen Kaffee aus Kolumbien, der gute alte Pfefferminztee aus dem Garten muss reichen, um ganz wach zu werden. Im Badezimmer wird es dann schon schwieriger. Zähneputzen mit Colgate geht nicht, der war Amerikaner, also Ajona von einem Schwaben. Beim DuschDas habe ich wieder Glück, die Firma wurde zwar von einem Niederländer, aber auf deutschem Boden gegründet, die weitere Firmengeschichte unterschlage ich hier lieber. Aloe Vera Produkte zum Eincremen sind heute tabu – die Pflanze gibt es nicht in unseren Breitengraden. Beim Anziehen muss ich einfach streiken, denn auch die Baumwolle kommt ursprünglich aus Asien, aber der Herr Fugger hat sie wenigstens ab dem 14. Jahrhundert in Deutschland verarbeitet.

Fertig für den Hundespaziergang habe ich das nächste Problem. Mein Hund ist ein Golden Retriever, eine englische Rasse. Aber er schaut mich mit so bittenden Augen an, dass ich beschließe, mir für einen Tag einzubilden, er sei ein deutscher Schäferhund. Um meine Hundefreunde muss ich heute einen großen Bogen machen. Die eine Freundin kommt aus der Ukraine und die Hunde sind ausnahmslos „Ausländer“. Also gehen mein Hund und ich ganz alleine und einsam am Kanal entlang … und so ein Mist – ausgerechnet heute begegnet mir der nette alte asiatische Herr, der mich immer herzlich grüßt, obwohl wir uns gar nicht kennen. Ich ignoriere ihn und hoffe, dass er mir beim nächsten Mal verzeiht.

Hunderunde geschafft, jetzt noch schnell Brötchen holen. Nein, heute gibt es nicht die günstigen, die als Rohlinge aus Asien eingeflogen werden. Heute muss ich die teuren Brötchen beim Bäcker um die Ecke kaufen, denn das deutsche Handwerk hat (zu recht) seinen Preis. Das Frühstück überstehe ich noch recht gut. Es gibt genug, was das deutsche Land zu bieten hat, aber auf so eingedeutschte Besonderheiten wie Croissants oder Cappuchino muss ich schon verzichten.

Jetzt wird es schwierig, ich muss zur Arbeit gehen. Mein Auto kann ich stehen lassen, denn das kommt aus Tschechien. Aber die 20 Minuten Fussweg überstehe ich ganz gut. Ich überlege mir schon einmal was es zum Abendessen geben soll. Salat kommt nahezu immer aus Holland und auch viele Gemüsesorten wie Paprika, Zucchini, Auberginen oder Mais gibt´s nicht bei uns. Also Kartoffeln mit Kohl und Bratwürstchen, meine Kinder werden wohl kaum begeistert sein. Und auch beim Obst kann ich nicht punkten, denn Bananen, Ananas, Apfelsinen, Melonen und viele andere sind in deutschen Gärten nicht zu finden. Also Pflaumenkompott, es ist ja sowieso Herbstzeit.

Bei der Arbeit muss ich wieder ganz schön mogeln, denn eigentlich darf  ich meinen geliebten PC nicht mal anschauen. Alle technischen Komponenten, die ich zum Arbeiten brauche, stellen schon alleine eine halbe Weltreise dar. Also schreibe ich vorsintflutlich meine Texte mit einem Bleistift, doppelte Arbeit, grummel! Telefonieren ist heute auch nicht, das Handy kommt aus Korea. Ja, und dann mache ich am besten meine Bürotür zu, denn einige liebe KollegInnen kommen aus der Türkei, aus Serbien, aus Polen, aus Schwaben … ok, die Schwaben lassen wir gelten.

Mittagessen und Mittagpause – die  Dönerbude, der Chinese, die Pizzeria, der Mexikaner, der Sushi-Laden fällt aus. Currywurst geht, Pommers auch, der Hamburger ist gestrichen. Dann  verkümmel ich mich doch lieber mit der guten alten Butterstulle mit Leberwurst auf eine Parkbank – und denke nach: Ich gebe auf! Ein Leben ohne Multikulti ist für uns gar nicht möglich und außer einer schrecklichen geschichtlichen Epoche gab es nie einen rein-deutschen Staat. Selbst Preußen war ein Vielvölkerstaat und Zufluchtsland für viele Verfolgte und Andersgläubige (wie Hugenotten, Holländer und Russen). Gleichgültig, was wir anfassen und tun, wohin wir uns bewegen, worüber wir sprechen, in welchen Kreisen wir uns aufhalten – es gibt schon lange kein unbeeinflusstes deutsches Leben mehr.

Die Welt ist bunt und global geworden, die Grenzen sind fast auf der ganzen Welt offen und auch das Internet lässt uns am Leben des ganzen Erdballs teilhaben. Wir haben die Freiheit, uns überall zu bewegen und zu leben. Aber eins müssen wir noch gewaltig in unserer Umgebung verbessern – die Toleranz zu üben  und den enormen Gewinn des Multikulti in unseren kleinen Lebenskreisen zu nutzen.

Stadtteilzeitung Steglitz-Zehlendorf – Ausgabe 162, November 2012