Meine Mama hat gekocht …

Um 3 Uhr mitten in der Nacht bekommt Zorica eine Nachricht über WhatsApp. Eine andere Mutter, fragt, ob sie am Mittag ihren Kochdienst tauschen kann, weil sie kurzfristig einen Termin hat. Zorica fragt kurz, was gekocht werden soll, bekommt die Rückmeldung „Käsespätzle“, und dass alles eingekauft ist. Der Tausch ist abgesprochen und das Mittagessen im KiReLi gesichert. An diesem Tag gibt es keine hungrigen Bäuche im Kinderrestaurant Lichterfelde, das seit 2008 im KiJuNa – Kinder-, Jugend- und Nachbarschaftszentrum im der Scheelestraße angegliedert ist.

Hungrige Bäuche und ein Kinderrestaurant passen sowieso so gar nicht zusammen. Dafür schafft in der Regel Melanie, die Köchin, Abhilfe. Die Mutter von vier Kindern kocht jeden Mittag mit viel Liebe, Einfallsreichtum und vor allen Dingen nährstoffreiche Kost. Die Kinder, die regelmäßig das KiReLi besuchen, lieben Melanie. Ende Februar wurde sie jedoch krank und es zeichnete sich ab, dass es etwas länger brauchen würde, bis sie wieder zur Verfügung steht. Es fügte sich sehr positiv, dass Melanie für drei Monate einen Praktikanten bekam. Andreas wurde von Melanie als Küchenhilfe eingewiesen, bekam einen Einblick, wie man die richtigen Mengen wählt, wusste, wo alles steht und unterstützte sie. Nun stand Andreas allerdings allein in der Küche, außer an zwei Tagen in der Woche an denen ihm auch Marina hilft.

25 Portionen Essen werden jeden Tag im Kinderrestaurant gekocht. Vornehmlich essen die Kinder aus dem Schülerclub hier, aber es kommt immer mal weitere Kinder hinzu. 25 Portionen zu kochen ist für eine Küchenhilfe alleine auf Dauer zuviel. So sprangen immer wieder KollegInnen aus dem pädagogischen Team mit ein und halfen Andreas. Das war allerdings auch keine Lösung, haben die ErzieherInnen doch andere Aufgaben.

Natürlich erzählten die Kinder Zuhause von diesem Engpass und die ersten Eltern boten ihre Hilfe an. Hier überlegte Jonas, der Projektleiter des KiJuNa, nicht lange, musste das Kinderrestaurant doch offen bleiben. Das Team ging auf die Eltern zu, man besprach, wie es funktionieren könnte und schaffte die Voraussetzungen dazu. So kam es, dass ein Team von etwa 8 Müttern und Vätern sich in der Küche mit dem Kochen abwechseln. Dies mit Unterstützung von Andreas. Den Eltern steht die Wahl des Gerichtes frei. Ebenso, ob das KiJuNa-Team einkauft oder sie selber die Zutaten besorgen. Anja, aus dem Team koordiniert die wöchentlichen Einsätze der Eltern. Jonas erzählt, dass die meisten Eltern lieber selber einkaufen und dann gleich das Essen „spendieren“.

Die Kinder sind begeistert von dieser Lösung. Sie bekommen Lieblings-Gerichte aus den arabischen Ländern, Afghanistan, Serbien und vieles andere serviert. Jedes Elternteil kocht wie Zuhause und weiß natürlich, was die eigenen Kinder besonders mögen. Und je nachdem, wer gerade kocht, sitzt immer wieder ein anderes Kind im Kinderrestaurant und sagt stolz: „Heute hat meine Mama oder mein Papa gekocht!“.

Das besondere an dieser Situation ist, dass die Eltern ihr Engagement über viele Wochen aufrechterhalten. Jonas, der selber schon in der Küche stand, sagt er sei gescheitert. Nicht weil er nicht gerne und gut kocht, es sind die Mengen, die tatsächlich eine Herausforderung sind. Für ihn sei diese Situation auch besonders, weil die kochenden Eltern einen Einblick bekommen, was im KiJuNa alles den Kindern angeboten wird. Im Normalfall holen sie ihre Kinder ab und verweilen wenig. Andreas hat sein Praktikum nun beendet. Schade, weil die Kinder auch ihn lieb gewonnen hatten. Er hat in einer besonderen Situation wertvolle Unterstützung geleistet.

Zorica erzählt stellvertretend für die Eltern, dass ihr Engagement in der Küche eine Art Dankeschön ist. Von ihren Kindern ist eins in der Kita im Haus und zwei sind im Schülerclub. Aber bei allem, was die Kinder hier geboten bekommen, hätte auch sie selber immer Ansprache und Hilfe bekommen, wenn sie einen Rat brauchte. Das KiJuNa wäre wie eine Art zweites Wohnzimmer. Das KiReLi muss geöffnet bleiben, auch wenn es schwer zu bewerkstelligen ist bis Melanie wiederkommen kann – bisher wurde es immer geschafft. So bleibt, Melanie gute Besserung und Andreas alles Gute auf weiteren Wegen zu wünschen. Schließlich möchten wir uns bei dem tollen Elternteam sehr herzlich für ihr großes Engagement zu bedanken!


Das KiReLi – Kinderrestaurant Lichterfelde wird ausschließlich über spenden finanziert. Auch hier sind wir für jede Hilfe sehr dankbar! Spenden kann man über die Homepage des Stadtteilzentrum Steglitz e.V.

Ein Kommentar zu “Meine Mama hat gekocht …

  1. Danke für dieses eindrucksvolle Beispiel freiwilligen und migrantischen Engagements mit Selbstwirksamkeit, Teilhabe und reichhaltiger Gemeinschaftsküche. Gleichwohl befürworte ich, dass in der Mittagsbetreuung und Ganztagsschule die öffentliche Hand über prekäre Beschäftigungsverhältnisse hinaus für Qualität und Tarifbindung sorgen muss. Dafür wähle ich nicht nur bei der kommenden Europa-Wahl, dass die digitalen und anderen globalen Konzerne ihre angemessenen und fairen Steuern für diese Gemeinschaftsaufgaben bezahlen. Die Schulspeisung kann im Alltag auch Eltern- und Bürgerengagement mit einbeziehen. Gute Wünsche!

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