Nur alte Familiengeschichten?

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Es geht mir seit Tagen durch dem Kopf: Durch die Blogparade, die eine Resonanz bekommen hat mit der ich nicht gerechnet hatte, habe ich viele bewundernswerte Beiträge gelesen, die sich für eine offene, tolerante Gesellschaft aussprechen. Beiträge, die sich gegen Menschenverachtung und die Diskriminierung nicht nur von Menschen, sondern auch unserer Werte und Freiheiten richten. Beiträge, die mir Mut und Hoffnung machen und zeigen, dass ich mit meinen Ansichten in keiner Weise alleine bin. Wenn ich vom Blog in soziale Medien wechsele kommt die Ernüchterung durch zahlreiche Nachrichten aus der aktuellen Lage im Land. Lese ich dort, stellen sich mir immer wieder die Fragen: Wie kann es kommen, dass so viele Menschen nach Rechts tendieren oder mit unfassbarer Gleichgültigkeit, Dinge hinnehmen, die weder zeitgemäß sind, noch in ein modernes Land passen? Lesen sie nicht? Hören sie nicht zu? Begreifen sie nicht oder haben alles vergessen, was aufgeschrieben und erzählt wurde?

Natürlich kann man jede Haltung mit Unzufriedenheit über Politik, über Schwächen im sozialen System, über Berührungsängste und vielem anderen erklären. Aber das allein lässt nicht wirklich begreifen, warum Menschen Parteien wählen, die sie selber in letzter Konsequenz in ihren Freiheiten und Rechten massiv einschränken würde. Ich fürchte fast, dass es mit etwas zusammenhängt, was Uwe Junge von der Partei sagt, die eben keine Alternative ist: „Wir dürften die deutsche Geschichte nicht allein auf die 12 Jahre des Krieges reduzieren. Es wäre natürlich ein Schandfleck der deutschen Geschichte, wäre beileibe aber nicht alles, was die deutsche Geschichte ausmacht.“ Das hört sich rein rational richtig an. Es lässt aber vollkommen außer Acht, wie es zu diesen 12 Jahren kommen konnte und welche Auswirkungen eben diese Jahre nicht nur auf mehr als 6 Millionen tote Menschen hatte, sondern auch auf die Bevölkerung dieses und vieler anderer Länder sowie nachfolgenden Generationen bis heute. Hin und wieder höre ich auch, dass Leute sagen, sie wären im Krieg nicht dabei gewesen, hätten damals noch nicht gelebt, es wäre so lange schon vorbei und müsse auch mal gut sein. Muss es nicht, denn das was wir aktuell erleben, hat seinen unmittelbaren Ursprung in eben jener Zeit. Sind wir Geschichtsmüde geworden?

Doch bevor ich über andere urteile, muss ich bei mir selber schauen. Wenn ich das diesbezüglich tue, stoße ich oft und immer wieder über die in diesem Land ungeliebte Geschichte. Natürlich könnte ich versuchen darüber hinwegzusehen, es ignorieren oder leugnen, aber es hat direkt mit mir selber zu tun und wenn ich das verstehe, kann ich vielleicht auch die anderen verstehen. Ein Beispiel: Wir räumen das Haus der Schwiegermutter leer. In einer Schublade sind verschiedenste Unterlagen gesammelt. Darunter ist ein unscheinbarer A5 Umschlag. Als wir ihn öffnen, finden wir einen 10-seitigen Bericht eines Marinearztes, der die Zerstörung der Stadt Lübeck in der Nacht vom 28.3.1942 beschreibt. Es sind 10 Schreibmaschinenseiten, kein Durchschlag, dabei liegen zwei Zeitungsartikel in alten Drucklettern gesetzt, die den persönlichen Bericht unterstützen. Es ist ein Dokument, das uns erschüttert. Wir finden in der Kürze nicht heraus, was es mit der Familiengeschichte zu tun hat oder wie es in diese Schublade kam. Wir werden uns damit beschäftigen müssen. Ein zweites Beispiel: Ich stehe in einer Buchhandlung und sehe ein Buch in der Auslage. Der Titel besteht aus einem Wort und ich weiß sofort, dass ich angesprochen bin, dass dieses Buch von meiner Generation erzählt und ich es kaufen werde. Es heißt „Kriegsenkel“, wurde von Sabine Bode geschrieben. Erst später erfahre ich, dass es drei Bücher sind – „Die vergesse Generation“ und „Kriegskinder“ runden die Reihe ab. Die Bücher behandeln die Kriegstraumata unserer Großeltern und Eltern, die bis in die heutigen Generationen hineinwirken. Es ist so logisch und klar, was in diesen Büchern beschrieben wird, insbesondere ist es aber eine klare Auseinandersetzung damit, dass wir uns eben nicht mit der Vergangenheit in ausreichenden Maßen beschäftigt haben. Solche Beispiele laufen mir immer wieder über den Weg.

Es gibt keine Familie bei uns, die nicht irgendwo verdrängte Erlebnisse aus der Kriegs- und Nachkriegszeit hat, die nicht von der Teilung Deutschlands und der Wiedervereinigung betroffen war und ist. Es wurde zu keiner Zeit gerne darüber geredet, was diese Ereignisse mit den Familien gemacht haben und wie Lebensläufe dadurch verändert und beeinflusst wurden. In den Schulen wurde viel über die NS-Zeit gelehrt, im öffentlichen Bewusstsein das Gedenken hochgehalten, was es aber im engsten Kreis für Nachwirkungen mit sich zog, wurde stillschweigend erlebt und hingenommen. So gab es beispielsweise in meiner Großelterngeneration zwei politische Richtungen. Die eine Familie lebte und begrüßte das nationalsozialistische Gedankengut. Darin wurde mein Vater groß. Die andere Familie lebte nach sozialistischen, eher kommunistischen Lehren, worin meine Mutter aufwuchs. Meine Eltern habe ich nicht anders erlebt als weltoffene und an fremden Nationen interessierte Menschen. Mit den einen Großeltern war ein Gespräch über Vergangenheit unmöglich, die anderen sprachen oft darüber. Mein Vater sprach oft über Toleranz, Menschenachtung, Motivation und Wertschätzung und es war ein dringendes Bestreben in ihm, das seinen Kindern mitzugeben, in einer Intensität, die uns Kinder eher belastet hat. Warum er, aus einem nationalsozialistischen Elternhaus kommend, seine Ansichten und sein Leben so drastisch änderte, konnte auch meine Mutter nicht mehr beantworten. Heute würde ich andere Fragen stellen als damals. Ihn kann ich nicht mehr fragen.

Auch in der Familie meines Mannes hat die Vergangenheit gravierende Spuren hinterlassen. Sie haben Nachwirkungen bis heute: Die demente Schwiegermutter beschwört von Zeit zu Zeit immer wieder, dass die Papiere des Vaters nicht den Russen in die Hände fallen dürften. Die Familie war Jahrzehnte durch die jeweils Herrschenden schwer belastet. Als Sozialdemokrat unter NS-Herrschaft wurde der Großvater meines Mannes inhaftiert, konnte sich aber durch hohe Fürsprecher in der Marine und im NS-Stab über die Zeit retten. In der DDR Zeit wurde er als NS-Verfolgter nicht enteignet, musste aber Haftzeiten und Repressalien wegen seiner offenen Meinung ertragen. Schulbesuche und gewünschte Ausbildung- und Studiengänge der Kinder wurden immer wieder deshalb blockiert. Letztendlich ist mein Mann ein mit 6 Jahren aus der DDR freigekauftes Kind, damit er bei seiner Mutter im Westen aufwachsen konnte. Die Teilung Deutschlands trennte Geschwister auf Jahrzehnte.

Es sind so viele Ereignisse und Umstände, die bis heute Auswirkungen haben und nicht wirklich verarbeitet sind. Die unterdrückten Erlebnisse und Emotionen der Eltern- und Großelterngeneration wirken bei uns nach, so sehr man auch verstehen kann, dass sie erst mal vordergründig wieder ein ’normales‘ Leben haben wollten. Ich denke, dass unsere Kinder die erste Generation in Deutschland sind, die weitgehend unbelastet von der Vergangenheit aufwachsen. Ihnen ist das Gefühl, vor einer Mauer zu stehen und ein- oder ausgeschlossen zu sein, nicht mehr zu erklären. Ihnen muss klar gemacht werden in welchen Luxus an Freiheit sie aufwachsen und welches Glück sie haben „zufällig“ in diesem sicheren Teil der Erde aufwachsen zu können. Um ihnen das klar zu machen, müssen wir den Älteren zuhören und sie erzählen lassen – ihnen zur Entlastung und uns zur Warnung. Dabei geht es in keiner Weise um Schuld. Geschehenes ist vorbei, nicht wieder gut zu machen und jeder handelt aus seinem aktuellen Konsens heraus. Es geht auch nicht um Scham, denn wer von uns könnte beschwören, dass er aus Angst nicht nachgibt. Es geht darum zu verhindern, dass es wieder passiert. Darum, den Jüngeren bewusst zu machen, was wir zu erwarten haben, wenn wir uns zu leicht beeinflussen und blenden lassen.

Geschichtsbewusstsein darf nicht müde werden, aber vielleicht hören von den Jüngeren mehr zu, wenn sie hören: „Ich habe erlebt …!“ statt „Im Jahr 1943 flogen die Alliierten …!“ Wenn sie merken, dass die Erlebnisse tatsächlich mit uns persönlich zu tun haben, als wenn es Seiten in einem Buch sind, die für die nächste Klausur gelernt sein müssen. Mit sich selber ehrlich sein – Fragen, wen wir noch fragen können – versöhnen, wenn die Möglichkeit besteht … wären Wege Geschichte zu bewältigen. Niemals verstehen werde ich diejenigen, die all dies von sich weisen, offenen Auges und bewusst in die nächste Katastrophe hineinrennen – und wie viele Tausende mitreißen …

35 Kommentare zu “Nur alte Familiengeschichten?

  1. […] sie mich einmal „Was kostet ein Menschenleben!“, weshalb der Beitrag entstand. Als ich „Nur alte Familiengeschichten“ veröffentlicht hatte, dauerte es nicht lange bis sie zu mir rüber kam und meinte, sie hätte […]

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  2. Flowermaid sagt:

    … es gibt einfach Hilfsparalelwelten… bitte nicht vermischen, damit wäre keinem Gedient … ein Geschöpf, das sich nicht artikulieren kann ist für mich das unterste Glied in der Kette!!! Danke für deinen Beitrag Anna und all die engagierten Kommentatoren auf deinem Blog… herzlichst ein Blumenkind

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  3. Ich habe im Nachlaß meiner Eltern einen Ahnenpass für meinen Vater (sog. Ariernachweis) gefunden, der aber noch nicht behördlich abgestempelt war. Warum haben die das aufbewahrt, weil über die Zeit wollten oder konnten sie ja nie sprechen? Antwort leider nicht mehr möglich.

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  4. Hat dies auf Freidenkerins' Weblog rebloggt und kommentierte:
    Nach diesem Wahlsonntag ist es dringender und wichtiger denn je, die ungezählten Geschichten über unsere Vergangenheit, über Krieg, Tod, Leid und Verderben, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen…

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  5. Liebe Anna,
    ein ganz toller und berührender Beitrag und es kann gar nicht oft genug drüber geschrieben werden !!!
    Da ich schon zu der etwas älteren Generation gehöre (zwar auch Nachkriegskind), aber doch noch einiges bewusst erlebt habe, fehlen mir die Worte, zu dem, was heute in Deutschland abgeht.
    Wie hirnlos muss man sein, wenn man Menschen folgt, die heute wieder zum HASS aufrufen und wahrlich nichts aus der Geschichte gelernt haben.

    Hoffen wir trotzdem auf die vernünftigen Menschen in Deutschland.

    LG Uschi

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  6. Antonia sagt:

    Wie Recht du hast. Ich glaube, dass jeder von uns in seiner Familie so einen Bezug finden könnte, wenn das Schweigen gebrochen würde. Ich habe das Glück, eine neugierige Historikerin als Mutter zu haben, die in solchen Fragen nie locker lies. Sie fand viele abschreckende Details heraus, zB über ihre psychisch kranke Tante, die von den Nazis umgebracht wurde, ihre Großmutter die sich darauf hin selbst das Leben nahm, über Menschen, die meine Oma im Kuhstall versteckte und Soldaten, die sie vermutlich vergewaltigten, usw. Nicht alles lässt sich heute mehr genau nachkonstruieren und meiner Oma hat meine Mutter einst versprechen müssen, meinen Großvater nie danach zu fragen. Dennoch tat sie es kurz vor seinem Tod, woraufhin er nur stöhnte: „Ich wusste es, dass sie dir DAS auch noch erzählt hat!“ Mehr kam leider nicht und man kann nur ahnen, welche Bedingungen, welcher Schmerz und welche Erfahrungen mit diesem eisernen Schweigen einher gehen. Trotzdem kann ich nur allen empfehlen, solche unbequemen Fragen älteren Verwandten zu stellen, auch wenn es scheinbar nie passt. Meine andere Oma antwortete auf eine solche Frage irgendwann, sie habe das nicht gewusst, was eine Stunde entfernt in Buchenwald geschah, aber sie habe es auch lieber nicht so genau wissen wollen. Manchmal denke ich heute, wie oft schauen wir nicht hin, verkriechen uns im Alltag… Werden unsere Kinder irgendwann fragen, warum habt ihr das zugelassen? Wie konnte es soweit kommen?

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    • Liebe Antonia, stell dir die Bedrückung vor die solch ein Schweigen auslöst und unter dem Menschen Jahrzehnte leben. Das stelle ich mir unglaublich belastend vor. Ich habe auch das Gefühl, dass es immer als eine Art Nestbeschmutzung gesehen wird, wenn alte Dinge erzählt werden sollen. Aber darum geht es ja nicht, sondern nur ums verstehen. Weil eben die Frage „Warum habt ihr das zugelassen!“ ungefragt schon weh tut. Lieben Dank für deinen berührenden Kommentar!

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  7. Man muß auch beachten, daß der Mist in den sozialen Medien größer erscheint, als er ist, weil es sich derart schmerz- und sinnbefreit einfach lockerer postet. Da wird sich keine Platte mehr gemacht, ob jemand einen bestimmten Tweet blöd finden könnte – im Gegenteil, das ist gerade das Ziel.
    Außerdem stacheln sie sich in ihren Echokammern noch gegenseitig an.
    Das sind mediale Ecken, wo die Sache größer aussieht, als sie ist.
    Folge: Man glaubt selbst, zu einer Minderheit zu gehören. Stimmt derzeit zum Glück (noch) nicht, wie man bei der Blogparade sieht. Daher nochmal vielen Dank für die Initiative!

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    • Womit du natürlich recht hast. Trotzdem darf man die Macht der Medien bei weitem nicht unterschätzen. Die Wahl der Quellen wird immer schwieriger. Das was du hier ansprichst ist eine Rüge an die Medien und anonymisierte Nutzer überhaupt. Allerdings habe ich den Eindruck, dass es den Medienmachern durchaus bewusst wird, ihr Image wieder zu verbessern. Schwarze Schafe und an Klick-Zahlen orientierte Medien wird es immer geben. Aber ist es nicht eben gefährlich zu glauben, eine Sache sein größer als man glaubt? Ist das nicht genau das Ding mit den Nicht-Wählern?

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      • Klar. Diejenigen, die sich darüber freuen, glauben ja auch, daß die Sache größer ist, als sie ist, und trauen sich dadurch, mit ihrer Gülle aus ihren Löchern zu kommen. So wird das zur self-fulfilling prophesy.
        Medienstrategie: Fake it till you make it.
        Da geb ich Dir recht. Bloß man darf auch nichts zu früh verloren geben, darum ging es mir.

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  8. einestimmesuchtandere sagt:

    Liebe Anna,
    die anderen Teile findest du dann unter „weitere Beiträge“,
    sehr sehenswert,finde ich

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  9. einestimmesuchtandere sagt:

    Liebe Anna,
    nachdem mich die Art und Weise sehr an die Weimarer Republik erinnert, hier ein Link zur ZDF Mediathek, der letzte Teil einer Trilogie,
    http://www.zdf.de/ZDFmediathek/hauptnavigation/live#/beitrag/video/2690632/Geheimnisse-der-Weimarer-Republik-%283%29

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  10. gkazakou sagt:

    Es ist vielleicht hilfreich zu bedenken, dass auch Nicht-Deutsche eine Geschichte haben, die genauso reich an Fazetten ist, die genauso Keile in eine Familie treibt, die genauso schmerzt, verdrängt oder erinnert wird. (NB: In Deutschland leben viele Millionen Menschen, die nicht oder nur indirekt Teil der deutschen Geschichte sind. Auch sie sind Wähler.)

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    • Liebe Gerda, ich denke, dass sich dieser Text in Bezug auf Familiengeschichte auf jeden (Bürger-)Krieg und jedes Land übertragen lässt. Und allein in Deutschland lebten 2014 20 % der Menschen mit Migrationshintergrund. Wenn man die Aussiedler und Vertriebene seit 1945 dazu zählt, wird dieser Hintergrund weit höher als die offizielle Statistik sagt. Umso unverständlicher ist das Große Aufbäumen gegen Fremde/neue Freunde/Einwanderern. Zur Wahl gehen oder nicht, ist kaum eine Frage der Nationalität. Hoffen wir auf heute Abend …

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  11. Ronja sagt:

    Bring es auf einen einfachen, kleinen Nenner.
    Menschen haben Angst vor unbekannten Massen – aber wenn sie einmal jemanden als Einzelperson kennenlernen eröffnen sich Möglichkeiten zu sehen der / diejenige ist mir gar nicht unähnlich.

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    • Liebe Ronja, ich denke seit gestern Abend darüber nach: Ja, da gebe ich dir unbedingt recht und diese Erfahrung durfte ich mehrfach machen. Es war in jedem einzelnen Fall immer ein persönlicher Gewinn! – Trotzdem überlege ich die andere Seite: Will ich wirklich diejenigen im Einzelnen kennenlernen, die in der Masse Plakate gegen Flüchtlinge schwingen, hetzen und brüllen und anderes? Ich denke nein … auch die Erfahrung hat gezeigt, dass sie sich nicht überzeugen lassen wollen und für erstgenannte Erfahrung unzugänglich sind.

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      • Ronja sagt:

        Die Geschichte hat immer bewiesen (und wird es wohl auch in Zukunft tun) – einzelne integrieren sich leichter. Der Mensch tendiert als Art jedoch oft dazu, einer sagt und viele rennen nach. Kann gut sein und schlecht gleichermaßen. Menschen sind Individuen, nicht gleich.

        Es ist unmöglich ALLE kennen zu lernen. Als Masse ist das nicht wirklich machbar und genau da ist die Grenze des „kennen lernen“ erreicht.

        Es gab immer Zeiten, wo ein riesiger Schwung an Menschen (Völkerwanderung ala Mongolen und Co) plötzlich da war. Verändert hat sich eine Menge, unglaublich viel. Manchmal zum Guten, manchmal zum Schlechten. Wir stehen heute vor einer ähnlichen Situation – nur wissen wir nicht ob es gut oder schlecht wird.
        Leider haben wir gar nicht mehr die Chance noch einzelne wirklich kennen zu lernen – es sei denn in Ausnahmesituationen. Aber diese Ausnahmen können wir ergreifen – und vielleicht damit etwas besser machen. Aber ehrlich gesagt, wenn ich mir die Geschichte so ansehe, wird das ziemlich kompliziert werden.

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  12. kiki0104 sagt:

    Ich gebe Dir vollkommen Recht! Es ist unserer aller Vergangenheit und jetzt ist es brisanter denn je!

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  13. Anna-Lena sagt:

    Auch wenn unsere Generation den Krieg nicht miterlebt hat, sind wir doch davon betroffen, durch die eigenen Eltern, Großeltern und andere. Ich habe mal gelesen, dass auch unsere Generation traumatisiert ist und ich lasse keinen Film aus, der mir das Schreckenskapitel näher bringt, das zu begreifen auch ein Teil der Vergangenheitsbewältigung ist.

    Je mehr sich die europäische Haltung den Flüchtlingen gegenüber manifestiert, von der Willkommenskultur bis hin zu gefängnisähnlichen Lagern, verstehe ich umso weniger, wie es Menschen in Europa geben kann, die das aushalten können. Da geht es mir wie schnipseltipse, das sind keine Menschen mit Herz und Gefühl.

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    • Ich stimme euch beiden zu … noch dazu, wo wir eben diese Menschen brauchen um unsere immer älter werdende Gesellschaft zu halten. Es ist so traurig, dass viele die Zukunfts-Chancen, die durch die Flüchtlinge eröffnet werden einfach nicht sehen können. … Ich kann auch keine Film ausschalten, der um das Thema geht, obwohl ich mich bestens in der Geschichte auskenne. Ich weiß nicht, ob ich das jemals verstehen kann – damals nicht und heute nicht.

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  14. Was du im letzten Teil schreibst, stimmt so sehr. In Geschichtsbüchern ist alles zu trocken. Keiner will das mehr lesen, wenn es noch so viel anderes zu lernen gilt.
    Ich hatte eine Deutschlehrerin, die den Krieg als Kind erlebt hat, wie auch meine Oma.
    Ihnen zuzuhören macht das Grauen fassbar. Wenn eine 60 oder inzwischen 80jährige Frau davon erzählt und du merkst, wie ihr das heute noch nachhängt, DAS hinterlässt Spuren.
    Ich frage mich auch, wie blind man sein muss, und welch kaltes Herz man haben muss, wenn man die Bilder aus dem zerstörten Syrien gesehen hat, hier über die Flüchtlinge zu schimpfen zu können. Diese Leute sind innerlich tot.

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    • Ich hatte auch so einen Geschichtslehrer und bin ihm heute noch dankbar, dass wir Geschichte erleben durften. Noch dazu hat er immer den aktuellen Bezug hergestellt. – Ich verstehe die Leute auch nicht. Kürzlich sah ich einen Kommentar in einem Profil, der sich böse gegen Flüchtlinge stellte. Am nächsten Tag aber um Mitleid für Eichhörnchen warb. … Manche merken die Einschläge nicht mehr – einfach nur traurig.

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